Landeswohl ein weites Feld eröffnet worden. Er bitte den Statthaller, dem | Kaiser für die neuen zum Wohle des Landes getroffenen Einrichtungen im | Namen des Landesausschuffes deffen tiefgefühlten Dank auszusprechen.
Oesterreich.
Bon der böhmischen Grenze schreibt man: Ueber den lebhaften Vtehschmuggel an der russischen Grenze liegen neuerlich viele Nachrichten vor. Aber auch an der böhmischen Grenze ist er in Blüthe, da die Erschwerung der Vtehetnsuhr die diesseitigen Grenzbewohner geneigt macht, die Einschmuggelung österreichischen Viehs zu unterstützen. Schon früher sind öfters neben den gesetzlichen Einbruchstationen manche Rinder über die Grenze gebracht, ohne vom Thterarzt untersucht zu sein. Jetzt, wo eine Prämie von 20 Jü für jeden Ochsen, der unverzollt die Grenze überschreitet, in Aussicht steht, wird trotz der drohenden Strafen in den Nächten, aber auch am Tage viel Vieh gepascht. Es geschieht vielfach unter Benutzung der für den sog- kleinen Grenzverkehr getroffenen Erleichterungen, indem Ochsen oder Kühe, die man zu paschen beab- fichttgt, an Wagen gespannt resp. angehangen werden, damit es den Anschein gewinnt, als gingen Wtrthschaftsgespanne über die Grenze.
Btujfaub.
Petersburg. Aus dem Winterpalats wird folgender seltsame Vorfall gemeldet: Der ehemalige Gouverneur von Petersburg, General Gurko, hatte bekanntlich in der Zett seiner Wirksamkeit das Recht, zu jeder Stunde unangemeldet in das Gemach des Kaisers zu treten. Einst erschien er wie ge- wöhnltch im Palais, um sich nach den kaiserlichen Appartemens zu begeben, wurde aber von dem diensthabenden Thürsteher gebeten, sich zu gedulden, bis ihn derselbe angemeldet habe. „Ich brauche nicht angemeldet zu werden", sagte der Gouverneur barsch. Der Thürsteher, dem eben der ungewöhnliche Gang des Generals aufgefallen war, wurde nun über die, wie ihm schien, veränderte Stimme deffelben stutzig und bestand jetzt erst recht daraus, den General anzumelden. Dieser willigte endlich mit einem Kopfnicken ein, und der Thürsteher meldete dem Kaiser den Besuch des Generals und zugleich den Grund, aus welchem er gezögert, denselben ohne Weiteres vorzulassen. Rasch trat der Kaiser an seinen Schreibtisch, woselbst sich ein Telegraph befindet, der mit der Wohnung Gurkows in Verbindung steht. „Wo ist Gurko?" lautete die Anfrage. — „Er ist noch im Hause", war die Antwart. Nun war es zweifellos, daß der draußen harrende Gurko der falsche sei; er wurde festgenommen, und es stellte sich heraus, daß der Betreffende ein sehr gelungen verkleidetes Mitglied der nihilistischen Verschwörer-Gesellschaft war. (?)
Petersburg, 17. April. Fürst Gotschakoff hatte Nachts heftiges Fieber und wenig Schlaf. Das Allgemeinbefinden war aber Vormittags bester.
— Der „Regierungsbote" veröffentlicht eine amtliche Bekanntmachung, wonach die höchste Executtv-Commisston eine Revision der Dokumente bezüglich der auf administrativem Wege ausgewtesenen, sowie polizeilicher Aufsicht unterzogenen Personen angeordnet hat. Diese Revision ist dadurch veranlaßt worden, daß mehrere der gedachten Personen, besonders der studirenden Jugesh Angehörige, ihre Schuld bereut und durch gutes Verhalten günstige Atteste von den örtlichen Gouverneuren erwirkt haben. Auf den Vortrag Loris- Melikoff's genehmigte der Kaiser die obige Anordnung.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Eorrefprnvenr * Brrrearr.
Madrid, 18. April. „Diarlo" bringt eine Mittheilung über ein angebliches Geständniß Otero's an den Obersthofmeister Herzog von Sexto- Hiernach habe Otero von einer geheimen Gesellschaft in Toledo, deren Mitglieder ihm selbst unbekannt gewesen, den Auftrag erhalten, den König zu tobten. Geld und Waffen seien ihm geliefert und habe man ihn, falls er die paffende Gelegenheit vorübergehen ließe, mit Ermordung bedroht.
