Ausgabe 
16.5.1880 Erstes Blatt
 
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1 C. Krausse.

sRr» 113» Erstes Blatt. Sonntag fern 16. Mai 1880.

Kichener Anzeiger

Aissip- md Amtsbktt fit den Kreis Gieße».

«rprdUionSboreav: ] Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich» mit Ausnahme des MontagA.

Preis vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher HHeit. Bekanntmachung.

Nachdem die Lungenseuche unter dem Rindvieh zu Wteseck gänzlich erloschen ist, werden nunmehr alle noch bestehenden Sperrmaßregel (s. Bekannt­machung vom 17. Februar l. I., Anzeiger Nr. 42) wieder ausgehoben.

(Sielen, den 14. Mai 1880. GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.

___________________ Dr. Boekmann.

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Pfingsten.

Schaffend und belebend durchschwebt für alle Zeit der heilige Geist das Weltall. Die Zett der Wunder und der Zeichen, die einst ntederflammten, um den Geist zu offenbaren, der von Geschlecht zu Geschlecht bildend und erziehend wirkt, sind vorüber; mit dem Schleier der Mythe bedeckt ist die Urgeschichte unserer Nation und andachtsvoll lauscht unsere Zeit der biblischen Kunde, die uns vor Jahrtausenden den Erlöser gesandt, der die Jünger in alle Welt gesendet, zu lehren die Heiden. Und über die begeisterten Apostel der Nächstenliebe und des Völkerfriedens, der Demuth und der Einheit im Glauben goß der heilige Geist sich aus, der im Herzblut der Menschheit seit Ewigkeit kreist, und erfüllte sie mit Kraft und Opfermuth, und sie redeten in tausend Zungen.

Pfingsten, das liebliche Fest, erregt die Gläubigen und die Hoffenden in jedem Jahre zu neuem Preise des Schöpfers. Die gütige Allmutter Natur prangt im schönsten Schmuck, und ob daheim in der Umgebung oder ob in der Ferne, in welche schöne Gegenden locken, ob in der stillen Beschaulichkeit der Kirche oder im weiten Himmelsdom, überall tritt uns das Walten des ewigen Geistes-entgegen, der im Kleinsten zum Großen und Ewigen strebt. Wie klein erscheint uns all' daö niedere Drängen im Kampfe um das Dasein, wie unbedeutend all' der Haß und Zwist in den Glaubensstreitigkeiten, wie verächtlich die menschliche Ehrsucht, die Jagd nach Macht und Glück der Einzelnen, ja selbst der Völker gegenüber jenem Evangelium von einer Heerde mit einem Hirten, gegenüber der einstigen Erlösung der ganzen Menschheit und im Hinblick auf das Walten eines ewigen und darum heiligen Geistes.

Und waltet er nicht noch heute unserer Geschicke wie ehedem? Jst's nicht derselbe heilige Geist, der von muthigen Lippen ausströmt, nicht achtend der Verfolgung, an Freiheit und Erlösung mahnt, der Geist, der in flammen­den Lettern sich Bahn bricht, der im Liede der Dichter und selbst im Donner der Schlachten ertönt? Er ruft uns mit dröhnender Stimme zu, einig zu sein im Streben nach dem Wahren, Guten und Schönen, einig in der Liebe zu den Mitmenschen, einig dem Elende und der Hilflosigkeit gegenüber, einig im Gottvertrauen, weß Bekenntniffes wir auch seien, einig in der Arbeit, ein Jeder auf seinem Platze am großen Triebrade der Cultur, einig in der Treue u Kaiser und Reich, und wenn es, was Gott verhüte, nöthtg fei einig in der Stunde der Gkfahr des Vaterlandes.

