Mr. 133. Freitag den 11. Juni 1880,
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Jijrijt* M AmtsdM str Le« Kreis Eich».
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ExpedittooSbovesu r
Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Prei- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hsteit.
Lehrer-Conferenz
des Conserenz - Bezirks Großen-Bufeck: Donnerstag den 17. Juni, Vormittags 10 Uhr, zu Großen - Buseck.
NB. Abgabe der Wencker'schen Uebersetzungen, wie der Beiträge für den Thierschutzverein.
Gießen, den 9. Juni 1880.Büchner, KreiSschulinspector.
Deutschland.
Darmstadt, 9. Juni. Seine König!. Hoheit der Großherzog nahmen heute Vormittag militärische Meldungen entgegen und empfingen den Generalmajor v. Bychelberg, Commandeur der 11. Feld-Artillerie-Brigade, den Oberförster Preuschen von Ernsthofen, sowie den Pfarrer Dr. Naumann von Gießen; zum Vortrag den Gehetmerath L. Hallwachs und den Ministertalrath v. Werner.
Seine Königliche Hoheit, Allerhöchstwelche am Samstag den Königlich Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Jocelyn empfangen hatten, empfingen heute um 12 Uhr den Kaiserlich Russischen Ministerresidenlen Gehetmerath Grafen v. Osten-Sacken.
Seine Königliche Hoheit werden voraussichtlich den Besichtigungen, welche morgen Freitag und Samstag auf dem Wetterstädter Exercierplatz durch den commandlrenden General Frhin. v. Schlotheim abgehalten werden, beiwohnen; in Folge dessen findet Samstag Vormittag kein Empfang stakt, und werden Seme Königliche Hoheit am Montag Vormittag Audienzen er- thetlen und Vorträge entgegennehmen.
Darmstadt, 9. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden Dienstag den 15. ds. Mts, Vormittags 11V2 Uhr, nach Wien abreisen.
m. Darmstadt, 9. Juni. Der von der ersten Kammer zur Vorbe- rathung des Gesetzentwurfes, die allgemeine Bauordnung betr., niedergesetzte besondere Ausschuß, bestehend auS dem Vorsitzenden, Sr. Durch!, dem Fürsten zu Isenburg-Birstein und den Herren Gehetmerath Dr. Stüber, Gehetmerath v. Willich, Freiherr Ludwig Riedesel zu Eisenbach und Geh. Commerzienrath Wecker, hat gestern in einer weiteren Sitzung feine Arbeiten beendigt und den von dem Vorsitzenden des Ausschusses erstatteten sehr eingehenden Bericht festgestcüt. Derselbe ist bereits theilwetse dem Druck übergeben. Als Vertreter der Regierung nahmen an den Ausschuß- berathungen Thetl die Herren Geh. Staatsrath Knorr, Regierungsrath Freiherr v. Gagern und Geh. Oberbaurath Müller.
