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1863/64 nicht gewagt haben, U den Augen der höchsten russischen Behörden I in Scene zu setzen. Anlaß dazu gab nach derOstsee-Zeitung" die Beerdi­gung des 16jährigen Gymnasiasten Ignaz Neufeld, der wegen BcthMgung an der Überreichung eines mit den polnischen Nationalsarben geschmückten Kranzes an die Schauspielerin Frau Modrczewska aus der Schule für immer verwiesen worden war und sich deshalb durch einen Reoolverschuß das Leben genommen hatte. Obwohl der Verstorbene der mosaischen Religion angehörte, öetheilig- ten fich an dem von einem Rabbiner geführten Leichenzuge mindestens 10,000 Polen und Juden, unter denen sich die hervorragendsten Personen beider Nationalitäten befanden. Der mit feierlichem Ernst durch die Haupt­straßen der Stabt sich bewegende Leichenzug tmponuie der Polizei m dE Grade, daß ste sich von ihm zurückhielt und ihn nur durch einige Polizisten von fern beobachten ließ; dessenungeachtet kam während des ganzen Verlaufs der Beerdigungsfeier nicht die geringste Störung vor, die ein polizeiliches Einschreiten nörhtg gemacht hätte. Die Aufregung unter der polnischen Be­völkerung ist noch immer sehr groß, und wie man hört, hat der General- Gouverneur Graf Kotzebue, um ste einigermaßen zu beschwichtigen, eine Unter­suchung des Sachverhalts angeordnet.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Correspouderrr Bureau.

Berlin, 10. Februar. Ein dem Bundesrathe zugegangener Antrag Preußens wegen Aenderung des § 30 des Socialistengesetzes (welcher die Dauer der Geltung des Gesetzes bis 31. März 1881 ausspricht) wurde den zuständigen Ausschüssen überwiesen.

Die Verwaltungsgesetz-Commission des Abgeordnetenhauses beschloß in zweiter Lesung des Behörden-Oganisationsgesktzes für die Provinz Hannover die bestehenden 6 Bezirke sämmrlich beizubehalten. (Die Regierungsvorlage wollte 3 Regierungsbezirke). Die Frage der Verbindung des Reichsvetwal- tungsgerichts mit dem Beztrksrathe wurde, weil eine Einigung nicht zu eitlen war, der Subcommisston zur erneuten Prüfung überwiesen.

Den Abendblättern zufolge findet die Eröffnung des Reichstags durch den Fürsten Bismarck statt. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Ein kurzes Nebeneinandertagen des Reichstags und des Landtags sei schon des Etats wegen unvermeidlich. Wegen Erledigung der übrigen Ausgaben des Landtags werde erst in einigen Tagen Beschluß gefaßt. Dieselbe Zeitung hört, die Vorlegung eines Gesetzentwurfs über die Actiengesetzgebung sei in der bevorstehenden Reichstagssession nicht zu erwarten.

In Betreff der Gerüchte über das künftige Reichstags-Präsidium schreibt dieKreuz-Ztg.", als begründet dürfe gelten, daß v. Seydewltz die Wiederübernahme des Präsidiums ablehne. Im Urbrigen seien die Verhand­lungen über die Zusammensetzung noch in der Schwebe.

Madrid, 10. Febr. Otero, in erster Instanz gestern zum Tode ver- urtheilt, wird heute den Asstsen überwiesen.

Konstantinopel, 10. Febr. Am Sonntag hat sich hier ein schreck­licher Unglücksfall ereignet. Die Kaserne in Beikas, einer Orrschaft am Bos­porus , ist eingestürzt. 200 Soldaten und Osfictere blieben tobt, 300 wurden verwundet.

Petersburg, 10. Februar. DieAgence Tuffe" will wissen, dtr Ge­sundheitszustand der Kaiserin werde nicht gestatten, daß, wie beabsichtigt, fremde Prinzen zur Begehung des Regierungsjubtläums des Kaisers etnträfen. Es Würde unter den obwaltenden Verhältnissen nur der Bruder der Kaiserin, Prinz Alexander von Hessen, mit seinen beiden Söhnen, darunter der Fürst von Bulgarien, hier erwartet.

Konstantinopel, 10. Februar. Ein internationales Comils leitet Sammlungen für die Hungerleidenden in Kleinasien ein. Die Mächte haben neuerdings Schritte in Sofia wegen der Repatrürung der Muselmänner gelhan.

