Ausgabe 
13.9.1880
 
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1880

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Politische Ueberstcht.

Es fällt allgemein auf, daß gegenwärtig wieder lebhaft für das Tabaksmonopol Propaganda gemacht wird. In hervorragender Weise ist dies in Ludwigsburg durch den Vater des neuen Zolltarifs, den Freiherrn v. Varnbüler, geschehen, welcher das Erträgntß auf 150 Mill. M. veran. schlagt. Der Reichskanzler steht offenbar dem Plane nahe, praktisch die erste Etappe für das Tabaksmonopol durch die Erweiterung des Geschäftsbetrlebes der Straßburger Tabaksmanufaktur zu begründen. Die freie deutsche Tabaks- ivdustrte, ein blühender Erwerbszweig, wird durch die andauernden Monopol­bestrebungen auf's Neue in Unruhe gestürzt und schwer geschädigt, und dürfte es, selbst die Aussichtslosigkeit des Tabaksmonopols vorausgesetzt, immerhin zu den ersten und dankenswerthesten Aufgaben des Reichstages gehören, über dtc Stellung der Reichsregterung zum Monopol Aufklärung zu verlangen, um der Tabaksindustrte wenigstens insoweit Ruhe zu schaffen, daß sie einmal definitiv erfährt, was sie zu hoffen oder zu fürchten hat.

Die neue liberale Partei dürfte in Kürze mit der geschäftlichen Organisation der Partei vorgehen. Die Beschaffung einer Parteipresse steht damit im engsten Zusammenhänge. Als Parteiorgan dürfte eine aulo- graphtrte Correspondenz ausersehcn fein. Vorläufig ist die bisher fortschritt­liche Breslauer Zeitung in das Lager der neuen Partei eingetreten, welche gleichzeitig handelspolitisch unabhängig geworden ist, nachdem der mit dem Breslauer Domkapitel und mit zahlreichen Handels- und Industrie- Gesellschaften verquickte Schlesische Bankverein sich seines Eigenthumsantheils an dem trefff'chen schlesischen Blatte vortheilhaft entäußert hat.

Herrn v. Varnbüler gebührt das Verdienst, Deutschland über die Motive des Fürsten Bismarck zum Abschluß der deutsch-österreichischen Allianz klaren Wein eingeschenkt zu haben. Diese Motive fallen lediglich in das Gebiet der äußeren Politik, denn es handelt sich um Paralystrung der thatsächlich erstrebten franco-russischen Allianz. Den Anlaß zu letzterer boten die Verhältniffe im Orient, und es tritt jetzt ziemlich klar her­vor, daß das energische Vorgehen Deutschland-Oesterreichs der Türkei gegen­über sämmtlichen Großmächten Europas wenig zusagt. Selbst England und Rußland werden befreundet, wo es sich um das Brechen des deutsch- österre chischen Eirfli ffes im Orient handelt. Das deutsch-österreichische Bündntß, auf's Neue durch die Entreoue Haymerle - Bismarck in Friedrichsruhe bekräftigt, sieht eine Welt in Waffen gegen sich, dürste sich aber dadurch schwer­lich abhalten laffen, seine handelspolitische Mission auf der Balkanhalbinsel zu erfüllen.

Trotz der Diflonanzen im europäischen Concert, die in Eng­land zuerst laut wurden, soll eine volle Einigkeit der Großmächte bezüglich der Flottendemonstration erzielt fein.

In Konstantinopel gewinnen die Gerüchte über eine Ministerkrtsis an Confistenz. Beharrt der Sultan auf der Nachgiebigkeit betreffs der Ab­tretung von Dulctgno, so soll MahmudMddlm die Premterschaft, Server Pascha daS Aeußere übernehmen.

Der Steg der Engländer in Afghanistan ist endlich einmal ein Licht- blick für die bisher durch Unglück und Mißerfolge verfolgte Gladstone'sche Politik. Hoffentlich wird Gladstone durch ein übereiltes Stören des euro­päischen Concerts, einen faux pas erster Klasse, nicht den Fluch auf sich laden, ganz Europa in Verwirrung zu stürzen und den europäischen Frieden zu bedrohen.

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ren Booten und Mitglieder hierzu

der Beschränkung der Wechselsähigkett vor. Bet dem besonderen Interesse, welches der Reichskanzler den Bestrebungen der Agrarier entgegenbrtngt, und da es sich hier um einen auf Initiative des Sohnes des Kanzlers vom Reichs­tage gefaßten Beschluß handelt, so könnten leicht die Gutachten der Landwirthe in der Wilhrlmsstraße mehr Berücksichtigung finden, als die der zahlreichen Corporationen, welche den Handel und Verkehr Deutschlands repräsentiren.

Die geschmacklose Umänderung der Postuniform, die selbst dem Für­sten Bismarck ausfiel und zu einer treffenden Aeußerung veranlaßte, wird wieder redresstrt werden. Es wird nämlich an maßgebender Stelle über die endgültige Zukunfts-Uniform der Postbeamten berathen und soll es in der Absicht liegen, die Kragen an den neuen Dtenpröcken, sowie den Stirnstreifen an den Mützen nicht mehr von orangegelbem, sondern von dunkelblauem Stoffe herzustellen, und selbstredend alsdann die höchst geschmacklosen schwarzen Sammetstreifen in Wegfall kommen zu laffen.

