18SO
Donnerstag den 19. August
Nr. 192
"teMdionebure»ttt 1 @c6utfl »xpedMonSbureau- I
tafle B. 18.
welcher sich durch seiner Hände Arbeit ernährt, gilt geringer alS Der, welcher sein Geld sür sich arbeiten läßt und wegen der günstigeren Rentabilität dieser Art „Arbeit" befähigt ist, einen besseren Rock zu tragen, als jener. Der große Kaufherr oder gar der Herr Geheimrath würde sihr verdrießlich die Nase rümpfen und das Bedürfniß eines Ortswechsels empfinden, wenn es ein einfacher Arbeiter „wagen" wollte, in einem öffentlichen Locale sich zu ihm an denselben Tisch zu setzen. — Gestehen wir uns die Thatsache em, die alten Vorurthetle des Ständestaates zittern uns noch in allen Fibern; der Arbeiter nimmt eine geringere sociale «Stellung bei uns ein, lediglüh weil er dem Arbeiterstande angehört und dieser geringer gilt, als andere stände.
Und hieraus zum Theil auch entspringt der übermäßige Andrang zum kaufmännischen Gewerbe. Keiner will seine Söhne gesellschaftlich sinken lassen, jeder sie gesellschaftlich heben; und so kommt es, daß der Beamte, der Kaufmann, der Landwirth seinen Sohn, wenn die Mitt«! fehlen, ihn studtren zu lasten, oder der Knabe nicht dazu die geistige Qualification besitzt, Kaufmann werden läßt, und daß das Gleiche der Handwerker, der Bauer re. mir dem seinen thut. Predige man dagegen, so viel man will, und mache man auf Ye drobeude Befchästigungslosigkeit so ernst als möglich aufmerksam, es wird nichts mr Jeder wird sich mit der Hoffnung trösten, daß gerade sein Kmd das Gluck haben werde, von den Gefahren d-s Kausmannsberufes verschont zu Heißen. Neben diesem Umstande hat allerdings an dem Nothstande der Haude^gehllfen auch die im Handel wie in der Industrie gleich große Sucht nach Beschasti- gung billigster Arbeitskräfte, d. h. von Lehrlingen und Frauen schuld — kommt doch auf 2 kaufmännische Gehilfen im deutschen Reiche schon ein Lehr- lins und auf 3 Commis eine weibliche kaufmännische Arbeitskraft. Aber der Andrang der Lehrlinge würde nicht stattfinden und diese Sucht fördern, und die durchaus berechtigte, und im Jrrtereste der Versorgung unvechetratheter Frauen sehr wünschenswerthe Verwendung weiblicher Verkäufer wurde nicht bekämpft werden brauchen, wenn das Vorurtheil in Wegfall käme, das man gegen die gewerbliche Arbeit hegt und das Tausende und Abertausende junger Leute, die Intelligenz und Bildung in den Arbciterstand bringen könnten, einem hoffnungslosen Elende im Kaufmannsstande zusührt.
Hier muß unseres Erachtens etngegriffen, in der Gesetzgebung, in der Erziehung, im gesellschaftlichen Leben müsten die Anschauungen bekämpft werden und verschwinden, welche die eine Erwerbsart der anderen überlegen erscheinen lasten und in Jedermanns Denken und Handeln muß die Ueberzeugung dringen, daß die ehrliche Arbeit, welcher Art sie auch sein möge, den einzigen Anspruch auf gesellschaftliche Achtung begründe.
Der Nothstand unter den Handlungs-Gehilfen.
