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Deutschland. *

m. Darmstadt, 11. Januar. Der Abgeordnete Metz hat unterm 10. d. M- bei dem Bureau der zweiten Kammer folgende Interpellation an Gr. Ministerium der Finanzen wegen unverzüglicher Wiederherstellung deS Rhein - Landdammes am Steiner- Worth und am Siebener übergeben:Die durch die Ueberschwemmung vom 2.,-d. Ja­nuar d.J., welche einen bisher unbekannten Umfang angenommen hatte, schwer heim- aesuchte Bevölkerung von Biblis und Groß-Rohrheim wünscht uor allen Singen die ?ascheste Wiederherstellung der an 15 Stellen durchbrochenen Damme und die Beseiti­gung der außerdem vorhandenen Dammschaden, weil sie bei einer Wiederholung des Eisganges oder regnerischer Witterung eine Erneuerung der Ueberfluthung ihrer Wohnorte und die Zerstörung oder tiefgreifendste Beschädigung zahlreicher Wohnhäuser mit Recht befürchtet Diese furchtbare Gefahr für Leben und Eigenthum vieler Hunderte von Familien wird auch durch den Durchstich des Landdammes an der Staatsstraße von Groß-Rohrheim nach Gernsheim weder beseitigt, noch nur wesentlich vermindert, da die Wasserfluthen von der durchbrochenen Stelle ihren Lauf fast zweifellos wiederum durch die beiden Orthschaften selbst nehmen und viele der theilweise bereits hart an- aeariffenen Gebäulichkeiten einem neuen Ansturm des Wassers und E'ses voraussichtlich erliegen würden. Die Witterung gestattet augenblicklich die Wiederherstellungsarbeiten­der nöthtge Grund kann auf dem Rhein, etwa von der Maulbeer - Aue ober der Weschnitz aus dem Lorscher Wald unschwer zugeführt, die Arbeit selbst vielleicht durch Zuziehung militärischer Hülfe beschleunigt werden. Im Interesse der schwer g- ängstigten Bewohner der bedrohten Orte und der bisher glücklich verschonten Nachbarorte und unter Hinweis auf die furchtbare Verantwortung, welcher sich Gr. Regierung durch irgend welche, auch die allergeringste Verzögerung aussetzen würde, richte ich an Gr. Ministerium der Finanzen die Anfrage: Sind die erforderlichen Maßregeln zur schleu­nigsten Wiederherstellung und Ausbesserung des Landdammes an der oben bezeichneten Stelle bereits getroffen?"

Berlin, 10. Januar. Wie wir hören, wird der Bericht des Staats- Ministers v. Stosch über die Folkestone-Affaire frühestens in 4 oder 5 Wochen erscheinen. Es ist bestimmt worden, das Expose über die Gründe d's Unter­gangs desGroßen Kurfürsten" den Mitgliedern des Reichstages zugehen zu lasten, und damit versteht sich die parlamentarische Erörterung des Berichts von selbst. Wie es heißt, waren in Regierungskreisen die Ansichten darüber gethetlt, welche Form das Expose der Admiralität annehmen sollte. Zuerst wurde für angemessen erachtet, die Abfaffung des Berichts dem Auditortat zu übertragen, das dann aus den Proceßactcn nur Auszüge zu machen gehabt hätte. Allein dieser Vorschlag wurde fallen gelaffen, und der zu erwartende Bericht des Chefs der Admiralität dürfte keinesfalls auch nur Einzelmomente aus den kriegsgerichtlichen Verhandlungen bringen. Es muß angenommen werden, daß das in Aussicht gestellte Schriftstück die Folkestone-Affaire in ihrem ganzen Verlauf als ein Ereigniß darstellt, das, durch bloßes Mißver- ständniß herbeigeführt, im kritischen Augenblick unabwendbar geworden war. Diese Ansicht ist seit Abschluß der Untersuchung die in den maßgebenden Kreisen allein vorherrschende, und deshalb wird die Klarlegung des Sachver­halts aus den Proceßacten als unnöthtg angesehen. Interessant bleibt es, daß als Commiffartus des Martnemintsters im Reichstage derselbe Herr Bätsch sungiren wird, der bet Folkestone als Geschwader-Chef denKönig Wilhelm" commandirte.

