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stehende Persönlichkeit versicherte nach ächt preußischem Vorbilde toujours en vedette. Denn wenn der dem Throne zunächst stehende schon nicht den Gang der Dinge lenken konnte, wie er es gewünscht hätte, so wollte und konnte er doch wenigstens durch sein persönliches Eingreifen Manches verhindern, was sonst ohne sein Zuthun sich wohl noch schlimmer gestaltet hätte. Aus denselben Kreisen des Hofadels wird vielleicht nicht ohne eine gewisse Absicht, des Kronprinzen Popularität noch zu erhöhen die Mitlheilung ge­geben, daß die freiere religiöse Richtung des hohen Paares von anderen einflußreichen Factoren mit scheelen Augen betrachtet wurde und daß es selbst an Belästigungen der Kronprinzessin nicht gefehlt hat. Wenn die Kronprinzessin häufiger den anglicanischen Gottesdienst in Schloß Monbijou besuchte, als die Predigten der Pastoren der Landes­kirche, und wenn das Kronprinzenpaar die freigesinnten, dem Protestantenverein an­gehörenden Prediger an der neuen Kirche, Lisco und Sydom, den orthodoxen Hof­predigern Kögel und Hengstenberg vorzog, so erregte dies, wie begreiflich, den Neid und Aerger der zurückgesetzten Hirarchen. Dieses Unbehagen der frommen Herren steigerte sich aber bis zu Klagen und Beschwerden über das Kconprinzenpaar, als dieses mehrere Jahre am Gründonnerstag das heilige Abendmahl in der Hauskapelle, statt m der Dom- und Hofkirche empfing, letztere selbst an hohen Festen mied und mit der Hof- und Domgeistlichkeit außer allen Beziehungen blieb. Als nicht nur der Confirmanden­unterricht der kronprinzlichen Kinder dem Prediger Persius an der Friedenskirche in Potsdam, einem hervorragenden Mitgliede des Protestantenvereins, übertragen wurde, sondern die Konfirmation selbst und die Trauung der Tochter des Kronprinzen auf Wunsch des Kronprinzen von diesem Prediger ohne Titel und Hofrang vollzogen werden mußte, da sahen die Hofprediger hierin eine förmliche Depossedirung ihrer werthen Persönlichkeiten und führten officielle Klage, welche an allerhöchster Stelle geneigtes Ohr gefunden zu haben scheint. Man beschuldigte den Thronfolger destructiver, anti­religiöser Tendenzen, der Schädigung des positiven evangelischen Chnstenthums und der Landeskirche und es scheint an sanften Mahnungen nicht gefehlt zu haben, welche aber nur geringe Beachtung gefunden haben dürften. Kaiserin Augusta huldigt seit etwa 15 Jahren der strengsten frömmsten Richtung. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden hohen Damen gekommen sein mag Dem Kronprinzen fiel als guter Sohn einerseits und als Gatte anderer­seits das schwierige Vermittlungsamt zu, und es scheint, daß die Gefühle des Gatten stärker gewesen sind, denn man erzählte, daß der Kronprinz die Wahl der Erzieher seiner Kinder als sein natürlichstes Recht für sich und seine Gattin vindicirte und sich überhaupt jede Einmischung in seine häuslichen und Familien-Angelegenheiten ent- schiedenst verbat."

Berlin, 12. März. U'isere Blätter beschäftigen sich heute vorzugs­weise mit der äußeren Politik. Sehr bemerkt wird folgende Mittheilung des Hannoverischen Courters:Gutem Vernehmen nach hat der Reichskanzler eine Zusammenstellung diplomatischer Acttnstücke veranlaßt, welche die Beläge für die deutschfeindliche Politik Rußlands enthalten. Darunter befinden sich auch die Documente für die Alltanzvorschläge Gortschakoff's an die sranzösiichen Staatsmänner. Es dürste keinem Zweifel unterliegen, daß auf Grundlage dieses actenmäßigen Materials an eigentlich leitendem Orte die Überzeugung sich herausgestellt hat, wie berechtigt die bisherige deutsche Politik gegenüber den russischen Ambitionen verfuhr. Wie aus Petersburger Briefen von ver­sicherter Seite heroorgeht, scheint man sich dort darüber beunruhigt zu fühlen, daß auch andere Cabinete über das zweideutige Verhalten Rußlands unterrichtet worden find." Die Weigerung der französischen Regierung, Harrmann auszu- liesern, macht begreiflicherweise in Rußland einen peinlichen Eindruck. Die französische Regierung konnte nicht wohl anders handeln, als sie gehandelt hat, und wenn Rußland nichtsdestoweniger sich gekränkt fühlt, so hat der Vorfall wenigstens das Gute, daß die Zettelungen zwischen Rußland und Frankreich dadurch für einige Zeil erschwert werden. Der frühere französische Minister des Auswärtigen, Herr Waddington, hat sich bei den russischen Lockungen vortrefflich benommen und auch fein Nachfolger Freycinet hat noch so eben erklärt, die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland seien bester als je. Im Augenblick trübe kein Wölkchen den politischen Horizont und ein Mi­nister mit kriegerischen Absichten würde sich keine 24 Stunden behaupten können.

