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Die Bolksstimmung und der Reichstag.

Man steht diesmal mit einer gewisten Resignation in den Volkskreisen den ReichStagsverHandlungen entgegen. Alles in Allem kann man sagen, daß die goldenen Tage blühenden Glückes, Welche die Finanzreform herbeizaubern nicht eingetroffen sind. Es mochte sich zwar eine Besserung der wirth- schaftlichen Verhältnisse bemerkbar, aber flugs kam die neue Militärvorlage, ,amen die Ankündigungen der Erhöhung der Matrikularbeiträge und einer neuen Anleihe, und endlich gesellten sich die Gerüchte über eine ganze Anzahl neuer Steuern hinzu, um der vertrauensvollen Stimmung einen sehr merklichen Dämpfer aufzusetzen.

Diese Sachlage ruft die Geschichte des Umschwunges der öffentlichen Meinung in Deutschland in's Gedächtnlß zurück.Wir haben diesmal liberal gewählt", sagten damals die Leute,und es sind trotzdem der Steuern nicht weniger geworden. Probiren wir es einmal mit den Conservativen!" Diese Redensart, so wirksam sie auch war in einem Augenblicke der Aufregung und Verwirrung, namentlich dort, wo man öffentliche Besprechungen zu hintertrei­ben wußte und die Flugblätter confiscirte, war m der That nur für den Moment berechnet. Wie sich jetzt zeigt, hat sie kurze Beine und wird nicht weiter laufen.

Auch die conservatioe Aera hat neue Lasten und neue Steuern im Ge­folge, außerdem aber bringt sie uns die Gefahr, daß durch die großen Erträge dem Reichstag sein im Interesse der bürgerlichen und wirthschastlichen Gesell­schaft gegenüber dem Staate unentbehrliches Steuerbewilligungsrecht be­schränkt wird.

Es zeigt sich also jetzt, daß Conservatioe wie Liberale neue Steuern schaffen; nur daß die Conservativen dabei auch noch die geringen coustitutio- neüen Rechte schmälern. Um gerecht zu sein, muß man übrigens mit Braun- Wiesbaden sagen:Wer überhaupt den Leuten Abschaffung der Steuern verspricht, der ist ein bewußter Lügner; selbst von einer Verminderung der­selben kann nur die Rede sein bei einer Verminderung des stehenden Heeres, welche natürlich die Conservativen am wenigsten wollen!"

Es ist also das Experiment des Ccnservativ-Wählens zum Zwecke der Steuerverminderurig verunglückt, und darauf wird man wohl bei den nächsten Wahlen das Hauptgewicht legen müffen. Man wird natürlich die conseroa- nve Partei mit dem Maßstabe meffen, welchen die Bibel in den Worten bietet:An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen!"

Vor Jahren hieß es im Volke:Wir find krank; der liberale Doctor hat uns nicht curirt, nun wollen wir es mit dem conservativen versuchen." Heute liegen einige Resultate der Kur vor; die Liberalen aber sagen:Wir find nicht krank, wir haben gesunde Gliedmaßen und gesunden Verstand. Wenn aber Jemand krank ist und wechselt ewig mit dem Doctor. der geräth zuletzt an einen Quacksalber, der ihm viel Geld abnimmt und ihn rasch unter die Erde befördert." M

Fcutjchland.

Darmstadt, 16. Februar. Das Großh. Regierungsblatt (Beilage ®r 4) enthält:

1 Uebersicht der für das Jahr 18SO von Großherzoglichem Ministerium ees Innern »nd der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Conn munal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Dieburg.

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Donnerstag den 19. Februar

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PeeiO vierteLjLhrkich 2 Mark 20 Pf. mit «Ingerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Bekanntmachung.

Die bezüglich des Rindviehs in Wieseck verfügte Gemarknngssperre wird vow 19. l. MtS. an aufgehoben.

Jedoch bleiben für das Rindvieh des Großherzoglichen Bürgermeisters Lang, Johannes Ihm, Philipp seibert III., der Philipp Kreilings Wtttwe, des Balthasar Sommerlad und Philipp Rodenhausen nachfolgende Sperrmaßregeln bis auf Weiteres bestehen:

1) Sämmtliche Genannte dürfen fremdes Rindvieh vorübergehend nicht bei sich einstellen;

2) Das Rindvieh derselben darf die Gehöfte nur in Gespannen verlassen und ist vom gemeinschaftlichen Weidegange ausgeschlosse i;

3) Das Rindvieh der drei Erstgenannten darf die Gemarkungsgrenze nicht überschreiten und das der beiden Letztgenannten außerhalb dec Gemarkungsgrenze nicht eingestellt und mit anderem Rindvieh nicht in Berührung gebracht werden.

Gießen, am 17. Februar 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. ____________________

L Uebersicht der für das Jahr 1880 beziehungsweise 1878/80 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Um­

lagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfniffen in den israelitischen Reli­gions-Gemeinden des Kreises Bingen.

3. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Be­dürfnisse in den israelitischen Religions- Gemeinden des Kreises Alsfeld.

4. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal - Bedürfnissen in den israelitischen Religions - Gemeinden des Kreises Bensheim.

5. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Lauterbach, die Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinde zu Crain­feld, im Kreise Lauterbach, für 1880 betreffend.

6. Uebersicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Com- munal-Bedürfnissen in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Groß-Gerau.

7. Promotionen an der Großherzoglichen Landes-Universität Gießen.

8. Dienstnachrichten. Am 28. Januar wurde dem Heinrich Heineck aus Villingkn baS Patent als Geometer 1. Klasse für den Kreis Gießen ertheilt; am 29. Januar wurde dem Schullehrer Valentin Falkenstein zu Mölsheim die Lehrerstelle c.n der Gemetndeschule zu Klein-Winternhet.n; am 30. Januar wurde dem Schullehrer Simon Wagner zu Staufenberg die Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Stangenrod übertragen; am 2. Februar wurde dem Ludwig Heßler aus Queckborn das Patent als Geometer 2. Klaffe für den Kreis Güßen ertheilt; am 3. Februar wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Gustav Schmidt aus Ober-Mörlen die Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Ober-Wöllstadt übertragen.

9. Militärdienstnachricht. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 21. Januar den Oberst ä la suite der Kavallerie v. Küchler von seiner Stellung als Flügeladjutant z. D. zu entheben.

10. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rodheim mit einem Gehalt von 900 Eine (neu errichtete) Lehrerstelle an d?r Gemeindeschule zu Mittel-Gründau mit einem Gehalt von 900 JL Em? mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ruppertenrod mit einem Gehalt von 900 «X

m. Darmstadt, 17. Februar. Zweite Kammer der Stände. 47. Sitzung. Die Tagesordnung der heutigen Sitzung der zweiten Kammer der Stande hatte die Gallerie dicht gefüllt. Zunächst tritt das Haus ein über den An­

trag des Abg. Osann bezüglich der Verordnung vom 15. August 1879, die von den Nichte, n, Staatsanwälten, Gerichtsschreibern und Rechtsanwälten zu tragende Amts­tracht betreffend, deren Rücknahme von dem Antragsteller verlangt wird, soweit ste sich aus die Rechtsanwälte bezieht. Unterstützt wird der Antrag durch eine Vorstellung des Vereins öffentlicher Rechtsanwälte zu Darmstadt. Die Abgg. Osann und )Retz führen in längerer Rede aus, wie die Regierung nicht berechtigt gewesen: fei, auf dem Verordnungsmege eine solche Bestimmung zu treffen, welche bie individuelle Freiheit beschränke, wie man auch in anderen Staaten wo d.e Roben bei den Anwälten em- gesührt sei, den constitutionellen Weg der Gesetzgebung Ungehalten habe uud wle d.e ganze Einrichtung weder im Interesse der ,m Interesse des

Anwaltstandes selbst liege, der dar n nur eine Dis^plmar-Maßregel erblicken muffe Staatsminister Freiherr v. Starck, Excellenz, Geheime Staatsrath Finger und

Bekanntmachung.

Heute Nacht wurden dahier mittelst Einsteigen folgende Gegenstände gestohlen:

2 silberne Zuckerbecher, innen vergoldet, gez. M. K., 1 Dutzend silberne Theelöffel, gez. M. K., */2 Dtzd. silberne Kaffeelöffel in Etui, gez. 6. K., 1 Dtzd. silberne Kaffeelöffel ohne Zeichen, 1 silberner Kaffeelöffel, vielleicht gezeichnet M. K., 1 Dtzd. silberne Eßlöffel ohne Zeichen, Vr Dtzd. silberne Eßlöffel, noch nicht gebraucht, 1 silbernes Salatbesteck (Löffel und Gabel schwarzer Holzgriff), 1 Goldschmuck (Broche und Ohrrin.e) von mattem Gold, auf der Broche 12 kleine Brillanten um einen größeren, aus jedem Ohrring 7 Brillanten, 1. Schmuckkasten mit goldenen Ringen, Ketten, Medaillons, Brochen, 1 Serviette, weiß M. A. gez., mit eingewirktem Jagdbild, 4 Servietten, K weiß und roth gez., 1 Servietten­ring von Neusilber zum Ausziehen, 1 Serviettenring von weiß und blauen Perlen.

Beim Vorkommen irgend eines dieser Gegenstände bittet man um baldige Nachricht Hierher.

Auf Wiedererlangung der gestohlenen Sachen oder Ergreifung des oder der Thäter ist eine Belohnung von 100 «X ausgesetzt.

Gießen, den 17. Februar 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

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Amrißk- mib Amtsblatt fit bei Kreis Gieße«.