Der Bauernstand und die Lebensversicherung.
Sie „Kasseler Landwirthschaftliche Zeitung" enthält einen sehr anerkennenswerthen Artikel aus der Feder des Herrn Oberamtmann Thon in Kassel, welcher namentlich
telegraphische Depeschen.
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Breslau, 14. Juli. Nach Meldungen hiesiger Blätter hat in der Nacht vom 12. zum 13. ds. ein neuer Wolkenbruch tn der Umgegend von Lauban, (Steiffenberg, Flinsberg und Friedeberg furchtbaren Schaben ange- richtet; der Eisenbahndamm bei Greiffenberg ist auf einer Strecke von 100 Meter zerstört und der Post- und Güterverkehr unterbrochen.
Berlin, 14. Juli. In einem Artikel über die Ernte-Aussichten in Preußen sagt die „Prov.-Corresp." : Die günstige Witterung im Monat Juni habe allgemein die Hoffnung erweckt, daß die Ernte keineswegs zu den schiech- teren zählen, in mehreren wichtigen Fruchtarten sogar nicht unwesentlich über eine Durchschnitts-Ernte sich erheben werde. Die vom „Staats-Anz." jüngst veröffentlichten Berichte constatiren fast ausnahmslos, daß die Ernte-Aussichten im Allgemeinen durchaus nicht unbefriedigend sind. Mehrere Berichte erklärten ausdrücklich, an einen Nothstand sei nicht entfernt zu denken, ja nicht einmal ein Mangel an irgend einer Fruchtart sei zu erwarten. Zu den hier und da verbreiteten, weitgehenden Befürchtungen gebe kein Bericht Anlaß; man erwarte mit Zuversicht das Schlußresultat der Ernte, vorausgesetzt, daß die gegenwärtig vollberechtigten Hoffnungen nicht noch durch ungünstige Witterungsver- hältniffe zerstört würden.
Bukarest, 14. Juli. Die rumäniscke Regierung führte in einer Note an die russische Regierung über das agitatorische Treiben des russischen Eon- suls in Jafly Beschwerde.
Paris, 14. Juli. Die Rede des Präsidenten Grevy bei der Ueber- gabe der Fahnen an die Armee brachte die Befriedigung deffelben, eine wirklich nationale Armee vor sich zu sehen, zum Ausdruck. Die in der Schule der militärischen Dtsctplin erzogenen Franzosen würden die Achtung vor der Autorität und das Gefühl der Pflicht in das bürgerliche Leben mit hinübernehmen. Die Armee sei für Frankreich eine Garantie der ihm schuldigen Achtung und des Friedens geworden, den es bewahren wolle. Die Rede Grevy's wurde durch die Rufe: „Es lebe die Republik, es lebe die Armee, es lebe Grevy!" erwiedert. Die Menschenmenge war eine ungeheure. Das Wetter ist ausgezeichnet. Die Physiognomie der Stadt ist eine vollkommen ruhige.
— Der Senat genehmigte gestern die Vorlage über den Steuernachlaß bei Zucker und Wein. Der Finanzminister erklärte, die Hülfsquellen des Staasschatzes flöffen reichlich und liege für das Jahr 1880 kein Bedürfniß vor, amortisirbare Rente auszugeben. Der Staatsschatz werde noch 167 Millionen Francs Schatzscheine einlösen können.
Loudon, 14. Juli. Der hiesige chinesische Gesandte hat sich gestern nach Petersburg begeben.
Constanz, 14. Juli. Der Kaiser und der Großherzog nebst der Großherzogin mit Gefolge sind heute von Mainau per Dampfschiff über den Untersee hier angekommen. Mit Salutschüffen und Glockengeläute empfangen, durchfuhr der Kaiser die geschmückten Straßen, in denen die Feuerwehr und die Gewerke Spalier bildeten, und wurde überall mit begeisterten Hochrufen begrüßt. Die Rückkehr nach Mainau geschah zu Wagen.
Washington, 14. Juli. Dem hiesigen chilenischen Gesandten meldete seine Regierung, das chilenische Geschwader sei in Callao angekommen und werde die zur Cernirung der Stadt erforderliche Truppenzahl landen, wenn Peru die Friedensbedingungen zurückweise.
Paris, 14. Juli. Präsident Grevy hat die Mittheilung erhalten, daß der Municipalrath von Athen beschloffen habe, zur Mitfeier des französischen Nationalfestes zu illumtniren.
— Abends. Die Bevölkerung durchzieht in großen Maffen die Straßen und Plätze. Die Ordnung ist überall aufrechterhalten; weder auf dem Pere- la-chaise noch anderswo war bis 5 Uhr eine Störung vorgekommen.
