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Die Obigen.
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Nr. 16S. Zweites Blatt. Sonntag den 18. Juli 1880»
Meßener Wyeiger
Anjkize- ttnb Amtsblatt für de« Kreis Gieße».
Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. ««daetr-nSbureaar l Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pt.
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Amtlicher Theil.
Gießen, am 15. Juli 1880.
Betreffenb: Statistische Ermittelung der landwtrthfchastlichen Bodenbenuhung und des Ernteertrags im Deutschen Reich im Jahr 1880.
Das Großhcrzoglichc Krcisamt Gießen
an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.
Indern wir Sie benachrichtigen, daß auch In diesem Jahre eine Ermittelung der landwirtbschaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteertrags stattfinden soll, lasten wir Ihnen zugleich mit nächster Post die erforderlichen Formularien zugehen, um alsbald die Commissionen zu bilden und ihre Thättgkeit beginnen zu lasten. Es wird sich, wie wir bereits in unserem Ausschreiben vom 12. Juli v. I. — Anzeiger No. 162 — bemerkten, empfehlen, zu diesen Ermittelungen, o weit dies möglich und räthlich, dieselben Personen zu verwenden, welche seither damit beauftragt waren, da hierdurch eine wesentliche Erle chterung ein- treten wird. — Wie im vorigen Jahre, soll auch diesmal von dem Eintrag des Flächengehalts nach Hauptculturarten, auf Grund des Centralkatasters auf
Seite 1 des Formulars A, abgesehen werden. m .. u q, cr
Wir erwarten, daß Sie bei Aufstellung der Uebersichten mit der größten Sorgfalt zu Werke gehen und verweisen noch zur Vermeidung von Fehlern, wie sie seither immer noch vorgekommen, auf unsere Verfügungen vom 18. Mai 1878 — Anzeiger No. 118 — vom 12. 3uli 1879 Anzeiger No. 162 und vom 14. October 1879 — Anzeiger No. 242 — mit dem Anfügen, daß wir mangelhafte Aufstellungen sofort zur VervollpandiMiig zuruckgeben werden.
Schließlich bemerken wir nocb, daß die Reinschriften ter Formularien A und B längstens biS zum 1» November o. an uns etnzusenden sind und daß wir die Einhaltung dieses Termins strenge überwachen werden.
Am 30. August d. I. wollen Sie kurz anzeigen, wie wett Sie mit der Aufnahme gekommen sind.
Dr. 23oefmann.
Politische Ueberfkcht.
Der sog. „politische Umschwung", durch welchen man die Wahi' siege der Socialdemokraten, der süddeutschen Volkspartet und besonders der Fortschrittspartei erklärt, müßte folgerichtig auch den linken Flügel der Nationalliberalen zu größerem Etnflusie auf die Volks- masten verhelfen. Zunächst ist dies jedoch nicht bemerkbar, sondern es zeigt sich nur eine verminderte Zuversicht des rechten Flügels der Nattonalltbkralen, die außer der Resignation ves Herrn v. Sybel noch andere Mandats-Niederlegungen zeitigen dürfte. Zunächst beabsichtigen die entschiedenen Nationallibe- ralen einen Parteitag einzubcrufen, der allerdings bei der Zerklüftung dieser großen Partei wünschenswerth zur Klärung erscheint.
Aus vielen Anzeichen läßt sich erkennen, daß die Zett der Wahlagitationen begonnen hat, und es wird selbst dort lebhaft politisch agitirt, wo zunächst Wahlen nicht bevorstehen. Unleugbar entfaltet die Fortschrittspartei die rührigste Thäligkett. Außer d<m „Rufe nach Brod", nach Aushebung der Getreidezölle, der entschieden populär ist, wird von fortschrittlicher Sette ein großes Sündenregister von Nothstand und Unzufriedenheit colportirt, und man findet als verpönte Dinge daselbst die steigende Militär last, die Schutzzollpolitik, die Ausnahmegesetze, die Vermehrung der tndtrecten Steuern, die Reacttou aus dem wirthschaftlichen, kirchlichen und pädagogischen Gebiete, die Auswanderung, die niedrigen Löhne, der Geldmangel und Alles, waS den Schuh der deutschen Freiheit drückt oder das Loch im Strumpfe der stolzen Germania zeigt. Es liegt in alledem ein reiches politisches Agitattonsmatertal und einzelne Redmr der Fortschrittspartei nutzen es kräftig aus. Schließlich wird man statt den lieben Gott noch den Fürsten Bismarck für eine schlechte Ernte verantwortlich machen wollen 1
Frankreich beging die Feier des Nationalfestes am 14. Juli unter glücklichen Auspicien. Es verdankt seinen leitenden Staatsmännern einen zehnjährigen politischen Flieden, ein energisches Vorgehen gegen die Ultramontanen, die ruhige — wenigstens vorläufig ruhige — Entwickelung der bürgerlichen Freiheit, einen hochherzigen Gnadenact, die Herabsetzung der Steuern, die Förderung des Schulwesens, günstige finanzielle Verhältnisie, neue Handelsverträge und Alles in Allem eine ständige Hebung des nationalen Wohlstandes. Zeigt die Regierung die genügende Energie gegen die Radikalen, so kann man der jungen Republik die vollste Anerkennung nicht vorenthalten.
