ditse unglücklichen Personen zwingt, aus gerichtlichem Wege ihre Entschäbi- gungsansprüche zn realtfiren und nicht aus freiem Antrieb ihre Pflicht ihut
IranLreich.
Pari-, 9. März, Abends. Senat. Berathung des Art. 7 des Unter« richt-gese-es. Freycinet erklärt«, Art. 7 verletze keineswegs die Freiheit. Nach Ansicht der Regierung hätten die Congregattonen, di« nicht autorisirt seien, gleichviel ob religiös« od«r nicht, kein Recht zu existtren. Freycinet stellte in Abrede, daß der Gesetzentwurf die Religion anlaste; er betonte, daß die Regierung unterscheiden werd« zwischen den alten und neuen Institutionen; sie würde di« neuen untersagen, wenn sie nicht legal, gegenüber den alten die ge- schlichen Bestimmungen in Anwendung bringen. Man werde von ihnen verlangen, sich die staatliche Autorisation zu verschaffen und ihre Statuten vor- zulegen. Eine Untersuchung werde angestellt werden und diejenigen I stitutionen fernerhin gebildet werden, deren Unterricht vorwurfsfrei sei. Freycinet wies darauf hin, daß die Ablehnung des Art. 7 schwere Folgen haben würde. Die Erecutivgewalt würde in den Stand gesetzt werden, die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen noch strenger anzuwenden. Die Annahme des Artikels sei «tue Nothwendigkett; er ersuche den Senat dringend, demselben zuzustimmen.
Hierauf ergriff Dufaure das Wort. Er erklärte, der Art. 7 sei tbat- sächlich ein« Krttgswaffe gegen die Religion. Der UnterrtchlSminister Feiry habe dies selbst in seinen Reden auf seiner Durchreise durch Frankieich erklärt. — Ferry protestirt dagegen. — Dufaure fuhr fort: Dieser Gesetzentwurf fei ohne jeden ernsthaften Grund vorgelegt. Wenn die Verantwortlichke t bei Minister dabet in Frage komme, so sei dies der gleiche Fall mit dem Senat, „denn wir müffen tm Voraus die Folgen der Annahme des Art. 7 vergegenwärtigen, muffen gegen Gesetze Opposition machen, welche wir für gefährlich erachten, wie beispielswesie derjenige über die richterlichen Beamten, ohne daß wir uns dabet durch dle Stimmung in der Deputirtenkammer präoccupiren lassen. Dufaure unterzog den Gesetzentwurf einer weiteren genauen Prüfung und kam zu dem Schluffe, daß derselbe die Religion erniedrige und an die Gesetze despotischer Regierungen erinnere. — Die Sitzung wurde hierauf suspendlrt und nach der Wiederaufnahme Art. 7 abgelehnt.
— Der Sengt nahm die drei letzten Artikel des Unterrtchtsgesetzes an und setzte die zweite Berathung auf Montag fest.
Telegraphische Depeschen.
Wagner « telegr. Eorresp»n»ruj • »nreau.
Berlin, 10. März. Die feierliche Enthüllung des Denkmals der Königin Louise im Thiergarten hat Henle Mittag um 1 Uhr, von dem herrlichsten Frühlingswetter begünstigt, stattgesunden. Noch vor Ankunft des Kaisers und der Kaiserin hatten sich der Kronprinz und alle Prinzen wb Prtmelsinnen des königlichen Hauses, die Großherzogin-Wittwe von Schwerin und der Erbgroßherzog von MecklenburgStrelitz tm kaiserlichen Zelte versammelt. Auf den Estraden in der Nähe des Denkmals hatten die Mtniser, die früheren Minister Delbrück und Falk, die Generalität, die Damen des Louisenstists, das Comite, die Vertreter Berlins und die Deputationen der Studentenschaft Platz genommen. Brausende Jubelruse verkündeten die Ankunft des kaiserlichen Paares, welches das Comite nach dem kaiserlichen Zelte geleitete. Nach einem Chorgesang des Domchors und der Sängerinnen des Louisenstists hielt Minister Hobrecht die Festrede, worauf nach einem wm Kaiser gegebenen Zeichen unter dem Abstngen des Chorals „Lobe den Hern' durch die Versammlung die Hülle des Denkmals fiel. Die Feier schloß ntt einem von Forckenbeck ausgebrachten Hoch auf ben Kaiser, in welches bi« Ser- sammlung unter bem Jntoniren bet Volkshymne begeistert einstimmte, »er Kaiser war tief ergriffen unb umarmte wieberholt seine Geschwister, ben Prigen Karl unb bie Großherzogin von Mecklenburg. Hierauf verließ ber Kaiser las kaiserliche Zelt unb richtete an bas Comite, bie Vertreter ber Stubentensckst unb die Minister Worte bes Dankes, bei Mahnung unb bet Befriebigmg- Slde zum Denkmal sührenben Straßen unb Alleen waren mit Menschenmasen gefüllt. Die öffentlichen unb viele Privatgebäube tragen zu Ehren bes Tges festlichen Flaggenschmuck.
