Ausgabe 
18.1.1880 Erstes Blatt
 
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hartnäckigem Kampfe hätten

klaffen waren daran betheiltgt. Die Morgenblätter ermahnen das PuLltkam wiederholt zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Ruhe.

Paris, 16. Januar. Die Seitens oes Ministeriums in den Kammern abgegebene Erklärung besagt: Das Cabtnet wird die besonnene und maßvolle Politik des vorigen Cablnets sortsetzen, wird den Senat ersuchen, die von der Kammer genehmigten Uaterrichtsgesetze zu vottren, und wird Gesetze über die Presse und Versammlungsfreiheit einbringen. Das Cabtnet wird ferner die Ausführung des Programms der öffentlichen Arbeiten sich angelegen sein lasten, bet Berathung der Zollgesetzgebung einen der gegenwärtigen Sachlage stch an­nähernden Standpunkt etnnehmen und die Beschleunigung der Dtscussion der Mtlitärgesetze fordern. Die Gesetze wird das Cabtnet mit Mäßigung und Unparteilichkeit handhaben. Dasselbe will Frankreich namentlich zwei unent­behrliche Güter bewahren: Ruhe und Frieden. Ohne der Festigkeit zu erman­geln, werden wir versöhnlich sein, well wir Niemanden ausschlteßen, sonder« alle Franzosen wieder vereinigen wollen.

Pari-, 16. Januar. Die Erklärung des Ministeriums enthält auch einen Passus, wonach daffeibe eine Magistratur voll Achtung vor den repu­blikanischen Institutionen will und die Ankündigung von Steuernachläffen. In beiden Kammern wurde die Erklärung sehr beifällig ausgenommen.

Paris, 16 Januar, Abends. Jules Favre ist schwer erkrankt. Der Senat wählte Barthelemh-Satnt.Hilatre zum Viceprästdenten.

Pesth, 16. Januar, Nachts. Die Ruhe blieb ungestört. Minister­präsident v. Tisza traf Nachts aus Wien ein; es fanden aber nicht, wie man befürchtete, irgendwelche Ansammlung oder Demonstration statt.

Czanitza wieder genommen. Todte und 50 Verwundete.

In Deutschland starben im Jahre 1878 an Hals -, Brust- und Lungenleiden nicht weniger als fünfzigtausend Personen. Diese Zahl, welche so unendlich viel Trauer und Thränen in sich schließt, ist statistisch festgestellt.

Bei Hals , Brust- und Lungenleiden werden die weltberühmten Brustkaramels Maria Benno von Donat entweder roh gegessen, oder 56 Stück in heißem Kakao- Tf)Ce oder Milch aufgelöst, aber nur lauwarm getrunken.

Bei den vielfachen Fälschungen, Imitationen und Neidern wird daran erinnert' daß sich der echte Kakao-Thee Maria Benno von Donat genau in denselben Himmel' blauen Kartons befindet wie die Brustkaramels und in Deutschland nur 20 H kostet

Der Kakao-Thee Maria Benno von Donat, dieses billige, wohlschmeckende und nahrhafte Getränk für Kinder und Erwachsene, soll eine halbe Stunde im Wasser kochen-

Depot in Gießen bei Herrn Carl Schwaab, m Ortenberg bei Herrn Kaufmann Th- Emrich. (428

Wie«, 15. Januar. DiePolit. Corresp." meldet aus Konstantinopel: Gestern wurde hier der erste Bericht über den Zusammenstoß bei Gujstnje veröffentlicht. Der Gouverneur von Koffowo telegraphin, die Montenegriner hätten am 7. ds. das Dorf Meta bet Plawa angegriffen und 200 Stuck Vieh geraubt. Dieselben seien am 8. dS. aus Gussinje und Plawa marschrrt, deren Bewohner lebhaften Widerstand leisteten. Nach die Albanesen die Ortschaften Velika, Ipek und Der Verlust der Albanesen betrage angeblich 40 Viele Montenegriner seien getödtet worden.

Lokales.

Gießen, 17. Januar. (Sitzung der Stadtverordneten am 15. Januar.) Anwesend: Herr Bürgermeister Gramm, Die Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten die Herren Batst, Gail, Grüneberg, Haustein, Hoch, Hornberger, Lüdeking, May, Pfannmüller, Schopbach, Wenzel und Wortmann.