New-Nork, 10. Februar DieRew-Dork Times" ist zu der Erklä­rung ermächtigt, daß General Ulysses Grant eine republikanische Candtdatur zur Präsidentschaft acceptiren werde, sobald er von der republikanischen Ratio - nalconvention als Candtdat aufgestellt werde.

Berlin, H. Februar. Den Morgenblättern zufolge hätte das Mini­sterium gestern beschlossen, den Landtag nach Erledigung der Etatsvorlagen auf drei Monate zu vertagen.

London, H. Februar.Reuter's Bureau" meldet aus Washington von gestern, daß auch der Senat die Bill in Betreff der Vertretung der Union bet der Berliner Fischausstellung genehmigt habe.

Lokales.

Gießen, 11 - Februar. ^Sterblichkeit in Gießens In der Woche vom 1.7. Februar betrug die Zahl der Todesfälle in hiesiger Stadt im Ganzen 6. Davon ereigneten sich 3 bei Kindern, von denen 2 an Abzehrung, 1 an Darmcatarrh starben. Bei den 3 erwachsenen Per­sonen erfolgte der Tod 2 mal durch Recurrensfieber, < mal durch Altersschwäche.

Gießen, Il.Febr. Gestern traten die Herren Gebr. Buderus den Besitz derLahn­hütte", welche sie für 450,000 erworben, an. Mit der Herrichtung des Werkes wird, dem Vernehmen nach, sofort begonnen, so daß das Anblasen des Ofens nicht mehr in großer Ferne steht.

Gießen, H. Februar. s4. Concerl des Concert-Vereins.j Zur besseren Würdigung des bedeutenden Künstlerpaares Rappoldi erlauben wir uns einige Recensionen auswärtiger Blätter wiederzugeben. So schreibt ein Dresdener Blatt:

Der ungewöhnlich günstige, dem Concertgeber vorausgehende Ruf hat sich durch seine Leistungen im Concerte nicht nur vollkommen bewährt, ja er ist sogar theilweise übertroffen worden. Eduard R a p p o l d i ist zweifellos ein Geiger ersten Ranges. Sein Ton ist von tadelloser Reinheit und Noblesse. Der Vortrag voll Feuer, Schwung, geistreich und charakteristisch, dabei fein empfunden und durch und durch künstlerisch ausgearbeitet. Seine Technik ist be­wunderungswürdig , sicher und rein in den schwierigsten Doppelgriffen. Frau Kahrer- R a p p o l d i ist eine würdige Partnerin ihres Gatten. Sie bewährte sich als talentvolle

Allgemein

Bekanntmachung.

881) Die am LL November 1879 (Martini) an die Fürst­lich Solms'sche Renteikaffe zu Hohensolms fällig gewesenen Holz- und Pachtgelder re. müssen bei Vermeidung gerichtlicher Schritte längstens binnen 14 Tagen bezahlt werden.

Zahltage find Dienstag und Donnerstag.

Hohensolms, am 10. Februar 1880.

Der Fürstliche Rentetbeamte Dormer, Revterförster.

Pianistin, welche mit Eleganz und lreffächer Technik große Sicherheit. Kraft und Ausdauer verbindet; eine so eminente Leichtigkeit im Handgelenk ist uns selten vorgekommen, doch auch im Adagio des Henselt'ichen Conccrtes verstand die Künstlerin recht sinnig und gefühlvoll zu spielen."

Feiner wird aus Aachen berichtet:

Einen glänzenden Triumph feierte Fran Rapp old i-Kabrer, welche sich mit Henielt s Eoncerl bei uns einführte. Wir gestehen offen, daß es uns bange wurde, als wir diese niedlich reizende Pianistin von dem Flügel Besitz ergreifen sahen und hierzu mir einer so kolossal technischen Aufgabe, wie dieses Paradestück der Klaviertechnik, bewaffnet. Es schien Frau Rappoldi darum zu thun, ihre Virtuosität im hellst.n Licht glänzen zu lassen, und das ist ihr denn auch glanzend gelungen. Was müheloie Ueberwinbung aller Schwierrgkeiten der Technik, Kraft und Ausdauer betrifft, so reiht sie sich der Schaar der Pianofortehelden würdig an. Aber nicht allein durch diese Eigenschaften, sondern auch durch Eleganz und Anmuth des Vortrags weiß Frau Rappoldi zu fesseln."

