Ausgabe 
11.4.1880 Erstes Blatt
 
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Deutschland sparen müsse, so sei doch ein bejahendes Votum zu dieser Vorlage noth- wendlg, damit nicht ein unglücklicher Krieg in wenigen Tagen alle Ersparnisse langer Jahre vernichte. Die Stärkung der Armee, des wichtigsten Gilles der Nation, dürfe nicht zur Parteifrage gemacht werden. Es gebe keine Partei in Deutschland, welche die Wehrkraft des Vaterlandes schwächen wolle. Er wünsche daher nicht, daß die Mililärfrage in den Wahlkampf gezogen werde und ziehe die Bewilligung auf 5 Jahre der auf 3 Jahre vor. Der Wille und Entschluß der ganzen Nation sei es, die Errungen­schaften Deutschlands und den Frieden mit mächtiger Hand aufrecht zu erhalten; daher werde er mit seinen Freunden der Vorlage zuslimmen.

Kriegsminister v. Kameke hebt hervor: Er habe schon früher ausgesprochen, daß nicht die momentane politische Lage, sondern Gründe dauernder Natur die Vorlage veranlaßt hätten; das wolle er Richter gegenüber dessen heutiger Aeußerung über die inzwischen eingetretene Aenderung der politischen Situation ins Gedächtniß rufen. Die Angaben Richters über die Dauer der Dienstzeit und die Präsenzziffer in Frankreich weist d r Minister unter Angabe einschlägiger Zahlen als falsch zurück. Nur eine dauernde Festsetzung des Militärbudgets vermöge der Armee Stabilität und Selbst­vertrauen zu geben. Diesen Standpunkt habe die Regierung immer gehabt. In An- bettacht der Haltung des Reichstages im Jahre 1874 habe sie sich zu dem Cowpromiß des Septennats entschlossen. Die Basis des damaligen Compromisses halte die Regie­rung fetzt fest. v. Lerchenfeld erklärt sich für die Vorlage nach den Beschlüssen der Commission.

Die Discussion wird geschlossen. Es sorgen eine Anzahl persönlicher Bemerkung n von Seiten Richters, Laskers. Rickerts und Gneists. Der Antrag Richter wird gegen die Stimmen der Fortschrittspartei, des Cenlrums, Laskers und weniger National­liberalen abgelehnt. Der Antrag v. Stausfenberg wird in namentlicher Abstimmung mit 180 gegen 104 Stimmen abgelehnt, der Commissionsantrag mit 186 gegen 96 Stimmen angenommen. Fortsetzung der Berathung morgen.

Paris, 10. April. Der Generalralh von Toulouse lehnte die von dem Präfekten gestellte Vorfrage, in welcher gegen das Votum zu Gunsten der Freiheit des höheren Unterrichts Einspruch erhoben wird, mit 19 gegen 17 Stimmen ab.

London, 10. April. Parlamentswahlen. Bis jetzt wurden 337 Liberale, 208 Conservative und 44 Homeruler gewählt. In Nordost-Lan. cashire wurden statt der conservattven Vertreter die Liberalen Hartington und Grafton mit großer Majorität gewählt. Die Liberalen gewannen in Süd- Lanarkshire und Montgomcryshtre jr einen Sitz. Schatzkanzler Northcote hatte beute eine längere Unterredung mit Lord Beaconsfield, welcher sodann mit dem Staatssecrerär für Indien, Visconnt Cranbrook, konfertrte.

Der Goldfund in Mardorf.

Von Dr. 6.

(Schluß.)