Herr Bürgermeister Bramm legt die Rechnung für das Jahr 1878 nebst Verwaltungs­rechenschaftsbericht vor und wird derselbe der Fmanzdeputation überwiesen.

Zum Zweck der Entfernung der Freitreppe vor dem Anatomiegebäude war an Großh. Ministerium des Innern und der Justiz das Ersuchen gerichtet worden, genannte Treppe auf Staatskosten entfernen zu lassen. Laut Rescript Großh. Ministeriums hat dasselbe das Gesuch der Stadt abgelehnt und ihr anheimgegeben, Die Treppe auf ihre Kosten zu entfernen. Die Versammlung beschließt daraufhin, die Treppe in ihrem jetzigen Zustande zu belasten.

Da der Ortsarmenverband Probbach mit der Zahlung der Kurkosten für Verpflegung eines Ortsangehörigen int Betrage von ca. 39 M. im Rückstände bleibt, wird beschlossen, klagend gegen genannten Armenverband vorzugehen.

Auf eingegangenes Gesuch um Vergütung für die Bedienung der Uhr in dem Bürger- meisterei-Büreau wird eine solche in der Höhe von 5 'M. pro Jahr bewilligt.

Eine eingegangene Rechnung über gelieferte Parzellensteine wird zur Auszahlung über­wiesen. worauf sich die öffentliche Sitzung in eine geheime verwandelt.

Gießen, 17. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben die Gnade gehabt, für die Herberge zur Heimath, welche dahier errichtet werden soll, einen einmaligen Beitrag von 500 Jt. zu bewilligen.

In Darmstadt ist nunmehr nach derR. H. D." auch an einem zugereisten Hand- wcrksburschen das Recurrenssieber constarirt worden. Derselbe würbe sofort ins Hospital x>n bracht und sind alle Vorsichtsmaßregeln gegen die Weiterverbrettung dieser Seuche getroffen wordcn.

Wir veröffentlichen seit dem Bestehen der hiesigenVolksküche" täglich die verab­reichten Portionen. Es könnte nun scheinen, namentlich wenn wir die verkauften Portionen der­artiger Anstalten in anderen Städten betrachten, als ob in hiesiger Stadt (wo jetzt ungefähr acht- hunvert Porrionen täglich an Arme, Kinder und Handwerksburschen verabreicht werden) ein besonders großer Nothstand herrsche. Dem ist jedoch, wie wir ausdrücklich bemerken, nicht so. Die Summe der vertheiltcn Portionen scheint erstens so hoch dadurch, daß eigentlich nur halbe Portlonen .'s/8 Liter) notlrt werden, eS also immer nur die Halste von Portionen im Gegen­sätze zu anderen Städten ist. Zweitens hat der Ausschuß der Volksküche den nur zu lobenden und anderwärts nachzuahmenden Beschluß gefaßt, daß arme Ämter der Stadtschule, welche emen weitm Weg Mittags zu machen haben, sowie diejenigen Kinder, deren Eltern nicht zu Hause sondern auf Taglohn arbeiten, daß diese Kinder, und deren sind es täglich über Hundert, ihre Portionen -m Lokale der Volksküche erhalten. Drittens schwankt die Zahl der zu speisen­den Handwerksburschen immer zwischen 30 und 40 täglich, welche also 60 bis 80 und noch mehr Portionen Suppe genießen. Viertens ist die Volksküche durch den Wohl- thatigkeitsstnn der Bewohner unserer Stadt in der Lage, im wei­testen Maße an Bedürftige ihre Speisen zu verabreichen. Sind doch mit Zurechnung der Victualicn für die Volksküche über 7000 Mark eingegangen. Welch schönes Zeugniß für die Opferwilligkeit unserer Bewohner! Wir hatten uns nicht getäuscht, als wir bei Begründung der Anstalt auf diese Opferwilligkelt hmwresen. Unsere Ansicht hat sich in schönster und reichlichster Weise bestätigt.

DieVolksküche" vertheilte heute 937 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 138, 646 Portionen erhielten Arme und Kinder, 153 Portionen Handwerksburschen.

Telegraphische Depeschen.

Wagrrer'S telegr. Correspoudenr «»reau.

^Berlin , 16. Januar. Die EisenbahmCommtfston des Abgeordneten­hauses genehmigte den Bau der Eisenbahnen Schneidemühl - Deutsch - Crone, Hir chbera-Schmiebeberg, Walburg-Großalmerode, Emden-Norden und nach der olvenburgiichen Grenze in der Richtung auf Jever nebst Abzweigung von (^orgSbed nach Aurich, Reil-Traben und Wangerohr-Bernkastel.