Washington, 18. April. Der Bericht des landwtrthschastl. Bureaus constatirt, daß der allgemeine Stand des Weizens bis zum 1. April ebenso günstig gewesen sei, wie im Frühjahr 187t#.
Lausanne, 19. April. Das Bundesgericht hat von der versteigerten Nationalbahn die Ostsection der Eidgenössischen Bank und die Westsection der Nordostbahn zugeschlagen.
Washington, 18. April. Eine der hiesigen chilenischen Gesandtschift zugegangene Depesche aus Panama vom 10. ds. meldet: Callao ist von 6 chilenischen Dampfern bloktrt. In Callao und Lima herrscht Panik. Die Einwohner fliehen.
Lokale
S.
Gießen, 19. April. Nach dem uns vorliegenden Jahresbericht
des OctrolControleurs
betrug das Octrol-Etnkommen der Stadt Gießen
in 1878
in 1879
cX H
cX
für Schlachtvieh.....
25147 85
25312
79
„ Fleisch und Wildprct . . . .
1174 51
2371
81
„ Brennmaterialien .
16176 70
16479
61
„ Mehl und Frucht ....
19827 16
19447
53
„ Getränke......
22005 17
21002
12
84331 39
84613
86
84331
39
daher in 1879 mebr
282
47
Die geleisteten Rückvergütungen betrugen
für Schlachtvieh.....
3 33
4
58
„ Brennmaterialien ....
625 52
378
32
„ Mehl, Hafer und Brod
6447 69
6674
55
w Getränke......
2499 06
1879
63
„ Lieferungen an das Militär
2624 42
1696
73
12200 02
10633
81
12200
02
daher in
1879 weniger
1566
21
Don dem Einkommen ' .
84331 39
84613
86
die Rückvergütungen ab mit
12200 02
10633
81
bleibt reines Einkommen
72131 37
73980
05
72131
37
daher in 1879 mehr
1848
68 1
Vermischtes.
Darmstadt, 17. April. ^Militärdienst Nachrichtens v. Grolman, Portepeefähnrich, vom 4. Großh Inf -Regt. lPrinz Karl) Nr 118, wurde zum Secondelieutenant; Seid, Unteroffizier vom 2 Großh. Jnf.-Regt. (Großherzog) Nr. 116, Selzam, Unteroffizier vom 2. Groöh. Drag.-Regt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 2t zu Portepeefähnrichs befördert; Dölsing Premierlteutenan vom 3. Großh. Inf. Regt. (Leib Regt.) Nr. 117, in seinem Kommando als Assistent bei der Militär-Schießschule bestätigt; Kühl, Dtcefelowebel von dem Res.Landw.-Bat (Stettin) Nr. 34 zum Secondelieutenant der Reserve des 1. Großh. Inf. (Leibgarde)Regts. Nr 115; Praetorius, Vicewachtwrister vom Res.-Landw.-Regis. (1. Breslau) Nr. 38, zum Secondelieutenant der Reserve der Großh. Train-Compagnie befördert; Schnorr, invalider Feldwebel, bisher beim Bezirkscommando des 1. Bat. (Gießen) 2 Großh. Jnf.-Regts. (Großherzog) Nr. 116, der Charakter als Secondelieutenant verlieben; Schnetoer, Prcmierlieutenant von der Lanvw.-Jnf. des 1. Bat. (Darmstadt I.) 1. Großh. Landw.-Regts. Nr. 115, Metzger, Premier- lteutenant von der Landw^Jnf. des 2. Bat. (Worms) 4. Großh. Landw.-Reats. Nr. 118 der Abschied bewilligt.
