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67,000 «X; die Ausgaben für Besoldungen und Unterhaltung der Brücke ca. 80 000 <X das Jahr. Der Staat muß daher alljährlich einen nicht un» bedeutenden Zuschuß leisten. Wiro die neue Brücke solid hergestellt, so fallen die Unterhaltungskosten beinahe ganz weg und die Besoldungen des Brücken­personals reductren sich auf ein Minimum, während die Einnahmen aus dem Brückengelde sich nicht wesentlich steigern werden, indem alsdann die Unter- brechungen des Verkehrs durch Ausfahren der Brücke, durch Schifffahrt, Flößerei und Eisgang veranlaßt, ganz wegfallen. Man darf die zu erwar­tende Steigerung auf mindestens 33 bis 50 pCt. rechnen. Wir zveifeln daher nicht, daß der Vorschlag des Ministeriums im Landtage allseitig gebüh- rende Würdigung finden wird. (N. Heff. Volksdl.)

Berlin, 13. Januar. Nachdem die zweite sächsische Kammer am 7. d. Mls. beschlossen, die Staatsregierung zu ersuchen, beim Bundesrathe auf Herabsetzung der in dem Gertchtskostengesetze festgestellten Kostenbeträge hinzu­wirken, nachdem ferner der preußische Justizmtnister in der Sitzung des Abge­ordnetenhauses vom 10. d. Mts. die E'klärung abgegeben, daß das Reich bet der Abmessung der Gebührensätze vielleicht in manchen Punkten zu hoch ge­griffen habe, unterliegt es keinem Zweifel, daß schon in der nächsten Retchs- tagssesston die Frage wegen Herabsetzung der Gerichtskostengebührensätze zur Sprache kommen resp. die Herabsetzung beantragt werden wird. Wenn Herr Dr. Friedberg mittheilte, daß die hohe Normirung der Sätze mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage der meisten deutschen Staaten geschehen sei, so muffen wir, sagt dieVoss. Ztg.", dem gegenüber bemerken, daß damals die Mehrzahl der Bundesregierungen nur die Forderung erhoben hat, die finan­ziellen Erträge der Gericktskosten dürften in Zukunft nicht unter den Betrag herabfinken, den sic bisher aus diesen Einnahmen bezogen. Die Sätze im deutschen Gerichtekostcngesetze, welches sich selbst in seinen Motiven bezeichnet als einenVersuch, der voraussichtlich schon nach wenigen Jahren die Hand der Revision heraussorbern werde", sind allerdings so hoch normirt, daß die entstandene Vertheuerung der Processe in vielen Fällen zu einer indirecien Rechtsverrtngerung ausarten muß, und daß Professor Gneist Recht hat, wenn er aus dem letzten deutschen Jurtstentage die Ansicht aussprach, die Kosten der neuen Ordnung der Dinge seien hauptsächlich vom Anwaltestande zu tragen. Man hat bei der Ausstellung des Gerichlskostengesetzes zu wenig Gewicht darauf gelegt, baß die Erhaltung der Justiz-Organe und Einrichtungen nicht allein im Interesse des Publikums, sondern auch im öffentlichen allgemeinen Interesse zur Erreichung von Staatszwecken geschehen muß. Eine rationelle Finanzpolitik hat auch die Aufgabe, die volkswirthschaftliche Wirkung einer jeden Gebühr scharf in's Auge zu fassen und die zu hoch bemessenen, die Be­nutzung wohlthätiger Staatsanstalten verkümmernden Abgaben zu ermäßigen.

England.

London, 14. Januar. Unter Leitung eines vom Kriegsamt einge­setzten Ausschusses sollen binnen einigen Tage.: in Woolwich Versuche mit zwei MitrErur-Geschützen neuer Art augestellt werden. Das eine ist nach dem Nordenseldt-System construirt, daö andere nach dem Gatling-Systew, beide jedoch mit Abweichungen von den b.eherigen Einrichtungen. Der Nor- benfelbt-Milraillrur hat statt vier Rohre zehn, alle in einer Reihe; der Gat- li gMiUarlleur hat sechs, also weniger als bisher. Wetter ist das Kaliber ve schieden. Es ist so sehr verkleinert worden, daß es jetzt tu beldou Ge­schützen dem Kaliber der Martini-Hmry-Gewehre vollkommen entspricht. Die Kugeln m-ffdi einen halben Zoll im Durchmesser. Die Parallelversuche mit den beiden Geschützen dürften mehrere Tage zur Ausführung erheischen. Dr. Gatling, der Erfinder des nach ihm benannten Geschützes,' gedenkt den Versuchen be'zuwohnenj; er ist augenblicklich auf seiner Reise von Amerika nach Englaiiv unterwegs. Eine Gruudbedingunq, welche der Ausschuß zur Annahme der Geschütze gestellt hat, ist die, daß sich zum mindesten vierh m- bert Schuß in der Minute abgeben lassen.