Bei dem Mordorfer Funde, und das ist jedenfalls bemerk, nswerth, scheint es außer Zweifel, daß die Münzen mit dem alten Ringwalle in Verbindung stehen, welcher die Hünenburg genannt wird, da auf dem dorthin führenden Wege dergleichen Münzen gefunden wurden. Bekanntlich dienten diese Ringwälle dazu, gegen cin- brechende Feinde das Vieh und sonstige werthvolle Habe m Sicherheit zu bringen, und damit wäre es erklärlich, wenn von den Münzen, welche, um sie zu verbergen, der Erde anvertraut wurden, hin und wieder erst jetzt etwas zu Tage kommt. So erklären sich wohl die früheren ganz vereinzelten Funde namentlich auf dem Waldwege, welcher zur Hünenburg führt. Woher kommen aber diese Münzen und Schmucksacben an dem Fuße des Goldbergs zerstreut auf einer nur mehrere Quadratmeter großen Flache, jedes Stück von dem andern getrennt, fest eingehüllt in den umgebenden Thon so daß erst durch Zerbröckeln der einzelnen Thonschollen das Gold ausgefunden wer­den konnte?

Die Erklärung läßt sich, wenn man das Terrain betrachtet, die Lage des Fund- oites und die Eigenthürnlichkeit der Thonfchollen in folgender Weise geben:

Der oben geschilderte Goldberg ist in jener uralten Zeit, vielleicht in Verbindung mit der fünfzehn Minuten dahinter liegenden Hünenbmg, ebenfalls eine Zufluchtsstätte mit Ringwall umgeben gewesen, sei es eine Art Fort zur Sperrung "des aus dem Thale nach jenem Hauptschutzorte führenden Weges, sei cs als ein dem Orte näher gelegener und schneller zu erreichender fester Platz. Dafür spricht einmal der Teich, in welchem die kleinen Quellen am Fuße des Berges aufgefangen wurden denn Wasser zum Tränken des Viehes war ein bei allen alten Ringwällen zuerst zu decken­des Bedürfniß. Weiter spricht dafür die Abplattung des Hügels welche von Menschen­händen herzurühren scheint, und endlich der steile regelmäßige Bergausschnitt. welcher gegen die Hauptangriffsfront nach Norden gerichtet war und ebenfalls voa Meuschen- händen herrührt. Es ist eine allgemeine Annahme, daß im Innern der Ringwälle sich zur Aufbewahrung von Mundvorröthen und den geretteten Habseligkeiten kellerartige mit Holz gedeckte Räume befanden.

Geldmünzen, welche in einen solchen Raum gebracht, darin vergraben und bann, rote so manche vergrabene Schätze nicht wieder zurückgeholt wurden, weil der Eigen- thumer vielleicht fammt seiner Familie und Sippschaft im Kampfe den Tod gefunden, haben lange im ^chooße des Goldbergs verborgen liegen können. Der Keller, in dem sie lagen, zersiel, das Regenwasfer bekam freien Zutritt in die inneren Thon­massen des Berges und nun regte sich das Thonlaaer, in welchem die Münzen ein­gebettet waren, von dem Wasser in Bewegung gefetzt Die Schichten sanken und brachen unter dem Drucke der Erdmassen am Fuße des Hügels da aus demselben, wo Menschenhände den Berg mit einer steilen Böschung angeschnitten hatten. Auf dieser aus dem Berge herausgetretenen Schicht befinden sich die Münzen, und so et klärt sich die geringe Tiefe des Vorkommens und die ganze Art desselben.

Von einer Anschwemmung des Erdreichs vom Kopfe des Hügels herab kann nach der Neigung des Terrains feine Rede fein. Wer die Steinschüttung des Ettenbahndammes hinter Gießen 56 Schritte vorn Fuße aus den Thonflüssen hat hcrauskommcn sehen, für den drängt sich diese Art, den Fundort und die Lage des Fundes zu erklären, mit Nolhwendigkeit auf. Interessant ist diese Erklärung, wenn sie richtig ist insofern, als sie die Münzen mit den alten Ringwällcn in d recte Verbindung bringen würde, woraus ja auch der andere Fundort dei selben in der Räbe der Hünenburg h nweist.

. . 3n Ae w/tt es gelingen wird, den ganzen Fund in die Hand eines vater­ländischen Mus-ums zu vereinigen die Stelle, wohin er unbedingt und zwar in ferner Geiammthe't gehört, und wo er der Forschung reiche Ausbeute gewähren wirb, das bangt zur Zeit von dem Patriotismus der Besitzer ab. Doch ist es zu hoffen, da der größte Theil zwar in zweiter Hand, aber der Gefahr der Ver­schleuderung entzogen ist.