Zu Pfingsten flammt der heilige Geist hernieder, heute wie ehedem. Und beschämt stehen wir vor der Leuchte, die er uns vorhält, vor seiner Mahnung, die ewigen unverrückbaren Ziele der Cultur im kleinlichen Kampf des TageS nicht außer Augen zu lassen. Sind wir doch aufgegangen im unfruchtbaren Streit der Parteien, sind wir doch noch lange nicht frei von Kctzerrichterei und Verfolgungssucht, ja, wie vor Jahrtausenden stecken wir w im stolzen Dünkel und in der Ueberhrbung, aber mitten unter uns weilen noch Dummheit und Aberglauben, Verirrung und bodenlose Schlechtigkeit. Roch lauert der Verrath auf den Judaslohn, noch der Haß an den Grenzen auf Rache, noch immer verfeinden Selbstsucht und Neid die Söhne des eigenen Landes. Die Edlen des Landes werden darob müde, todtmüde, und das Volk erwartet einen Erlöser aus Noth und Mißmuth. Aber inzwischen rastet nicht der heilige Geist, der selbst aus Verirrung und Aberwitz das Gute zeugt, und ihn wollen wir ehren, Mann für Mann, eine andächtige Gemeinde, denn vor hm muß weichen alle Noth, alles Dunkel, vor ihm fliehen die Dämonen, die unser junges deutsches Völkerglück bedrohen. Ein Jeder ist hier zum Jünger Berufen, und wer fein redlich Theil beiträgt zur ehrlichen Arbeit, zum wahr­haftigen Werk, zu guter und frommer Sitte, zur Freudigkeit der Nation an ficp selbst und zum Vertrauen auf unsere glückliche Zukunft, der ist ein Streiter des Herrn und geküßt vom Strahle des heiligen Geistes, an deffen Ausgießung M das heilige Pfingsten mahnt!

Keutschland.

Berlin, 12. Mai. DerProv.-Corresp." zufolge beabsichtigt der Kaiser im Juni Düsseldorf zu besuchen und von dort nach Ems, später nach Gastein auf je drei Wochen zu gehen. Zwischen den Aufenthalt in Ems und Gastein wird ein Besuch auf Metnau fallen.

Der bayerische Bevollmächtigte zum Bundesrathe, v. Rudhard, hat, nach derGermania", die nachgesuchte Abberufung von seinem Posten erhalten. Welche Ve.Wendung im bayerischen Staatsdienste für ihn bestimmt ist, darüber wrlautet noch ebensowenig, wie über seinen Nachfolger. Das Gerücht in Betreff des Grafen Luxburg erledigt sich durch die Erklärung deffelben, daß

er nicht gewillt sei, feine Stellung zu verlassen, allerdings noch nicht ganz, ermangelt jedoch jeder thatsächltchen Unterlage. Nach dem Vorfälle im Reichs- kanzlerpalais war die Stellung des sonst tn der WtlhelmSstraße nicht unbe­liebten bayerischen Diplomaten nicht mehr haltbar; die öffentliche Rüge in der Hamburger Frage konnte er nur durch das Entlaffungsgesuch beantworten, mit dem er ohnedies einem für die bayerische Regierung noch unangenchmeren Schritte des Reichskanzlers zuvorgekommen ist. Unter der bundesräthlichen Diplomatie hat der Vorfall äußerst peinlich berührt, einige energische Naturen sollen, so erzählt das genannte Blatt weiter, einen gemeinsamen Schritt in dieser Angelegenheit angeregt haben, um die Mitglieder des BundeSrathes vor ähnlichen Zwischenfällen zu schützen, indeffen scheint man von der Schwierigkeit eines Vorgehens nach dieser Richtung zurückzuschrecken und verzichtet darauf, die Sache eines Kollegen zur Sache der Corporation zu machen.

