Ausgabe 
11.4.1880 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

kstein

s Euler

freute ab f Kunde» frei

:6»

w d«n alten

vrstand.

itT~

ussel

;öffntt und [abet

^örke. biredfon wirb gr- nit vielem ÄeijaL

Lea*4 nda«, ien. katerfreunde. mten Haaren wer- mpter Bedienung

drich Welker, Lustadt 1ö4 esllcht.

C Stein, lauration Busch.

lüte

und zayonulreih

:angma«B. rfeite nurbe auf nach Lollar oef >ei wird gebeten, j btt fr. Wmm,

Giessen.

April 1880- Verlangen:

1 Uhr: stellung. cn Dchm

nt )U M hrchminöBildmr iitmaitr.

cn @rototo|t. mit rmi m 1361 i&pttift- ]iejirection_ icr Illhll- Gießen»»^

W *

DtißtkS

Nr. 81. Erstes Blatt. Sonntag den 11. April 1880

Kreßener Htnzeiger

Anzeige- uni Amtsblntt für ien Kreis Gießen.

NedactionSbrrrcair r Gr-editionSbitrearr r

| Schulstraße B.

18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher dtieik. Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Polizeiwache von Montag den 12. l. Mts. an fich in dem seitherigen städtischen Schulhause Weiderrgaffe Nr. 93 befiuder.

Gießen, den 10. April 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

________________________________________________________Fresenius. __________________________

Gefundene Gegenstände:

1 schnurzes Halstüchelchen, 1 weißes Taschentuch, 1 Denkmünze, 1 Uhrkette mit Medaillon, 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 wollenes Halstuch, 1 Klnder- kraqen, 1 goldenes Bergmannszetchen.

Die Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgaffe 258) aufbewahrt.

Gießen, den 10. April 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Gießen, 10. April. DerFranks. Ztg." wird vom Main geschrieben: Während der Verhandlungen über die Tabaksteuer im Reichstage, sowie nament­lich während der Thätigkeit der Enquetekommission wurde mehrfach darauf htngewtesen, daß nicht allein die Tabakindustrie von den Veränderungen in der Besteuerung des Tabaks getroffen werde, sondern auch die manntchsachen Hilfsindustrien, welche ihr zur Seite stehen. Diese Hilfsindustrien kann man gewtffermaßen in zwei große Gruppen thetlen: in solche, deren Fabrikat sich mit dem Tabak verbraucht und somit mit in die Hände des Consumenten kommt und solche, welche die zur Fabrikation gehörenden Werkzeuge, Maschinen und Einrichtungen liefert. Daß diese Htlfstndustrien von nicht zu unter­schätzender Bedeutung sind, beweist die seinerzeit in Hanau angestellte Enquete, nach welcher an diesem Orte über y2 Million Arbeitslohn per Jahr inner­halb dieser Branche gezahlt wird. Ueberaus traurig steht es jetzt unter den fort und fort wieder auftauchenden Gerüchtm wegen Monopolisirung des Ta­baks aus. Die oben genannte erste Gruppe, zu welcher vorzugsweise die Fabrikation von Cigarrenkisten und Packutensilien, die Papierfabriken, Drucke­reien, Bandsabriken rc. gehören, liegt fast ganz brach. Angesichts der fort­dauernden Beunruhigung durch die Monopolgerüchte kann es natürlich keinem Tabakindustriellen einfallen, seinen Bedarf in diesen Gegenständen auszudehnen; er beschränkt ihn wo er kann und es herrscht eine drückende Geschäftslosigkeit. Viel schlimmer sieht es noch in der zweiten Gruppe der Hilsstndustrien aus. Zu dieser gehört vorzugsweise die Herstellung von Wickelformen, von Ma­schinen aller Art zur Cigarren- und Tabakfabrikation. Keinem Tabaksabrikanten wird und kann es einfallen, auch nur im Geringsten an die Erweiterung oder Ausdehnung seiner Fabrik zu denken und so ist denn für diese Industrie voll­kommener Stillstand etngetreten. Dieselbe mußte schon zu wiederholten Malen diese bittere Zeit durchmachen und sie wird sich kaum erhalten können, wenn die Tabaksindustrte fortwährend unter dem Druck der Monopol- und Steuer­projekte darniederltegt und der Zeitpunkt gar nicht abzusehen ist, wo sie zur Ruhe kommen wird.

