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Nr 83. Dienstag den 13. April 1880.
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Amtlicher Ttz«il. Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Polizeiwache von Montag den 12. l. Mts. an sich in dem seitherigen städtischen Schulhause Weidengaffe Nr. 93 befindet.
Gießen, den 10. April 1880. Grobherzogliche Polizetverwaltung Gießen.
Fresenius.
Deutsche Industrie in Australien.
Außer den blutigen Kämpfen, in welchen Völker und Völkerstämme mit einander ringen, vollzieht sich geräuschloser, aber darum nicht weniger nachhaltig in seinen Folgen ein friedliches Ringen, deffen Preis zunächst nicht die politische Suprematie ist, die sich auf Bajonett,e und Panzerschiffe stützt; sondern dieses Ringen ist die friedliche Arbeit, des Bürgers Zierde, und deren Segenspreis ist der schnelle und gewinnbringende Absatz ihrer Producte. „Die Zetten ändern sich" — dieser Ausspruch der Volkswetsheit zeigt sich nicht blos als zutreffend im Hinblick auf die Kriegführung verschiedener Jahrhunderte, sondern auch in Bezug auf die Mittel, durch welche die Völker die schon angedeuteten Ziele friedlichen Strebens zu erlangen suchen. Und doch behält, wenn wir auf den Kern der Erscheinungen achten, der weise Ben Akiba mit seinem „Alles schon dagewesen" Recht. Abgesehen davon, daß unsere Sänger- und Schützenfeste mit ihren Wettkämpfen in jenem „Kampfe der Wogen und Gesänge, der auf Korithons Landcsenge der Griechen Stämme froh vereint" ihr Urbild finden, daß die Schienengeleise unseres modernen Dampfrosses in den Stetngeletsen ägyptischer und griechischer Tempelwege ihre Anfänge sehen, haben auch die Schaustellungen der Jahrhunderte alten Jahrmärkte und Messe?, in den Weltausstellungen nur die denkbar größte Vervollkommnung erfahren, die bei der größeren Annäherung der Völker nicht auSbleiben konnte. Wie zu einer Brautschau der großartigsten Weise brachten die civtlifirten Völker der verschiedensten Himmelsstriche nach den Handelsmetropolen des Erdballs die Werke ihres Fletßes, die Erzeugnisse ihrer Künste und Wissenschaften. Die Braut, um deren Gunst sie buhlten und deren Zuneigung in immer häufiger wiederkehrenden Weltausstellungen erhalten oder erworben werden sollte, sind die vielgestaltigen Bedürfnisse der Menschheit. Die Gunstbezeugungen, mit welchen diese viel umworbene Braut einzelne ihrer Bewerber beglückt oder beglücken soll, sind erhöhte Nachfrage, zahlreiche große Aufträge und — last not least — der metallne Ausgleich. Darüber, ob nun auch die internationalen Ausstellungen wegen ihrer großartigen Anlage oder vielleicht gerade trotz derselben ihren Zweck im Großen und im Ganzen erreichen, herrscht sehr verschiedene Meinung. Allerdings ist in den 7 Ausstellungen, welche zwischen 1851 und 1878 abgehalten wurden, der Ausstellungsraum stetig größer geworden (von 93,000 qm auf 300,000 qm); auch der Zufluß von Besuchern schwoll fast ununterbrochen zu einem immer größeren Völkerstrome an; ferner wurde auch die Zahl der Aussteller eine immer größere, und wenn Philadelphia (1876) hiervon eine Ausnahme machte, so lag dies einestheils nur au der räumlichen Entfernung von den Centren der hochgesteigerten Cultur Europas, anderntheils an der mißlichen Lage der Industrie des europäischen Festlandes nach dem großen Krach der vorhergehenden Jahre. Daß aber diese Frequenz der Weltausstellungen keineswegs ein sicherer Beweis für die vollkommene Zweckmäßigteit^derselben ist, geht aus der Thatsache hervor, daß nach Prof. Hoyels Berechnung ein Besucher der letzten Pariser Ausstellung 6 Monate Zeit gebraucht hätte, um bet täglich fünfstündiger Besichtigung jedem Aussteller nur eine Minute Zett zu widmen. Diese Thatsache wird tndeß etwas abgeschwächt in ihrer Beweiskraft durch die Erwägung, daß fast jeder Besucher mit einem besonderen Fachtntereffe die Ausstellungsräume betritt und für dieses gewiß vollkommene Befriedigung findet. Es könnte nach diesen Erörterungen zweifelhaft sein, ob der deutsche Industrielle die Weltausstellung des gegenwärtigen Jahres im fernen Melbourne auf dem Festlande der „neuesten Welt" beschicken solle oder nicht. Und doch sind bereits über die Erfolge, weiche deutsche Kunst und deutscher Gewerbefleiß in dem Völkercongreß von Sidney im vorigen Jahre errungen hat, die günstigsten Berichte über die Weiten zweier Oceane zu uns herübergedrungen. Dadurch ist in uns die freudige Hoffnung angeregt worden, daß eine erneute Ausstellung deutscher Maaren auf australischem Boden unserem deutschen Handel eine neue Bahn, unserer deutschen Industrie ein neues Absatzgebiet eröffnen werde. Es erscheint uns als ein neues Verdienst des jungen „Centralvereins für HandelSgeogrophie und Förderung deutscher Interessen im Auslande" (Sitz in Berlin), nenn derselbe durch sein Organ, den „Export", zur rechten Zett ein ernste- Mahnwort seines australischen Correspondenten an die deutschen Aussteller ergehen läßt. In verständiger Weise dämpft jener Correspondent die allzu hoch gespannten Hoffnungen deutscher Industrieller, die schon ganz Australien als für den deutschen Handel gewonnen betrachten. Naturgemäß haben auch in Australien noch die handelsmächtigen Briten die Vorherrschaft, so daß diese auch bet der Sidnry-Au-stellung den Haupttreffer zogen. Dazu waren die deutschen Maaren durch frühere schlechte, nicht probemäßige Lieferung Seitens deutscher Firmen so mißcredttirt, daß die Wiedergewinnung Australiens für Deutschland sich vicht mit einem Male vollziehen konnte. Aber schon muß un- die Thatsache