Spanien.

Madrid, 14. Januar. Die Cortes nahmen die Glückwunsch-Adreffe an den König einstimmig an, indem sich ein Theil der Deputtrten der Abstim- mung enthielt.__

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenr - Bureau.

Berlin, 15. Januar. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In der französischen Presse wird von Parteistandpunkten aus die Behauptung geltenb gemacht, als ob die deutsche Regierung dem jetzigen französischen Cabinete gegenüber irgendwelche Schritte gethan habe oder zu thun beabsichtigte, welche mit der Zurückhaltung den inneren Angelegenheiten Frankreichs gegenüber, wie sie die brutsche Friedenspolitik von Anfang an beobachtet, nicht in Einklang ständen. Wer die deutsche Politik Frankreich gegenüber seit dem Frieden nur oberflächlich beobachtet habe, dem könne die Sorgfalt nicht entgangen sein, mit welcher der Reichskanzler jede Einmischung, ja jeden Anschein einer Einmischung in die innere Politik Frankreichs vermieden habe. Daß die gegenwärtige deutsche Politik auf Erhaltung des Friedens gerichtet sei, sei seit dem Congrefse bona fide kaum mehr anzuzweifeln. Deutschland sei in dieser Beziehung mit Recht vorsichtig geworden durch die unberechtigten Klagen überGerman in- fluencc in England und über angebliche deutsche Eirflüffe in Rußland. Die Nordd. Allg. Ztg." glaubt deshalb auch nicht, daß der Reichskanzler die deutschen Artikel über die jüngste französische Krisis, welche er inspirirt haben solle und worin man sogar seinen Styl erkennen wollte, mit Vergnügen gele­sen oder gar darin eine Unterstützung seiner Politik erkannt habe. Die Ab­neigung gegen jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten Frankreichs, welche das Ergebntß der Achtung vor Frankreichs Unabhängigkeit sei, werde auch ferner für die deutsche Politik maßgebend bleiben. Bezüglich der Ver­suche einzelner Parteien Frankreichs, die Unterstützung Deutschlands zu gewin­nen, welche in früheren Jahren von der Vertretung Frankreichs durch den Grafen de Saint Vallier vielleicht stattgesunden hätten, kennt dieNordd. Allg. Ztg.", wie sie htnzufügt, die intimeren Beziehungen nicht, ist aber über* -rügt baß dieselben, wenn sie überhaupt stattgesunden, in der Richtung des 16. Mai und eines Staatsstreiches gelegen haben könnten, aber durchaus nicht im Interesse einer der jetzt mit einander ringenden Parteien. Jedenfalls müß­ten sie resultatlos gewesen sein und würden das auch zweifelsohne bleiben, welches immer die Stellung der betr. Partei in der inneren französischen Politik sein möchte. '

Leipzig, 15. Jan. Der berühmte Rechtslehrer, Geh. Rath v. Wächter, ist gestorben.

Wiesbaden, 15. Jan. Die Leiche des Herzogs Friedrich Christian August von Schleswig-Holstein Sonderburg-Augustenburg wird, demRhein. Kurier" zufolge, heute unter Benutzung der Eisenbahn nach Schloß Prim- kenau in Schlesien üb-rgeführt, um daselbst in der Schloßgruft betgesetzt zu werden.

London, 15. Januar. Aus Jellalabad wird unterm 11. ds. gemel­det : Mehrere Banden Mohmunds, welche den Kabulfluß von Norden über­schritten , wurden zurückgeschlagen und zogen sich unter großen Verlusten über den Fluß zurück.

