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Abend yler eingetroffen und am Bahnhof von dem Personal der deutschen Botschaft empfangen worden.

Berlin, 13. Mat. Fürst Bismarck hat heute Nachmittag um 4 Uhr dem König von Sachsen einen nahezu einstündtgen Besuch abgestattet.

Petersburg, 13. Mat. DerRegterungsbote" meldet: Im Ver­laufe der verflossenen Woche traten bet der Kaiserin die Krankhetrsanfälle weniger akut auf. Das Befinden ist besser und die Kräfte halten sich.

Lokales.

Gießen, 14. Mai. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Kreisausschuffes wurde Vie am 15. April l. I. abgehaltene Bürgcrmeisterwahl zu Muschenheim, in welcher Heinrich Becker V. mit nur 2 Stimmen Majorität gewählt war, für ungültig erklärt

Ein Zigeuner von der Kröge bei Biedenkopf gcrteth am Abend des 10. d. Mts. zu Bettenhausen mit einem dortigen Taglöhner in Streit, wobei ersterer einen Mcfferstich in den Unterleib erhielt, in Folge deffen er in der Nacht vom 11. auf den 12. verschied.

Vermischtes.

Kaufbeuern, 8. Mai. Heute Nacht und den ganzen Vormittag fiel Schnee mit einer Beharrlichkeit, daß man glauben könnte, Weihnachten stehe vor der Thüre. Feld und Wald prangen denn auch heute in schneeweißem Gewände. (Kfd. Anzetgebl.)

Mainz, 14. Mai. In dem Stadthausgebäude fand gestern Mittag die Konferenz zwischen einer Anzahl Brauereibe'itzer und dem Herrn Bürgermeister Dr. Du Mont wegen den zu treffenden Anordnungm bezüglich der Bierpressionen statt Nach einer längeren Beraihung einigten sich die Herren Sachverständigen dahin, daß für die Folge sämmtltche hier in Gebrauch befindlichen Pressionen allwöllentlich einmal mittelst Dampfes gereinigt werden muffen. Die­jenigen Brauerei Inhaber oder Restaurateure, welche felbst über Dampfkraft verfügen, können die wöchentliche Reinigung ihrer Schläuche selbst vornehmen lasten, während bet solchen Zäpjern, die nicht in der Lage sind, eine amtliche Reinigung der Prefsionsichläuche wöchentlich einmal, und zwar gegen eine Vergütung, vorgenommen wird. Diese Anordnung ist bei dem Bier trinkenden Publikum sehr freudig ausgenommen worden.

Bingen, 11. Mat. Zur Belebung der Wetnerntehoffnungen bringt diePf. Pr." folgende Aufzeichnungen eines alten Tagebuchs vom Jahre 1788, die da berichten:Die Wingert waren ganz erfroren, und an Jörgitag noch blind, und viele Leute haben angefangen auszureißen. Die gute Witterung im Mai aber hat den Wingert aufgeholfen', aus dem Kopp sind sie so stark ausgeschlagen, daß mer sein groß Noth gehatt hat von wegen dem vielen Aus­brechen. Aber das Wild Holtz hat viel Schein getrieben, und am Johannestage waren sie schönt verblümt, und hat sel Jahr noch ziemlich viel Wein geben, der gern getrunken worden ist und viel Kraft gehabt hat." Möge ein Gleiches in diesem Jahre clntteffen I

Trier, 9 Mat. Eine eigentümliche Klage hatte eine Karusielbesitzerin gegen den Pfarrer Klanck von Oberemmel am hiesigen Amtsgericht I eingericht. Die Klägerin beanspruchte einen Schadenersatz von weil der Verklagte, der gleichzeitig Schulinspeetor ist, die Kinder vor dem Besuche ihres Karustels gewarnt und ihr dadurch deren Kundschaft entzogen habe. Die Sache kam gestern vor dem Schöffengericht zur Verhandlung und endete damit, daß die Klägerin auf Grund eindringlichem Zureden des Amtsrichters die Klage zurückzog. (S.-u.M. Z )