mit Freude erfüllen, daß Deutschland wenigstens gleich nach England die größten niateruöen Erfolge in Sidney erzielt und dadurch sich eine gute Zukunft in Australien angebahnt hat. Jene australische Correspondenz des „Export" gtebt den Werth der Aufträge, welche deutsche Häuser in Sidney erlangten, auf 30,000 Lstr. an. Ein großes Feld wird sich in Australien aber nur für diejenigen deutschen Fabrikanten eröffnen, welche dem bekannten Grundsätze : „Billig und schlecht", ganz entsagen und streng probemäßig liefern. Eine einzige nicht probemäßige Lieferung heißt nach dem wiederholten Uitheile des ReichScommissars das deutsche Geschäft für immer zu Nichte machen. Nur dann, wenn eine solide Lieferung nicht die Ausnahme, sondern die Regel bildet, wird Deutschland der englischen Concurrenz mir Erfolg begegnen können. Haben wir nun in Sidney unzweifelhaft et neu großen Vorsprung erlangt (namentlich Frankreich. Oesterreich und Jtali.n gegenüber), so wird Deutschland auf feiner Hut fein müssen, daß es den erlangten guten Ruf behält; dieses Ziel zu erreichen, muß Melbourne Deutschland gut gerüstet sehen. Cz.
AeulMand.
Darmstadt, 9. Aprl. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 11) Mhält:
2. Bekanntmachung Großherzoglicher Provinzial-Direction Oberhessen, das Aufbringen der Mittel zur Bestreitung der Bedürfnisse der Landjudenschast der Proonz Oberhessen für 1880 betreffend.
2. Ueb^rsicht der für das Jahr 1880 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von (Sommunal - Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Heppenheim.
3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Offenbach, die für das 1. Vierteljahr 1880 zur Bestreitung der Communal-Bedürfniffe der Stadt Offenbach zu erhebenden Umlagen betreffend.
4. Ordensverleihungen.
5. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.
6. Namensveränderungen.
7. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit ^der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 22. Febr. den von dem Stadtvorstande zu Gießen auf die erste evang. Pfarrstelle zu Gießen präsentirten Gymnasiallehrer Dr. Karl Naumann zu Worms für diese Stelle zu bestätigen; am 11. März dem zweiten evang. Pfarier Karl Mattes ton Gedern die evang. Pfarrstelle zu Jugenheim, am 13. März dem evang. Pfarramts-Candidaten Friedr. Jacobi aus Ober-Nosbach die evang. Pfarrstelle zu Schwarz zu übertragen.
Am 6. März wurden Heinrich Steuernagel aus Strebendorf und Konrad Kohler aus Heidelbach zu Aufsehern an dem Landeszuchthause, am 12. März wurde der Feldwebel tm 3. Großh. Jnfant.-Regim. Nr. 117 Johann Georg Weniger aus Leihgestern zum Ministerialkanzleidiener bei dem Ministerium der Finanzen, mit Wirkung vom 1. April l. Js. an, am 13. März wurde der Gefangenwärtergehülfe bei dem Provinzialarresthause zu Darmstadt Johannes Arheilger zum Gefangenwärter bei dem Haftlocale zu Darmstadt ernannt; am 15. Mürz wurde der von dem Heim Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosen- berg und dem Herrn Grafen Erbach-Schönberg auf die Lehreisteüe an der Gemeindejchule zu Böllstein präsentirte Schulamtsaspirant Johan« Georg Fritz aus Albig für diese Stelle bestätigt; am 18. März wurde der Schulamts- aspiranl Philipp Jacobi aus Nieder-Rosbach zum Lehrer an der Vorschule des Gymnasiums zu Gießen unter Belassung in der Kategorie der Volksschul- lehrer ernannt.
8. Cbarakterertheilung.
9. Ruhestandsversetzung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst: am 13. März den evang. Pfarrer Friedrich Adolf Groß zu Stadecken auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. Juli l. Js. an, in den Ruhestand zu versetzen.
10. Concurrenzeröffmmgen. Erledigt sind: Die evang. Pfarrstelle zu Osthofen; dotationsmäßiger Gehalt 2850 (Sine mit einem kath. Lehrer an ter Gemeindeschule zu Herrnsheim mit einem Gehalt von 900—1000 Jt
Darmstadt, 10. April. Das heute ausgegebene Großh. Regierungsblatt Nr. 9 enthält die Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, den Ausschlag der directen Steuern für daS Etatsjahr 1880/81 betreffend.
Berlin, 10. April. Der Reichstag überwies das Wuchergesetz an eine Commission von 21 Mitgliedern und genehmigte die Verordnung, betr. die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten durch Schluß .bstimmung.
Es folgt die weitere Berathung der Militär - Vorlage. Zu S 3 beantragte Richter, die Zahl der zu den Uebungen einberufenen Ersatzreservisten erster Clajse kommt nach Verhältniß des Jahresdurchschnitts der Uebungszeit und die Friedensprasenzstärtk in Anrechnung. Richter begründet seinen Antrag und erklärt, seine Freunde und er