Der gestrige Fastnachtstag bot für unsere Stadt nichts Bemerkenswerthes. Ein paar abscheulich vermummte Menschengestalten bewegten sich in den ziemlich schmutzigen Straßen der Stadt, und sahen diese Herrschaften am Abend sehr malpropre aus. Zwei dieser fragwürdigen Gestalten, welche in der Schloßgasse eine Attacke auf mehrere Mädchen verübten, bekamen von einem Schutzmann die Larve gelüftet und dürften sich demnächst wegen Verübung groben Unfugs zu verantworten haben. Ferner wurden zwei Fechtbrüder, wovon der eine den Bärenführer, der andere, ein Mensch von 44 Jahren, denBär" darstellte, und welche in diversen Wirthschaften ihre Künste producirten (der ältere hatte nämlich einen Riemen um den Hals und wurde von dem jüngeren als Bär tanzen gelassen) beigesteckt.

DieVolksküche" vertheilte heute 973 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 69, 904 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerksburschen.

Vermischtes.

»* In Bremen fanden in dem Jahre 1876 340, 1877 296, 1878 114 Schorn­steinbrände statt, von denen trotz der daselbst vorhandenen vorzüglichen Feuerwehr mehr wie 5% die nachweisbare Ursache zu größerem Schadenfeuer waren. Es sind hier lediglich die Brände aufgeführt, welche unzweifelhaft durch Entzündung des Rußes (Glanzruß oder Flug­ruß) im Schornstein entstanden sind.

Dresden. (Sächsische Gemüthlichkeit.j Die Dresdener Zeitung schreibt: Unsere sprichwörtlich gewordene Gemüthlichkeit kann sich selbst auf Hafbällen nicht verleugnen. So war is auf dem letzten Kammerball, zu dem auch mehrere Landtags Abgeordnete geladen waren, daß einer der Herren, der das Glück hatte, kurz vor Schluß des Balles mit ihrer Majestät der Königin sprechen zu können, schließlich in die nicht weniger als hochdeutsch gesprochenen Worte ausbrach:Nun Majestät, gehen wir Alle noch ä Biffel zu Kneift, da stärken wir uns." Ihre Majestät soll über dieses offene Gcständniß des biederen Gebirgsmannes recht herzlich ge­lacht haben.

Ueber die Widerstandsfähigkeit des Eises macht derNational suisse" folgende inter­essante Mittheilungen: wenn das Eis eine Dicke von 4 Cm. hat, so trägt es das Gewicht eines einzelnen Mannes. Bei 8 Cm. kann die Infanterie in Reih und Glied, aber in ge brochenem Schritt darüber passiren Für Kavallerie und leichte Feldstücke nimmt man eine Dicke von 11 16 Cm. an, und wenigstens 20 Cm. für die Reservestücke. Bel 40 Cm. und darüber hinaus widersteht das Eis dem Druck der schwersten Lasten.

Bekanntlich sind es jetzt fünfzig Jahre, daß der Bodensee zum letzten Male zuge­froren war, also immerhin ein Ereigniß, das einer Jubiläumsfeier würdig. Und so gab es denn auch am 2. Februar ein Fest, das auf den erstarrten Wellen des Bodensees von Alt und Jung in Bregenz-Lindau gefeiert wurde. Um der Nachwelt dieses seltene Ereigniß in steter Erinnerung zu bewahren, ließ der Verleger, Herr Flatz, aus Anlaß dieses Jubiläums eine eigene Bodensee-Zeitung" auf dem Eise drucken. Wer weiß, heißt es in einem Leitartikel des Blattes, ob einer von uns, wenn das nächste Mal ein solches Fest gefeiert wird, noch am Leben ober im Stande ist, auf schlittschuhbeflügelten Füßen in das benachbarte Lindau-Venedig einfahren zu können. Außer dem Artikel enthält die Zeitung eine Monographie über klimatische SBev hältnisse des Bodensees, ein Festgedicht und allerlei lustige Inserate. Unterzeichnet ist als Re­dakteur : Dr. International.