— Die „Agence Havas" meldet aus Ragusa über den Zusammenstoß zwischen Albanesen und Montenegrinern bei Tust: Die Albanesen griffen die Positionen der Montenegriner bei Golubowska unwe.t Tust an. Die Mon- tenegrtner mußten sich zurückziehen und verloren einige Todte. Der Fürst von Montenegro befahl, möglichst die Defensive zu beobachten.
zuaetheilt. Die Truppen, welche während der Arbeiten auf dem Longchamps des Boulogner Wäldchens den Dienst thun, sind bereits damit versehen. Die Pariser Bevölkerung ist, wie aus allen Polizeiberichten hervorgeht, durchaus friedfertig gesinnt und ganz allein von dem bevorstehenden Feste in Anspruch genommen. Dir Vorsichtsmaßregeln wurden daher auch nur getroffen, weil man gegen alle, selbst die unwahrscheinlichsten Zufälligkeiten geschützt sein will.
England.
London, 13. Juli. Unterhaus. Auf eine Anfrage Colthurst's ant- wortet Staatssecretär Dilke, es werde unzweifelhaft erwartet, daß, im Falle die Pforte den Compromiß-Vorschlag des Grafen Corti ausführe, Montenegro auch den Art. 27 des Berliner Vertrags (betr. die Freiheit der (Suite) durch- sühre. Es bestehe kein Zweifel, daß dies auch die Ansicht sämmtlicher europäischer Mächte sei. .. „ . n.
Wolff zeigte an, er werde am Donnerstag die Regierung tnterpelliren, ob es begründet fei, daß der Fürst von Bulgarien die Einverleibung eines Theils von Ostrumelien mit Bulgarien angeregt habe, ob russische Freiwillige auf der Donau-Flotille von Ismail nach Rustschuk befördert wurden und ob dies mit der Zustimmung der europäischen Mächte geschehe. Aus eine Anfrage Dourke's, ob es wahr sei, daß Rußland die Absendung russischer Truppen voraeschlagen habe, um Griechenland bet der Uebernahme der ihm zugesprochenen Gebietstheile au unterstützen, antwortete Unterstaatssecretär Dilke, die Regierung habe es kürzlich für nnthunlich erklärt, Ausschluß über die Um terhandlungen zu geben. Er könne jedoch sagen, die Regierung würde zu keinem Schritt ermutigen, welcher nicht vollständig mit ihrer Politik und dem europäischen Concerte im Einklänge stehe. Die Regierung erhalte fortgesetzt und ohne Ausnahme von fämmtlichen Mächten Versicherungen, daß dieselben ein gleiches Ziel zu erreichen wünschen.
Auf eine Anfrage Wolff's erklärte Gladstone, er habe keine Meldung erhalten, daß die Collecttvnote der Pforte überreicht worden sei Er glaube nicht, daß dies bereits geschehen.
auch die Frage der Lebensversicherung für den Bauernstand behandelt. Nachdem er daigelegt har, daß ein Bauerngulsbesitzer unmöglich existlren kann, wenn sein (S>ut mehr als zur Hälfte belastet ist, und daß nur bei erheblich geringerer Belastung auf eine gesicherte Existenz gerechnet werden darf, liefert der Verfasser an einem Beispiel den schlagenden Beweis, daß ein junger Landmann, welcher mehrere Geschwister hat, das väterliche Gut m der Regel nur dann übernehmen kann, wenn ihm dasselbe im Erbtheilungsfalle weit unter dem wirklichen Werthe zugesprochen wird. „Wird grundsätzlich darauf gehalten." heißt es in dem Artikel dann weiter, „die Bauerngüter zum höchstmöglichen Preise zu verwerthen, um die Erbschaft unter die Geschwister zu gleichen Theilen vertheilen zu können, so ist es unbedingt unmöglich, einen richtigen Bauernstand zu erhalten. Die Blutsauger werden unter allen Gestalten gegen die ohnehin halb wehrlosen Landleute losgelassen und es werden die so schätzenswerthen Eigenschaften der Letzteren, ihre Liebe zum Boden, mit dem sie durch ihre Arbeit und den sauer auf demselben vergossenen Schweiß verwachsen sind, von dem sie sich so ungern trennen, zu Waffen gegen sie selbst. Innerhalb einer Generation wird das wohlhabendste Bauerndorf verarmt sein, wenn die Güter, wie es bei einem solchen Verfahren unvermeidlich ist, höher mit Schulden belastet werden, als verzinst werden können. Eine derartig heruntergekommene Landbevölkerung kann das nicht leisten, was Volkswirthschaft und Staat von ihr verlangen müssen. Sie kann den Feldern nicht