Berlin, 8. April. Die Petitionen gegen die obligatorische Civilehe mehren sich beim Reichstage. Nach der jetzigen Zusammensetzung der Petitions- Commission ist es nicht unwahrscheinlich, daß deren Majorität sich für die Ueberweisung der Petitionen zur Berücksichtigung oder Erwägung an den Reichskanzler erklären dürste. In der vorigen Session hatte die Petitions- Commission mit einer kleinen Majorität Ucbergang zur Tagesordnung bean­tragt, im Plenum wurde jedoch vom Abg. v. Kranach mit Unterstützung der Oeutsch-Conservativen, unter Betheiligung des jetzigen Cultusmtntsters v. Putt- kamer, beantragt, die Petitionen dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Die darüber eröffnete Debatte wurde vertagt und auf Wunsch der Regierung nicht wieder ausgenommen, wiewohl von liberaler Seite eine weitere Dtscusston hierüber mehrfach verlangt wurde. Auch jetzt hält es, wie dieMagd. Ztg." erfährt, die Regierung für inopportun, eine lange Cultur- kampsdebatte über die obligatorische Civilehe im Reichstage geführt zu sehen; es gewinnt daher den Anschein, daß auch in dieser Session diese Angelegen­heit ruhen wird.

Nußland.

Petersburg, 8. April. Der Regierungsbote" meldet: Das Befin­den der Kaiserin ist in der letzten Woche besser geworden. Schlaf, Appetit und Kräfte haben zugenommen und das Herzklopfen hat nachgelassen. Der Hupen allein beunruhigte die Kaiserin.

Telegraphische Depeschen.

»agrrer's telegr. EorrefpONdeuz Bureau.

Berlin, 9. April. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge ist daS RequieS- rirungsgesuch des Geh. Raths Finkelnburg als Mitglied des Reichsgesundheits- AmteS genehmigt.

Petersburg, 9. April. Das Befinden deS Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff ist in letzter Zett weniger befriedigend ; durch gesteigerten Katarrh werden AthmungSbeschwerden verursacht.

Reval, 9. April. Fünf Dampfer, welche von Balttschport her einen durch bas Eis geschlagenen Canal pasfirten, find gestern in den hiesigen Hafen eingclaufen.

Riga, 9. April. Gestern kam das Düna-Eis in der Umgegend der Stadt in Bewegung.

Charkow, 8. April. Heute begann bet dem hiesigen Militärkreiö- gericht der Proceß des dem Adelsstände angehörigen ehemaligen Lehrers Alexander Winogradoff. Die Anklage lautet auf Verbreitung verbotener Schriften zum Zwecke des Umsturzes der bestehenden Regierungsform und der socialen Ordnung.

London, 9. April.Daily Telegraph" hält die Ernennung des Her- zogs von Connaught zum Vtcekönig von Irland für bevorstehend.

Petersburg, 9. April. Die hier erscheinende ZeitungMolwa" er­hielt die erste Verwarnung. Die russischePetersburger Zeitung" erfährt, daß die Zahl der hiesigen Polizeirevier-Aufseher von 250 auf 1000 erhöht werden soll. In Betreff der Nachricht ausländischer Blätter, die russische Grenze sei von einer chinesischen Armee von 20,000 Mann überschritten wor­den, will das vorgenannte Blatt wissen, es handle sich nur um eine größere Anzahl chinesischer Arbeiter, welche die russische Grenze im Uffurigebiete über­schritten hätten, worunter sich möglicherweise auch frühere chinesische Soldaten befinden könnten.

Bet Schlüsselburg tst dte Newa auf zwei Werst eisfrei.

Berlin, 9. April. Reichstag. Zweite Berathung der Militär-Vorlage, v. Maltzahn-Gültz beantragt im Namen der Commission die Annahme der §§ 1 und 2, betreffend die Feststellung der Friedenspräsenzstärke auf 7 Jahre, v. Stauffenberg beantragt zu § 1, die Gültigkeitsdauer nur auf 3 Jahre festzusetzen. Richter (Hagen) beantragt, nach Ablauf des bestehenden Septennats die Präsenzzahl jährlich durch den Etat festzustellen und die Einjahrig-Freiwilligen auf die Friedenspräsenzstärke anzu­rechnen. Im Falle der Annahme seines ersten Antrages beantragt Richter eine Reso­lution, wodurch der Reichskanzler aufgefordert wird, dem Reichstage in nächster Session einen Gesetzentwurf vorzulegen bezüglich zweijähriger Dienstpflicht bei der Fahne für die Infanterie.