- sLebensverstcherung- und Ersparniß-Bar.k in Stuttgart.j Trotz der im Jahre 1879 fortdauernden allgemeinen Äeschäftsstockung hat die Bank doch wiederum Resultate erziel:, welche denen des Jahres 1878, in welchem die günstigsten Ziffern seit Entstehung der Bank erreicht worden sind, gleichstehen.

Neue Anträge waren zu erledigen: 4117 mit 22,517,100.

Annahme fanden: 3353 Anträge mit Jl. 17,504,800.

Gestorben sind: 378 Personen mit 1,808,391, worunter 16 Selbstmorde mit 65,314, während 1878 345 Personen mit 1,598,038 Versicherungssumme gestorben waren

Die Mehrsterblichkeit im Jahre 1879 ist in der Vermehrung der Gesammtzahl und in dem verhältnißmäßig gestiegenen Alter der Versichelten begründet.

Die Ungunst der Zeitverhältnisse fand nur darin auch bei dieser Bank ihren Ausdruck, daß wegen unterlassener Prämienzahlung verhältnißmäßig mehr Löschungen eintraten, als bie-* im Jahre 1878 der Fall war. Immerhin ergibt sich ein reiner Zuwachs an Lebensversiche runpen von 216<» Polteen mit 12,070.300, an Aussteuerversicherungen von 58 Policen mit JL 239,218, zusammen 2218 Policen mit 12,309,5*10 gegen 2097 Policen mit JL 12,800,800 im Jahre 1878. Der Gesammtversicherungsstand hob sich von 33903 Policen mit^. 138,736,000 auf 36121 Policen mit 151,015,500.

lieber bas Rechnungsergebniß ist der Bericht noch zu erwarten, soweit der Stand der­zeit sich übersehen läßt, steht eine gleich hohe Dividende tote bisher in Aussicht.

sReicher Segen.) ImBerl. Tagbl." steht folgendes Inserat:Zum dritten Male sind Zwillinge angekommcn Diesmal Junge und Mädchen. Ich bitte Freunde und Gönner, mich wacker zu unterstützen. Butter fein und preiswerth. Wurst und Käse desgleichen. Mtehe."

Gotha, 2. Februar. Wie weit jetzt die Frechheit des Hausbettelns durch fremde Burschen geht, davon ein redendes Beispiel. Zwei Kellner, aus Langensalza und Cölleda. bettelten gestern (Sonntag) die hiesige Stadt ab. In Folge deffen mit nicht unbedeutenden Mitteln versehen, machten sie Abends im Saale des GasthausesZum Thüringer Hof" einen Ball mit, wobei sie herrlich und in Freuden lebten. Um nicht in einem Gasthofe übernachten zu muffen, nachdem sie das erbettelte Geld verjubelt hatten, meldeten sie sich Nachts auf Dem Rathhause als obdachlos an, wo ihnen natürlich im Polizeigewahrsam Nachtquartier ge­währt wurde. (D. Z.)

London, 3. Februar Die Aussichten auf theures Fleisch, worauf die englischen Land- wirthe bei niedrigen Getreidepreisen vertröstet wurden, sind auf's Neue um ein weiteres Stück in die Ferne gerückt worden, denn der erste Versuch, Fleisch im frischen Zustande von Australien hierher zu bringen, ist vollständig geglückt Gestern lief der Dampfer Strath Leven, welcher mit einer Ladung von aus 70 Stück todtem Rindvieh, 5<>0 geschlachteten Schafen und 40 Ctt. Butter, am 7. December aus Sydney absegelte, woblbehalten in die Themse ein und der Zu stand der Ladung ist alsbald mit der Zunge geprüft worden Sowohl Fleisch wie Butter sollen fich vortrefflich gehalten und ihren Geschmack vollkommen bewahrt haben. Die Auf­bewahrung im Schiffraum ist wenig kostspielig. Es ist somit eine neue und zwar ausgiebige Bezugsquelle für Fleischnahrung eröffnet.

Sehllffisberleht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd T8. Dietz in Gießen.

Bremen, 8. Februar. Der Postdampfer Main, Capt. H. Baur, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. Januar von Bremen und am 27. Januar von Southampton abgegangen war, ist gestern 7 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

r Anzeiger.

Oberh. Verein für Localgesihichte.

Sitzung

Donnerstag den 12. Februar, Abends 8 Uhr, im Cafe Ebel. (883

Vortrag: Herr Reallehrer Schwabe über das deutsche Volkslied.