— Die „Norbb. Allg. Ztg." berichtigt bie Mittheilungen ber „Nalinal- Zeitung" über bie Aeußerungen bes Reichskanzlers bei bem vorgestrigen ßar- lamentS-Diner unb sagt, ber Reichskanzler habe nicht gesagt, er könmbas Verfahren bet französischen Regierung nicht mißbilligen, sondern gesagt, ethabe bas Verfahren ber französischen Regierung vorausgesehen aus Grünb« ber inneren französischen Politik, welche eine Auslieferung für bie Zukuns ber gegenwärtigen Regierung bebenklich machten. Das Blatt fügt hmzu: Wir haben biefe Ansicht aus bem Munbe bes Fürsten schon bei ber ersten Nwricht von ber Forderung bet Auslieferung gehört.
Berlin, 10. März. Die „Prov.-Corresp." hebt bei Besprechun ber ersten Berathung ber Heeresvorlag« vor Allem ben patriotischen Embrusbet- selbe» hervor; nicht minber bebeutungsvoll aber sei bet burchaus frilliche Einbruch Aus ben Reben bes Kriegsministers unb Moltke's habe basllus- lanb entnehmen können unb sich auch, wie allseitig wahrzunehmen, der Ernnt- niß nicht verschloffen, baß D-utschlanb nicht aus ben Angriff ausgehe, sädern lediglich für ben Zweck ber Selbsterhaltung seine Streitmittel bem Moe zu yjhxrn suche, welches es von anderen Mächten bei Weitem überschritten nbe.
Karl-rnhe, 10. März. Zweite Kammer. Kiefer beantragt ein Aß- trauensvotum gegen ben Präsidenten des Ministeriums des Innern, Sßer. Dieser vertheibigt sich unter Hinweis auf bie Dolibarität bes Ministerms unb stellt in Abrede, baß er Anlaß zur Störung bet Harmonie zwischeiRe- (itetung unb Kammer gegeben habe; er werbe übrigens bie Consequenzewes Antrages für seine Person ziehen. Staatsminister Turban bittet bas His, von bem Mißtrauensvotum abzusehen, ba basselbe unbegrünbet unb (ne Systemsänberung nach Allerhöchstem Willen nicht beabsichtigt sei. — ad) einer langen Debatte, in weicher ultramontane, bemokratische unb conservive «bgeorbnete für Ablehnung bes Antrages sprechen, wirb ber Antrag Ker mit 29 gegen 19 Stimmen angenommen; sechs Abgeorbnete enthalten sicher Abstimmung.
San Francisco, 10. März. Eine Anzahl der wohlhabendsten Mitglieder der Kaufmannschaft San Franciscos bildeten einen Verein zum Sitze des Lebens und Besitzthums, des Handels und der öffentlichen Ordnung nd forderten die Einwohner auf, sich der gegen die Vergewaltignngsversuchpes Pöbels gerichteten Organisation anzuschließen. Kearney, der Führer der V- senfetndlichen Arbeiterpartei, bezeichnet den Verein als ein Vlgilanz-Co!tö,
bebarrt in der Agitation gegen die Chinesen und bedroht die Gegner mit Gewaltmaßregeln.
Ragufa, 10. März. Dienstag Vormittag brach zu Nevestnje tm Hause eines Türken Feuer aus, durch welches in Folge eines Oikanes drei Vtertheile der Ortschaft eingeäschert wurden. Das Stationscommando«Ge- fcäubx*, das Bezirks-Gebäude, das Post- und Telegraphea-Amt, das Krankenhaus und die Wohnräume für zwei Compagnien der Besatzung nebst den dazu gehörigen Stallungen find abgebrannt. Die Sreueramts-Kaffe und das Ver- pfiegungsmagaztn wurden Gerettet. Verlust von Menschenleben ist nicht zu beklagen. Biele Leute find obdachlos.
Paris, 10. März, Abends. Di- Bureaux der drei Gruppen der Linken der Deputtrtenkammer kamen in ihrer heute Abend stattgehabten Vereinigung überein, aus Annahme des Artikels 7 der Ferry'schen Vorlage als unerläßliche und geringste Forderung zu bestehen, auch jedenfalls eine bez. Interpellation an die Regierung zu richten.