den Ertrag abgewinnen, welchen eine gesunde Volkswirthschaft haben muß, sie besitzt nicht das Selbstgefühl, den Muth und die sittliche Kraft, Stürme, mögen sie von Außen, von Unten oder von Oben kommen, welche dem Staat und dem Volk Gefahr bringen, niederzuhalten. Mit der Verarmung kommt die Verlodderung und die Unzufriedenheit; eine solche Landbevölkerung wird jeder Agitation zugänglich und in ihrer Fäulruß eine Gefahr im Staate sein, nicht aber ein Glied, auf das man sich verlassen kann. Der Bauernkrieg am Ende des Mittelalters, die französische Revolution von 1789 und die heutigen Zustände in Irland liefern die Beweise. Männer, welche die Verhältnisse der Landbevölkerung genau kennen, v. Bennigsen und Miquel, haben diese Gefahr erkannt und für die Provinz Hannover das sogenannte Hufengesetz erwirkt. Jeder Besitzer eines Bauerngutes kann in eine Liste sich eintragen lassen und bei seinem Tode erhält alsdann der älteste Sohn oas Gut zu einer nach der Abschätzung zur Grundsteuer berechneten Summe, wobei die Berechnung so eingerichtet ist, daß dieser Sohn ungefähr um den dritten Theil des Gutswerthes bevorzugt ist. Es haben sich bereits über 60% der hannoverschen Hofbesitzer in diese Liste eimragen lasten, v. Schorlemer-Alst hat im Abgeordnetenhause den Antrag eingebracht, für Westphalen ein sogar noch weiter gehendes Gesetz zu erlassen, und die Abgeordneten vieler Provinzen, für den Regierungsbezirk Kassel Landrath Weyrauch, haben beantragt, auch für die anderen Provinzen ähnliche Gesetze vorzubereiten. Mit gesetzlichen Bestimmungen allein kann aber der Zweck nicht erreicht werden- Man läuft Gefahr, in das andere Extrem zu verfallen und zum Nachtheil einer kräftigen Entwickelung die dazu unentbehrliche freie Entfaltung der Kräfte einzuschnüren; es muß unbedingt die Sitte hier sehr kräftig noch mithelfen. Es wird nicht schwer halten, in der Sitte eine bereitwillige Gehilfin en der Erhaltung eines geschlossenen wohlstehenden Bauernstandes sich zu verschaffen. Die Anschauungen und Wünsche der Mitglieder der Bauernfamilien sind ohnehin schon auf die Erhaltung ihrer Güter in der Familie gerichtet und werden auf das Entschiedenste m dieser Richtung Mitwirken, besonders wenn es gelingt, ein Mittel ausfindig zu machen, mit dessen Hilfe man den abgefundenen Geschwistern ein angemessenes Erbthell verschaffen kann. Dieses Mittel hat die neue Zeit, welche den Güterschluß aufgehoben und den Grundbesitz beweglich gemacht hat, auch geboten — es ist die Lebensversicherung. Die Prämien sind nicht hoch, kaum 3%, wenn Jemand mit 30 Jahren sein Leben versichert. Beim Todesfall sind alsdann baare Geldmittel vorhanden, um die Abfindung der Geschwister zu erleichtern. In England haben sogar die Mitglieder der höchsten Aristokratie, die Lords, die großen Vortheile solcher Versicherungen erkannt. Bei ihnen erbt der älteste Sohn den Grundbesitz allein und hat ein Einkommen, welches ihm gestattet, zu einer Million Mark und höher noch sein Leben zu versichern. Das thun sie denn auch zum Vortheil ihrer anderen Kinder. In Deutschland liegt die Sache bei dem Grundbesitzer, wenn auch in kleinerem Maßstabe gerade so, und doch wird von der Landbevölkerung noch sebr wenig Gebrauch von diesem herrlichen Mittel gemacht. Der Wunsch und die jetzt schon bestehende Sitte die Güter in der Familie zu erhalten, wird durch die Lebensversicherungen ganz ungemein gestützt und gestärkt und wird im Verein mit gesetzlichen Bestimmungen ähnlich wie Hannover sie hat, auch zum Ziele führen. Diese beschränken nämlich den Vater nicht testamentarisch, andere Bestimmungen zu treffen, sie regeln den Ansatz des Guts nur für den Fall, daß der Tod ihn überraschte oder er mit den Bestimmungen, welche das Gesetz enthält, einverstanden ist und deßhalb also kein Testament gemacht hat. Die wohlthätigen Wirkungen, welche die Lebensversicherungen üben, werden zwar erst nach Jahren fühlbar werden. Wer aber Obst ernten will, muß damit anfangen, Bäume zu pflanzen. Bis dahin muß Wunsch und Sitte sich ohne diese Hilfe blos mit einer klaren Rechnung zu helfen suchen, damit man sich nicht eine Schuldenlast auf den Hals ladet, gegen deren Wucht aller Fleiß und Sparsamkeit vergebens kämpfen" _ , • c