— (Ein entlarvter Schwindler.) Aus Trier schreibt man der „Elberf. Ztg." unterm 7. d. M.: „Ein Scandalosum ganz eigener Art bildet heute das Tagesgespräch — die gestern Morgen erfolgte Verhaftung des seit Kurzem als verantwortlicher Redacteur der hier erscheinenden „Saar- und Moselzeitung" zeichnenden Dr. Ernst Küne. Die Nachforschungen der hiesigen Polizeibehörde an dem Heimathsorte des „Dr. Küne" haben über das Vorleben desselben so eigenthümliche Resultate zu Tage gefördert, daß man sich der Person des hier mit ungemeiner Dreistigkeit aufgetretenen Herrn glaubte versichern zu müssen. Der angebliche „Doctor" entpuppte sich als ein Schwindler der geriebensten Art, der zur Zeit wegen Urkundenfälschung zu mehrjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt, im Jahre 1878 begnadigt und außer Landes verwiesen wurde. Auf Grund eineS gefälschten Maturitätszeugnisses wußte er bei verschiedenen Universitäten die Immatriculation zu bewerkstelligen, später mit Zuhülfcnahme eines gefälschten Doctor- diploms an höheren Lehranstalten in den Besitz von Lehrerstellen zu gelangen, zuletzt sogar sich zum Director einer Bürgerschule emporzuschwingen. Hier ereilte ihn die Nemesis. WaS ihn veranlaßt, in einem von einer so trefflichen Polizei bedienten Staate wie Preußen sein Spiel von Neuem zu versuchen, ist unfaßbar. Seine verbrecherischen Antecedentten konnten nicht lange verborgen bleiben Immerhin ist es ihm gelungen, auch hier die gebildetsten Kreise zu dupiren; so trat er kurz nach seiner Hierherkunft als Redner im „liberalen Volksverein" auf; auch im „Kaufmännischen Verein" hat er wiederholt Vorträge gehalten. Heute wurde der als Schwindler Entlarvte nach seinem Hcimathsorte Schleiz zur Verbüßung des Restes seiner Gefängnißstrafe abgeführt."
Die „N. Hess. V." bemerken hierzu: „Dieser Schwindler ist offenbar identisch mit einem angeblichen Dr. Kühne, welcher im Jahre 1874 sich einige Zett in Darmstadt aufhielt und gleichfalls mehrere Vorlesungen veranstaltete, sich auch im Kaufm. Verein als „Improvisator" vorführte. Nachdem er in einem hiesigen Hotel einen unliebsamen Conflict zu bestehen hatte, verduftete der übrigens äußerst talentvolle Schwindler von hier, mit Hinterlassung zahlreicher S chulden."
Auch wir glauben uns des betr. Herrn erinnern zu können und zwar aus den Jahren 1870/71, wo derselbe in Gießen improvisirte und die sog. „Eselszeitung" herausgab. Er ist auch hier mit Hinterlassung diverser Verbindlichkeiten verduftet.
Zerbst. Ein hiesiger wohlhabender Bürger hatte eine Katze mit einem Kanarienvogel aufgezogen. Diese Thiere waren zu gleicher Zeit geboren und lebten in ein und demselben Zimmer und nicht nur die Katze bewegte sich frei in demselben, sondern auch dem Vögelchen wurde oft die Freiheit gestattet. Es entstand im Laufe der Zeit zwischen den beiden Thieren durch dies stete harmonische Zusammenleben eine Freundschaft und eine Vertraulichkeit, wie sie wohl zwischen einer Katze und einem kleinen Vogel sehr selten bestehen dürfte. Man denke sich daher den Schreck der Hausfrauen, als eines Tages die Katze mit einem gewaltigen Satze auf den Kanarienvogel zusprang, ihn packte und mit der erhaschten Beute unter eine Commode schlüpfte, um hier das arme Thierchen zu zerreißen — so glaubte die erschrockene Hausfrau. Wie groß war daher ihre Ueberraschung und ihre Freude, als sie bemerkte, daß eine fremde Katze sich in das Zimmer geschlichen hatte und daß die einheimische ihren kleinen Liebling gegen die mordgierige Absicht des Eindringlings geschützt hatte. Denn kaum war dieser verjagt, als der Kanarienvogel, von seiner Retterin freigelassen, munter und wohlbehalten unter der Commode hervorgehüpft kam.
Nordhausen, 11. April. Heute Nachmittag wurde hier der 22jährige stud. math. Max N. aus Halle unter großer Thcilnahme begraben. Der junge Mensch traf gesund unv wohl am Abend des vergangenen Freitags mit dem letzten Zuge von Halle her hier bei seinem Schwager ein. Als gestern Morgen das Dienstmädchen dem Studenten den Morgenkaffee in seine Stube trug, fand dasselbe den jungen Mann tobt. Es hat sich ergeben, daß er sich in der Nacht, wahrscheinlich kurz nach seiner Ankunft, mittelst Cyankali vergiftet hat. Zwar hat er einen Abschiedsbrief an seine Verwandten hinterlassen, aber den Grund seines Selbstmordes darin nicht angegeben. Es wird darin erzählt, daß gestern etn Student aus Halle sich hier angelegentlich danach erkundigt hat, ob N. „tobt" sei. Es wird nun vermuthet, daß N. das Opfer eines amerikanischen Duells geworden ist. Ist diese Dermuthung richtig, so ist dieses der zweite Fall In kurzer Zeit (bekanntlich wurde erst kürzlich ein cand, theol., der Sohn des Cantors in Meisdorf, cm Opfer eines solchen Duells, und es läßt sich vermuthen, daß diese Unsitte in Halle anfängt, Boden zu finden.