Das Manifest der neuen socialdemokratischen Fraktion, der Herren Körner und Finn ist erschienen. Es sührt den Titel:Wir königl. preuß. Socialdemokraten, oder: Arbeiter hütet Euch vor dem Manchesterthum." Aus sechs Octavseiten wird gegen die Fortschrittspartei, das Manchesterthum, die Berliner Presse und die Führer derliberalen" und soctaldemokrattschen Partei polemtsirt. Dann folgen Hymnen auf Polizei und Regierung und An- Preisungen des gouvernementalen Socialtsmus. Der Schluß bildet eine un- klare Aufforderung zur Gründung eines neuen Arbeitervereins. Das ist alles.

Berlin, 9. Septbr. DieProv.-Corresp." beschäftigt sich .mit der reuen Partei." Das halbamtliche Organ meint, es sei der linke Flügel der nationalliberalen Partei, der seinen Austritt erkläre. Dieser Flügel habe, trotzdem er in der Minderzahl gewesen, verstanden, in wichtigen Fragen der Partei eine Oppositionsstellung aufzudrängen, welche, mochte sie nun vor der letzten parlamentarischen Entscheidung roch verlassen oder behauptet werden, auf das politische Leben sehr nachtheilig eingewtrkt habe. Im ersteren Fall war die ganze Partei dem urgegründeten Vorwurf ausgesetzt, ihre eigentliche Ueberzrugung verleugt et zu haben; im anderen Falle hätte sich die Regierung verlassen gesehen, wo sie auf Vrrsiändniß und Beistand zu hoffen berechtigt Var. Die Unsicherheit, welche dadurch in das parlamentarische Leben kommen mußte "tonnte nur lähmend und verwirrend wirken, und wenn der Austritt des linken Flügels zur Beseitigung derselben führt, so wird er nach dieser Rich­tung von wohlthätiger Wirkung sein." DieProv.-Corr." beurtheiltj sodann die einzelnen Forderungen des Programms sehr abfällig, namentlich erklärt sie, daß eine parlamentarische Regierung in Deutschland nicht möglich sei.

Wenn auch die Handels- und Gewerbekammern, die kaufmännischen Korporationen, die Erwerbs- und Wtrthschaftsvereine rc. in Deutschland sich säst einmüthig für Aufrechthaltung der allgemeinen Wechselsähtgkeit ausge­sprochen haben, so kann doch den bezeichneten Gremien nicht dringend genug aerathen werden, in diesem Sinne sich auch dem Reichstage gegenüber durch Einsendung von Petitionen auszusprechen. Es sind nämlich bekanntlich durch Riscript des landwirthschaftltchen Ministers Dr. Lucius die landwtrthschaft- lichen Vereine rc. besonders aufgefordert worden, sich über diese Frage auszu- sprechen, und gerade in den letzten Tagen liegen aus den Provinzen Sachsen und Posen Seitens landwirthschaftlicher Corporationen Beschlüsse zu Gunsten

Zweites Blatt. Sonntag den 12. Septembers

Kießener 'MiMger

Anzeige- und Amtsblatt sie dcu Kreis Gießen.

Logrono, 4. September. [®ie Katastrophe auf dem Ebro.j Am rechten Ufer des Ebro liegt das malerische Städtchen Logrono, das während des Carlistenkrieges für längere Zett als Hauptquartier der spanischen Truppen diente. Der Ebro bildete damals die Grenz- schetde zwischen den Gebieten des Carlismus und Liberalismus, so wie er noch heute Navarra und die Rioja von einaodcr scheidet. Das Flußbett wird nur in regnerischer Zett gänz­lich von der vorhandenen Wassermasse ausgefüllt, stets aber ist die Strömung in der Mikte zehr reißend, und besonders war dies nach anhaltenden Regengüssen in der letzten Zeit der Fall.

Da nun die steinerne Brücke, welche den Verkehr Logronos mit dem gegenüberliegenden Ufer vermittelt, seit einiger Zett schadhaft geworden war, so stellte die Stadtverwaltung tm August d. I. an die Militärbehörde das Verlangen, eine Pontonbrücke für die Dauer der Aus- bcsierung jener Steinbrücke Herstellen zu lasten. Diesem Wunsche wurde entsprochen, es wurden Pontons von Saragossa herbeigeschafft und die Arbeit sofort durch- eine Compagnie Pioniere begonnen. Der leitende Ingenieur hielt es jedoch nicht für nothwendtg, die ganze Strecke durch eine Pontonbrücke zu verbinden. In der Mitte ließ er einen freien Raum, der durch eine gewöhnliche Seil-Fähre ausgefüüt werden sollte. Diese Fähre war nun freilich von etwas eigenthümlicher Bauart, denn da sie bestimmt war, den gesammten Wagenverkehr zu vermitteln, da aber ein paar Pontons dafür nicht ausgereichr haben würden, so verband man ihrer eine ganze Anzahl und legte Bretter darüber, so daß die Sache äußerlich einem Floße glich. Die Fährleute und Schiffer tadelten zwar dieses Machwerk, weil man es in der starken Strömung gar nicht in seiner Gewalt habe, da es sich aber thatsächlich bewährte und schon viele Lastwagen von einem Ufer zum andern geschafft hatte, so trugen auch die Militärbehörden von Logrono kein Bedenken, die gewöhnlichen Uebungen am anderen Ufer des Flustes wieder aufzunehmen.