Berlin, 13. Mai. Dieser Tage brachte dieBors.. und Handels- Zeitung" nähere Details über eine in Mailand am 15. März a. c. stattge­habte Submission, worin demBochumer Verein" die Lieferung von 8000 Ton­nen Stahlschienen für die Oberttalientscken Eisenbahnen erthetlt worden, und zwar zum Preise von 232,50 Lire 186 «X für Genua und 236,05 Lire == 188.34 JL per Tonne für Venedig. Nun beträgt die Eisenbahnfrachr Bochu». Rotterdam (Seetransit) für Schienen 6 JL per Tonne, die Waffer- fracht Rotterdam-Genua in Minimo 14 bis 15 Jl., Rotterdam-Venedig 20 bis 22 Der Preis für die Schienen würde sich also auf höchstens 163 bis 163 «A ab Werk stellen. Drei Wochen später, nämlich am 7. April, als Eisen und Stahl bereits weiter im Preise gesunken war, offertrte dasselbe Etabliffement, bei einer Schienensubmission für die Rechte Oberufer-Eisenbahn, Stalschienen zu 251,50 JL für Breslau, was abzüglich der Fracht Bochum- Breslau mit 28,50 «A per Tonne, einen Preis von 223 Jl. ab Werk reprä- sentirt. Mithin hat das Ausland die Tonne Schienen um, sage und schreibe, 60 billiger gekauft, als das Inland für dasielbe bezahlen muß.

Es bedarf wohl keines weiteren CommentarS zu Vorstehendem. Man wird wohl ohne einen solchen einsehen, was die PhraseSchutz für die nationale Industrie" zu bedeuten hat.

Kassel, 13. Mai. DieN. F. H. Ztg." schreibt: Die Wahlagitation der Fortschrittspartei findet überall im diesseitigen Wahlkreise einen empfäng­lichen Boden. Man findet kaum Leute, die noch national-liberalen Vorsptege- lungen ein willig Ohr leihen. DieSegnungen" dieser Partei sind so sehr in das Gegentheil dieser Erwartungen übergeschlagen, daß man sich nun wun­dern kann, dieSpender" nicht von vornherein alsfalsche Propheten" erkannt zu haben. Selbst die Local-Presse, soweit sie sich in Händen vonGeschäfts­leuten" befindet, macht diesmalböse wollt' sagen gute Miene zum guten Spiele" und thut, als ob ihr ganz fortschrittlich um's Herz wäre.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. E»rresp»nve«r «nrean.

Wien, 14. Mai. DasTelegr. - Corresp. - Bureau" meldet: Nach verläßlichen Mittheilungen ist die von einigen Wiener Blättern kürzlich ge­brachte Nachricht von der vollständigen Unabhängigkeits-Erklärung Albaniens total erfunden.

Bern, 14. Mai. Sämmtltche Angeklagte im Stabio - Proceffe sind freigesprochen.

SPattS, 14. Mai. Gestern Abend fanden in Roubaix und Armenttöres Kundgebungen der steckenden Arbeiter statt; von Lille wurden rettende Jäger und ein Infanterie-Bataillon beordert, durch welche die Zusammenrottungen zerstreut wurden. Die Behörde hat noch weitere Maßregeln ergriffen, um etwaigen Unordnungen am heutigen Tage vorzubeugen.

London, 14. Mai.Daily News" erfahren, der Generalsecretär von Irland, Forster, habe die Erneuerung der Zwangsgesetze für Irland empfohlen, das Cabtnet werde über diesen Vorschlag Beschluß faflen. Göschen reist heute nach Konstantinopel über Parts und Wien, um mit Frey- einet und Haymerle zu confertren. An dem gestern begonnenen Strtke in Blackburn behufs Erzwingung von 5 pCt. Lohnerhöhung betheiltgen sich 25,000 Weber; wahrscheinlich wird derselbe noch größere Dimensionen annehmen.

New'Uork, 14. Mai. Wegen Zuwtderhandelns gegen das die Zahl der Schiffspaffagiere feststellende Gesetz ist gegen die Capttäne von folgenden Dampfern Haftbefehl erlaffen: Suevia, Amsterdam, Mosel, Vtking, Rhein, Baltimore, Hohenstaufen, Ohio, Belgenlaud, Helvetius (?), Herder, Celtic, Devonta und City of Richmond. Der Capttän desRhein" ist bereits ver-