verwundeten und Verschonten. — In der vollen Entwickelung geschah der gewaltige Schlag, der um so fühlbarer ist, da sich derselbe auch auf unsere Reserve, die Baumschulen erstreckt. . . ,
Sich in dieser Situation nicht zu verlieren, sondern vorzugehen und den Grundstein auf Grund unserer Erfahrungen zu noch besseren Anlagen zu legen, sei unsere Aufgabe, und erlaube ich mir zu weiterer Besprechung die nachfolgenden Punkte einstweilen in's Feld zu schicken:
1. Einen sachkundigen regen Vorstand in jeber obstproducirenden Gemeinde zu bilden, der nut Rath und That vorgeht, um Verfehlungen zu vermeiden und die neuen Anlagen in polizeilicher Hinsicht bezüglich des Nachbargeländes zu überwachen.
2. Daß die geschützten Höhen zu neuen Anlagen in Betracht gezogen werden möchten. _ r _
3. Ein gemeinsames Vorgehen zu Gruppirungen zu veranlassen, wodurch Be- ftuchtung und gegenseitiger Schutz erzeugt wird.
4. Die Anlagen möglichst der Morgensonne zu offnen. r
5. Die Entfernung in den Reihen auf gutem Boden mindestens auf 10 Meter bei Kernobst zu bestimmen. r „ p rjr,
6. Die Löcher 1 H)-Meter breit und 1 Meter tief zu machen, auf schlechterem Boden noch größere Dimensionen zu wählen. .
7. Die Gruben dem Winterfroste öffnen und un Frühjahre mit gutem
Grund füllen. , r ,, r
8. Die ganze Vorarbeit nicht als Nebenarbeit betrachten.
9. Die betreffenden Grundstücke tief zu pflügen und gut zu düngen und dieselben nicht mit Luzerne zu bepflanzen, da die tiefgehenden Wurzckn die Kraft entfuhren, die in dieser Tiefe schwer zu ersetzen sein dürfte. .
10. Alles vorzubereiten, was nur für ein gutes Logis geschehen kann, da em guter Anfang ein gutes Weiterkommen erleichtert und man auf diese Weise schon nach 10 Jahren kräftige Bäume hat. .
11. So lange warten mit der Pflanzung, bis wir in 2—3 Jahren kräftige setz- aerechte Stämmchen haben, den Bezug gemeinsam aus guten Schulen veranlassen und durch Loosung jedem Interessenten sein Sortiment zu bestimmen.
12. Alle Baumschulbesitzer ersuchen, erst dann ihre Schulen zum Verkauf zu öffnen, wenn die rechte Reife erzielt ist, da ein Jahr zu früh verpflanzt, das Bäumchen lange Schwächling bleibt. .
13. Die vom Frost verschonten Bäume durch sorgfältige Pflege in Düngung, Umgrabung und Reinigung rc. zu kräftigen, damit der allzu große Verlust durch gesteigerte Leistungsfähigkeit abgeschwächt werde.
14. Alle Bäume kommenden Herbst entfernen, welche an der Astkrone nicht aus- schlagen und braune Stämme haben. (L. Z.)
Vermischtes.
Ober-Roden, 6. Juli. Ein Fall, wohl einzig in seiner Art, wird von hier mtt- mitaethetlt. Vor Jahren hatte sich nämlich bei einem hiesigen Einwohner, bem Gastwirth zum Mainzer Hof" ein Storch eingebürgert, dem es bet dem Wnthe sehr gut gefallen mußte, denn er verließ seit dieser Zeit nicht'mehr desien Hofraithe. Man hatte natürlich den hochbeinigen Gast auch sehr lieb gewonnen, und man freute sich, daß dem Thiere seither noch kein Unfall zugestoßen war. Da — vor einiger Zeit — fing der S.orch plötzlich zu hinken an, es mußte ihm irgendwo das eine Bein verletzt worden sein, und es war zu befürchten, daß das Thier an dieser Verletzung zu Grunde gehe, umsomehr, als alle Versuche, das Bein zu heilen, scheiterten. Was war zu thun? Der Gastwirth wollte den so lieb gewonnenen Storch nicht gerne verlieren, und fo faßte er den wirklich originellen Entschluß, das kranke Bein zu amputiren. Dies gelang ihm vortrefflich. An Stelle des abgenommenen Gliedes brachte er ein künstliches an, und nun spaziert das Thier gravitätisch auf seinem Stelzfuß in der Hofraithe umher, wodurch es natürlich sehr viele Zuschauer anlockt, und so seinen Retter für den geleisteten Dienst einigermaßen indirekt entschädigt
- Elektrische Beleuchtung des Vesuvs. Der „Jtalie" vom 29. Juni entnehmen wir folgende Notiz: „Vorgestern Abend wurde der Versuch gemacht, die Drahtseilbahn auf dem Vesuv elektrisch zu beleuchten. Das Schauspiel war großartig- Man hatte längs der Lime zehn Lichtapparate in gleichen Entfernungen von einander aufgestellt. Der ruhige Abend, der Mond in seinem vollen Glanze, der Vesuv außer- gewöhnlich entflammt, dies Alles contrastirte wunderbar mit dem elektrischen Licht. Der Versuch konnte nicht besser gelingen. Die Königin wird dieser Tage den Krater ersteigen und daselbst den Sonnenaufgang erwarten." Wie der „B- Bs. Z" mitgetheilt
wird, ist der in Rede stehende Belenchtungsversuch von der Berliner Firma Siemens und Halske mit ihrem neuen Systeme ausgeführt.
