Einzelbild herunterladen

zur Rechten. Nack dem Diner hielt der Kaiser Cercle, woraus elre Spazier­fahrt durch den Park statlsand. Um 8 Uhr kehrte der Großherzog nach der Sladt zurück. Am Freitag wird derselbe Laxenburg besuchen, wo Souper und Spazierfahrt stattfindet. Am nämlichen Tage früh wird der Großherzog, der bis zum Sonntag hier bleiben wird, dne Inspektion des Jnfanterie Regiments Großherzog von Heffen 9tr. 14 vornehmen.

London, 17. Juni.Daily News" meldet aus Kabul von gestern: Abdurrhaman marschtrt mit 2000 Mann und 12 Kanonen auf Kabul. Der Times" zufolge richtete Abdurrhaman ein Schreiben an die britische Regie­rung, in welchem er erklärt, er wolle der Aufforderung, nach Chartkar zu kommen, entsprechen.

Bet der Regatta in Henley wurde das Frankfurter achtrudertge Boot im vorläufigen Wettrudern umThe grand Challenge Cupa von dem Lon­doner Club geschlagen. Das Frankfurter Boot wird in Folge dessen an oem endgültigen Wettrudern um den genannten Preis nicht theilnehmen.

Wien, 17. Juni. Der Großherzog von Heffen tnspicirte heute das in der Rudolphs. Kaserne garnisontrende Regiment Heffen in den einzelnen Mannschaftszimmern, geleitet von dem Divisionär, Brigadier und Osficier-Corps.

Berlin, 17. Juni. Bei dem Beschluß der Geheimhaltung für die I Conserenz-Arbetten ist nicht blos der Hinblick auf die Preffe, sondern auch der aus Griechenland und die Türket maßgebend. Die Überzeugung überein«

stimmender Anschauungen für die der Conserenz obliegende Aufgabe gibt sich bei allen Bevollmächtigten kund. Man hofft auf Erledigung der Geschäfte in 10 bis 12 Tagen. Beschlüsse über Absendung einer Commission sind eventuell erst von der Conserenz zu fassen, die davon auch noch Abstand nehmen könnte. Für die Arbeiten der Delegirten-Commtjsion liegt ein sehr Parkes Karten­matertal vor. Die österreichischen Generalstabskarten werden, als die zweck- entsprechendsten erachtet, die Grundlagen der Arbeiten der Delegirten bilden.

Abends. Unter den Conferenz-Bevollmächttgten zeigt sich in jeder Weise eine Übereinstimmung, wie solche in früheren Phasen der orientalischen Fragen seit 1876 nicht zu constatiren gewesen. Die Delegirten-Conferenz findet vielleicht erst Sonnabend statt. Ueber die Zeit der Entsendung der Commission an Ort und Stelle wird die Couferenz voraussichtlich in den letzten Sitzungen bestimmen. Die Local-Commission wird die seinerzeit von dec Conferenz bestimmte politische Grenze, welche der technisch-topographischen Arbeit der Delegirten zu Grunde liegt, local traciren. Bet der Frage über die Zett der Entsendung der Local-Commission wird zu entscheiden sein, ob die Commission sofort oder nach Empfang der Antwort der Pforte oder nach Verlauf einer bestimmten Zeit ihre Arbeiten zu beginnen hat. Hierauf wäre auch die persönliche Sicherheit der CommisstonS-Mltglteder zu erörtern.

Belgrad, 17. Juni. Nachdem die Minister Jzakovtc, Velikovic, Mar­getic und Boskovtc zurückgetreten. wurden Milojkovic zum Minister des Innern, Avakumovic zum Justizmtmster, Jovanovic zum Finanz-, Wasstljrvic zum Unter­richts-Minister und Zdravkovic definitiv zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt. Das Getretde-Ausfuhr-Verbot ist aufgehoben.

Darmstadt, 17. Juni.