Seit einigen Wochen finden in Berlin Versammlungen statt, welche das Vorhandensein eines umfaffenben Nothstandes auch in dem Kreise der kauf- männischen Gehilfen constatiren. Die Thaifache dieses Nothstandes selbst ist nicht neu. Die Annoncen-BIätter der Zeitungen bestätigten sie seit Langem, und wenn man die Standesliflen der im letzten Jahrzehnt dem Verbrecherthum Anheimgefallenen durchstudirte, so fand man das kaufmännische Gewerbe in einem, im Verhältniß zu dem mit ihm verbunden gedachten Wohlstände und gesellschaftlichen Bildungs- und Sittengrade so auffallenden Maße vertreten, daß man füglich nur auf allgemeinere erwerbliche Mißstände in ihm schließen konnte. Neu ist nur der Umstand, daß die kaufmännischen Commis zum ersten Mal an ein gemeinsames Handeln zur öffentlichen Aufdeckung und durchgrei- senden Behebung des unter ihnen vorhandenen Elends denken, wie es die gewerblichen Arbeiter schon längst geihan. Daß dies bisher nicht geschehen, ist leicht daraus erklärlich, daß die kaufmännisch Angestellten zumeist aus Fami- lien stammen, welche befähigt sind, oder sich ihrer gesellschaftlichen Stellung wegen verpflichtet glauben, eine Zeit lang für ihre erwerbslosen Söhne zu sorgen; nickt zum Geringsten mag aber auch die vornehme Scheu der jungen Kaufleute mitgewirkt haben, in die Reihen der vielgeschmähten Arbeiterbewegung einzutreten und dadurch einzugestehen, daß sie, im Grunde genommen, nur eine besondere Art von Arbeitern seien, deren Erwerbsverhältniffe denselben öconomischen Gesetzen und Erscheinungen unterstehen, wie die der unselbstständigen Arbeit überhaupt. — Die Verhältnisse sind mächtiger, als der menschliche Wille, und so sind denn auch die erwerbslosen Angestellten des kaufmännischen Berufes endlich gezwungen worden, den proletarischen Charakter auch ihres Standes zu offenbaren und einzugestehen.
Leider ist nicht abzusehen, wie der Nothstand der kaufmännischen Commis dauernd anders beseitigt werden soll, als indem dieselben sich entschließen, in andere Arbeitskreise ihre Ueberzahl abfließen zu lasten, denn gerade die distributiven Erwerbe haben sich in den letzten Jahrzehnten in einer so bedeutenden SBeife verwehrt, daß eine weitere Vergrößerung der Zahl der Einzelbetriebe, selbst bei gesteigerter Geschäfts-Conjunetur, ohne eine Verringerung ihres Ertrages und damit der Möglichkeit, angestellte Personen zu beschäftigen, kaum noch denkbar ist. Man zählte im deutschen Reiche im Jahre 1875 auf 100 Köpfe der Bevölkerung je ein kaufmännisches Geschäft; und von den 691,496 Personen, welche im Handel beschäftigt waren, sind zwei Drititheile oder etwa 440000 selbstständige Geschäftseigner und -Leiter gewesen. Man hat es also in den kaufmännischen Betrieben zum weit überwiegenden Theile mit solchen zu thun, die überhaupt keine fremde Arbeitskraft verwenden und bezahlen. Daran würde bei der übergroßen Concurrenz im Kleinhandel auch ein Aufschwung der Geschäfte nur wenig ändern. Schwerlich wird der Handel in absehbarer Zeit die Erwerbslosen seines Zeichens alle wieder aufnehmen können — rechnet man doch sür Berlin allem 13,000 stellungslose Handlungs-Commis, und im gleichen Verhältniß wie zur Bevölkerung Berlins dürfte die Erwerbslosigkeit im kaufmännischen Gewerbe auch in anderen größeren Städten grasstren — -umal bei den Kaufleuten kein so rascher Wechsel in der Stellung, resp. zwischen Beschäftigung und Beschäftigungslosigkeit, stattzufinden pflegt, wie er die Lage des einzelnen Industrie-Arbeiters etwas mildert. Der junge Kaufmann, einmal in Stellung, behält dieselbe, wenn er nur halbwegs brauchbar ist, auch längere Zeit, die Vacanzen treten weniger häufig ein, als in der Industrie, und die Stellungslosigkeit dauert darum gewöhnlich länger als dort. Dem längere Zeit stellungslosen Commis wird es dann auch viel schwerer, wieder zu Beschädigung in seinem Berufe zu gelangen, weil er, wenn er nicht eigene Hilfsmittel hinter sich hat, späterhin nicht mehr im Stande ist, in der Kleidung den äußerlichen Anstand zu repräsentiren, der in seinen Kreisen verlangt wird. Unzweifelhaft wird also der Ucberschuß des kaufmännischen Proletariates über den Bedarf an kaufmännischen Arbeitskräften, wenn et nicht verkommen und verderben will, sich entschließen müffen, in andere Erwerbs- Branchen einzutreten.
