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Pen Anklagen liegen Verwüstung der Religion gegen das Gesetz erhoben und hat durch einen großen fanatischen Lärm den kirchlichen Segen dieses Gesetzes in weiten Kreisen vollständig verdunkelt."

Berlin, 12. Juli. Der pfälzische Gmossenschaftstag, welcher gestern ' in Neustadt a. d. H. tagte, empfiehlt den Vereinen, sich mit Petitionen an den Reichstag zu wenden, welche auf Abhülfe gegen die hohen Gerichtskosten zielen, die in ihren Wirkungen der Versagung der Rechtshülfe gleichkommen.

Magdeburg, 12. Juli. DerMagd. Ztg." entnehmen wir: Der Bundesausfchuß von Elsaß' Lothringen hatte in seiner letzten Session Straßburger Manufaktur eine Summe von 500,000 eX bewilligt zur Ver­stärkung ihres Betriebes, und diese Forderung wurde begründet durch den Auf­schlag des Rohmaterials in Folge der vom Reichstag beschloffenen erhöhten Tabakssteuer. Es hat, wie uns geschrieben wird, daher auch in den Kreisen der dem Landesansschuß angehörigen Mitglieder nicht wenig Befremden her- vorgerusen, daß dieser bewilligte Crehit verwandt wird zur vollständigen Ver­änderung des Geschäftsbetriebes Seitens der Manufactur. Die 500000 «X werden dazu gebraucht, um im Grohherzogthum Baden Zweigniederlasiungen zu errichten und um die Concurrenz, welche die Manufactur bisher den Fabri- lanten in Elsaß-Lothringen machte, nicht nur auf alle Fabrikanten Deutsch­lands, sondern auch auf die Tabaksläden in allen Städten des deutschen Reichs auszudehnen. Es ist nicht ohne Jnteresie, von dem neuesten Rundschreiben Kenntniß zu nehmen, welches die Manufactur an zahllose Personen in Deutsch­land gerichtet, um dieselben zu veranlasien, bei ihr zu kaufen.

Stuttgart, 11« Juli. Es wäre falsch, zu behaupten, daß in Würt­temberg die Absicht Bismarck's aus Einführung des Tabaksmonopols auf ener­gische Opposition stoßen würde. Da hier kein Tabaksbau existirt, liegt nicht wie in Baben ein so berechtigtes Jnteresie vor, welches sich durch das Monopol bedroht sähe. Dennoch findet die Absicht der kaiserlichen Tabak^fabrik in Straßburg, hier eine Verkaufsstelle zu errichten, allgemeine Verurtheilung, hauptsächlich, weil man es dem Staat verargt, dem Prioatgewerbe eine Con­currenz machen zu wollen.