Posen, 16. Januar. Amtliche Meldung des General Commandos des 5. Armee-Corps: Die vomHamburger Korrespondenten" und der Augsburger Attgem. Ztg." gebrachte Erklärung, daß preußische Ofsiciere in Kalijch injultitt und bedroht seien, ist erfunden. Seit Monaten hat kein preußischer Osstcler die russische Grenze bei Ostrowo überschritten. Der freundschaftliche Verkehr, welcher früher bestanden, konnte nicht ausgenommen werden, va das betr. rujstsche Regiment tu jüngstes Zeit erst seine alte Gar­nison Kalisch wieder bezogen hat. Ueberhaupt tst an dortiger Grenze nicht das Geringste vorgesallen, was irgendwie Anlaß znr Erfindung dieser Erzäh­lung geben könnte.

London, 16. Januar. Eme Depesche des Generals Roberts meldet, er habe den Posten des Militär Gouverneurs von Kabul aufgehoben und die Verwaltung von Kabul dem Mali Mahomed Khan übertragen.

Pesth, 16. Januar. Heute Nachmiltag sand ohne jede Störung die Beerdigung der beiden Opfer des vorgestrigen Krawalls statt; die Lerchen- sectivn ergab Tod durch Spitzkugeln aus weittragenden Gewehren. Dem Antrag von 25 Stadträtheu aus Einberufung einer außerordentlichen General- Versammlung des Muuicipiums gab der Oberbürgermeister nicht statt. Das Unterhaus ist auf den 22. ds. zur Sitzung einberufen.

Petersburg, 16. Januar. DerRuff. Invalide" erklärt die Sen- sutwns-Telegrammc ausländischer Blätter über Kriegsvorbereitungen Rußlands an seiner westlichen Grenze für vollständig unbegründet und aus der Lust ge­griffen und den guten Beziehungen Rußlands zu den benachbarten Staaten r icht entsprechend. Die Friedensliebe Rußlands habe noch im December die Herabminderung der Armee um 36,000 Mann unter die Friedensstärke dictirt und seien weitere Friedensmaßregeln, speciell eine weitere Reducirung der Armee in Aussicht genommen.

PeÄh, 16. Januar. Die Straßen-Demonstrationen von gestern Abend hatten keinen ernsteren Eharakter; nur Leute aus den atteruntersten Volks-

Krankreich.

Paris, 14. Januar. Heule wurde In der Kirche St. Augustin eine Gedenkmeffe für Napoleon HL, gestorben am 9. Januar 1873, gehalten, zu der sich in und vor der Kirche etwa 2000 Personen emgefunden harten. Der Prim Napoleon Jerome wurde ehrerbleiig von der harrenden Menge begrüßt, doch wurde jede weitere Kundgebung vermieden. AIS aber Paul Caffagnac aus der Kirche trat, liefen ihm feine bi sonderen Anhänger nach und riefen: Caffagnac hock! Das Kaiierthum soll leben 1" Cassagnac, der von einigen Polizeibeamteu begleitet wurde, wandte sich an der Rue de Boulogne nach den Schreiern um und hielt folgende Anrede:Kehret heim in Ordnung, meine «reunde! Frankreich ist unglückilch, aber nicht für lange Zeit. Das Kalscr- tbum solch Euch auf den F-rs-n!" Lebhafter Jubelruf und ruhige Hermkehr der angeredeten Volksmenge. Die Polizei ließ Pie Anrede ungestört.

Vermischte S.

Mainz, 14. Januar. Wir entnehmen demMzr. Tagbl.": Der Dammbruch der Ludwiaßbahn bei Bischofsbeim ist. wie bekannt, seit Sonntag so weit hergestellt, daß auf einem Geleise der Dienst wieder ausgenommen werden kann. Die Herstellung der ganzen Strecke wirD noch längere Zeit in Anspruch nehmen, da außerdem der Maindamm wieder repariri werden muß, was Sache deö Staates ist. Die Herstellung jenes einen Geleises hat Mühe und Unkosten genug verursacht. Man hat den Grund von dem noch stehenden, nur teilweise be­schädigten dazu verwendet und zwanzigkausend Gentner Bruchsteine allein aus dem Odenwald berabgefabren, nm die große Bresche zu stopfen, nachdem das Wasser allen Grund verschlang. Der Schaden, den die Bahn durch die Unterbrechung des Verkehrs und die Rothwendigkeit der Herstellunasarbeiten erleidet, beziffert sich auf 25 - 30,000 M. täglich. Seit Wiedereröffnung des Dienstes sind natürlich nur noch die Arbeiten zu rechnen. Doch dürfte das Ganze etwa eine Million Mark kosten. , . £ n