In Amerika vflegt sich ein solcher Uebergang leicht zu vollziehen, bei uns wird er durch gesellschaftliche Vorurthetle aller Art auf das Aeußerste erschwert Drüben" gilt der Mann nach seinem inneren Werthe, und wer seine gesellschaftlichen Pflichten erfüllt, genießt die gleiche Achtung ob er als Präsident oder als Tagelöhner arbeitet; nur während der Arbeit herrscht Subordination, außerhalb der Arbeit, in der Gesellschaft, herrscht Coordina- tion, ist man nicht Arbeiter ober Arbeitgeber, steht man nicht auf den schlechteren ober besseren Rock, sondern ist man gleichberechtigter und gleichwichtiger Bürger. Bei uns ist das Sprichwort: „Die Arbeit schändet nicht" in der Regel theoretische Phrase, in’ber Praxis schändet die Arbeit doch. Der,
Deutschland.
Berlin. 15. August. Die elementaren Schrecknisse haben sich letzthin so gehäuft, daß das Gefühl dagegen beinahe abgestumpft ist. Das Unglück ist uns so nahe gekommen, daß wir dem fernen fast theiluahmlos gegenüber- stehen. Aber jedes Uebel hat seine gute Seite, und so schlägt denn auch die Häufung des Unglücks insofern zum Guten um, als sie unsere Aufmerksamkeit auf die Erforschung der Ursachen hinlenkt. — Ein polnischer Abgeordneter nannte im letzten Winter im preußischen Abg-°rbnetenhause Schlesien das deutsche Irland. An dieser harten Bezeichnung ist etroaä Wahres -denn Schlesien ist wirihschastlich fast so vernachlässigt wie Irland, der Oberschlesier gilt für ebenso träge, wie der Irländer. Und obwohl die Parallelrsirung de Bewohner nicht uunchtig ist, geschieht dem Oberschlesier d-mit doch bitteres Unrecht: Er ist nicht von Natur träge, sondern er ist cs erst durch den Zwang eines traurigen Geschickes geworden. Schon vor hundert Jahren war die Nothwendigkeit erkannt worden, durch Regulirung der Oder die schwemrnuugen aufhören zu machen- Dieser hmidertjährige E ß die That nicht gefolgt, es ist nichts zur Sicherung Obecschttstcns
I Wen» nun der Landmann säst Jahr für Jahr ^uer Hände W^k ver chttt, die Frucht seiner Mühen zerstört steht, so muß er amnglifl Wu Bor Oer Arbeit bekommen, deren Ertrag ihm so leicht unb ohne g Bn WutttnttP loren geht. Seit hundert Jahren ist die Od-rregultrung p ojectirt seit hunder Jahren streitet man sich um die Vorzüge dieses ober UZ Projectes, de stdes dem anderen im Wege steht. Es ist eben hi , wi schon so oft, das
d-, z„»d d,» w« «"*«- Ä * ®«i-
ehr kostspielige schnelle Wied r ehr des Umstand
W t beiaetraaen da/ die Zusammenkunft der Kaiser Wil-
bttm unb Tran, Joseph in IW diesen beiden großherzigen Monarchen Ge- legmheit gkb im Pttncip das Zusammenarbeiten beider Regierungen, m deren
Auf dem gestern dahier abgehaltenen Viehmarkt ist ein Kalb zurückgeblieben, dessen E'gcnthümer sich bis jetzt nicht gemeldet hat. Derjenige, der Ansprüche an dieses Kalb zu machen hat, wird hiermit aufgefordert, solche alsbald bei der un ®fcfien
Gießen, den 18. August 1880. Großherzogltche^Poltzeiverwattung Gießen. (5452
. Preis'vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerloh^
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pj»
b''°Äs^t«ufdu ---
btliltn •
n und gute aSJÄ*« '£?'i"äÄÄ
lim? eltersweg C. 63. )HISCHE ANSTALT " Aeilldruckttei rteü Druckarbeiten, ist« Anfertigung ureigen, Visitenkarte^ M Todesanzeigen etc. igehnarken.
'eriizer keWMcher i Krlsche in Hannover.
oeee Auswahl
eo 4 feinen Papieren.
Zeichnen ■Materialien_
RPRE88EN.
Ulontag Mnd zwischen vier Federn von.
i onlortn i2 schwarze unb- n Diederbringn eine Be- ■ Exved. d. 8L
r.:t guten Zeugnissen ver- n sucht Stelle zur selbst- ng einer Haushaltung auf
-chrere andere Mädchen .«küchenarbeil auf sogleich 'li. Auskunft erteilt ttrin Frau LangSdorf, ^.ndenplah 244
sSt g. g । den 19. 'August, Ihr Abends/ Versammlung nenadensaal.
25 Stifiuegsfeier- Dtk Lorstand.
«Ä " jung»
rlore»L»
K-LV
»
«ll,
‘Sa 5?" *
101:


