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kirche; beide Letzteren dürften gänzlich abgetragen werden müssen; weiter die Universität, das Generalcommando, der Neubau der kroatischen Sparkasse, der israelitische Tempel, wo sechs Minuten vor dem Beginn einer Trauung die gewölbte Decke einsiürzte. Eine merkwürdige Erscheinung bietet der Thurm der Klosterkirche der Barmherzigen Schwestern, der um fast drei Zoll verschoben wurde. Außerordentlich gelitten hat auch die ungarische Tabakfabrik. Fast ganz zerstört ist die neugebaute Strafanstalt. Die voranstehende Schilderung bietet jedoch nicht annäherud ein vollständiges Bild der Zerstörung unserer Stadt Der Bonus hat über den entsetzlichen Unglücksfall sofort Bericht an den Kaiser erstattet. Im Lause des Nachmittags langte vom Monarchen eine Antworts-Depesche ein, welche vom Präsidenten in der Abendsitzung des Landtages verlesen wurde. In derselben spricht der Kaiser seinen Schmerz über das große Un­glück, welches seine Hauptstadt Kroatiens betroffen hat, aus, und fordert den Banus auf, ihm sofort bekannt zu geben, was behufs der Linderung der Noth der armen Bevölkerungsklasse erforderlich sei. Der Landtag nahm die kaiserliche Depesche mit stürmischen Ziviorufen auf. Merkwürdig ist, daß trotz der ungeheuren Zerstörung verhältnißmäßig wenig Verletzungen vorgekommen sind. Bisher sind nur 2 Todesfälle und etwa 30 Verwundungen bekannt. Auch aus allen Thetlen Kroatiens und Sla- voniens laufen Meldungen über das Erdbeben ein, hier scheint jedoch das Centrum desselben gewesen zu sein.-

Aus den zahlreichen von anderen Städten vorliegenden Berichte» greifen wir noch die folgenden heraus, die besonders geeignet sind, ein Bild von der Heftigkeit der Erderschütterung zu geben:

Fünfkirchen: Die Erschütterung war hier so groß, daß während der Messe in der Stadtpfarrkirche der Pfarrer und mehrere Anwesende umfielen und daß mehrere Gebäude nicht unbedeutende Beschädigungen erlitten. Die Erdbewegung wurde von Nord gegen Süd verspürt. Domborn: Heute um 7/3/t Uhr Morgen war hier ein fürchterliches Erdbeben mit lautem Getöse; die Häuser geriethen in's Wanken, es entstanden Sprünge in den Mauern, das Kreuz stürzte vom Kirchthurm herab, ein panischer Schrecken ergriff die Bevölkerung; dieselbe flüchtete während des Gottes­dienstes; einzelne erlitten Verletzungen.

Lokales»

Gießen, 13. November. Vor gänzlich ausverkauftem resp. übervollem Hause fand gestern Abenv das erste Abonnement-Eoncert der hiesigen Regimentsmustk in Wenzel's Palmen Saale statt. Grund zu dieser außerordentlichen Frequenz mag wohl hauptsächlich der tnS Leben gerufene Palmen Saal sein. Und in der That kann man sich für unsere Stadt keinen schöneren, freundlicheren und anheimelnderen Aufenhalt denken, als das fragliche Local. Tritt man in den Saal ein, so sieht man int Hintergründe desselben eine wunderschöne Grotte, vor welcher ein Blumenkörbchen mit brennenden Blumen hängt. Uebcr der Grotte versinnbildlichen uns eine Anzahl rothleuchtender Flammen bas Alpenglühn. Rechts und links dieser Grotte stehen hochstämmige Palmen und niedere Pflanzen, welche ungemein effectvoll wirken. Noch schöner freilich würde sich die Grotte ausnehmen, wenn vor derselben ein kleines Bassin mit Springbrunnen und der nothwendigen Decoratton herum angebracht wäre. Doch was nicht ist, kann vielleicht noch werden! Mitten im Saale unter dem Kronleuchter steht auf einem Ständer eine werthvolle Sago-Palme, auf welcher es klitzert, als wenn dieselbe mit Sternchen besäet wäre. Im Anfang deS Saales stehen hüben und drüben zwei sehr schöne große Fächer-Palmen, während weiter in der Mitte rechts und links recht große und frische Dracenen indivisa plactrt sind. Daß jede Ecke und jeder Durchgang hübsch und praktisch benutzt und decorirt ist, brauchen wir nicht herorzuheben. Selbst der Anbau ist dem Ganzen entsprechend ausgestattet. Was dem Palmen-Saale selbst auch noch einen sehr freundlichen Anblick gewährt, ist, daß derselbe mit nur runden Tischen, weiß gedeckt, ausgcstattet ist. Dieses Arrangement hat noch den Vortheil, daß mehr Personen plactrt werden können und daß Familien und Freunde an einem kleineren Tische intimeren Verkehr pflegen könnnen, als dies an langer Tafel der Fall ist. Hoffen wir, daß der Palmen-Saal das bleiben werde, was er am gestrigen Abend bot: ein freundliches und wohlthuendes Concertlocal ohne Rauchbelästigung.

Gießen, 12. November. Heute Nachmittag um V22 Uhr stürzte von der steilen Böschung der Westanloge, Lony's Bierkeller gegenüber, ein 3 bis 4 Jahre altes Kind in den Stadtgraben und würde, wenn nicht ein vorübergehender menschenfreundlicher Briefträger, dessen Weg zufällig vorbetführte, hinunter in das Wasser sprang und dasselbe mit Mühe und Auf­opferung herausholte, ohne diese Hülfe darin ertrunken sein. Zwei Vorübergehende kamen eben dazu, als das durchnäßte Kind (dem Schneidermeister K . . . . gehörig) glücklich oben ankam und sogleich von seiner größeren Sckwester nach Hause geführt wurde. Ein festeö Geländer an diesem gefährlichen Orte würde den kleinen Schulkindern, sowie Kindern von geringerem Alter sehr erwünscht sein.

Sehlffsberlelit, Mttgetheilt von dem Agenren des norddeutschen Lloyd,

C. W» Dietz in Gießen.

Bremen, 11. Novbr. sPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Nürnberg, Capt. A. Jäger, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. October von Bremen und am 23. October von Havre abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in New-Orleans an­gekommen.

Bremen, 12. Novbr. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Rhein, Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 31. October von Bremen und am 2. November von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newvork angekommen.

Handel und Verkehr.

Gießen, 13 November. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd.*1,10 bis 1.15, Hühnereier 1 Stück 70H, 2 St. 00 Enteneier 1 St. 11 12 H. Käse per Stück 59 H, Käsematte per Stück 30 H, Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 24 H, Lauben das Paar 6075 H, Hühner p. St. 0.700.90, Hahnen p. St. JL 0.500.70, Gänse pr.

Pfd. 5000 H, Enten per Stück 1.50-0 00, Ochsenfteisch 6600 H per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 4550 Kalbfleisch 5000 H, Hammelfleisch 5066 Schweinefleisch 6668 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 3.504.50, Zwiebeln p. Ctr. JL 80, Milch per Liter 16 und 18 H, Weißkraut 100 Stück 3.005.00,

Verkehrsnachricht.

Von einem Freund unseres Blattes in Newark (New-Aersey, Amerika) geht uns folgen­der Brief zu:

Im Interesse meiner engeren Landsleute glaube ich es nicht unterlassen zu sollen, an dieser Stelle mit besonderem Ausdruck darauf hinzuwetsen, daß Briefe von dort nach den Ver­einigten Staaten, gleichviel nach welchem Orte dieselbe gerichtet sind, wenn sie mit dem deut­lichen Vermerkvia England" versehen worden, durchschnittlich um 3, 4, 5 und häufig sogar um 6 und 7 Tage schneller befördert werden können als andere, nur die volle Adresse tragende Briefe, und gilt dies sowohl von Briefen von Deutschland nach der Union, als auch von solchen aus der Union nach Deutschland.