Lokales.

Gicsien, 10. April. Gestern Abend um 7 Uhr entstand im Lesezimmer des Clubge­bäudes Feuer. Jedenfalls schon längere Zeit glimmendes Holzwerk in der Wand kam zum Durchbrcnnen Nasche Hülfe, wobei sich namentlich mehrere Schußleute auszeichneten, dämpften den Brand, ohne daß erheblicher Schaben und größerer Feuerlärm entstand. Wäre das Feuer zur Nachtzeit ausgebrocyen, so hätte es für bas Gebäude verderbenbringend werden können.

Der Dieb, welcher am Donnerstag auf dem Bahnhof einem schlafenden Manne ein Packet mit Kleidungsstücken entwendete, wurde gestern in der Person eines L. Schmidt in Groß- Buseck verhaftet.

Heute Morgen wurde in einem Hause in der Neustadt eine Taschenuhr gestohlen. Dieb unbekannt. 7

Gestern Mittag gegen 12 Uhr entstand ein Auflauf von Menschen, veranlaßt durch ein Wettrennen, welches em schon bejahrter Mann von der Flügclsgaffe über Lindenplatz, Kirchcnplaß, Caplaneigasse und Markt veranstaltete. Der Mann lief einem Frauenzimmer nach, mit welchem er vorher in Disput gewesen und welches ihm eine Schnapsflasche auf dem Kopfe zerschlagen haben soll. Die Nachbarschaft des Betreffenden soll nicht erbaut von der Scene gewesen sein. Ueberhaupt seien derartige und ähnliche Scandalgcschichten dorten schon öfter vorgekommen und dürfte hier die Polizei einmal genauer zusehen.

DenN. H. V." wird von Friedberg unterm «. dss. geschrieben: Herr Major Röm Held, Bezirscommandeur dahier, hatte gestern Abend in Gießen beim Ueberschreitcn des Bahnkörpers datz Unglück, an einem spitzen Sterne auszugteiten und das rechte Bein, welches in Folge einer im letzten Kriege erhaltenen Schußwunde steif geworden, in der Gegend des Knies zu brechen. Mit dem letzten Zuge hier einlressend, wurde sofort der bereits tn Gießen angelegte Verband kunstgerecht erneuert und wird der Patient, der sich hier der ungetheiltesten Hochachtung erfreut, bald wieder im Stande sein, seinem Berufe obzuliegen.

Auszug aus -enStanöesamtsregiflern des Standesamts Gießen

Vom 3. bis 9. April 1880.

Aufgebote.

April. 5. Müller Heinrich Zell, Wittwer, von Beuern mit Wilhelmine Arnold, Tochter des Ackermanns Johannes Arnold von Groß - Buseck. 9. Schuhmachermeister Karl Sack Wittwer, von Gießen mit Auguste Katharine Hahn, Tochter des verst. Gastwirths Johannes Hahn von Groß-Buseck.

Eheschließungen.

April. 3. Post-Assistent Johannes Rudolf Goldmann von Lauback mit Marie Schmidt Tochter des verst. Metzgermeisters Balthasar Sckmidt von Gießen 4. Metzger Jo'cph Eliacin Schulz von Hungen mit Elisabeth Stock, geb. Schreiner, Wittwe des Metzgermeisters und Gast­wirths Heinrich Karl Stock zu Gießen. 8. Der Lieutenant a D. Siegmund Heinrich Wilhelm Sixt von Armin, gen. von Siebeneichen, Wittwer, von Wetzlar mit Therese Schlich, Tochter des verst. Pfarrers Daniel Schlich von Flonheim.

Geborene.