Aus der Pfalz, 9. Mai. Das nahe an der pfälzischen Grenze liegende preußische Städtchen Baumholder, Sitz eines Amtsgerichts, ist gestern zum Theil ein Raub der Flammen geworden. 180200 Gebäude, darunter 120130 Wohnhäuser, sind niedergebrannt, Menschen­leben glücklicherweise nicht ou beklagen

Berlin. Im Palais des Kronprinzen ereignete sich ein Vorfall, der als vollständig auf Wahrheit beruhend verbürgt wird. Tag und Stunde thun nichts zur Sache. Auch den Namen des Mannes, der als zweite Hauptperson in der folgenden Scene fungirt, muffen wir verschweigen Genug, diese zweite Person war ein Hamburger Kaufmann, der beim Kron­prinzen Audienz hatte. Im Vorzimmer hatte er seinen Paletot abgelegt und war sofort auf Befehl Seiner Kaiserlichen Hoheit vorgelasten worden, der ihn in außerordentlich liebenswürdiger und herzgewinnender Art behandelte, wie das des hohen Herrn Art ist. Nach Schluß der Audienz begleitete der Kronprinz den Hamburger Kaufmann in's Vorzimmer. Um Seine Hoheit, der seinen Gast, wie es schien, noch weiter begleiten wollte, nicht lange aufzuhalten, griff der Hamburger rasch nach seinem Paletot, um ihn anzuziehen und sich zu entfernen. Da trat der Kronprinz näher und half dem Kaufmann beim Anziehen des Ueberziehers. Natürlich wehrte sich dieser und wollte durchaus nicht dulden, daß ihm die Hand des künftigen deutschen Kaisers Dienste leiste. Lächelnd aber zwang der huldvolle Kaiserssohn den sich Sträubenden, den Höstichkeitsdienst zu dulden, mit den Worten:Es ist dies eine Pflicht, die sich kein Gentlemen gegenüber einem andern ®<ntlemen entziehen darf."

Mainz, 12. Mai. fSelbstmordversuch.^ Gestern Abend stürzte sich eine feingekleidete Dame von der Schiffbrücke aus in den Rhein, nachdem sie ein etwa 1 Vrjähriges Kind auf der Brücke niedergesetzt hatte. Es geschah dies auf der Casteier Seite und gelang es einigen Schiffern, die Frau zu retten Man trug sie jammt dem Kinde nach Kastel. Motive der Thal sind noch nicht bekannt. Vor mehreren Tagen wurde die Kirche in Ober-Flörsheim in Brand gesteckt. Nun erinnerte man sich, daß der Ackerbursche Philipp Maier von Ober- Flörsheim bei einer Gelegenheit gesagt hat:Ach, bis ich heirathe, ist die Kirche längst abge­brannt." Diese Arußerung gab Anlaß zur Einleitung einer Untersuchung gegen Maier; er wurde verhaftet; allein bald stellte sich heraus, daß diese Aeußerung nichts weiter als ein Zungenfehler war, daß demselben alle Hintergedanken ferne lagen und so wurde denn der Bursche gestern wieder aus der Untersuchungshaft entlaßen. Man sieht daraus, zu welchen Gefahren leichtsinnige Aeußerungen führen können. (M. A.)