Briefe, welche dorten unter einfacher Adresse nach Nordamerika aufgegeben werden, gehen regelrecht direct nach Hamburg oder Bremen, je nachdem nun in ersterer oder letzterer Hafen­stadt der nächste Dampfer nach New-York abgeht. Für gewöhnlich geht nun sowohl von Hamburg als auch von Bremen jede Woche nur je ein Dampfer nach New-York ab, während von England aus, sei dies nun mit dieser oder jener Linie, durchschnittlich jeden Tag ein Dampfer nach New-York in See stickt. Erstere Dampfer brauchen nun in Folge ihrer zwei­tägigen Fahrt durch die Nordsee und den Canal, sowie ihres gewöhnlich 2436stündigen Ankerlegens in Havre resp. Southampton oder Plymouth und ihrer überhaupt verhältnißmäßig geringeren Fahrgeschwindigkeit gegen die englischen durckschnittlich immer 14 Tage bis New- Aork, wo hingegen letztere meistens nur 8, 9 und 10 Tage Fahrzeit nach dorten haben.

Aus angeführten Umständen ist cs eclatant ersichtlich, daß die für Nordamerika be­stimmten deutschen Briefe, wenn sie über England befördert werden, waS geschieht, sobald di-seS deutlich und in'S Auge fallend auf der Adresse bemerkt wird, ganz wesentlich schneller an'ö Ziel gelangen, als wenn dieselben bittet mit deutschen Dampfern aus deutschen Häfen er- pedirt werden.

Ebenso werden Briefe von Nordamerikn nach Deutschland, wenn nicht darauf deutlich eine bestimmte vortheilhafte Route vermerkt ist, ausichließlich nur mit deutschen Dampfern be­fördert, die doch von hier im Vergleich zu den englischen in ebenso geringer Anzahl abaehen. als von dort aus. '

Es ist deßhalb auch in diesem Falle am dringlichsten, die nach Deutschland bestimmten Briefe immer über England zu dirigiren, auf welche Weise selbst diejenigen, die mit den an der kngliscken Küste anlaufenden Bremer Dampfern expedirt werden sollten, dort schon durch die englische Post weiter gehen, was nicht geschieht, wenn fraglicher Vermerk unterbleibt. Von Frankfurt am Main beispielsweise brauchen Correspondenzen nach englischen Häfen durch­schnittlich nur 2 Tage. Von der Richtigkeit vorstehender Ausführungen kann sich Jedermann selbst überzeugen.

Des Weiteren möchte ich hier noch darauf aufmerksam machen, daß man wegen der vielen gleichnamigen Städte in Nordamerika nächst dem deutlichen Namen des betreffenden Ortes am besten daran thut, auch den Staat, worin derselbe gelegen, abgekürzt auf die Adresse des Briefes zu schreiben und ferner nicht unterläßt, auf die Rückseite die Adresse des Ab­senders zu vermerken, um so bet etwaiger Nichtvestcllung des Briefes denselben sofort zurück­erhalten zu können.

Deutsche Briefe nach Südamerika werden am besten immer über England dirigirt, solche nach Australien (gleichviel ob nach Neu Süd-Wales oder Victoria rc.) adressirt man hingegen besser über Brindisi (Italien) und Suez, welche Route dieselben tndeß ohnedieß heute gewöhnlich nehmen, obgleich die beste Passagierbeförderung nach dort über San Franzisco stattfindet.

Newark (New-Uersey) U. S. A., den 7. October 1880.

Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen

Vom 7. bis 13. November 1880.

Aufgebote.

November. 10. Kaufmann Marcus Kann von Ruttershausen mit Recha Henriette Isaac, Tochter des Leichencommissärs Susmann Hirsch Isaac von Frankfurt a. iöi. 11. Kutscher Wilhelm Balthasar Hofmann von Großen-Buseck mit Johanna Listmann, Tochter des Arbeiters Leonhard Listmann von Schlitz.

Eheschließungen.

November. 6. Kaufmann Karl Gottfried Neubert von Lichtenau mit Karoltne Wilhelmine Bergen, Tochter des verst. Modeüjchretncrs Friedrich Bergen von Gießen.

Geborene.