Berlin, 10. Januar. Der Kaiser wird heute Nachmittag den russi­schen Botschafter v. Oubril in Privat-Audienz empfangen.

Berlin, 10. Januar. Der Gesetzentwurf, betr. die Beseitigung des Nothstandes in Oberschlesien, zählt 6 Paragraphen und enthält außer den be­reits gemeldeten Ziffern im Wesentlichen noch folgende Bestimmungen: Die Gewährung von Saatgut erfolgt der Regel nach nur gegen die Verpflichtung der Wertherstattung. Die Mittel zur Beschaffung von Viehsutter und Saat­gut werden den Kreiöausschüffen zur Verwendung überwiesen; diese beschließen selbstständig über Ersatzpflicht und Entbindung von derselben. Zur Bereit­stellung der geforderten 6 Mill, erfolgt die Aufnahme einer Anleihe durch Veräußerung eines entsprechenden Betrages von Schuldverschreibungen. Uber die Bedingungen der Aufnahme und Kündigung der Anleihe trifft der Finanz- wintster Bestimmung. Am Schluß der Motive, welche bereits in der gestri­gen Rede des Finanzministers im Wesentlichen wiedergegeben sind, heißt es: Die Regierung ließ Berathungen darüber etntreten, inwieweit die dem Noth- stände unterliegenden Thetle Obeschlestens vor der Wiederkehr des Noihstandes gesichert und deren wirthschaftliche Lage durch Boden-Meliorationen und Ver­kehrsanlagen gehoben werden könne, und behält sich nach dem Ergebniffe der Berathung vor, die zur Durchführung zweckentsprechender Maßregeln erforder­lichen Mittel von der Landesvertretung zu erbitten.

Berlin, 10. Januar. Abgeordnetenhaus. Die Berathung des Staatshaushalts- Etats wird bei dem Etat des Finanzministeriums fortgesetzt. Langerhans erwähnt ein Circular der Berliner Handelsgesellschaft wegen Betheiligung der Reichsbank an dem Ankauf der Berlin-Potsdam-Magdeburger Bahn und beklagt die Hereinziehung der Reichsbank in Privatgeschäfte. Der Finanzminister lehnt die Verantwortlichkeit ab und rechtfertigt die Reichsbank. Rickert bringt die von amtlicher Seite ausgegangenen Maßregeln gegen diePosener Zeitung" zur Sprache. Dem letzteren Blatte sei wegen feiner Richtung die Gründung eines Gegenblattes, sowie die Entziehung der amtlichen Inseraten in Aussicht gestellt und sei alsdann das vormals fortschrittlichePosener Tageblatt" für die conservative Partei gewonnen und demselben die amtlichen Pub­likationen zugemendet worden. Redner bezeichnet die betreffende Maßnahme als eine f Überschreitung der amtlichen Machtbefugnisse und fragt, ob der Minister den Vorgang billige oder geneigt sei, eine Correctur eintreten zu lassen. Der Finanzminister Bitter erklärt, so viel er wisse, sei in der Frage von dem Oberpräsidenten der Provinz Posen ein Bericht erfordert worden. Ob derselbe bereits eingegangen, wisse er nicht. Es werde Redner bei der dritten Lesung oder bei einer anderen passenden Gelegenheit bei der Berathung des Etats bestimmte Auskunft ertheilt werden. Einstweilen bitte er alle von dem Vorredner gezogenen Consequenzen auf sich beruhen zu lassen Schorlemer- Alst weist daraus hin, daß die Provinzial-Regierungen die Maigesetze nach wie vor mit großer Härte ausführten; er verlangt, daß dieselben zur Mäßigung und zum Wohl­wollen gegenüber dem katholischen Clerus und der katholischen Bevölkerung angebalten würden. Der Finanzminister antwortet auf einzelne Punkte der Ausführungen Schor- Iemer'3. An der weiteren Discussion beteiligen sich die Abgg. v. Minnigerode, Windt- horst, Richter, Rickert, v. Schorlemer und Bachem. Dabei bringen v. Minnigerobe, Winbthorst unb Schmibt (Stettin auf eine bessere Regelung bes Wittwen Versorgungs- Wesens. Der Finanzminister Bitter sagt Abhilfe zu. Der Etat bes Finanzministeriums wird nach den Anträgen der Budget-Commission genehmigt.