Kirchhain, 7. Mai. Aus Amöneburg wird vom 28. v. Mts. berichtet: Der junge, noch unverheirathete Barbier Neumann von hier befindet sich schon einige Monate in Unter­suchungshaft. Derselbe wurde gestern verhört und war bei dieser Gelegenheit gegen den Unter suchungsrlchter so grob und frech, daß er wieder abgeführt werden mußte. Der Beamte (Ge­richtsvollzieher), welcher ihn wieder in seine Zelle abführen sollte, bat den aus Schweinsberg anwesenden Gensdarmen, ihm behilflich zu sein, worauf dieser zu diesem Zwecke sein Gewehr aus dem Wartezimmer eiligst holte. Diese Gelegenheit benutzte Neumann und ergriff die Flucht, und beide verfolgten ihn mit Lebensgefahr den steilen Felsabhang über Basaltsteinblöcke in der Richtung nach dem bei Mardorf gelegenen Wald, wobei alle drei wiederholt stürzten. Der Gerichtsvollzieher ereilte den Flüchtling nach einer Viertelstunde, hielt ihn fest, bis der Gens- darm kam und beide brachten den Arrestanten glücklich wieder in Sicherheit. Ein College des Neumann, Namens Gondolf, welcher beschuldigt war, Im vorigen Jahre mehrere Werthfachen aus der Kirche und zwei schwere Kisten mit Geld und Werthpapieren aus dem Amtsgericht gestohlen zu haben, ist in Marburg aus dem Gefängniß entsprungen, hat sich vier Wochen zum Schrecken hiesiger Gegend im Brücker Walde aufgehalten und ist jetzt nach Amerika durch­gegangen.

Kassel, 10. Mai. Ein Eisenbahnunfall mit einem kaum erwartet glücklichen AuS- gange ereignete sich am Htmmelfahrttage zwischen den Stationen Bevenzen und Uebzen der Hannover'schen Staatsbabn. Von einem Augenzeugen werden uns Darüber folgende nähere Mittheilungen gemacht: Der durchgehende Morgenpersonenzug ver Route HamburgHannover- KasselFrankfurt a. M., welcher um 7( 4 Ubr Hamburg verläßt, wurde zwischen den oben erwähnten (Stationen dadurch gefährdet, daß der letzte Waggon des Zuges einen Axcnbruch an bet vordersten Axe erlitt, waS zur weiteren Folge hatte, daß die hinteren Axenhalter risien und die Hlnteraxe sammt Rädern unter dem Waggon hinwegqeschleudert wurde. Mit einem furcht­baren Stoße sank der hinten räberlose Theil des Waggons auf die Schienen, und obwohl der Unfall sofort vom Zugpersonal bemerkt wurde, so verging doch immerhin ein Zeitraum von vielen Secunden, während dcffen der nackte Waggon auf den Schienen schleifte und die in demselben befindlichen Passagiere 4. Claffe sich in der gräßlichster Todesangst befanden. Es war eine entsetzliche Scene, während ein Theil von Schreck überwältigt regungslos war, suchte ein anderer Theil der Paffagiere sich auf die Abtheilungswände zu schwingen und an der Decke festzuhalten Schon begann der Fußboden durchzuschleifen und mancher glaubte, sein letztes Stündlein sei gekommen, als endlich der Zug zum Stehen kam. So sind die Passagiere mit bem Sckreckcn davongekommen. Welche gräßlichen Folgen würden entstanden sein, wenn der verunglückt- Waggon in der Mitte, statt wie hier am Ende des Zuges lief? (H M.)

In Hamburg traf mit dem DampferSaxonia" ein Scecadet der Corvette Vineta" als Gefangener ein, welcher in Panama an Bord derVineta" einen Kameraden erschossen hat. Der Gefangene, welcher in Begleitung eines Lieutenants anlangte, wurde von zwei Marine-Soldaten, einem Unterofficier und einem (Befreiten aus Ki-l in Empfang genommen und von diesen weiter transportirt.