November. 5. Dem Taglöhner Johannes Weber eine Tochter. October. 30. Dem Fruchthändler Mayer Löwenstein eine Tochter, Auguste. November. 1. Dem Eisenbabnarbeiter Johannes Damsheuscr ein Sohn, Friedrich. Ociober. 31. Dem Gerber Karl Becker II. ein Sohn, Wilhelm Georg Christian. 31. Dem Tapezier Georg Ludwig Vogel ein Sohn. No­vember. 1. Dem Heizer bei der Cöln - Mindener Bahn Wilhelm Böttner Zwillingkmder, ein Sohn und eine Tochter. 2. Dem Wirth Georg Schäfer in Darmstadt ein Sohn. 4 Dem Schneivmüller Philipp Euler IV. eine Tochter, Anna Marie. 6 Dem Schreiner Heinrich Johann Friedrich Helmuth Jenzen ein Sohn, Heinrich Andreas Louis. 8. Dem Schlosser Karl Mattheiß eine Tochter. 4. Eine Tochter von auswärts, Elise. 6. Dem Schneider Ludwig Größer eine Tochter. 12. Dem Arbeiter bet der Main - Weser - Bahn Johannes Wagner V. ein Sohn, Heinrich.

Geworbene.

November. 6. Oeconom Christoph Lein, 54 Jahre alt, von Hainbach. 8. Eduard Johannes, 1 Jahr alt, Sohn des Schreiners Eduard Menn. 7. Karl Ludwig Maximilian, 13 Jahre alt, Sohn des verst. Schneiders Julius Adolf Röhner. 9. Louis Georg, 2 Monate alt, Sohn des Metalldrehers Georg Kreiling. 9. Nätherin Katharine Schmidt, 66 Jahre alt. 9. Bäcker Hugo Heimbrock, 28 Jahre alr, von Rade vorm Walde. 10. Marie DaubertS- häuser, geb. Römer, 43 Jahre alt, Ehefrau des Jacob Daubertshäuser, von Vetzberg. 12. Johanna, 4 Jahre alt, Tochter des Porzellanmalers Johann Simon.

Ä

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 6. November. Carl Gottfried Reubert, Kaufmann in Cassel, des verst. Bäcker­meisters in Lichtenau, Johannes Neubert, ehel. Sohn und Caroline Wilhelmine Bergen, des verst. Modellschreiners Friedrich Bergen dahier ehel. Tochter.

Getaufte.

Den 7. November. Dem Bremser Gottfried Lauber eine Tochter, Anna Margarethe Katharine, geb. den 29. September.

Denselben. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Heller eine Tochter, Katharine Christine Ottilie Johanna, geb. den 6. October.

Denselben. Dem Schuhmacher Louis Feldhaus eine Tochter, Wilhelmine Henriette Louise Susanne, geb. den 18. September.

Denselben. Dem Bremser Johannes Höfer eine Tochter, Marie Elisabeth Friederike Katharine, geb. den 12. September.

Den 11. November. Dem Bierbrauer Heinrich Schraner eine Tochter, Karoline Louise, geb. den 10. September.

RS* DaS Museum des historischen Vereins (imRahhaas) ist jeden Montag von 1112 Uhr den M tgliedern des Vereins geöffnet.^

Allgemeiner Anzeiger.

Dersteigerungs -Anzeige.

7293) Dienstag den Iti. und Mittwoch den 17*. Mts. laßt der Unterzeichnete im Saale des Gastwirths Bramnr, von Mittags 1 Uhr ab, die verfallenen Pfänder öffentlich gegen Baarzahlung versteigern.

Gleichzeitig werden mit versteigert mehrere Hundert Bett- und Pfcrde- teppichc, sowie eine große Partie Winterübcrzreher.

Die Pfänder können noch längstens bis 13. d. Ms. ausgclöst oder protongirt werden.

K. iwHmeltaäiniM.

Neustadt D- 94.

Mine

zu verkaufen.

| . 7400) Zu verkaufen wegen Platzmangels eine eiserne Bettstelle mit 2 Matratzen.

I Auskunft bei der Exped. d. Bl.

Bekanntmachung.

Seit dem 9. d. Mts. sind drei weitere Stadtbrieskasten aufgestellt und zwar:

Ecke des Ludwtgsplatzes und der Gartenstraße, Ecke der Ludwigs- und der Alicenstraße und Ecke der Schillerstraße und der Nordanlage.

Die Leerung dieser Briefkasten findet zu den auf denselben angegebenen Zetten statt.

An Sonntagen fallen bei sämmtlichen Stadtbrieskasten die Leerungen um 10 Uhr Vorm-, 3 bzw. 4 Uhr und 5 bzw. 6 Uhr Nachmittags aus.

Kaiserliches Postamt.

In Vertretung: Ritsert.