Die ganze Anzahl großer Gasexplosionen in englischen Städten bietet neues Material für die merkwürdige Thatsoche, d^ß gleichartige Unglücksfälle aufeinander folgen; wie z. B. die Schiffscollisionen, Eisenbahnunfälle, schlagende Wetter und dergl. — Die polttsche Aufmerksamkeit nimmt in London das Schicksal der Türkei in Anspruch. Aus die vielfachen Interpellationen über die orientalischen Verhältnisse hält sich die Regierung sehr reservirt, aber man zweifelt in England nicht daran, daß Gladstone, um einige Scharten auszuwetzen, eine energische Orientpolitik verfolgen wird. Griechenland könnte das gegenwärtig sehr erwünscht sein.
Die Türkei bleibt unentschieden, zögernd, auf den nächsten Tag hoffend; Willkür Und Launen herrschen im PalaiS des Sultans. Fortdauernd wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die Ulemas und Sostas eine drohende Haltung gegen den Palast einnehmen und verhindern, daß der Sultan in der griechischen und albanestschen Frage Entgegenkommen zeigt, aber man vermuthet auch hinter dieser Meldung nur leere Ausflüchte der alttürkischen Partei, welche Zett zum Vertheidtgungskampfc bis aus's Messer zu gewinnen hofft.
Ueber den russisch-chinesischen Krieg vermag man noch immer nicht klare Nachrichten zu erhalten; nur soviel scheint man aus der Haltung der russischen Negierung zu entnehmen, daß nämlich sowohl an der chinesischen
Grenze, als den übrigen astatischen Völkerschaften gegenüber die Position Rußlands bedroht und die Entscheidung anscheinend auf die Spitze des Schwertes gestellt ist.
Lokales.
Gieße«, 17. Juli. (Sitzung der Stadtverordneten am 15. Juli.) Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeordneter Heß, von Setten der Stadtverordneten die Herren Baist, Diery, Gail, Grüneberg, Hanstein, Homberger, Kauf, Lüdeking, Ad. Noll, Aug. Noll, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Wenzel und Wortmann. — Das auf der Tagesordnung der Versammlung stehende Gebühren der Straßburger Tabaks-Manufactur gab den Anwesenden Veranlassung, sich scharf und bestimmt gegen die von dieser Anstalt ergriffenen Maßregeln, welche die hiesige Tabakstndustrte schwer schädigen und als Vorläuferin des Monopols gänzlich unterdrücken und somit Tausende von Arbeiterexistenzen in allen Thcilcn Deutschlands zu Grunde richten werde. In Berücksichtigung eines Circulars der süddeutschen Abtheilung des Vereins deutscher Tabaksfabrikanten und Händler wird einstimmig beschlossen, in einem Bericht an Großh. Ministerium des Innern mit der Petition der Großh. Handelskammer an dasselbe, in welcher die durch die Straßburger Tabaksmanufactur der ganzen Tabaksindustrte des Landes drohende Schädigung sehr eingebend beleuchtet und Großh. Mtni- nerium ersucht wird, bet hoher Regierung für die Aufhebung der ehemaligen Kaijerl. Tabaksmanufactur in Straßburg als Staatsanstalt wirken zu wollen, sich einverstanden zu erklären. — Die nun folgende Ausloosung städtischer Schuldverschreibungen ergab folgendes Resultat: Von den 31/2% Verschreibungen wurden ausgeloost 8450 fl. und zwar von Lit. A. die Nr. 68, 76, 87, 120, 145, von Lit. B. die Nr. 12, 18, 20, 69, 85, 96, von Lit. C. die Nr. 110, 321, 350, 351, von Lit. D. Nr. 94. Von den 4 0/0 Verschreibungen zu 1000, 500 und 100 fl. der Gesammtbetrag von 1300 fl. und zwar die Nr. Lit. A. 18, Lit. C. 52, 56, 85. Von den 41/»% Verschreibungen von Lit. A. (20 ü 100 J4) die Nr. 16, 299, 826, 464, 897, 600, 566, 890, 29, 841, 807, 9, 32, 145, 37, 284, 881, 945, 174, 60, Lit. B. (10 ä 2<lO J£) die Nr. 378, 102, 97, 55, 426, 380, 425. 