Berlin, 9. Juni. Die „Nat.-Ztg.", die Meldung der „Köln. Ztg." besprechend, daß Jacobint der deutschen Regierung Wieder-Aufnahme-Verhand- lungen mitzuthetlen habe, sagt: Sie bildet ein Pendant zu dem berühmten Telegramm, welches die „Kölnische Zeitung" am Sonntag vor 14 Tagen aus Rom erhielt. Der Inhalt des letzteren hat sich ja im Wesentlichen bestätigt und wir hoben keinen Grund, dieser neuesten Nachricht mit Mißtrauen uns gegenüberzustellen. Offenbar kämpften in Rom verschiedene Strömungen mit einander. Das ging hervor aus der Sorgfalt, mit welcher davor gewarnt wurde, diese oder jene Auslassung römischer Journale als die Meinung der Curie zu betrachten. Es ist durchaus glaubhaft, daß die „friedfertige" Strömung die Oberhand gewonnen hat. Man muß sich dabei freilich vor dem Mißverständniffe hüten, als ob die friedliebende Partei in Rom gewillt sei. größere Zugeständnisse zu machen! Der ganze Unterschied besteht darin, daß die eine ihren Vorthetl im Verzögern der Verhandlungen zu finden glaubt, die andere in dem drohenden Abbruch der Verhandlungen. Wer die Haltung der Centrumsmitglieder im Laufe der Commissionsberathungen beobachtet hat, dem muß sich die Ueberzeugung ausgedrängt haben, daß sie den Wunsch hegen, das Eisen im Feuer zu behalten. Sie haben stch mit Sorgfalt die Freiheit Vorbehalten, später ja zu sagen, wo sie heute nein sagen. Sie haben übrigens den von uns nicht gebilligten Grundsatz aufgestellt, daß man ein Nebel annehmen könne, um ein noch größeres Nebel zu verhüten. Recht etgenthümlich erscheint es, daß jene römische Nachricht, welche dem Centrum eine größere Annäherung an die Regierung erleichtert, gerade in dem Augenblicke erscheint, wo sie eine hohe praktische Bedeutung gewinnen kann.
Würzburg, 8. Juni. Die Wanderversammlung der bayerischen Land wirthe wählte Speyer zum nächstjährigen Versammlungsort. Freiherr von Thüngen-Roßbach sprach stch gegen die neuen Entwürfe des Finanzmintsters v. Riedel betreffend die Reform der neuen Steuern aus. Die Versammlung nahm den Antrag v. Thüngens gegen diese Reform-Entwürfe an und wählte eine Commission zur Ausarbeitung von Detatlvorschlägen, bestehend aus von Thüngen, Baron Lerchenfeld und Dr. Buhl. Der Minister des Innern v. Pfeuffer proteflirte gegen v. Thüngens Aeußerung: „die Beamten trügen alle Schuld an der schlimmen modernen Gesetzgebung" und gegen seine Angriffe auf den abwesenden Ftnanzmtntster, worauf er die Versammlung verließ. Unter den Anwesenden befand sich Prinz Ludwig. Die Wanderversammlung wurde heute geschloffen.
Frankreich.
Paris, 7. Juni. Diesen Mittag wurde in der Kirche Saint Augustin
eine Messe für den kaiserlichen Prinzen gehalten, der in und der Umgebung der Kirche an die 10,000 Personen, darunter Rouher und Paul de Caffagnac, anwohnten. Der Prinz Napoleon Jerome war nicht erschienen. Die Feier schloß um 11/2 Uhr; der Abzug der Gläubigen dauerte eine volle halbe Stunde. Als Paul de Cassagnac aus der Kwchthüre trat, erscholl in der Menge der Ruf: „Hut ab !" Caffagnac grüßte und machte mit der Hand Zeichen zur Ruhe; er hatte Mühe, durch die Volksmenge sich durchzuwinden. Ein Polizeibeamter trat an ihn heran und äußerte, er dulde keine Kundgebung, da dem Minister des Innern das Wort gegeben worden, daß keine solche vorkommen solle. Als Caffagnac am Eingänge der Rue Pepiniöre angelangt war, fing die Menge an zu schreien: „Es lebe Caffagnac!" Sofort trieb eine Anzahl Polizisten die Volkshaufen auseinander und verhaftete acht Personen, die zum Polizeicommissär der Madeleine geführt wurden; davon wurden drei, die aus Versehen sestg^nommen worden, sofort wieder entlassen, dagegen vier: ein Berichterstatter des „Untvers", Candon, früherer Redacteur des „Courier de Versailles", ein Maschinist und ein Beamter, wurden verhört und dann entlassen, ein Schreiner aber wegen Auflehnung gegen die Polizei in Verwahr behalten.
England.