Lasker begründet den Antrag v. Stauffenberg. Er beklagt die allzu großen Aus­gaben für die Militärzwecke und bezeichnet es als schweren Nachtheil, daß der Militär- Etat nicht in sachlicher Weise bei der jährlichen Etatsberathung, sondern für längere Zeit festgesrellt werde. Militärische conservative Kreise geben die Möglichkeit einer Herabsetzung der Dienstzeit zu. Die jährliche Votirung des Militärbudgets würde eine spätere Herabsetzung der Dienstzeit eher ermöglichen. Diese Art der Bewilligung sei die einzig constitutionelle, auch für die Militärverwaltung vortheilhafter, da damit der ewige Zustand des Provisoriums beseitigt werde. Mindestens müßte man den Antrag v. Stauffenberg annehmen, wodurch wenigstens jedem Reichstage die Bewilligung des Militär-Etats anbeimgegeben werde.

Graf Udo Stolberg hält die Last des Militär-Etats nicht für so drückend, wie mau sie oft hinstelle. Die dreijährige Dienstzeit, die bei der Infanterie de facto nicht bestehe, sei nothwendig, wenn die Ausbildung des Heeres nicht leiden solle. Man könne darüber nicht unklar sein, daß nach Ablauf des nächsten Septennats wieder eine Erhöhung des Militärbudget nothwendig sein würde. Man müsse also, wenn man sparsam sein wolle, die jetzige Forderung auf möglichst lange bewilligen, lieber auf 14 als auf 7 Jahre. Er bitte daher, die Anträge Stauffenberg und Richter abzulehnen. Richter weist darauf hin, daß seit der ersten Berathung die Lage der äußeren Poli­tik eine wesentlich andere geworden sei. Damals habe die Majorität unter dem Ein­druck eines bevorstehenden Krieges gestanden; jetzt seien die Aussichten friedlicher nach dem Briefwechsel zwischen unserem Kaiser und dem Kaiser von Rußland. Redner wendet sich aegen Moltke's Ausführungen bei der ersten Lesung, daß die französische Armee seit 1874 sich verdoppelt habe, während wir stehen geblieben seien. Die Frage der zweijährigen Dienstzeit sei eine rein ökonomische. Es heiße die Stimmung des Volkes verkennen, wenn man glaube, es sei zum größten Theil für die Vorlage gesinnt. Redner kritisirt die Widersprüche in Bennigsen's Auslassungen bei der ersten Berathung und stimmt dem Ausspruche Lasker's in dessen Brief an feine Wühler bei, daß die nationalliberale Partei die sachlichen Erwägungen aus Gründen der Parteitaktik hintansetze. Dieser Haltung der Nationalliberalen müsse man die Apathie im Volke zur Last legen. Rickert weist Richter's Angriffe gegen die NatwnaUlberalen zurück, die stets nur die sachliche Erwägung, nicht die Rücksicht auf den Reichskanzler leite. Er danke für einer Liberalismus, der die Grenze aufsteUc, daß er für drei Jahre das Militärbudget bewilligeir könne, für 5 oder 7 Jahre aber nicht. Darin erblicke er keine Principienfrage. Er werde für 7 Jahre stimmen. Die Militärverwaltung habe nachgewiesen, daß Frankreich eine um 30,000 höhere Präsenzziffer habe als Deutschland. Richter habe diese Nachweise nicht angreifen können.

Rickert fährt fort: Es sei in diesem Augenblicke eme Nothwendigkeit, im Interesse Deutschlands, gegenüber den vermehrten Anstrengungen Frankreichs die Vor­lage anzunehmen. Die Steigerung der Ausgaben für Militärzwecke im vergangenen Jahrzehnt sei tm Verhältniß zu den eigenen anderweiten Ausgaben und den mili­tärischen Ausgaben anderer Großmächte nur eine bescheidene gewesen. So sehr