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Werbung für den Protest gegen das Unterrichtsgesetz zum 16. unv 17. Mat organtsirte Manifestation wurde von dem Communalrach zur Vermeidung von Confltcten, wie sie bei ähnlichen Anlässen früher vorgekommen sind, ver­boten.

Gent, 17. Mat, Abends. In Folge des Seitens des Communalrathes erlasienen Verbotes der von den Klerikalen behufs Protestes gegen das Unter- richtsgesetz beabsichtigten Kundgebungen sammelten sich auf den Straßen große Menschenmassen an. Mehrere Gruppen wurden durch Gensd'armen zerstreut und einige Verhaftungen vorgenommen. Im Uebrigen blieb btc Ruhe ungestört.

Rußland.

Petersburg, 15. Mat. Generat Totleben ist gestern Abend hier eingetroffen. DerRegierungsbote" veröffentlicht eine kaiserliche Verord­nung, wodurch der Beschluß des Mintster-Comttss, betr. die zeitweilige Ver­stärkung des Personals der Petersburger Polizei durch Errichtung von 230 neuen Revieraufseherposten genehmigt wird. Die Zeitungen nennen als eventuellen Nachfolger des Petersburger Stadthauptmanns Generals Suroff neuerdings auch den Gouverneur von Bessarabien, Generalmajor Jankowsky.

Odessa, 16. Mat. Der russische Botschafter Novtkoff ist gestern nach Konstantinopel abgeretst.

Türkei.

Konstantinopel, 16. Mat. Ghazi Osman Pascha hat am letzten Donnerstag seine Demission gegeben, der Sultan dieselbe jedoch nicht angenommen.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telrgr. Gorrespoudeuz Bvrearr.

Darmstadt, 18. Mat. Die deutsche Kronprinzessin ist heute Nach­mittag 2 Uhr hier etngetroffen und wird morgen wieder abreisen.

Stuttgart, 18. Mai. DieWürttemb. Landesztg." meldet: Der Generaldtrector der württembergischen Verkehrsanstalten, Geh. Rath v. Dtllentus, hat unter Berufung auf seine erschütterte Gesundheit um seine Pensioniruna nachgesucht.

London, 18. Mai. Lord Beaconsfield hat der Königin gestern in Windsor einen Besuch abgestattet und kehrt heute hierher zurück.

DieTimes" erfährt, auf Wunsch der Großmächte werde Frank­reich wahrscheinlich die Initiative ergreifen, um von der Pforte die Annahme einer internationalen Commission zur Ueberwachung der türkischen Verwaltung zu verlangen.

Petersburg, 18. Mat. DieAgrnce russe" charakterisirt die Ant­wort der Pforte auf die letzte Collectivnote der Mächte als ausweichend und nicht zufriedenstellend und weist gegenüber der Haltung der Pforte auf das zwischen den Mächten bestehende Einvernehmen hin.

Der Proceß gegen Michailow, Dr. Weymar und Consorten hat heute Mittag vor der zweiten Abtheilung des Militärbezirksgerichts begonnen.

Der Chef der Ober-Preßverwaltung Abaza ist zum Mitaltede der höchsten Executiv-Commission ernannt worden. Es bestätigt sich, daß Genera! v. Albedinsky als Generalgouverneur noch Warschau, General Graf Totleben als Generalgouverneur nach Wilna und General v. Drentelen als General­gouverneur nach Odessa gehen.

Paris, 18. Mat. DasJournal officiel" publicirt die Ernennung Constans zum Minister des Innern und diejenige Faütöres zum Unterstaats' fecretär des Innern.

Konstantinopel, 18. Mai. Die Pforte hat keine Nachricht bezüg­lich des angeblichen Vorschlags Englands wegen einer europäischen Conferenz erhalten. Man versichert, der König von Griechenland werde bei den Mächten für die griechische Angelegenheit zu wirken suchen.

London, 18. Mai. Der neuernannte Botschafter in Konstantinopel, Göschen, ist gestern Abend dahin abgeretst.

Paris, 18. Mat. Cardinal Pius, Bischof von Poitiers, ist gestorben. Der Minister des Innern, Constans, ist heute nach Rheims abgereist, wo die Strike einen ziemlich ernsten Character angenommen haben. Der Strike in Roubaix dauert ebenfalls fort und ist die Hoffnung auf eine Besserung geringer geworden. Einige Arbeiter, welche letzte Woche die Arbeit wieder ausgenommen hatten, haben dieselbe neuerdings wieder aufgegeben. Die Strtkenden scheinen einem Loosungsworte zu gehorchen.