— (Tod in Folge von Morphiumeinspritzen). Aus München schreibt man: In hiesigen militärischen Kreisen macht der vergangenen Freitag in Ansbach erfolgte Tod des Rittmeisters Schropp im 2. bayerischen Ulanenregiment großes Aufsehen. Rittmeister Schropp starb in Zolge einer unvorsichtigen Morphiumeinspritzung, welche ihm von einem befreundeten Offizier gemacht wurde. Militärstrafrechtliche Untersuchung dieses Vorfalls ist bereits eingeleitet. Wie man hört, handelt es sich um einen Scherz: Rittmeister Schropp wollte den andern Offizier, welcher in Folge der Strapazen des letzten Feldzuges häufiger sich Morphiumeinspiitzungen machte, überzeugen, daß diese Einspritzungen bei ihm ohne Wirkung seien; 10 Minuten nach erfolgter Einspritzung war Schropp bereits besinnungslos und alle sofort angewandten Mittel waren vergeblich; nach wenigen Stunden war derselbe eine Leiche.
— (Erfindung für Frauen). Dr. M. Lamb in Newyork hat eine sehr wichtige Erfindung für Frauen gemacht, vorausgesetzt, daß sich dieselbe bewährt. Neptunit heißt das Material, mittelst dessen die Damen-Toiletten gegen die Unbilden der Witterung geschütz^werden sollen. Em mit diesem Präparat getränkter Stoff, gleichviel ob Seide, Atlas, rammet, wird durch Regen und Schnee nicht beschädigt, die Flüssigkeit fällt in Kügelchen davon herab, ja selbst Uebergießen mit Kaffee, Tinte u. s. w. macht keinen Eindruck auf die so imprägnirten Kleidungsstoffe, die bei alledem ihre Poren freibehalten für die Ventilation, während bei Waterproofs der Luftdurchzug bekanntlich abgeschnitten ist. Das Neptunit durchtränkt nur die Fibern des Gewebes. Auch Federn können so geschützt werden Es hat sich bereits eine Aktiengesellschaft für die Ausbeutung dieser Erfindung gebildet.
— Zigeuner sind bekanntlich stets ungebetene und gewöhnlich auch unwillkommene Gäste, und doch ist es außerordentlich schwierig, sich dieselben vom Leibe zu halten. Man bat es in Ungarn, wo sie zu den Landplagen gezählt werden, mit den heroischsten Abschreckungsmitteln versucht; man hat sie eingesperrt, in den Bock gespannt, ihnen ungezählte „Fünfundzwanzig" auf gemessen; man hatte ihnen mit Galgen und Rad und den entsetzlichsten Martern gedroht; man hatte aber noch nie irgend eine namhaftere und nachhaltigere Wirkung bei den Nachkommen der Pharaonen^— als solche gelten nämlich die Zigeuner in Ungarn — zu erzielen vermocht. Mit Schande und Spott zu dem einen Ende des Orts hinausgejagt, zogen sie am nächsten Tage beim andern Ende wieder ein und setzten ihr traditionelles Geschäft, das aus Betteln, Wahrsagen und Stehlen besteht, grinsend und die weißen Zähne fletschend, fort, als wenn ihnen gar nichts Unangenehmes passirt wäre. So hatten sie es auch die längste Weile in und um Szegedin gemacht; vergebens hatte der damalige Stadthauptmann sich den Kopf über ein Mittel zerbrochen, ihnen das Wiederkommen zu verleiden; sie besuchten fort und fort fleißig Szegedin und stahlen fort und fort fleißig, was ihnen unter die Hände kam. Da geriet!) der Stadthauptmann eines Tages auf einen teuflischen Einfall: er ließ eine ganze Carawane einfangen und bann bereu sämmtliche Mitglieber ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes glatt und kahl scheren. Mit kiefern an sich so einfachen Mittel erzielte er nun ganz ungeahnte Erfolge- Nicht allein, daß die Carawane, welche dieser verunstaltenden Procedur unterzogen worden, Szegedin eben so scheu wie der Teufel dem Weihwasser aus dem Wege ging; sie diente auch allen übrigen Wandertruppen zum warnenden Beispiel, und lange Jahre hindurch bekam Szegedin keinen Zigeuner zu Gesicht. Mit der Zeit wuchsen indessen die Haare wieder, nach und nach geriet!) jener eigenmächtige Eingriff in die Haarfreiheit der Zigeuner in Vergessenheit, und so begann dieser eigenthumsgefahrliche Volksstamm den Szegedinern in neuerer Zeit wieder recht unangenehm zu werden- Da beschloß man, eingedenk des glänzenden Erfolges des ersten Versuches, abermals ein Beispiel aufzustellen, und so wurde vor wenigen Tagen dieselbe Operation an einer herumschweifenden Bande vollzogen. Vergebens schrieen und jammerten die Herren und Damen; vergebens schwuren sie bei Himmel und Erde, daß sie lieber sich für ein paar Stunden aushängen, als in dieser schmachvollen Weise um ihren pechschwarzen und struppigen Haarschmuck bringen lassen wollten; der alte Hajduk, der mit einer mächtigen Schafschere hantirte, erwies sich als unerbittlich, und so hofft man in Szegedin die Zigeuner wieder für ein paar Jahre losgeworden zu sein.
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4572) Anmeldungen wegen Berücksichtigung bet Vergebung der oben bezeichneten Zinsen haben bis zum 14. d. Mts. einschließlich auf dem Bürger- meisteret-Bureau zu geschehen.
Gießen, den 3. Juli 1880.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
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