April. 1. Wilhelm Friedrich, Sohn des Dachdeckers Wilhelm Dietz. 27. Anna Auguste Elisabeth, Tochter des Schlossers Magnus Becker. 4. Friedrich Wilhelm, Sohn des Bahnarbeiters Heinrich Berg März. 31. Dem Schubmachermeister Marlin Simon ein Sohn. Apttl. 3. Gustav, Sohn des Grnsoarmen Johann Leonhard Hübner. März. 26. Friedrich Karl, außerehelich von auswärts. 29. Johanna Bernhardine, außerebelick von aus­wärts. April. 3. Johann Philipp Wilhelm Karl, Sobn des Sergeanten im II Großh Hrss- Inf Regt. Nr. 116 Michael Krebs 4. Wilhelm Heinrich, Sohn des Schubmachers Heinrich Euler 5. Dem Leistenmacher Johannes Anzcr eine Tochter.

Gestorbene.

April. 3. Schuhmacher Carl Löber, 50 Jahre alt. 2. Bernhard, 6 Monate alt, Sohn des Schloffers Ludwig Dern. 4. Elisabeth Katharine Friederike. 4 Monate alt, Tochter des Spcnglermeistcrs Georg Baum. 4. Sckreinermeister Christian Beck, 60 Jahre alt. 4. Margarethe Simon, geb. Becker, 74 Jahre alt, Wittwe des Schuhmachermeisters Philipp Simon. 4. Dem Bahnarbeiter Heinrich Berg eine todtgeborene Tochter. 3. Wirth Johannes Brück, 44 Jahre alt, von Erda, Kreis Wetzlar. 6. Margarethe Wilhelmine, 2 Monate alt. Tochter des Schreinergesellen Karl Hermann Seybieke. 6. Der pensionirte Hauptkasftna,hilft Jo-eph Augsberger, 32 Jahre alt. 8. Ein Sohn des Schuhmachermeisters Martin Simon, 8 Tage alt. 8. Johann Peter Wilhelm, 1 Jahr alt, Sohn des Postschaffners Georg Wilhelm Kumps.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 3. April. Johann Rudolf Goldmann, Postassistcnt dahier, des Gicßermeisters auf der FriedrichShütte bei Laubach Christoph Goldmann ehel. Sohn und Marie Schmidt, des verst. hiesigen Metzgermeisters Balthasar Schmidt ehel. Tochter.

Den 4. April. Konrad Oehler, Schneider dahier, des Ackermanns in Oberohmen Jo Hannes Oehler ehel. Sohn und Katharine Henriette Biehn, des verst. Haarschneiders zu Küpven Heinrich Philipp Biehn ehcl. Tochter.

Denselben. Joseph Eliacin Schulz, Metzger dahier, deS Gastwirths zu Hungen Philipp Schulz ehel. Sohn und Elisabeth Stock, geb. Schrciner, Wittwe deS MctzgermeisterS und Gastwirths Heinrich Karl Stock.

Getaufte.

Den 4. April. Dem Schaffner Georg Friedrich Biückel eine Tochter, Karoline Helene Sophie, geb. den 2. Januar.

Denselben Dem Metzgermeister Johann Heinrich Feußer eine Tochter, Lina Marqaretbe geb. den 8 Februar.

Denselben. Dem Sattler Ludwig Kühne eine Tochter, Babette Louise, geb. den 7 Jan.

Den 7. April. Dem Bauunternehmer Anton Petri eine Tochter, Elsa Pbtlivvinc Karoline Marie, geb. den 21. Februar. ' 9 PF

Beerdigte.

Den 4. April. Auguste Kühne, geb. Ritter, Wittwe des Bürgers und ReftaurareuiS Bernhard Kühne, alt 68 I. 7 M-, gest. den 2. April.

Den 6. April. Margarethe Simon, geb. Becker, Wittwe des Bürgers und Schuh- machermeisters Philipp Simon, alt 74 I., 2 M., gest. den 4. April.

Den 7. April. Christian Beck, Schreiner, alt 60 I. 4 T, gest. den 4. April.

Auszüge aus den Kirchenbüchern sind von nächster Woche an bei Herrn Pfarrer Dr. Naumann (Neue Änlaq- C- 27) zu bestellen.

Das evang. Pfarramt Gießen.

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