Es folgt hierauf der Etat des Justizministeriums. In der Debatte hierüber bringen Reichensperger unb Winbthorst verschobene Mißstände zur Sprache, welche in der Justizverwaltung seit ber Einführung ber neuen Organisation sich ergeben hätten. Der Justizminister rechtfertigt dem gegenüber speeiell die Höhe der Gebührensätze. Seitens ber Gerichte seien ihm Klagen über bie Gebührensätze nicht zugegangen. Wenn inbetz ber Proceß eine Zeitlang m Uebung gewesen wäre unb hinreichenbe Erfahrung vorliege, werde sich die Reichsregierung eventuell der Aufgabe nicht entziehen, eine Novelle zur Reichsgebührenordiinng vorzulegen. Der Reichstag werde der Herab­setzung des Gebührengesetzes gerne zustimmen. Was die Behandlung des Unterper­sonals, namentlich der nicht mehr verwendeten Unterbeamten betreffe, so habe das Justizministerium bald nach dem Jnslebentreten der neuen Organisation an sammt- liche Departements-Chefs anderer Ressorts die Bitte gerichtet, baß bei der Wieder besctzung Dacant werdender Stellen vorzugsweise auf die brodlos gewordenen Justizbeamten Rücksicht genommen werde und sei dem mit großer Bereitwilligkeit entsprochen worden.

Gegen 5 Uhr wird die weitere Debatte vertagt. Nächste Sitzung Montag. Tages­ordnung: Das Nothstandsgesetz.

Berlin, 9. Januar. DerB. Ztg." entnehmen wir: Aus zuver­lässiger Quelle berichtet man uns heute, daß das nervöse Leiden des Fürsten Bismarck sich in neuester Zeit allerdings durch die starke Anwendung von Chloralhydra! gesteigert hat, daß em acuter Krankheitszustand bei dem Fürsten aber nicht vorhanden ist. Der Reichskanzler hat dieses seines leidenden Zu­standes halber seinen Urlaub formell bis zum 15. Februar d. Js. verlängert, so daß er bet Eröffnung des Reichstages wohl kaum hier anwesend sein wird.

München, 10. Januar. Die Kammer der Abgeordneten setzte heute die Berathung deö Cultus-Etats fort. Bei dem KapitelUniversität Mün­chen" beklagte Rittler die Abnahme des rein philosophischen Studiums gegen­über dem Fachstudium. Die Abgg. Hahn, Völk und v. Schauß nahmen das Wort gegen die heftigen Angriffe Daüer's gegen den altkatholischen Pcofeffor Friedrich. Völk bezeichnet Daller als unwürdig, Leuten wie Meßmer, Fcird- rtch und Döllinger die Schuhriemen zu lösen. Der Cultusminister erklärte, Daller's gestrige Behauptung, daß die Leistungen der Universität zurückgingen, sei unrichtig. Die Abschaffung der Collegiengelder würde eine Erhöhung der Prosefforen-Gehäiter vom 1. März ab nöihig machen. In Betreff Friedrich's sei zu unterscheiden zwischen der Stellung Frirdrich's zur Kirche und der Form, wie er seine A--schauungen ausdrücke. Er habe schon oft gesagt, warum er den Attkatholicismus schütze. Er muffe erklären, daß auch ihm die Abonne­ments-Einladung desDeutschen Merkur" nicht gefalle. Gegen die litera­rische Fähigkeit eines Universitäts-Professors könne die Regierung nicht etn- schretteli. v. Schauß beantragt die Errichtung einer Professur für bayerische Geschichte. Mimsterialrath Völk empstehlt den Antrag. Abg. Daller entgeg­net dem Vorredner in längerer Ausführung, er habe nicht die Pensionirung Friedrichs verlangt, sondern nur dem katholischen Volke Genugthuung durch öffentliche Constatirung geben wollen, daß ein nicht einmal mehr altkatholi­scher Priester in einer römisch-katholischen, theologischen Fakultät sitze. Abg. Jörg erklärt Namens der Rechten, dieselbe werde eine bayerische Geschichts- Professur, weil kein absolutes Bedürfniß vorliege, ablehnen. Nachdem die Ablehnung darauf mit Mehrheit beschlossen worden, wurde der Etat der Uni­versität München nach dem Anträge des Ausschusses genehmigt. Nächste Sitzung Montag.