Pesth, 15. Januar. Ein Aufruf des Stadthauptmanns gibt zu ver­stehen, daß bei den Krawallen der letzten Tage fremde Arbeiter die Hand im Spiele gehabt haben und ermahnt dieselben, die Gesetze des Landes zu achten, das ihnen Brod gebe. Die Abendblätter richten Warnungen an di; Br- völkerung. DerPesther Lloyd" fügt hinzu, es seien die allerstrengsten mili­tärischen Maßnahmen getroffen.

Abends. Dem Warnungsplakate des Stadthauptmanns ungeachtet sammelt sich heute Abend in den Straßen zwischen dem National-Casino und dem Rochus-Spital, wo die Leichen der beiden gestern Geiödteten liegen, große Volksmaffen an, welche heftig lärmen und Gaslaternen, Fenster rc. zertrümmern. Das Militär schreitet fest, aber vorsichtig ein und sucht Blutvergießen mög­lichst zu vermeiden.

Lokales.

Gießen, 16 Januar. sConcertverein.j Das Sonntag, den 18. Januar stattfiu« dende Eoncert unseres Conccrtvereins wird außer den zwei hochbedeutenden Orchesterwerken Meeresstille und gückliche Fahrt" von Mendelssohn und der 5. Symphonie von Beethoven die Leistungen zweier vorzüglicher Solisten darzubteten haben.

Fräulein Louise Knispel, Concertsängerin aus Darmstadt, steht noch bei ihren zahl­reichen Freunden in unserer Stadt und in werteren Kreisen in bester Erinnerung und hat sich in Stockhausens Schule seit ihrem letzten Auftreten wesentlich vervollkommnet. Sie wird am Tage nach unserem Concerte in dem ersten Hofconcerte im G'vßh. Residenzschlosse in Darm-, stadt singen. Herr Carl Heymann, Lehrer an dem Conservatorium der Musik in Frankfurt gilt unstreitig für (inen der bedeutendsten Pianisten unserer Zeit und sehen wir mit ganz be­sonderen Erwartungen seinem ersten von uns schon so lange ersehnten Auftreten in unseren Concerten entgegen.

Zum Schlüsse erlaubt sich Einsender dieser Zeilen noch darauf bittend aufmerksam zu machen, daß diejenigen Concertbesucher, welche aus Mangel an Verständniß für Beethovensche Symphonien, oder aus Mangel an Zeit(?) vor der Aufführung der herrlichen 0-wolI-Symphonie, welche ihrem Charakter nach an den Schluß des Concertes gesetzt werden mußte, den Saal verlassen wollen, dieses auf die für Künstler und Publikum am wenigsten störende und ver­letzende Weise gütigst bewerkstelligen möchten.

Ueber den von uns in Nr. 10 vom 13 ds. gemeldeten Vorfall im Hofgerichts­gebäude geht uns folgende Berichtigung zu: Der Vagabund ist nicht als Recurrenskranker in das Haus ausgenommen, sondern war von einem Schutzmanne, der von der Anwesenheit eine? Arztes im Hofgerichtsgebäude unterrichtet war, zur Untersuchung hingebracht worden Noch vor einer genauen Untersuchung gelang es dem Menschen, aus dem Parterrefenster zu ent­springen ; er ist jedoch weder mit dem Wärter noch mit einer Schwester in irgend eine, Ihnen ganz fälschlich mitgetbeilte Berührung gekommen.

Im Laufe des gestrigen Tages wurden nicht weniger denn 10 Bettler eingesteckt.

DieVolksküche" vertheilte heute 945 Portionen. Verkauft wurden hiervon 104, die übrigen 841 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerksburschen.

Vermischtes.

Aus dem Ried, 7. Januar. Wie es scheint, bat der Eisgang des Rheines in Groß Nohrheim unr ärgsten gehaust. Es sollen in dem Orte ca. 60 Stück Vieh ertrunken sein unv ebenso einige Kinder, die sich auf der Straße befanden und sich nicht mehr rechtzeitig vor den andringenden Fluthen retten konnten. In dem Lampertheimer Altrhein, gegenüber dem Durch stich am oberen Busch bei Worms, hat sich ein etwa 50 Hectare großes' Eismeer in und auf einander geschoben. Das Eis sitzt am Grund auf und bildet Berge bis zu 13 Meter Höhe über den Nullpunkt des Rbeinpegels und bei dem heutigen Stande von 3,60 Meter senkrechte Wände von 3,20 Meter Höhe längs dem offenen Rheine Auf diesem Eismeer lagern eine Unmaffe Petroleumfäsicr, der Eine schätzt 2000, der Andere noch mehr, mehrere Nachen, ein größeres Fahrzeug, behaueneS Balkenwerk, Flößholz, Scheiter, Trümmer eines Badehauses, ein Schiffsdack, eine Bretterhütte, Heuhaufen und allerlei Dinge, das Alles liegt im tobten Wasser desselben und kommt mit dem sinkenden auf das Trockene. In den schwer betroffenen Districten haben eine Menge Hasen durch die plötzlich eingetretene Ueberschwemmung ihren Tod gefunden.