England.

Londom, 13. März. Der Minister des Innern, Croß, erklärt in seinem Wahlaufruf, die Regierung sei nicht einen Augenblick von der Politik abge- wichen, die sie bei dem Austauchen der orientalischen Frage proclamirt habe. Er glaube, England und das übrige Europa würden anerkennen, daß sie dem englischen Cabinet zu Dank verpflichtet seien. Er hoffe lebhaft, daß mit der afghanischen Bevölkerung bald wieder die freundschaftlichen Beziehungen herge­stellt würden und daß das Werk der Conföreration und CousoUdirung der südafrikanischen Colonien baldigst vollendet werde. Die Regierung werde hoffentlich künftig mehr Zett haben für legislatorische Thätigkeit auf dem Ge­biete innerer Angelegenheiten und ökonomischer Reformen. Gladstone erklärte gestern Abend in einer Versammlung der Liberalen zu Marylebone (Stadt- theil Londons), daß Lord Derby definitiv der liberalen Partei sich ange- schlosten habe.

London, 13. März. Der DampferMontana" (Guion-Line) ist, von New'Iork kommend, heute Morgen auf de« Fahrt nach Liverpool unweit Holyhead gescheitert. Paffagiere und Mannschaft sind gerettet.

Rußland.

Petersburg, 13. März. Der Eisenbahnzug, mit welchem der Herzog von Edinburg abreiste, ist 400 Werst von Petersburg mit einem Güterzuge zusammengestoßen. Zwei Waggons wurden zertrümmert. Ein weiterer Un­glücksfall hat jedoch nicht stattgefunden. Die Oberaufsicht über die dritte Abtheilung ist auf Genera! Loris-Melikoff übergegangen, nachdem die Demission General Drentelen's angenommen wurde. General Mellkoff leitet in oberster Instanz die dritte Abtheilung, deren Funktionen bestehen bleiben.

Telegraphische Depeschen.

Wagner- telegr. Correfpouvenr - Bureau.

Petersburg, 14. März. Der Reichskanzler hütet das Bett in Folge emer leichten Erkältung. Fürst Constantin Gortschakoff und der Botschafts« secretär Bachmerjew von der Botschaft zu Paris werden beute Abend erwartet. Letzterer überbringt derAgence ruffe" zufolge Depeschen, welche den Hart- mann'schen Auslieferungssall vom Standpunkte der französischen Gesetzgebung beleuchten, wodurch wettere Entschließungen der russischen Regierung bedingt fein dürften.

Pesth, 14. März. In der Sitzung der Directton der Thetßbahn wurde der Verkaufsvertrag mit der Regierung einstimmig genehmigt und die außer­ordentliche Generalversammlung auf den 20. April cmbcraumt. Laut dem Vertrage soll die Theißbabn mit dem 1. Januar 1880 in Staatsbesitz über­geben : der Staat zahlt 14 fl. 70 Kr. Zinsen pro Actie und löst binnen zehn Jahren mittelst halbjähriger Ausloosung sämrntliche Actien zu 245 fl. ein.

Petersburg, 14. März. DasJournal de St. Petersbourg" be- spricht die Miitheilung vesTe-ps" über oen Fall Hartmann und erklärt dieselbe für nicht sehr exakt. Das Journal constatict, daß die Absendung neuer Beweisstücke angemeloet gewesen und daß F eycmet am selben 6. März, dem Tage des Mtmsterconseils, von deren Ankunft benachrichtigt sei. Aber das Cabinet Freycinet habe geglaubt, diese M ttheiluig nicht abvarten zu sollen oder zu können. Rücksichten der inneren Politik hätten den Cabtnetsbe- fchluß veranlaßt, welcher eine Ermuthigung für Attentäter darstelle uu) des­halb sehr bedauerlich bleibe.

Paris, 14. März. Millaud und Ballier (Radikale) sind in Lyon zu Senatoren gewählt.

Lokales.

Gießen, 15. März. Am Samstag Morgen stürzte ein Dachdecker von einem Hause in der Weidengasse. Derselbe wurde in die Klinik verbracht.

Ein im Hofe einer Hofraithe vor dem Wallthor am Samstag Morgen ausgebrocheneS Strohfeuer hätte leicht gefährlich werden können, weil in unmittelbarer Nähe em größeres Quantum Petroleum lagerte. Rascher Hülfe gelang es, das Feuer zu löschen.

- In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde in die Restauration auf dem Felsen­keller eingebrochcn Der Dieb hob einen Laden aus, bestrich eine Fensterscheibe mir Koth und drückte sie ein und riegelte nun das Fenster auf. Statt der gehofften Kaffe, welche der Wirth vorsorglich in Sicherheit gebracht hatte, mußte sich der Spitzbube mit dem Inhalt der im Locale aufgehängtm Waisenbüchse, sowie einer angebrochenen Flasche Boonekamp begnügen. Ein altes zerbrochenes Stemmeisen ließ der Dieb im Zimmer zurück.

Verwischtes.