Die Hinrichtung des Muttermörders Pfaff fand heute Morgen um 6 Uhr im östlichen Hofe des Provinzial-Arresthauses statt. Wie bereits gemeldet, war die Ablehnung seines Gnadengesuches dem Condemnaten vorgestern Morgen um d.eselbe Stunde mitgetheilt worden und hatte er diese Nachricht mit derselben Resignation ausgenommen, wie das ihm in der Schwurgerichtssitzung vom 10. April durch den Präsidenten verkündigte Urtheil, daß er auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenen schuldig befunden worden sei,in der Nacht vom 2. aus den 3. März d- I- seine leibliche Mutter m ihrer Schlafkammer zu Nieder-Ramftadt gewürgt und an einem Strick aufgehängt und diese Tödtung mit Ueberlegung ausge­führt zu haben" und deshalb zum Tode verurtheilt werde. Im Laufe des gestrigen Tages erhielt Pfaff noch den Besuch seines Schwiegervaters (welcher ihn ebenso wie seine Ehefrau in der jüngsten Zeit öfters besucht hatte), des Geistlichen, seines Ver- theidigers und verschiedener anderer Personen, darunter auch des Scharsrichters. Seinen Angehörigen soll er wiederholt und fortwährend seine Unschuld betheuert Haden. Nah­rung nahm er seit vorgestern Abend außer einem Glase Wein bis $u seinem Todes­gange nicht mehr zu sich, obgleich sein Schwiegervater reichlich für alle möglichen Speisen gesorgt hatte. In völliger Apathie lag er den größten Theil des Tages und der Nacht auf seinem Bette mit geschlossenen Augen und sprach mit seinen Wächtern nicht ein Wort. Gestern Nachmittag schrieb er sodann noch einen Brief an seine Frau, über dessen Inhalt uns nichts bekannt geworden. Die Guillotine war gestein Abend um 7 Uhr aus Mainz hier eingetroffen und im Laufe der Nacht aufgeschlagen worden.

Schon von 3 Uhr heute früh hatten sich Hunderte von Menschen m der Um­gebung des Arresthauses angesammelt. In den Hof hatten nur die durch das Gesetz vorgefchriebenen Zeugen, sowie etwa 100 Personen, welche von der Staatsanwaltschaft Karten erhalten, Zutritt. In einiger Entfernung, zu beiden Seiten des Schaffots, hatten Militärpiquets von 50 Mann mit aufgepflanztem Seitengewehr Ausstellung genommen. Die Rundethurmstraße war durch Schutzmannschaft und berittene Gendarmerie abge­sperrt. Doch waren die benachbarten Häuser und Mauern, von denen man einen Blick auf die Hinrichtungsstätte werfen konnte, dicht mit Neugierigen besetzt, welche theilweise die Dächer abgedeckt und sich darauf bis zu den Giebeln postirt hatten. Vor 5 Uhr erschien der Scharsrichter Brand aus Coburg mit seinen beiden Gehülsen. Der Scharfrichter ist noch ein junger Mann von 26 Jahren und vollzog derselbe heute die 5. Hinrichtung, während sein Vater deren 24 mit dem Schwerte vollzogen. Derselbe erschien im schwarzen Salonanzug (Frack, Cylinder und weiße Handschuhe) und prüfte mit seinen Gehülsen nochmals den Mechanismus des Instruments. Das schwere Fallbeil war gestern neu geschliffen worden. Nachdem die Prüfung vollzogen und dem Staatsanwalt, welcher sich auf das Schaffst begeben, hiervon Meldung gemacht war, versammelten sich zwei Minuten vor 6 Uhr auf einem niederen, schwarz ausgeschlagenen Podium, das am Fuße des Schaffots errichtet war, die Richter, der Staatsanwalt und ein Gerichtsschreiber, sowie der Vertheidiger des Verurthellttn, Rechtsanwalt Metz HL, sämmtlich in Robe und Barett. Aus ein Zeichen des Staatsanwalts wurde der von Pfarrer Dr. Sell begleitete Pfaff durch Gendarmen aus seiner nahen Zelle geführt.

Derselbe trua seinen eigenen schwarzen Anzug, weißes Hemd ohne Kragen, sowie eine hohe graue Mütze uud legte den Weg bis an das Schaffst festen Schrittes zurück, vermied es aber, die Augen aufzuschlagen. Der Geistliche legte ihm die Hand auf die Schulter und sprach ein kurzes Gebet vor. welches mit den Worten schloßGott sei mir armen Sünder gnädig", welche der Delinquent nachsprach, dann aber noch wört­lich hinzufügte:Ich betheuere nochmals meine Unschuld an dem so schweren Verbrechen, das man mir auferlegt".

Hierauf verkündete ihm der Staatsanwalt Hallwachs nochmals kurz das Urtheil resp. Verwerfung seines Gnadengesuches und schloß mit den Worten:So übergebe ich den Philipp Pfaff aus Nieder-Ramstadt Euch Henkern dem Urtheil gemäß zu richten vom Leben zum Tode" worauf der Scharfrichter und seine Gehülsen den Verur- theilten sofort erfaßten und auf das Schaffot führten, dessen etwa 20 Treppenstufen Pfaff gleichfalls festen Schrittes erstieg. Oben angelangt, hals der Delinquent noch selbst beim Ausziehen seines Rockes, worauf er in einer Secunde an das Brett auf­geschnallt und unter das Beil geschoben war. Ein Blitz und der Kopf siel getrennt vom Rumpfe in den zur Ausnahme bestimmten rothen Sack, in welchen das Blut heftig nachströmte. Der Körper selbst gab kein Lebenszeichen mehr, während die Hände noch mehrmals covulsivisch zuckten.