fFleisch- und Butterpreise.j Nach einer. Zusammenstellung der Gr. Central­stelle für Landesstatistik über die Durchschnittspreise verschiedener Verbrauchsqegenstände kostete im Monat November 1879

per Pfund:

Ochsenfleisch.

Kalbfleisch.

Schweinefleisch.

Butter.

In Darmstadt

0,74

0,55

0,60

1,00

In Babenhausen

0,70

0,60

0,60

0,90

In Bensbeim

0,70

0,60

0,55

0,95

In Bcssungen

0,71

0,53

0,57

1.07

In Erback

0,66

0,40

0,60

0,95

In Offenbach

0,69

0,55

0,68

1,05

In Gießen

0,68

0,52

0,60

1,03

In Alsfeld

0,58

0,43

0,53

0,95

In Büdingen

0,64

0,48

0,60

1,00

In Butzbach

0,69

0,50

0,54

1,28

In Friedberg

0 68

0,45

0,60

1,08

In Schotten

0,59

0,48

0,58

0,78

In Mainz

0,67

0,60

0,60

0,90

In Alzey

0,57

0,58

0,53

0,92

In Bingen

0,63

0,50

0,60

0,93

In Worms

0,70

0,56

0,54

0^93

Mittelpreis 0,66

0,52

0,58

1,05

Handel und Verkehr.

j.A u ß e r C o u r s.j Unsere Leser machen wir, um sie vor Schaden zu bewahren, aufmerksam, daß nachstehende ausländische Münzen seit Neujahr außer Cours gesetzt sind alw nur noch Metallwerth haben: Alle französischen Münzen zu 20 und 50 Centimes die vor 1864 geprägt sind; alle französischen Geldstücke zu 1 und 2 Francs, die vor 1866 geprägt sind; die griechischen, schweizerischen nnd belgischen Silberstücke zu 20 Cent., 50 Cent., 1 und 2 Frs. soweit sie vor 1866 geprägt sind; endlich alle italienischen und päpstlichen Sibermünzen in 20 Cent., 50 Cent, 1 und 2 Francs, ohne Rücksicht auf das Prägungsjahr

^^tourbillets auf der Main-Weser - Bahn.j Von den preußischen Staatsbahnen Nimmt noch die Main - Weser - Bahn hinsichtlich der Pkisonentarife eine Ausnahmestellung ein, indem die Retourbillete, die sonst fast durchweg zu allen Zügen gültig sind, hier zu den Schnell- und Courierzügen nicht oder doch nur gegen Lösung eines relativ sehr theuren und namentlich die Paffagiere der dritten Wagenklasse belastenden Zusatzbillets zugelaffen werden. Während man eine solche Beschränkung auf keiner der sechs in Kaffel einmündenoen Staatsbahn- bezw. unter staatlicher Verwaltung stehenden Linien kennt, wird der Reisende, der die Main-Weser- Dahn benutzt, nicht selten in unliebsamer Weise daran erinnert, daß das, was zwischen Kaffel und Hannover gilt, zwischen Kaffel und Marburg noch keineswegs anerkannt ist In Folge wiederholter Beschwerden hat nunmehr der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten'die königliche Direction der Main Weser-Bahn damit beauftragt, der Lösung der angeregten Frage näher zu treten, und diese Behörde hat mit Schreiben vom 8. d. M. erklärt,daß Die thunlichste Zu- laffung der Retourbillete zu den Schnellzügen der Main - Weser - Bahn angestrebt werde auch bereits weitere Versuche nach dieser Richtung in Aussicht genommen seien." (N. Fkf P )

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