Darmstadt, 13. Mär;. Gestern Nachmittag gegen 4 Uhr gerieth das in dem Re» tortenhause der Gasfabrik zum Trocknen ausgcsetz'e Holz, etwa 25 Meter, aus bis jetzt noch unbekannter Ursache in Brand. Da das ganze Gebäude fast nur aus Holz und Eisen besteht, so würde weder der Schaden noch die Gefahr eine bedeutende gewesen |cin, wenn nicht das eiserne Dach mit seinen eisernen Trägern auf Hoizunlerlage geruht hätte. Als diese jedoch durchgebrannt waren, stürzte das Dach zum größten Theil ein und beschädigte die Retorten und Zuleitungsröhren an verschiedenen Stellen. Die Feuerwehr nahm den größten Theil des für ihre Spritzen nothigen Wassers aus den Vorräthen an den Gasometern und griff das Feuer von verschiedenen Seiten an, so daß dasselbe in Stunden bewältigt war. Die Räumungs­arbeiten dauerten bis 11 Uhr Nachts und stürzte etwa um halb 10 Uhr noch ein Theil des eisernen Daches zuiammen, 7 Mann mit seinen Trümmern bedeckend. Glücklicherweise kamen alle, bis auf einen einzigen, der keinen Helm trug und eine Kopfverletzung erlitt, mit dem Schrecken davon. Die Ausbesserungsarberlen waren schon gestern Abend im Gange und hofft man bis zum Sonntag bezüglich der Beleuchtung allen Bedürfnissen genügen zu können.

- Die Gasfabrik ist bei der Magdeburger Gesellschaft gegen Feuerschaden versichert. Gestern Abend waren in den Straßen nur die Signallaternen angczünvet, heute ist der Haupte zulcitungshahn vollständig geschlossen, wodurch die Inoustriellen, welche zum geschäftlichen Be trieb Gas verwenden m eine üble Lage versetzt sind. Außer den Reserveöfen, die sich zur Zeit des Brandes gar nicht in Betrieb befanden, sind noch einige Defen betriebsfähig geblieben; an der Reparatur der übrigen Oefen, Zuleitungsröhre rc. wird mit allen Kräften gearbeitet.

Das Großh Polizeiamt erläßt nachstehende Bekanntmachung: In Folge des Brandes in ocr biefigcin Gasfabrik ist nicht mit Bestimmtheit anzunehmen, daß von morgen den 13 März Abends ab das zur Beleuchtung erforderliche Gas daselbst producirt werden kann. Die be theiligte Einwohneischaft wird hiervon mit dem Anheimstellen verständigt, vorsorglich auf andere Beleuchtungsweiie Bedacht zu nehmen.

Worms, 12 März. Die Stuckle'sche Patronenhülsenfabrik in Mariamünster ist heute früh zwischen 4 und 5 Uhr abgebrannt Von dem Gebäude stehen nur noch die Umfassungs­mauern, während die Maschinen und Vorräthe im oberen Stockwerke total vernichtet und Die Maschinen im unteren Stocke stark beschädigt wurden. In der Fabrik waren in letzter Zeit über 30 Arbeiter beschäftigt. Wie das Feuer entstanden, ist bis jetzt nicht aufgeklärt. In einem hiesigen Fabrikgeschäfte wurde heute der Schlosser Jean Hoffmann von einem irn Gange befindlichen Transmissionsriemen ergriffen und in die Höhe geschleudert. Der Unglückliche hat dadurch einen Beinbruch und schwere innere Verletzungen erlitten.

Der Messerstecher, welcher kürzlich in Straßburg sein Unwesen trieb und sich aus­schließlich Frauen und Mädchen zu Opfern erkor, scheint sich neuerdings Metz zum Schauplatz seiner unheimlichen Thätigkeit gewählt zu haben. Wenigstens ist, wie bcstiinmt versichert wird, dieser Tage eine Schülerin des früher Minaglia schen Instituts von einem Unbekannten auf der Straße gestochen worden. Polizeiliche Recherchen nach dem Uebelthäter sind bereits ein- geleitet.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 13. März. «Marktbericht.» Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner JL 2.303.40, @trol) JL 2.003.30. Butter das Pfund im Großen 1. Qual. ,X 0.90-95, 2. Qual O.kO, im Detail das Pfund 1.200, 2. Qual. JL 1.100. Eier das Hundert itall 3L 7.30, deutsche (Ster 5.50 Ganze Erbsen das Pfd 2832 geschälte Erbsen 32 -37 Bohnen 2729 H, Linien

4050 H Weißkraut das Stück 1525 H, Rothkraut, 1 St 1525 Kohlrabi 45 \ Kohlkraut 12 l .r H, Blume,tkohl 1 St. 406«» H, WirsingKartoffeln 100 Ko. 8 6r

Zwiebeln 1 Bund H Mcrrettig 25 St H, 1 Stück 20 Ochsenstetsch per Pfund 60^0 H, Rindfleisch 45 60 Kuh fleisch 4560 H, Kalbfleisch 4555 Hammel­fleisch 4465 H, Schweinefleisch -70 ein Hahn JL 2.002.50, ein Huhn JL 2.00 - 2.50. eine Ente 2.703.20, eine Taube 7080 H.

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