Mainz, 15. Januar. Wie wir vernebmen, soll wegen der Erbauung einer festen Rheinbrücke von hier aus eine Adresse an die MitglieDer der zweiten Kammer gerichtet werben, um in derselben die Rothwendigkeit der Erbauung einer Brücke klarzulegen. -- Als heute Morgen das Trajectboot der nassauischen Babn, welches gegenwärtig nur noch Den Verkehr .wischen Main, und Kastel unterhält, seine erste Fahrt unternahm, zerbrach plötzlich, als das Schiff auf der Mitte des Rheinstromes war, die Achse, so Daß das Dampfboot sich nicht mehr von der Stelle bewegen konnte. Bis 8 Uhr war der Verkehr in Folge dieses Unfalles unter­brochen und hunderte von Reisenden und Geschäftsleuten mußten 1 Vz Stunde warten, bis das andere Trajectboot in Dienst gestellt werden konnte. Solche Zustände sind wahrhaft erbärmlich zu nennen, welchen auch nur durch eine feste Brücke abgcholfen werden kann.

- Der Köln. Ztq." wird gemeldet: Frühere Mittheilungen^ nach welchen der nächstjährige Etat für das Reich wenig oder keine Abweichungen von seinem Vorgänger haben würde, sind bereits durch den Etat für das Aus­wärtige Amt widerlegt. Es dürfte dies noch in höherem Grade durch den Militär-Etat aelckehen. Bis jetzt war nur bekannt geworden, daß erhöhte itorberunaen in letzterem in sehr beschränktem Umfange erscheinen und sich lediglich aus die hohen Futterprecse beziehen würden; seit etlichen Tagen inrirfit man indessen von weit größeren EtatsforderungLN der Milttärverwal- UN? d" sich n-m°ntiich °uf die Artillerie b-jt-h-n sollen. Di- Pläne für T der Artillerie sind bekanntlich älteren Datums; man glaubte aber

soll den Verhältnissen nicht mehr entsprechen; dazu kommen die in den Nach­barstaaten bezüglich dies» Waffe erfolgten Formationen, mit denen man glei- d,eU 'Berlin, ^Janu-?''Dem Abgeordnetenhaus- ist eine Vorlag-, Bett, feen Erwerb der Rheinischen und der Berliu-Potsdam-Magdeburger Etsenbahn E ,u Schleswig.Holstein-Sond-r-

ft!2, Ka l Diedrich August (gest. 1869) geboren. Er studtrte in Bonn, fei°nte in der preußischen,Armee und nahm 1856 seinen Abschied aus derselben als Major ü la suite im 1. Garderegiment z. F., um stch alsbald mit Pr n- ressin Adelheid von Hohenlohe-Langenburg zu vermählen. Belm Tod- König Friedrichs VII. von Dän-marck, von welchem er bereits 1859 vergeblich di- Anerkeiniung seiner Erbrechte verlangt halte, erklärte er in einer offenen Pro- clamaiion/daß er nach dem Verzicht seines Vaters, der für >h» nach surst. l.Lew Reckt feine Folgen hatte, die Regierung der Herzogthumer Schleswig- Eein als Lierrog Friedrich VIII. antute. Von da an blieb di- schleswig- bolsteinische Frage acut bis zu deren Lösung durch den preußisch-österreichischen F°Idrua von 1864. Auf der Londoner Conferenz wurde noch -ine Einsetzung M Herzogs von Schleswig in's Auge gefaßt. Die Ansprüche wdeß, die er stellte', bewvgen den preußischen Minister des Auswärtigen, Grasen Bismarck, von der Einfeßnng des Herzogs adzusehen. Durch Art. 5 des Prager Frie- dens fiel Schleswig-Holstein an Preußen. Herzog Friedrich war seitdem polr- tisch in dem Hintergrund geblieben.

Kefterreich.