London, 7. Juni. Bewahrheitet sich die neueste Nachricht über den Verbleib des unglücklichen Uebungsschiffes „Atalanta" und stellt es sich als richtig heraus, daß der von der „Scotta Queen" gesehene schwimmende Gegenstand wirklich ein Floß war, so fällt die Annahme, daß das Schiff im Sturme umgeschlagen sei, und es handelt sich um einen viel ernstlicheren Unglücksfall. Es würde dann anzunehmen sein, daß die „Atalanta" zu einer so weiten Fahrt in stürmischem Wetter überhaupt nicht geeignet war und für die Angehörigen der Untergegangenen eröffnet sich das traurige Bild, daß ihre Verwandten den unvermeidlichen Tod lange haben kommen sehen und in ohnmächtigen Versuchen zur Rettung und dem fruchtlosen Harren auf Hilfe einen qualvollen Kampf haben durchmachen müssen.
London, 8. Juni. Unterhaus. Der Staatssecretär für Indien, Harttngton, erklärt: Die Instructionen für den Vicekönig von Indien seien vollständig erschöpfend; eine Veröffentlichung derselben sei nicht möglich. Die Regierung verfolge zwei Ziele. Das erste sei: die gegenwärtige militärische Operation in Afghanistan zu beendigen. Die Sicherung der Vor- räthe und Communicationen sei nothwendig, so lange das Verbleiben der britischen Truppen in Afghanistan erforderlich sei. Rivon's erste Ausgabe sei, die räumliche Ausdehnung der Operationen baldmöglichst zu beschränken und außerhalb der britischen Positionen Zusammenstöße mit den dortigen Stämmen zu vermeiden. Das zweite Ziel sei: eine Art stabile Regierung in Afghanistan zurückzulassen, wenn das Hauptcorps der britischen Truppen stch zurückziehe, was hoffentlich im nächsten Herbst geschehe. Bezügliche Unterhandlungen seien im Gange. Die Angelegenheit betreffs Kandahar habe die vorige Regierung dahin geregelt, daß Kandahar von Afghanistan getrennt und dort eine unabhängige Negierung unter britischem Schutze errichtet werde. Er (Hartington) habe kürzlich erklärt, alle die L^ndeeehre engagirenden Verbindlichkeiten müßten respectirt werden. Er könne augenblicklich nicht sagen, daß ein anderes Arrangement jetzt möglich, und selbst wenn es möglich erwünscht fei, aber die Regierung betrachte eS weder für günstig, noch für vortheilhast, auf irgend ein Arrangement einzugehen, wonach eine permanente Besetzung Kandahars durch eine große Streitmacht nothwendig werde. Der Vicekönig werde die Frage von diesem Gesichtspunkt aus weiter prüfen. In Betreff der in Folge des Vertrages von Gundamak besetzten Grenzstellungen sei die Regierung nickt überzeugt, daß die Stärke der Grenze dadurch vermehrt werde; auch scheine dies eine sehr bedeutende Vermehrung der Grenztruppen zu involviren, was die Regierung bedauern würde. Der Vicekönig werde den besten militärischen Rath über militärische Fragen enthalten und unabhängig darnach handeln. Die Frage, ob die Stellungen beizubehalten oder aufzugeben, sei nicht allein vom politischen, sondern auch vom militärischen Gesichtspunkte aus zu erwägen und dürfe nicht blos durch die Thatsache beeinflußt sein, daß das durch den Vertrag von Gundamuk Erworbene besetzt bleiben müsse. Der Vertrag von Gundamuk sei als ein solcher anzusehen, welcher aufgehört habe, zu bestehen.
Wumänien.
Bukarest, 8. Juni. Das Amtsblatt publicirt eine neue Vorschrift über die Bedingungen, unter welchen Ausländern der Aufenthalt in Rumänien gestattet wird. Diese Vorschrift hebt alle Bestimmungen des Reglements vom 26. Februar 1880 auf, welche als vexatortsch angesehen werden könnten. In Rumänien reisende und wohnende Fremde müssen eine Aufenthaltskarte haben. Befreit hiervon find Reisende, welche nicht über 30 Tage im Lande sich auf-