Berlin, 18. Mai. DerReichsanzetger" publicirt eine königliche Ca- binetsordre vom 7. Mat, wonach an die Stelle der am 1. October eingehen­den technischen Baudeputation die Akademie des Bauwesens tritt, welche eine berathende Behörde bildet und dem Minister für öffentliche Arbeiten unter­geordnet ist.

. ^etersbnrg, *8. Mat. In der Proceßverhandlung gegen Weymar und Genossen sind circa 270 Personen, darunter vorherrschend Militärs an- englische Botschafter, mehrere Mitglieder des Reichsrathes, Graf Schuwaloff und Andere waren zugegen. Von 2V2 bis 5V9 Uhr war Pause; dann erfolgte die Verlesung der Anklageacte.

,, , P?f's, Mat- Die Nachricht derTimes", daß Frankreich wahr- schetnllch die Initiative ergreifen werde, um von der Pforte die Annahme einer internationalen Commission zur Ueberwachung der lürkischen Verwaltung zu verlangen, wird in hiesigen gut unterrrchieten Kreisen als unrichtig bezeichnet.

Petersburg, 19. Mai. Im Proceß Dr. Weymar dauerte die Ver­lesung der Anklageacte bis Abends 9 Uhr. Sämmtliche Angeklagte erklärten sich für nichtschuldig. Michailoff und Saburoff gaben zu, der socialistischen Partei a'.zugehöcen. Die Sitzung wurde um 9»/4 Uhr geschlossen und auf beute, Vormittags 11 U^r, vertaat.

Lokales.

n c-D ^testen, 19. SWai. sSterblichkeit in Gießens Von den während der Woche vom 9. bis 15. Mai ,n Gießen gestorbenen 13 Personen gehörten 4 dem Kindesalter an. Es starben nämlich 2 Kinder, eins von 11 Jahren und eins von 2 Jahren an Gehirnentzündung, ems von l'/r Jahren an Lungenentzündung und eins, nur 2 Tage alt, in Folge angeborener Schwache. Bei den 9 erwachsenen Personen trat der Tod ein 4mal durch Lungenschwindsuchl, je emmal durch Lungenentzündung, Schlagfluß, Harnruhr, chronische Nierenentzündung unv fettige Entartung des Herzens. 0

Gießen, 19. Mat. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag 2 Uhr wurden vier junge Herrchen abgefaßt, als sie sich in einem Hofe am Neuenweg mit dem Herumfahren und Umherwerfen eines Karrens beschäftigten und hierdurch einen Heidenscandal verursachten.

- Gestern Abend gegen 10 Uhr schlugen sich an der Heuchelheimer Straße zwei Ar- tzlter, wobei einer derselben mehrere Kopfwunden bavontrug. Anzeige wegen groben Unfugs

Vermischtes.

_ a f n Auswanderer. Mit dem DampfbootConcordia" der Köln-

Düffeldorfcr Gesellschaft passirtcn heute Morgen 300 Auswanderer, zumeist aus Baden und Bayern auf dem Wege nach Amerika unsere Stadt. Bezeichnend war, daß die Auswanderer mit Ausnahme von 3 Familien sämmtlich junge unverheirathete Leute waren. Ertränkt hat üch in verflossener Nacht im Rheine, nicht weit vom Raimundithore ein unbekannter Mensch. Vorübergehende Leute, denen Rettungsversuche nicht möglich waren, beobachteten nur, daß der Mensch mit einem Kittel bekleidet war. Selbstmord. Gestern Nachmittag wurde in dem Festungsglacis die Leiche eines Mannes, welcher sich mittelst eines Messers die Pulsadern ge­öffnet und so seinen Tod herbeigeführt hatte, aufgefunden. Der Selbstmörder war ein subsistenz- loser Schreinergehülfe aus einem Nachbarorte.

fEme Schweizer Militär-Anekdote.) Hauptmann: kommen, Corvoral Knöpfli? 's bi Gottes Chrü' a Schänd!" halt's Maul bi Gott, oder ich chünd D;r's Capital!"