Rom, 10. März, Abends. Anläßlich des TodeStAges Mazzini'S beab- stchttgten einige Personen, an Mazzini's Büste auf dem Capitol Kränze nieder- zulegen. Einer der Kränze trug die Inschrift „die Jraltener der Julischen Alpen." Ein Polizei-Jnspector ordnete die Entfernung der Inschrift, sowie der rothen Bandschletsen an. In Folge deffen entstand ein kurzes Handge- menge, wobei die Kränze zum Theil zerriffen wurden; die übrigen wurden an der Büste niederg legt. Emer der Bethetltgten dielt eine republikanische Rede und wurde beim Fortgehen verhaftet. Eine Compagnie Militär traf alsdann auf dem Pl-tze ein, indeß kam es zu keinem weiteren Z vischenfall. Des Nachmittags um 3 Udr begaben stch einige Personen nach dem Friedhof, um das Grab von Moritz Quadr st, des treuen Freundes Mazzint'S, zu bkgränzen; hierbei wurden auch verschiedene Reden gehalten, indeß die Ruhe nicht gestört.
Lokales.
Gießen, 11. März Die Wahl des Herrn Gymnasiallehrer Dr. Carl Naumann aus Worms zum I. hiesigen Stadtpfarrer wurde von Sr. König!. Hoheit dem Großherzog unterm 22. Februar bestätigt.
— Gestern Abend hielt das wettere Comitö der „Volksküche" im Caf4 Ebel eine Ver« sammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: 1) Schluß der Volksküche. 2) Rückerstattung von gezeichneten Beiträgen im Betrage von 350 JL 50 an das Comttä der „Herberge zur Heimath". 31 Wahl einer Prüfungs-Commission. 4) Verwendung des übrig bleibenden Capitols und 5) Veräußerung des Inventars. Nach eingehenden und manchmal zu gründlichen Debatten beschloß die Versammlung, daß mit Schluß der Schule, am 19 ds., die Volksküche ihre Thätigkeit einstelle, eine Rückerstattung von für die Volksküche gezeichneten Beiträgen an das Comitö für die „Herberge zur Heimath" wurde mit ziemlicher Majorität abge- lrhnt. In die Prüfungs-Commission werden die Herren Dr. Dittmar, Emil Fischbach und Wilh. Demuth gewählt. Das übrtg bleibende, über 3000 JL betragende Capital wird der Bürgermeisterei zur Verwaltung überwiesen unter der Bedingung, daß a. die Zinsen dieses Capitols bis auf Weiteres dem Frauenveretn zugedacht werden und b. daß das Capital auf Grund Beschlusses einer Stadtverordneten - Versammlung nur wieder einer tm Nothfalle zu gründenden Volksküche überwiesen wird. In Betreff des Inventars beschloß die Versammlung, daß dasselbe dem Herbergs Comitö zum civilen Preise angeböten und wenn solches hierauf nicht eingehen sollte, demnächst öffentlich versteigert wird. Einen eingehenden Bericht über die ganze Thätigkeit dieser in eminenter Weise in diesem harten Winter wohlthätigen Anstalt, welche so außerordentlich von unserer wohlthätigen Bevölkerung unterstützt wurde, hoffen wir demnächst bringen zu können. Zum Schluffe können wir nicht umhin, denjenigen Damen und Herren, welche mit aller Hingabe fast Tag für Tag ihre Zett zum Wohle der Armen opferten, und welche vielleicht auch manchen Verdruß mit in den Kauf nehmen mußten, hier öffentlich den Dank auszusprechen, der ihnen in reichstem Maße gebührt.
— Die „Volksküche" vertheilte heute 1075 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 49. 1026 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwcrtsbschen-
Derruischte-.
— Ucber den großen Brand in Donaustauf meldet ein Telegramm deS „Bayer. Kuriers" vom 5. ds.: „Donaustauf ist jetzt größtentheils ein Schutthaufen. Von 175 Firsten sind HO abgebrannt Gerettet wurde die Pfarrkirche, das PfarrhauS, das ölte Schmhaus und einige Wohnhäuser. Abgebrannt außer Privathäusern sind. Rathhaus, Post, neues Schul» Haus, fürstlich Tarts'schc Stallungen, Domestikenhaus, von der Sommer-Residenz der Dachstuhl mit den oberen Stockwerken; das erste Stockwerkt ist gerettet, ebenso bet dem Gastbofe Walhalla. Einige Personen sind verunglückt. Abends wurde der Brand gedämpft. Zwei Kom- pagnieen Soldaten wachen. Die Roth ist jammervoll, Hilfe dringend notowendig "
Literarisches.