431, 436, 230, Lit. C. (8 ä 500 ^L) Nr. 17, 149, 231, 387, 386, 87, 35, 169, Lit. D. (3 k 1000 J£) Nr. 3, 34, 53 — Das dem Schlosiermeister Karl Noll genehmigte Gesuch um Erlaubniß zur Erbauung eines Wohnhauses nebst Werkstätte an der Schillerst aße ging von der zuständigen Behörde zurück, mit dem Bemerken, daß die geplante Werkstätte für die höhere Mädchenschule Störung verursachen könne und ob nicht auf Grund des Art. 27 der Gewerbeordnung besondere Bedingungen wegen des Baues gestellt werden sollten. Nach eingehender Erwägung wird beschlossen, gegen die Errichtung dieser Werkstätte keine Einsprache zu erheben. — Auf desfallsiges Gesuch wird dem Schuldiener Schneider die Ernte von den Obstbäumen in dem Garten der höheren Mädchenschule überlassen. — Die in Betreff der Schlachthausordnung von der Baudeputation vorgeschlagene Abänderung verschiedener wird genehmigt, desgl. die Vergebung zweier Posten Waldwegebauarbeiten (Aufsehen von Steinen) per Hancaccord. — Da Obsthändler Johannes Buch von der ihm ertheilicn Erlaubniß, an der Reichensand Bahnhofsstraße eine Verkaufsbude errichten zu dürfen, bisher noch keinen Gebrauch gemacht, wird diese Genehmigung zurückgezogen, sowie die Planirung des Platzes an dem Dr. Kübel'schen Hause beschlossen. — Die Anstellung eines Hülfs Mahnboten wird genehmigt. — Betreffs des Gäßchens Flur XVII Nr. 178a in der sogen. Scheppeckc ist von einem Anlieger ein Kaufgesuch eingegangen, damit er der ihm gestellten Verpflichtung zur Versetzung seines Thores enthoben sei. Das Gesuch wurde abgelehnt. — Dem Gesuch des Holzhändlers S. Katzenstein um Bestehenlaffen einer Halle wird insofern entsprochen, als derselbe vie Bedingung zu erfüllen sich verpflichtet, die Halle bei einem event. Straßenbau auf seine Kosten ohne Entschädigung wieder zu entfernen. — Das Bauerlaubru^ gesuch von Georg Brömer (am untersten Riegelpfad) wurde nicht befürwortet. - Das Gesuch von Moritz Gregori & Sohn (Bauveränderung am Reiber'schen Hause auf dem Kreuz) wird mit der Bedingung befürwortet, daß das Legen von Treppentritten auf dem Trottott unterbleibt, desgleichen dasjenige von Louis Senner (Erbauung eines Schuppens in der Matgasse) unter dem Vorbehalt, daß auf einem entsprechenden Oelfarbanstrich deS Einfahrtsthores bestanden wird. Die weiteren Bau- resp. BauveränderungSgesucke von 1) Küfermeisters Vudlvtg KliNlkl (Anlegung einer Einfriedigung), 2) Oeconom Friedrich Helfrich (Erbauung einer Scheuer an der Marburger Straße, 3) Ziilch Wittwe (örbauung eines Hauses am Seltersweg), 4) Fr. Rüger (Errichtung eines Ladens in seinem Hanse auf dem Kreuz) werden geneymigt. - In Folge wiederholter Unglücksfälle in der Nähe des Badeplatzes wird, nachdem festgestellt worden, daß der Badeplatz an sich ungefährlich ist und Unglücksfälle nur entstehen können, wenn die Badenden das den Platz bezeichnende Geländer überschreiten, beschlossen, um künftige Unfälle zu vermeiden, die Baudeputation im Verein mit dem Stadtbaumeister und unter Mitwirkung der Polizeibehörde zu beauftragen, für Auffindung eines geeigneteren Badeplatzes Sorge zu tragen. - Nach Genehmigung mehrerer Bauten °» Straßen, L-gung »on Canalröhren an der Frankfurter Straße rc., sowie der Verpachtung von Triebvierteln wird die öffentliche Sitzung geschloffen. .. ..
Verwischtes.
— Warwes Bier ist allerdings ein sehr mäßiger Genuß, wir nennen es aber gewöhnlich warm, wenn es nicht eiskalt ist. .Schwitzen" muß das Glas; Verwöhnte