Bremen, 11. Juli. DieWeser-Ztg." schreibt: Aufsehen erregte hier in den letzten Tagen die Verhaftung einer ganzen Reihe vonGeschäfts­leuten" jeder Branche, die bei auswärtigen Großhändlern und Fabrikanten große Waarensendungen auf Wechselcredit zu bestellen pflegen, sodann die Maaren unter Preis verkaufen, das Geld für sich verbrauchen und die aus­gegebenen Wechsel niemals einlösen, weil sie überhaupt theilweise schon mani sestirt haben, theils überhaupt nicht pfändbar sind. Die Manipulationen dieser Creditschwindler, die für Bremen eigentlich eine völlig neue, erst seit einigen Jahren aufgekommene Species bilden, sind meist folgende. Nachdem ihrer zwei bis vier sich zum gemeinschaftlichen Handeln zusammengethan, bestellt einer von ihnen auf Grund irgend einer Annonce eine Probesendung irgend einer Maare, mögen es nun böhmische Schinken oder Meerschaumspttzen, Steinkohlen oder Pianinos, Porcellansachen oder ungarische Pflaumen, Cigar- retten und Scherzartikel, Nürnberger Spielwaaren, Kleiderstoffe oder einge­machte Früchte rc. sein. Kommt die Probesendung über, so scharren unsere Geschäftsleute gewöhnlich die kleine Summe zusammen, um dieselbe zu bezah­len ; sofort aber bestellt der Auftraggeber eine große Sendung von bedeuten- tem Werthe, und da die auswärtigen Geschäfte darauf gewöhnlich nicht sofort eingehen, so gibt unser Besteller eine Reche seiner Complicen, denen er zu diesem Zwecke hübsche Firmenbezeichnungen beilegt, zur Auskunftsertheilung auf. Im Vertrauen auf den altbegründeten Ruf der Solidität, desieu sich Bremens Handelsstand erfreut, gehen sehr oft auswärtige Fabrikanten in die Falle und haben damit ihre Maare, die hier unter Preis verschleudert wird, auf Nimmerwiedersehen verloren, denn die in Zahlung gegebenen Wechsel wer­den niemals eingelöst, da die Aussteller meistens überall nicht pfandbar sind. Durch diese Geschäfte, die besonders von heruntergekommenen Kaufleuten, Agenten, Maklern und Wirthen betrieben werden, wird aber Bremens Credit im Allgemeinen sehr erheblich geschädigt, da die auswärtigen ßuferanten nicht wissen, daß diese Personen überall nicht dem Handelsstande angeboren oder ein offenes Geschäft betreiben, sondern stets nur im Trüben gefischt haben. Insbesondere aber werden ehrliche Inhaber kleinerer Geschäfte durch solche Schwindeleien benachtheiligt, da die auswärtigen Großhändler und Fabrikanten mißtrauisch werden und auch ihnen nicht mehr das altgewohnte Vertrauen ent­gegenbringen. Es wäre daher wünschenswerth, wenn diese angeführten That- fachen allgemeiner bekannt würden, damit die Geschäftsleute draußen nicht diese Schwindelgesellschaft mit dem rühmlichst bekannten hiesigen Handelsstande iden- tificiren. Erst jetzt hat die hiefige Staatsanwaltschaft die genügenden Mate­rialien gefunden, um erfolgreich einschreiten zu können, und sie hat bereits in den letzten Tagen acht derartige Schwindler verhaften lassen, denen voraus­sichtlich noch eine gleiche Zahl in die Untersuchungshaft Nachfolgen wird. Schon jetzt ist eine unglaubliche Zahl von schwindelhaften Geschäftsunterneh' mungen bekannt, welche sich diese Leute haben zu Schulden kommen lassen. Geschädigt sind, das können wir bereits im Voraus mittheilen, besonders Ber­liner, sächsische, österreichisch-ungarische, Schweizer und englische Firmen

lelegraphischt Depeschen.

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Darmstadt, 13. Juli. Kaiser Wilhelm kam heute um 101/2 Uhr Morgens, von dem Großherzog und der Großherzoglichen Familie begrüßt, hier an und nahm ein Dejeuner im Bahnhofe ein. Rach einem halbstündigen Aufenthalte setzte er feine Reise fort.

Berlin, 13. Juli. DieNordd. Allg. Ztg." erfährt, die Angelegen­heit der Bahnhofs-Anlagen Kölns sei von dem Minister der öffentlichen Ar­beiten sogleich nach dem Übergang der Köln-Mindener Bahn an den Staat wieder ausgenommen worden. Die erforderlichen Untersuchungen würden nach­drücklich betrieben.

DerBerliner Börsen-Ztg." wird aus Regierungskreisen der Laura- Hütte als wahrscheinlich mttgetbeilt, daß die wirklich zur Feststellung gelangende Dividende noch über bk bisherige Schätzung von 6 pCr. hinausgehe.

Paris, 13. Juli. Nach demJournal officiel" sind Graf St. Ballier zum Großkreuz, Marquis de Noailleß und Admiral Jaur6s de Guiberry zu Großofficieren, Graf Behaine, Baron Courcel und Nillesort zu Commandeuren und Feer (Hamburg) zum Retter der Ehrenlegion ernannt.

DerRepubliq ie fn.rcaife" zufolge ist die Zahl der von der Am­nestie Ausgeschlossenen im G uzen 17, welche sämmtlich bereits vor dem 4. September 1870 aller politischen Rechte beraubt waren. **

Constanz, 13. Juli. Kaiser Wilhelm, welcher von Coblenz kommend, am Abend hier eingetroffen war, wurde von dem Großherzog und der Groß­herzogin empfangen mb fuhr, von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, im offenen Wagen nach Mainau, wo er bis zum Sonntage verbleibt.

Paris, 13. Juli. Die Deputirtenkamaur hat einen Credit von 9 Millionen Francs für den Bau einer Eisenbahn Dakar-St. Louis am Sene­gal bewilligt. Bardoux (linteß Centrum) brachte einen Antrag auf Wieder­herstellung des Llstenscruttniums ein. Nachrichten aus Marokko zufolge hat ter Ausstand zugenommen. Die Eingeborenen schlugen die Truppen des Sultans unweit Vadzan.