sVon der Fischerei-Ausstellung.) Die Japanesen, Chinesen und ihre südlichen Nach­barn haben aus der Berliner Fischerei-Ausstellung reiche Schätze von merkwürdigen und lehr­reichen Gegenständen ausgestellt. Erwähnenswerth ist vor Allem der größte überhaupt vorkommende Krebs (Macroheira Kaempferi), der in Gestalt einer ungeheueren Spinne mit seinen beiden Vorderfüßen, an welchen sich kieferartige Scheeren mit einem natürlichen Zahngebiß befinden, etwa 4 Meter klaftert. Dann hängt an der Decke zwischen allerhand Netzen das naturgetreue Modell eines noch größeren Tintenfisches, bei deffen Anblick man unwillkürlich an die Schilde­rung in Schillers Taucher erinnert wird. Der Körper dieses Ungeheuers von Polyp ist 2 m lang, die vorderen Fangarme umschlingen nach beiden Seiten hin Gegenstände bis zu je 4 m Entfernung und an ben Freßorganen befinden sich zahlreiche Saugwarzen in Gestalt hohler Wallnußschalen, aber größer als diese. Neben mächtigen Riesenschilbkröten sieht man in einer reich ausgestatteten Fischsammlung u. A. einen Riesenbarsch von der Größe eines gut geratenen halbjährigen Schweines. Natürlich ist die ganze Sammlung von Fischen u a. Wafferthieren, Modellen, Netzen und allerhand Fischereigeräthschaften so reichlich und intereffant, daß man Über diesen Theil allein em ganzes Buch schreiben könnte; alles ist hier Sauber und sorgfältig be- bandelt, alles naturgetreu, wenn auch fremdartig für das Auge des Europäers. Viele Gegen­stände. z. B. eingemachte Fische in modernen Blechbüchsen, verdathen schon ben in J'pan gern gesehenen europäischen Einfluß, wovon man in der chinesischen Ausstellung noch keine Spur entdeckt.

Leipzig. 10. Mai. Ein Mord und Todtschlag auf öffentlicher Straße, das ist die Schauerkunde, die unsere Stadt heute durcheilt. Der sehr geachtete, im besten Mannesalter stehende Cigarrenfabrikant Scheumann hatte gestern Abend mit seiner Familie und mit Ver­wandten ImSiebenmänner - Hause" ben Abschied eines nach Amerika reisenden Angehörigen gefeiert und begab sich mit der Gesellschaft am Spätabend über den Dösener Weg (hinter dem Bayerischen Bahnhose) in die Nähe des Apollosaalcs, um einer dort wohnhaften Person das Geleit zu geben. Herr Scheumann wurde hier von des Weges kommenden Stötteritzer Strolchen angerempelt, und als er sich das verbat, entstand ein Handgemenge, bei welchem einer der Rempler Herrn Scheumann einige Stichwunden in den Kopf und in die Brust beibrachte, welche seinen sofortigen Tod herbeifübrten. Das beklagenswertbe Opfer dieser brutalen Händelsucht hinterläßt 4 hübsche und wohlerzogene Kinder. Jene rohen Burschen wurden heute früh ver­haftet. (Fr Z)

Irischbäckcr in Westen.

Sonntag, den 16. Mai. Daniel Rühl, Marktplatz. Emll Sauer, Seltersweg.

Martin Lenz, Marktplatz.

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeindezuMesten.

Gottesdienst:

Sonntag, Den 16. Mai.

1. Pfingftfciertag.

Morgens V210 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Montag, ben 17. Mai.

II. Pfingftfeicrtag.

Morgens V?io Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. (Konfirmation bet Knaben unb Feier des heiligen Abendmahls.) Nachmittags 2 Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.

Mittwoch, ben 19. Mai.

Morgens V2IO Uhr: Prüfung und Vorstellung der Konfirmanben.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 16. bis 22 Mai besorgt

Pfarrer Dr. Naumann.

Allgemeiner Anzeiger.

Entgegnung.

Unter dem 27. v. Mts. hat der v. Milchling'sche Admini­strator in diesen Blättern eine Warnung ergehen lassen, wodurch er gedroht hat, Jedermann, der den an BleichwieseAltmühl" nach der Dorfstraße hinziehenden Weg unbefugt betrete, gerichtlich zu be­langen. Dem gegenüber mache ich hiermit bekannt, daß die Ge­meinde Treis a. d. Lumda Namens ihrer Gemeindeglieder das Recht beansprucht den fragt. Weg jeder Zeit zu beschreiten, weßhalb sie nicht dulden wird, daß die Ortsangehörigen an der Betretung des Wegs gehindert werden.

Treis a. d. L., den 13. Mai 1880.

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