Nachdem der sofort erfolgte Tod durch die Aerzte conftatirt war, wurde der Körper nach einigen Minuten abgeschnallt und in den unter dem Schaffot bereit ge­

haltenen, von dem Schwiegervater des Gerichteten besorgten Sarg (derselbe trug die InschriftRuhe sanft" j gelegt und zwar, einem alten Scharsrichtergebrauch zufolge, das Haupt zwischen die Beine. Die ganze Procedur von dem Austritt des Verur- theilten aus der Zelle bis zum Niederfallen des Beiles währte etwa 4 Minuten und nachdem Pfaff dem Scharfrichter übergeben war, vergingen kaum 40 Secunde» bis zu einer Hinrichtung. Während derselben wurde das Armsünderglöcklein geläutet. Die zahlreiche Menschenmenge außerhalb des Gefängnisses bewahrte eine musterhafte Haltung. Um halb 10 Uhr fand sodann die Beerdigung, wie es das Gesetz vorschreibt, in aller Stille in einer abgelegenen Ecke des hiesigen Friedhofs statt.

Die Guillotine wurde alsbald nach der Hinrichtung abgeschlagen und soll heute noch nach Mainz zurückgefahren werden. Hoffen wir, daß dieselbe niemals mehr ihr furchtbares Amt zu verrichten haben möge! (N. H. V-)

Lokales.

Gießen, 18. Juni. Ueber die Tabaksfabrikation spricht sich der Jahresbericht der Handelskammer folgendermaßen aus:

In den Jahren 1878 und 1879 war das Rauchtabaksfabrikationsgeschäft ein sehr lebhaftes, da in beiden Jahren aus Furcht vor der geplanten Zoll- und Steuer­erhöhung fabricirte Tabake stark gekauft wurden. Diese Lebhaftigkeit hielt an, bis die Preise des Fabrikats, in Folge der im Juli vorigen Jahres in's Leben getretenen Zoll- und Steuererhöhung, einen Aufschlag erfuhren. Seit dieser Zeit hat der Consum der Rauchtabake, obgleich die Preissteigerung durchgehends noch nicht den vollen Steuer- und Zollzuschlag erreicht hat, sehr abgenommen, und ist seitdem die Fabrikation eine recht schleppende geworden. Der unbemittelte Theil der Bevölkerung, welcher früher die billige Pfeife sich erlauben konnte, ist durch die hohe Belastung gezwungen, entweder auf den Genuß des Tabaks zu verzichten, oder doch wenigstens den Verbrauch desselben sehr einzuschränken. Diese Klagen sind nicht local, sie kommen gleichlautend aus allen Gegenden Deutschlands, und steht ein dauernder Rückgang des Consums des Pfeifentabaks unter diesen Umständen außer Zweifel.

Der so bedeutend erhöhte Zoll und die Tabaksteuer erfordern zum Betrieb Der Geschäfte bedeutend größere Capitalien als seither, und läae es daher im Interesse der ganzen Tabaksbranche, wenn, wie früher, ein längerer Zollcredit bewilligt würde.

Gießen, 18. Juni. Gestern Abend wurde die Leiche des seit verstossenen Samstag vermißten Ausläufers an der Militär-Schwimmanstalt in der Lahn gcländet.

Nicht weniger denn 6 liederliche Frauenzimmer, welche ihr Unwesen am Bahnhofe und auch innerhalb der'Stadt trieben, wurden gestern Abend eingesteckt. Vier derselben wurden heute Morgen vom Gericht zu diversen Tagen Gefängniß verurtheilt.

Ein Mädchen von auswärts, welches sich bei einer hiesigen Vermietherin einige Zeit aufgehalten hatte, entwendete derselben eine Taschenuhr. gelang jedoch, die Diebin, nach­dem sie sich heimlich entfernt hatte, cinzuholen und ihr die Uhr wieder abzunehmcn. Auf in­ständiges Bitten ließ man sie hierauf ohne Inanspruchnahme der Schutzmannschaft laufen.

Vermischte-.

Darmstadt, 17. Juni In der Provinz Oberheffen sind Masern hin und wieder verbreitet und neuerdings aufgetreten in der Stadt Schotten, nachdem die Epidemie in anderen Orten des Kreises: Nieder- und Ober-Seemen, Volkartshatn, Burkhards, Kaulstoß und Eschen rod erloschen waren. Im Kreise Friedberg sind die Masern in rascher Verbreitung in den letzten Tagen in Rödgen aufgetreten, insbewndere unter den Schulkindern; die Epidemien in Kaichen und Heldenbergen im Erlöschen begriffen. Im Kreise Gießen herrschen Masern zur Zett noch in Alt-Buseck mit geringer Intensität.