München, 13. Juli. In der heutigen Sitzung der Abgeordneten­kammer brachte der Cnltusmtnister einen Nachtragscredit von 380,000 .X für den Ausbau des hiesigen Kunstakademie-Gebäudes ein. Der Kriegsminister verlangte einen Vorschußcredit von 1 787,000 eX für den Ankauf des Cadet- tencorps-Gebäudes. Der Antrag des Kammerdirectoriums, die amtlichen Pro­tokolle nicht mehr drucken zu lassen, wurde angenommen. In der nächsten Sitzung, welche am 20. ds. statlsindet, kommt das Discipltnar-Gesetz zur Becathung.

London, 14. Juli. DasReuter^sche Bureau" meldet aus Konstan­tinopel, die Albanesen in Tust hätten auf. die Nachricht, Abbedin Pascha wolle Die Convention mit Montenegro aussühren, Die Montenegriner am Montag angegriffen und mehrere derselben getönter oder verwundet.

Lokales.

Gießen, 11. Juli. Aus Einladung des Direktors des Forstinstituts, Professor Dr. Heß, hatte sich heute eine größere Zahl von Forstwirthen, zumeist aus der Pro­vinz Oberhessen, eingesunden zur Besichtigung der neuen Universitäts-Aula und ins­besondere der dem forst- und landwirthschaftlichen Unterricht gewidmeten Rämnlich- feiten und Sammlungen.

Außer hessischen Localforstbeamten waren auch Se. Durchlaucht der Fürst zu Asenburg-Büdlngen mit seinem Forstpersonal, sowie die Forstbeamten der Stadt Frank­furt erschienen

Professor Dr. Heß begrüßte die Versammlung in der Vorhalle der Aula mit einer Ansprache und betonte seine eigene und die Befriedigung wohl aller Pfleger und Freunde des Waldes darüber, daß an dieser neuen Stätte der Wissenschaft in Bezug auf Raum und Ausstattung der bislang stiefmütterlich behandelte forstliche Unterricht nunmehr zur vollen Ebenbürtigkeit gelangt fei.

Hiernach begann unter Führung der Herren Professoren Dr. Heß, Thaer und Stö tz er die eingehende Besichtigung der Antikensäle, der Lehrräume, sowie der forstlichen und landwirthschaftlichen Sammlungen, welche in logischer und systematischer Ordnung dem Beschauer alles Dasjenige vor Augen führte, was den modernen Forstbetrieb fördert aber auch schädigt Diejenigen, welche vor 30 und wehr Jahre ihre forst­lichen Studien in Gießen gemacht hatten, konnten schwerlich ein stilles Bedauern darüber unterdrücken, daß sie der heutigen Unterrichts-Hilfsmittel, zu deren Beschaffung dre Großh Regierung nach und nach die erforderlichen Credlte bewilligt hat, nicht mehr theilhaftig werden können.

Beim Austritt dankte unter dem Portale der Aula S>e. Durchlaucht der Fürst zu Isenburg-Büdingen Namens der Versammlung den Herren Professoren für ihre Führung.

Ein einfaches Mahl vereinigte hierauf die Gesellschaft zu einigen heiteren Stun­den in Wenzel's Garten. Es war gewürzt durch Toaste auf das fernere Gedeihen der Forstlehranstalt, auf die Führung der Manner der Wlssenschast mit denen der Praxis, auf die zum Theil anw sende forstliche akademische Jugend, sowie durch einen Sala­mander der letzteren auf das Wohl der Gäste und Lehrer.

Gießen war bekanntlich die erste Hochschule Deutschlands, mit welcher der forst­liche Unterricht dauernd organisch verbunden wurde. In richtiger Erkennung der Vor­theile der Universitätsbildung für die Träger der Forstverwaltung, und damit auch für deren Ziele, hatte die Großh. Regierung schon vor länger als einem halben Jahrhun­dert eine Verbindung vollzogen, die in neuerer Zeit in Süddeutschland allgemein an- gestredt wird, und feit einigen Jahren auch bereits in Bayern Thatsache geworden ist.

Die forstliche Hochschule Gießen kann nunmehr auch in Bezug auf äußere Aus­stattung und auf Lehrmittel mit jeder f. g. Fachschule concurriren, und die Strebsam­keit der forstlichen Docenten wird bei einmüthiger Bebauung des gemeinsamen Arbeits­feldes auch den entsprechenden Lehrersolg verbürgen. Die Zahl der Studirenden der Forstwissenschaft hat im laufenden Semester die seit Langem nicht dagewesene Ziffer 24 erreicht. (D. Ztg.)