Wer wird so zur Parade Knöpfli:Hauptmann,

Frankfurt.. Ende voriger Woche wurde in Frankfurt eine Nähmaschine versteigert und 3 JL dafür gelöst. Die Versteigerungskosten betrugen 4 JL 50 H, so baß der Gläubiger nicht allein die Maschine, sondern auch M 50 los ist Die Gepfändete ist aber nicht von ihrer Schuld frei geworden, sondern dieselbe hat sich noch um JL 4.50 vergrößert und was mehr ist sie ist um das Instrument gekommen, mit dem sie bis dahin ihren ärm­lichen Unterhalt sich erwarb.

Das Denunciantenthum ist, beeinflußt durch die politische Bewegung der legten Jahre, zur traurigen Blüthe gelangt und hat, üppig wuchernd, in alle Kreise der Gesellschaft Eingang gefunden. Da. macht es einen um so erfreulicheren Eindruck, daß der Versuch, bereits die Schule zur Pflanzstätte des Denunctantenthums zu machen, wenigstens in einem Falle von dem preußischen Cultusminister vereitelt worden ist. In Burgsteinfurt wurde kürzlich ein O^er- Primaner vom dortigen Gymnasium auf Anordnung des Provinztalschul-Collegiums zu Münster relegirt, weil derselbe von der Existenz einer geheimen Verbindung erfahren hatte, sich aber toetgerte, den Namen des Schülers anzugeben, der ihm jene Mittheilung gemacht. Der Vater des Abiturienten wandte sich deßhalb mit einer Beschwerde an den Cultusminister und dieser ha^nunmehr, wie demWests. Merkur" gemeldet wird, die Anordnung der genannten Behörde

®*n originelles Urtheil fällte kürzlich ein Wolostrichter im Perm'schen Gouvernement. Em Bauer klagte, daß em Hammel im Werthe von 2 Rubeln ihm gestohlen sei und berichtete ferner, er habe ermittelt, daß von seinem Nachbar besagter Hammel geschlachtet worden fei. Der Angeklagte erklärte: der Hammel wäre ihm zugelaufen, und da hätte ex ihn allerdings geschlachtet. In Anbetracht des eigenen Geständnisses nun verfügte her Richter: Der Ange­klagte ist mit 20 Nuthenhteben zu bestrafen, dann mit der Haut des getödteten Hammels zu bekleiden und unter Trommelschlag durch die Straßen des Dorfes zu führen; bei dem Fenster eines jeden Einwohners soll Halt gemacht und dem Sünder ein Hieb versetzt werden. Beide Theile waren mit dem Urtheilsspruch zufrieden.

sGenealogisch.j Der Herr Commerzienrath gießt ein feines Diner und schärft seinen Kindern ein,, sich dabei artig zu betragen. Trotzdem wirft sein Acltester ein Glas Rothwein um. Da läuft dem Papa die Galle über und er sagt:Junge, Du bist doch ein Ferkel'" Der Junge sieht ihn dumm und betrübt an, der Vater wird noch deftiger und sagt:Na, Du siehst mich so dumm an, Du weißt wohl nicht, was das ist, ein Ferkel, sag's mal" Schluchzend entgegnete der Junge:Ja, Papa, dem Schwein sein Sohn."

SchllFsberieBit. Mitqetheilt von dem Agenten des norddeutschen Llovl C. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 15. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Salier Capt. I. Hesse, vom Norddeutschen Llovd in Bremen, welcher am 2. Mai von Bremen abge- gangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 7. Mai. sPer transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer Mosel Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. Mai von Bremen und am 4 Mai von Southampton abgegangen war, ist gestern 4 Uhr Morgens wohl­behalten in Newvork angekommen.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 18. Mai. Der heutige Diehmarkt war ziemlich befahren. Angetriebcn waren ca. 300 Ochsen und Stiere, 230 Kühe und Rinder, 260 Kälber und 300 Hämmel Dl- Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. JL 6769, 2. Qual. JL 6264, Kühe uno Rinder 1. Qual. JL. 58-60, 2. Qual. JL 45-54, Kälber 1. Qual. JL 5455, 2. Qua: 48-50, Hämmel 1. Qual. JL 60-62, 2. Qual. JL 4554 per 100 Pfd. Schlacht­gewicht. Schweine je nach Qualität daß Pfund

Kirchliche Nachrichten.

Sonntast, den 13. Mai, findet um 9 Uhr Vormittaas in der Hospitalkirche

altkatholischer Gottesdienst statt. Es ist zugleich Denjenigen, welche zum heiligen Abentmahl zu gehen wünschen, die Gelegenhnr hierzu geboten.

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