Darmstadt, 17 Juni. In den Kreisen Friedberg, Gießen und Büdingen, in welchen erfahrungsgemäß Milzbrand seit langer Zeit fast stets unter dem Viehstand vorkommi, scheint diese Seuche neuerdings wiederum bäusiger aufzutreten und sind insbesondere aus den Orten: Glauberg, Alt Buseck, Leihgestern, Lollar, Gießen und Bad Nauheim einzelne Fälle desselben bekannt geworden/ In Bad Nauheim wurde der Besitzer milzbrandkranker Kühe tnficirt und ist derselbe der Krankheit erlegen (D. Z.)

Berlin, 13. Juni. (Feuer.) Ein furchtbares Feuer, das für den ganzen Süden und Süd-Osten Berlins von den schrecklichsten Folgen hätte begleitet sein können, wüthete während der ganzen vergangenen Nacht aus dem Grundstück Kohlen­ufer 1/2. Auf diesem Grundstück, das nur durch eine niedrige Mauer von den Retorten­häusern und Gasometern der in der Gitschinerflraße befindlichen städtischen Gasanstalt getrennt wird, befindet sich außer Wohngebäuden die Pohlborn'sche Oelfabrik. Am gestrigen Sonnabend Abend gegen 11 Uhr, also mehrere Stunden nach Feierabend, bemerkte der Besitzer in dem Kesselhause, welches zum Sieden von Harzölen bestimmt ist, plötzlich einen Feuerschein. Herr Pohlborn signalisirte sofort an sämmlliche Wachen Klein-Feuer", welche Meldung durch das inzwischen benachrichtigte Polizei-Revier auf ' Mittel-Feuer" verstärkt wurde. In 15 Minuten waren die Mannschaften der 2. Com­pagnie nebst Dampfspritze, sowie der Branddirector Major Witte und der Centralzua zur Stelle Bei ihrem Eintreffen stand der ganze westliche Theil der Fabrik, namentlich aber das sich anschließende Oellager in Flammen, während die Gasanstalt m der größten Gefahr schwebte, jeden Augenblick in die Luft zn fliegen. Die große Gefahr der Situation sofort erkennend, rief der Brandirector durch die MeldungGroß-Feuer auch die Mannschaften der 1., 2. und 5. Compagnie zur Hülfelefftung herbei, die denn auch alsbald mit noch zwei weiteren Dampfspritzen auf der Brandstätte eintrafen. Alle drei Dampfspritzen, sowie sieben große Handdruckspritzen, die sämmtlich am Canal Aufstellung nahmen und von dort her Wasser pumpten, vereinigten sich an der östlichen Front des Grudstücks zu einem on-masse-Angriff, während zwei Spritzen zur Sicherung der Gasanstalt commandirt wurden und dort Posto saften- Trotz der wolkenbruchartigen Wassermassen schien das Feuer eher größer als kleiner zu werden; eines der Oelfaffer platzte nach dem anderen und ergoß sich der Inhalt in das Flammenmeer, das,elbe zu neuer Gluth anfachend. Krachend und prasselnd stürzten Balken und Eisentheile in hochglühendem Zustande, sowie die im Thurm befindliche Uhr in das Innere, alles darunter Liegende in Brand setzend. Todesmuthig drangen Feuerwehrleute geleitet von ihren Officieren und ungeachtet der umherspritzenden siedenden Oelmassen, m die brennenden Räume vor, und haben Oberseuermann Hohenfeld, Feuermann Ewmger bedeutende, mehrere Andere unbedeutendere Brandwunden, namentlich an den Futzen, erlitten. Bald nach 3 Uhr war das Feuer an allen Punkten als gelöscht zu bezeichnen. Gegen halb 4 Uhr konnte das Gros die Brandstätte verlassen, wahrend sich die Auf­räumungs-Arbeiten bis in die sechste Stunde hinzogen. Ueber die Entstehung war Bestimmtes noch nicht zu ermitteln. Der Schaden beläuft sich auf ca. 90,000 und ist, abgesehen von der städtischen Feuer-Societät, von der Schlesischen Feuerversicherung zu tragen.

Krischbiicker in Gießen.

Sonntag, den 20. Juni. Wilhelm Hartmann, Neustadt. Emil Noll, Löwen- gasie. Ludwig Keil, Neue Bäue.____________________

en

Jahreßfest

Morgens 9*/a Uhr: Pfarrer Schlosser.

(Katechismuslehre für die weibliche Jugend.) Nachmittags 2 Uhr: Dr. Buchhold.

Der Gießener DecanatS-Zweigveretn ver Gustav-Adolf-Stiftung feiert sein in Watzenborn Nachmittags 2 Uhr.

Die Pfarraeschäfte für die Woche vom 20. bis 26. Juni besorgt Pfarrer Schlosser.