— D t e Bestattung der Todten in Bezug auf Hygteine (Gesundheitsverhältnisse), geschichtliche Entwicklung und gesetzliche Bestimmungen. Bearbeitet von Dr. A. 2B ernt) ct. Gießen, I Ricker'sche Buchhandlung 11480." Dieses Buch von 425 Seiten ist jedenfalls das Gründlichste, was gegen die LetckenverbrenTung, diesen dem frommen Gemüthe so widersprechenden Auswuchs des Materialismus (Kraft- und Stoffglaube), geschrieben werden kann. Nach einer das ganze Streitgebiet überfliegenden Einleitung behandelt es erst die Vorgänge beim Verwesen der Leichen in der Erde, zeigt, da, bie Verderbniß der Luft durch Leichengase aus Gräbern und die Verderbniß der Brunnen durch Dodengase nur großartige Uebertreibung ist, um die unkundigen Halbgebildeten in Feuer und Flamme gegen die bisherige Beerdigung zu versetzen. Das Buch geht auf die verschiedenen Arten der Verbrennung ein, wie wenig die Feier dem Sinne der Hmterbliebenen entsprechend, wie schwierig und kostspielig sie — zumal sie ganz unnöthig ist — für die Gemeinden werde, und macht dann die Nützlichkeitsrückstchten lächerlich, die aus einem Verstorbenen noch einen Gewinn ziehen wollten, der durch 3 — 4 Pfund Kalkphosphate ersetzt werde. — Das Buch liefert den gründlichen Beweis, daß richtig angelegte und ordnungsmäßig gehandhabte-Friedhöfe durchaus keine Brutstätten für KrankhettSkeime seien und daß z. B. die Brunnen auf ben meisten Friedhöfen das reinste Waffer der größeren Städte führten. Mit großer Kenntniß, ungemeiner Belesenheit führt der Verfasser über die Friedhöfe der großen Städte, über Schlachtfelder, durch die engen FestungS- räume hin und belehrt uns über das Begräbntß der ältesten Völker und die Letchengebräuche bis in die Jetztzeit. — Das Werk ist wiffenschaftlich und liest sich dabet so leicht wie die Artikel der „Gartenlaube", gegen die cS besonders ankämpft. Die große Menge der Belegstellen aus ältester und neuester Zeit und der pietätvolle Standpunkt des Verfaffers gegen die r e l i- g i ö s e n und c o n f e s s t o n e l l e n Anschauungen reizen zu stets wetteren Betrachtungen auf den gelehrten und geschichtltchen Feldern dieser Zetifrage. Deßhalb wollte ich dies Buch den Aerzten, besonders denen, di- in Gesundbeitsämtern flehen, aber auch den Geistlichen, die sich oft mit Freunden, welche der neumodischen Anschauung sich verwandt fühlen, über diese Frage unterhalten, warm empfohlen haben. Niemand wird es aus der Hand legen, ohne mit mir zu bekennen: Mich hat es von dem Gedanken, daß die Leichenverbrennung eine gesundheitliche Notbwendigkeit und deßhalb gerechte Forderung unserer fortgeschrittenen Wissenschaft sei, vollständig geheilt. (Ev. Bl.)
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 9. März. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner 2.30—3.40, Stroh 2.00—3.30. Butter das Pfund tm Großen 1. Qual. JL 0.90—95, 2. Qual. 0.85, tm Detail das Pfund 1.25—30, 2. Qual. JL 1.15—20. Eier das Hundert itall. JL 8, deutsche Eier 6.30 Ganze Erbsen das Pfd. 28—32 geschälte Erbsen 32—37 H, Bohnen 27—29 H Linsen
40—50 H Weißkraut das Stück 20-25^, Rothkraut, 1 St. 25—30 Kohlrabi 4—5 A Koblkraut 12 Io H, Blumenkohl 1 St. 4u—60 Wirsing — H, Kartoffeln 100 Ko. 8 —10.
Zwiebeln 1 Bund — Menettig 25 St — H, 1 Stück 20 H. Ochsenfietsch per Pfund 60-70 Rindfleisch 45-60 H, Kuhfleisch 45-60 Kalbfleisch 45-55 A Hammelfleisch 40—65 Schweinelletsch 60—70^, ein Hahn JL. 1.70—2.50, ein Huhn 1.40—2.50.
eine Ente JL 2.70—3.20, eine Taube 40—50 H.
Limburg, 10. März. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL 19.50, Weißer Wetzen 19.40, Korn 14.60, Gerste JL 11.50, Hafer, JL 7.20, Erbsen JL —. (Durchschnittspreis pro Malter.) Kartoffeln (50 Kilo) X 0.00.