Oesterreich.

Wien, 9. Januar. Meldungen derPolit. Corresp.". Aus Cetttnje, 9. ds. Der gestrige Kampf im Limthale endete mit der vollständigen Flucht der Albanesen. Letztere griffen das montenegrinische Gebiet in zwei Abthei- lungen an, doch scheint ihre Stärke mit 12,000 weit übertrieben beziffert zu sein. Aus Phtlippopel. Der B-ff-chl zur Besitzergreifung der griechischen Kirche soll von dem bulgarischen Metropoliten Pacaretos ausgegangen sein. Eine Abthetlung Milizen, von zahlreichen Bulgaren begleitet, erschien in der Kirche; ein bulgarischer Priester bestieg den Altar; der griechische Priester, welcher die Christfestmeffe celebrirte, wurde gefangen, der Schatzmeister der Kirche geschlagen und vertrieben.

Wien, 10. Januar. DiePresse" veröffentlicht eine montenegrinische Circularnote und ein Memorandum vom 26. ds. Letzteres erhebt gegen die Pforte den Vorwurf systematischer Verschleppung und der planmäßigen Auf­wiegelung der Albanesen, sowie der Zweideutigkeit bet den Unterhandlungen und schiebt ihr die Schuld zu für die jetzige akute Form deS Streitfalls, welcher Montenegro durch die Nöthigung, eine das Fürstenthum erdrückend Truppenmacht unter den Waffen zu halten, materiell zu ruiniren drohe. Mon­tenegro beansprucht hierfür dem Memorandum zufolge 2 Mill. Frcs. Entschä« digung und verspricht vorläufig das vertragswidrige Verhalten der Pforte und den Friedensbruch Seitens ihrer Untertanen nicht als Kriegsfall oder Anlaß eines Bruches anzusehen, verlangt aber von den Vertragsmächteu ener­gische Abhülfe.

Irankrcich.

Paris, 10. Januar. General garte wechselte bei Uebernahme des Kriegsministeriums sämmtliche General-Directoren desselben. Die Journale heben hervor, diese Maßregel sei eine wesentlich politische und habe nichts Verletzendes für die Persönlichkeit ber bisherigen General-Directoren, deren militärische Verdienste General garte anerkannt hat.

England.

London, 9. Januar. Meldung desReuter'schen Bureaus" aus ber Capstadt vom 9. bs. Die Regierung erließ einen Haftbefehl gegen ben Prä (tbenten des Boers-Comirss, Paul Krüger.

London, 10. Januar.Reuter's Bureau" meldet aus Kabul vom 9. ds.: ®?neral Roberts versicherte in einer Rede zu afghanischen Häupt­lingen, bie englische Regierung wünsche das Leben, das Besitzthum und die Religion der Afghanen zu achten.Daily News" melden aus Lahore vom 10. ds.: Mahommed Khan hält Ghayna stark besetzt.

Italien.

Rom, 10. Januar. Anläßlich des Jahrestages des Hinschridens Victor Emanuels trafen bei dem Ministerium zahlreiche Condolenz-Schreiben und Telegramme aus den Provinzen und vielen Gemeinden ein.

Nutzland.

Petersburg, 10. Januar. DerRuff. Invalide" meldet aus Sa­markand vom 4. ds.: Die in Samarkand wohnhaften Vettern Abderthamas, Selvir Khan und Isak Khan, flüchteten über bie Grenze unter Zurücklassung ihrer Familien in Samatkanb.

Kriechenland.

Athen, 9. Januar. Verschiedene Banden, welche sich in TheM.ien gebildet hatten, um Ruhestörungen hetvorzurufen, sind durch Truppen zerstreut worden.

Telegraphische Depeschen.

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Berlin, 11. Januar. Bezüglich der Mtttheilungen verschiedener Blät­ter über die Maßregeln der Staatsaufsichtsbehörde bezüglich der Frachtcredite

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