Gießen, 14. Juli. ^Sterblichkeit in Gießen.) In der Woche vom 4. biS 10. Juli kamen in Gießen 8 Sterbfälle vor. Hiervon ereigneten sich zwei bei Kindern, von denen das eine, noch nicht ein Jahr alt, an allgemeiner '.'ibzehrung, das andere 4 Jahre alt, an Lungen­schwindsucht starb. Lon den 6 verstorbenen Erwachfenen erlagen zwei organischen Herzkrank­heiten, der Lungenschwindsucht, Lungenemphysem, Unterleibstyphus je eine und in einem Falle konnte eine bestimmte Todesursache nicht angegeben werden. G.

Eine Frau von 81 Jahren in dem benachbarten Groß-Linden, welche sich am Montag etwas unwohl fühlte, schlich sich in der Nacht aus dem Bette und stürzte sich in den im Hof befindlichen Brunnen. Am frühen Morgen fanden sie ihre Angehörigen in demselben als Leiche.

Vermischtes.

sProvinzial-Tramway'Compagnie.j Danziger Blätter enthielten dieser Tage eine inzwischen in andere Zeitungen übcrgegangcne Localnotiz, aus welcher der daselbstige Straßen­bahn Bau dieser Tage eine Unterbrechung erfahren habe; es geht üils in Bezug hierauf die Mittheilung zu, daß die statlgcfundene inzwischen beendete Unterbrechung in dem nicht recht­zeitigen Eintreffen von Kleineisenzeug, welches von der Laurahütte geliefert wurde, ihren Grund hatte.

Neustadt, 6. Juli. Heute Vormittag kam ein Bettler, welcher jedenfalls die Wtn- zingerKerwe" mitgemachr hat, an die Thüre eines unierer Mitbürger und drückte mit seltener Sicherheit auf einen Mejsingknopf mit der Umschrift:Man bittet zu drücken." Die Thüre wurde geöffnet undEin armer blinder Mann!" tönt es dem Hausbesitzer entgegen.Aber wober wissen sie denn, daß Sie hier drücken müffen^' fragte dieser.Ei hier steht es doch!" gab der arme blinde Bettler zur Antwort. Tableau.

Ober-Lais, Kreis Schotten, 9. Juli. Der hiesige Forstwart Ahlheim (früher Schutzmann in Darmstadt) verunglückte dieser Tage beim Fuchsgraben, indem sich durch einen Zufall sein Gewehr entlud und ihm die Schrotladung in den Leib drang. (St Azgr.)

Straßburg, 9. Juli. DasMainzer Jounral" läßt sich von hier schreiben:In dem Befinden des sehr verehrten Herrn Erzpriesters Spitz ist zur allgemeinen Freude seit Mitt­woch früh Befferung eingetreten, die langsam fortschreitet. Bis dahin hatten die Aerzte alle Hoffnung aufgegeben. Sollte der liebe Gott das ihm von einer sehr frommen barmherzigen Schwester dargebrachtc Opfer angenommen haben? Schwester Euphemia pilgerte nämlich letzten Dienstag von Hagenau nach dem 3/4 Stunden von da entfernten Wallfahrtsorte Marien­thal um für den Superior ihrer Congregation zu Meten und Golt ihr Leben als Ersatz für die Erhaltung des schwer Erkrankten darzubringen. Sie kehrte ganz munter zurück, wurde jedoch am Mittwoch m der Frühe plötzlich unwohl und starb gleich darauf. Seitdem geht es dem Herrn Superior bester." Fromme Leserinnen werden nicht lange im Zweifel wegen Beant­wortung der gestellten Frage sein.

Wien, 5. Juli. Vorgestern haben sich die Eheleute Keil, zwei hochbejahrte und völlig mittellose Personen, um's Leben zu bringen versucht. Der Mann ist tovt, aber die Frau wurde gerettet. Wenn man das Folgende liest, begreift man den Entschluß der Unglücklichen: Wie verlautet, erhielt nämlich das Ehepaar acht Tag» vor Ausführung des Doppel-Selbstmordes eine Vorladung zum Commissariate Ottakring, wo ihnen durch den Referenten des Armen- wesens, Polizel-Commistär Prester, die Mittheilung gemacht wurde, daß deren Gesuch um Auf­nahme in -die Versorgung von ihrer Zuständigkeits-Gemeinde Bartelsbrului in der Weise erledigt worden sei, daß dieselben monatlich 50 kr. (!) Pfründe und freies Quartier beim Kuhhirten erhalten sollen und daß ihnen weiters gestattet werde, in der Woche zweimal zu betteln (!). Das greise Ehepaar nahm diese Art der Versorgung nicht an und zog es vor, lieber zu sterben. Die gerettete Wittwe Johann Keil ist 67 Jahre alt. Sie wurde von der Gemeinde Ottakring vorläufig in Versorgung übernommen.