Am Nachmittag des 21. August sollte das erste Bataillon des zu Logrono in Garnison liegenden Regiments Valencia über den Fluß gehen. Die Friedensstärke der vier Compagnien eines solchen Bataillons ist nicht besonders hoch, sie belief sich auf 255 Mann und 20 Ofstetere. Als man zur Fähre kam, wurde das Einsteigen unter Aufsicht des Obersten und eines Ingenieurs ohne Schwierigkeit bewerkstelligt. Die Fähre setzte sich in Bewegung und das Musikcorps spielte lustige casttlianische Weisen. Dabei aber stampften Die Soldaten lauter junge Leute von der letzten Conscriptton mit den Füßen den Tact und die Fähre gerteth dadurch all- mälig in eine schaukelnde Bewegung. Von der Brücke sowohl wie von den beiden Usern her schauten die zahlreichen Spaziergänger zu, die sich den schönen Nachmittag zu nutze machten. Inzwischen war die Fähre in die Strömung gerathen, sie neigte sich herüber und hinüber, das

Wasser spritzte bald an dieser, bald an jener Sette herein, die Soldaten wurden unruhig, sie drängten nach der einen Seite hin, die Fähre aber gab nach, kenterte und schleuderte ihre 276 Insassen in den Strom. Das Bild der schwer bepackt mit den Fluthen Ringenden soll

unbeschreiblich traurig gewesen sein. Junge Civtltsten warfen ihre Kleider ab und stürzten sich

als gute Schwimmer von Z:r Brücke herab in den Fluß. Ihnen gelang es, eine ganze Anzahl

Leute, u. a. auch den Obersten des Regiments, zu retten- Die meisten Rettungen aber verdankt

man den umhertreibenden Planken, an welche einige der Ertrinkenden sich festzuklammern ver.

mocht hatten. Das Publikum warf in den Strom, was von Holztheilen und ähnlichen

schwimmenden Gegenständen zur Hand war. Vielleicht wären noch weit mehr Menschenleben gerettet worden, wenn sich die Leute nicht gegenseitig behindert und in die Tiefe gezogen hätten. Man sah ihrer n.ehrmals einen Knäuel von einem halben Dutzend mit wirr durcheinander­geschlungenen Gvedern an die Oberfläche kommen, um gleich darauf wieder in der Waffertiese zu versinken. Gerettet wurden im Ganzen 10 Offictere und 145 Soldaten, es ertranken

11 Offictere und 110 Soldaten.

lieber den Bemühungen, die Leichen herauszufischen, war es Nacht geworden und bet Fackelltcht mußte das traurige Wer? fortgesetzt werden. Die Eltern einiger Soldaten, die

Gattinnen und Geliebten der Offictere kamen herbetgeetlt und des Jammerns war kein Ende. Als die Nachricht nach Madrid fi.m, wurde für die Hinterbliebenen eine Subskription eröffnet, zu dem König Alfons 8000 JL beitrug, die Königin Christine 4000 und eben so viel Königin Isabella und die Prinzessin von Asturien.

Worms, 7. September. Ueber den Brand derPfalz" wird von den Etgenthümern

des Schiffes das Folgende mttgetheilt:Wie eS scheint, ist das Feuer in der Maschinen­kammer in unaufgeklärter Weise ausgebrochen und hat bei der großen Hitze so rasch um sich gegriffen, daß an Löschen nicht zu denken war. Es theilte sich rasch den Laderäumen mit und fand durch etwa 600 Centner Palmkernöl und 100 Centner Leinöl so reichliche Nahrung, daß die Mannschaft nur mit Noth das nackte Leben retten konnte und theilweise Brandwunden davontrug, während der Maschinist, welcher über die Entstehung des Brandes Auskunft hätte geben können, allem Anscheine nach im Dunste erstickt oder verbrannt ist. Man hatte kurz vorher ein Ventil öffnen hören und Dampf ausströmen sehen, ohne sich erklären zu können, was daS zu bedeuten gehabt. Gegen 5 Uhr Abends ging das Boot in Folge der Glühhitze aus­einander, da wahrscheinlich die Bolzen und Nieten geschmolzen und zersprungen waren. Das

Schiff liegt als Wrack vollständig ausgebrannt etwa 5 Meter tief im Waffer, so daß Ladung und Schiff als ganz verloren zu betrachten sind. Außer der Ladung ist bte ganze bewegliche Habe der Mannschaft mitverbrannt, sowie etwa 600 JL Geld und sammtliche Schiffspaptere. Es ist überhaupt gar nichts gerettet worden."

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