Wir stimmen dem Herrn Oberamtmann Thon von ganzem Herzen bei und wünschen dringend, daß seine Worte von Seiten der Landwirthe recht gewissenhaft beherzigt werden möchten. Auch wir sind überzeugt, daß bei Lösung der hochwichtigen Frage, wie dem drohenden Verfall des deutschen Bauernstandes vorgebeugt werden soll, die Lebensverficherung eine hervorragende Rolle spielen wird. Allerdings ist es unbestreitbar, daß gerade der Bauernstand, wie kein anderer, zäh an dem Althergebrachten festhält und nur nach großem Widerstreben einer Neuerung sich zuwendet, und thatsächlich war derselbe bisher noch der einzige Stand, welcher sich mit Hartnäckigkeit dagegen sträubte, an den Wohlthaten der Lebensversicherung theilzunehmen. Die Erfahrung hat indessen gelehrt, daß auch seine Vorurtheile nicht unbesiegbar sind und namentlich einer wahrhaft guten Sache gegenüber nicht Stand halten. Wir erinnern an die landwirtschaftlichen Maschinen, welche heut zu Tage auf keinem Bauernhof fehlen, aber Jahrzehnte gebraucht haben, bevor sie sich gründlich einzubürgern vermochten. Es zeigt sich denn auch bereits heute schon, daß der Bauernstand durchaus nicht unempfänglich ist für die Vortheile, die sich gerade für ihn in seinem Streben, das väterliche Gut Kind und Kindeskindern zu überliefern und zu erhalten, in der Lebensversicherung bieten. Woran es in dieser Beziehung hauptsächlich noth thut, ist die Verbreitung einer genügenden Kenntniß von dem Institut der Lebensversicherung und es kann daher allen Jenen, die mit dem Bauernstände in steter Fühlung stehen, namentlich aber den Landgeistlichen und Lehrern nicht genug empfohlen werden, ihre Gemeinde-Mitbürger eingehend und eindringlich darüber zu belehren. Es wird für diese Kreise eine dankbare Aufgabe sein, den Sinn für die Lebensversicherung weiter zu beleben und zu kräftigen, und ihre Bemühungen werden die besten Früchte tragen, wenn es ihnen gelingt, diesem humanen Institute im Bauernstände kräftig Bahn zu brechen. __
Lokales.
©icfjeil, 15. Juli. Nächsten Sonntag, Nachmittags 3% Uhr wird sich der Gießener Bienenzucht-Verein im Cafö Klein versammeln. Tagesordnung: Besprechung über die Einwinterung. Btenenfteunde sind willkommen.
— Gestern Abend gegen 9 Uhr verausgabte ein Unbekannter in einem hiesigen Geschäfts- laden einen falschen 20-Markschein. Die bisherigen Nachforschungen nach dem Thäter blieben bis jetzt erfolglos.
Verwischtes.
Aus Oberhessen. Mit welcher Strenge man hier gegen die Lebensmtttelverfälscher einschreitet, dürfte folgender, dem „N. A." entnommener Fall klar genug beweisen. In Gießen wurde nämlich durch Schutzmänner bei mehreren Mtlchlteferanten eine Milchverfälschung con- statirt und in Hungen abgeurtheilt; eine Milchlieferantin wurde mit 250 Geldstrafe und 20 Tagen Arrest, das Dienstmädchen, welches hierbei behilflich sein mußte, zu 20 Jt Geldstrafe und 4 Tage Arrest, eine andere mit 150 Geldstrafe und 11 Tagen Arrest bestraft. Solch unprofitable Aussichten werden wohl die Lust am Verwäsiern der Milch und ähnlichen Bereicherungs-Experimenten gründlich verderben. Möchte dies nur überall der
^Frankfurt, 12. Juli. Die Arbeiten auf dem Festplatze zur Abhaltung des Turnfestes schreiten rüstig voran und ist der Besuch desielben augenblicklich ein sehr reaer (gestern haben ca. 2000 Personen Karten gelöst) und namentlich für diejenigen, welche sich für Kücheneinrichtung interessiren, ein ganz besonders lohnender. Es wird nämlich eben an der Fertigstellung der Küche in dem großen Wtrthschafts-Gebäude hinter der Festhalle gearbeitet, welche gleich nach ihrer Vollendung in Betrieb gesetzt und alsdann dem Publikum nicht mehr zugäng-
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