— Bezüglich der verschollenen Uebungsfregatte „Atalanta" gibt man sich der Hoffnung hin, daß sie während der jüngsten heftigen Stürme nur ihre Masten cinbüßte und über kurz oder lang wohlbehalten in Portsmouth ankommen werde. Nach einer Mittheilung der Admiralität hatte das Schiff bei seiner Abfahrt von Bermuda 109 Tonnen Wasser und reichlichen Mundvorrath an Boid. Die Gerüchte, daß das Schiff nicht ganz seetüchtig gewesen, als es seine Uebungsfahrt antrat, werden von Amtswegen dementirt. Man hofft, die auf der Rück reise von Bermuda nach England befindliche Corvette „Dacchante", an deren Bord sich die beiden ältesten Söhne des Prinzen von Wales befinden, werde dem vermißten Schiffe begegnen, falls letzteres seine Masten etngebüßt haben sollte. — Der Dampfer „Dizcanio" hat durch Zusammenstoß mit einem Eisberge auf der Höhe von Neufundland seinen Untergang gefunden. Er befand sich auf der Reise von New Orleans nach Antwerpen und war mit 74,000 Buschel Getreide und 3000 Säcken Getreide befrachtet. Die Mannschaft wurde gerettet.
Weißer Cement. Ein weißer Cement, welcher dem Wasser besser widersteht als Gyps, würde für Bauornamente, zum Abguß von Kunstwerken u.dgl. ohne Zweifel von Werth sein. Nach O- Fahnejelm (Töpfer- und Ziegler-Zeitung 1876. (5.73) flieht nun eine Mischung von 75 Th reiner geschlemmter Kreide und 25 Th. geschlemmten Kaolin, wcnn sie bei Rothglühhitze gebrannt und nachher gemahlen wirb, ein schneeweißes Pulver, das, wenn die Hitze zu stark gewesen ist, leicht einen Stich ins Blaue zeigt. Dieser Cement, entweder allein oder mit einigen Prozent Gyps versetzt, ist ein vorzüglicher hydraulischer Mörtel, der unter Wasser erhärtet, und welcher schon nach 7 Tagen (die Grant'sche Probe) eine Festigkeit von 6 bis 10 k pro 1 qc erreicht Nach drei Monaten hat derselbe eine Festigkeit van 25 k, 5 pro 1 qc gezeigt. Allerdings läßt sich dieser Cement nicht wie Gyps gießen, sondern man muß ihn wie Portland- cement behandeln. Gegenstände von diesem Cement nehmen eine blauweiße Farbe an, welche der von Marmor oder Bisquit sehr ähnlich ist.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 17. April. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner «X 2—3.20, Stroh «X 2.00—3.10. Butter das Pfund tm Großen 1. Qual. «X 1.10—00, 2. Qual. »X 1.00, im Detail das Pfund «X 1.20—00, 2. Qual. JL 1.10—00. Eier das Hundert ital. JL 5 20, deutsche Eier 4.40 Jü, Ganze Erbsen das Pfd. 20—26 geschälte Erbsen 32—37 H, Bohnen 27—29 H, Linsen 40—50 H. Weißkraut das Stück 20-25 Rothkraut, 1 St. 20-30 Kohlrabi — Koblkraut —H, Blumenkohl 1 St. 20—90 Wirsing 10—20H, Kartoffeln 100 Ko. <M. 6—7.50, Zwiebeln 1 Bund 6 Merrettig 100 St. 14 — 16 JL, 1 Stück 12—20 H. Ochsenfleych per Pfund 65—70 H, Rindfleisch 45 — 60 H, Kuhfletsch 45—60 Kalbfleisch 45—60 Hammelfleisch 40—65 H, Schweinefleisch 65-70 ein Hahn «X 2.00-2.50, ein Huhn JL 2.00- 2.50, eine Ente 2.70 — 3.20, eine Taube 60—70 H, Wälscher Hahn JL 2 —12, Kapaun 3 — 3.50.
welche am Tage der Aufgabe erscheinen sollen
" Illi v V Ol V/ bitten wir bis längstens Vormittags 10 Uhr " an uns gelangen zu laffen. Im Interesse der
rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes sind wir zu dieser wiederholten Bekanntgabe genöthigt.
Die Expedition des „Gießener Anzeigers".
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sollen dchrr Schulgebäude lichen Äibeitu Veranschlagt' für Maurer
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