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dieses Jahres vielfach Angriffe in der Presse erfahren habe. Zu meiner Ge- nugthuung haben diese in den elsaß-lothringischen Blättern keinen Widerhall gefunden. Die Angriffe jener Blätter hätten dahin führen können, die Beamten im Reichsland mir zu entfremden. Das ist nicht gelungen. Ich weiß mich heute mit den Beamten, die mit mir in Elsaß-Lothringen dienen, einiger als je. Verschiedene Artikel waren wieder angethan, Mißtrauen zwischen dem Herrn Reichskanzler und mir zu säen. Wo liegt diese Frage? Ich bin so durch­drungen von der moralischen Verantwortlichkeit, welche der Reichskanzler dem Kaiser und dem Reiche gegenüber trägt und so überzeugt davon, daß die Ent­wickelung der Verhältnisse in Elsaß Lothringen mit den Jntereffen des R-iches zusammenhängt, daß ich es für Pflichtwlvrigkeit erachten würde, wollte ich vielleicht, auf Buchstaben-Auslegung mich stützend, mich nicht über die Grund­sätze mit dem Herrn Reichskanzler einigen, nach denen ich die Verwaltung leite. Nach diesen beiden R-chtungen find die Preßrrtikel spurlos vorüberge­gangen. Ein Drittes kann eintreten: Sie können Veranlasiung werden, daß meine Verwaltung im Reichstage zur Sprache kommt. Dem sehe ich ruhig entgegen. Ich kenne den Grundton der deutschen Nation zu gut, um nicht zu wtffen, daß ihre Vertreter eine dictatorische Behandlung von Elsaß Lothringen nicht wollen und die Möglichkeit herbeiwünschen, Elsaß-Lothringen auch in Bezug auf seine Verfaffung gleichberechtigt neben den anderen deutschen Län­dern zu sehen. Den Weg, der hierzu führt, habe ich angedeutet. Aber selbst die irregeleitete Presse hat ihr Gutes; sie veranlaßt den gewiffenhafien Mann, mit sich Rath zu halten über das, was in der Preffe über ihn ausgesprochen wird. Die Prüfung habe ich auf den Bergen Gasteins ernstlich mit mir ge­halten. Die Blätter beschuldigen -mich, daß ich die unter mir dienenden Be­amten nicht vertrete; dreist werfe ich hier eine mehr als fünfzigjährige Ver­gangenheit in die Wagschale. Von dem Tage an, wo ich Rekruten retten ließ, habe ich den Soldaten, der seine Pflicht that, voll und ganz vertreten, wo es nöthig wurde, und dem Princip bin ich in all' den oerschiedeiien Stellungen, in welche mein Geschick mich geführt, treu geblieben und bin es auch hier in Elsaß-Lothringen. Handlungen blind vertreten, aus dem alleini­gen Grunde, weil es Handlungen von Beamten sind, das will das deutsche Beamtenthum nicht und das steht auch nicht in meinem Dienstkalechtsrniis. Die Blätter klagen ferner, daß ich vollständig unter dem Einfluß der hoch­würdigsten Bischöfe von Straßburg und Metz stünde. Beide Herren Bischöfe sind mit noch höherem Alter gesegnet als ich es bin, daß ich gegen dieselben höflich, zuvorkommend und rücksichtsvoll verfahre, beruht in meiner ganzen Er­ziehung. Daß ich die Stellung und Gerechtsame der Kirche anerkenne, beruht in den Landesgesetzen und in meiner Ueberzeugung. Daß ich aber, wenn An­forderungen der Kirche über das Gesetz hiuausgehen und mit den Rechten des Staates in Colliston gerathen sollten, die Rechte deS Staates aufrechterhalte, beruht auf meinem Eide und somit in meiner Pflicht gegen Gott. Auch hier sind die Befürchtungen jener Blätter grundlos. Diese klagen mich ferner an, daß ich das Deutschthum gefährde und Schwäche übe gegen französische Sym­pathien. Ich glaube nicht, daß der stolzeste Römer je stolzer auf Rom gewesen ist, als ich es auf mein Vaterland bin, und daß die Laadeseinwohner, welche mit dem Auslande pactirc-n sollten, das Tischtuch zwischen sich und mir zer­reißen, habe ich bei dem Betreten des Landes schon ausgesprochen. Daß ich aber, wenn mir ein Fall zur Entscheidung vorgetragen wird, fragen sollte, ob der Petent zur Protestpartei gehört, oder noch blutige Thränen weint, weil die deutschen Fahnen auf den Wällen von Straßburg wehen, das thue ich nicht, oder daß ich, wenn ein Vater kommt und mich bittet, daß sein Sohn auf einige Tage in's Land dürfe, weil feine Mutter auf dem Sterbebette liegt, Inquisition üben sollte, anstatt zu denken, wie ich der Mutter die letzte Freude und dem Sohne den Segen der Mutter gewähren könnte, daö thue ich auch nicht. Aber das gefährdet doch das Deutschthum nicht, das ist echt deutsch. Se. Majestät der Kaiser hat mich in das Land gesandt, Wunden zu heilen, nicht solche zu schlagen. Ich soll Gefühle schonen, die in der Natur liegen, bei der Trennung des Landes von einem Staate, wie Frankreich es ist, nach zweihundertjährigem Zusammenhänge mit diesem. Ich soll durch gerechte, die geistigen und materiellen Jntereffen fördernde Verwaltung den Elsaß-Lothrin- gern diesen Uebergang erleichtern. Das ist die Instruction, die mein Kaiser mir gegeben. Das Resultat meiner Selbstprüfung ist: daß die Angriffe jener Blätter unbegründet sind und daß ich bleibe wie ich bin und nun trinke ich aus meinem tiefsten Herzensgründe auf das Wohl von Elsaß-Lothringen. Elsaß-Lothringen hoch! hoch! und noch einmal hoch! Die Rede wurde Sei- tent6 der zahlreichen Versammlung mit Beifallsbezeugungen, zuletzt mit begei­sterten Zurufen begleitet, die in einem von Seiten eines Mitgliedes des Lan- desausschuffes nach Schluß der Rede ausgebrachten, von der Versammlung freudig aufgenommenem Hoch! es lebe der Statthalter! allseitig den lebhafte­sten Wiederhall fanden.

Kossand.

Haag, 7. Dec. Die zweite Kammer lehnte die beantragten Beträge für die Erhöhung der Ministerresidenten in R- m und Konstantinopel zum Range von außerordentlichen Gesandten und zur Besoldung des für Bukarest zu er­nennenden Geschäftsträgers ab.

Telegraphische Depeschen.

Wagners telegr. Correspondenz-Bureau.

Agram, 8. December. Heute Nacht 121/, Uhr erfolgte eine ziemlich heftige wellenförmige, zwei Secunden anhaltende Erderschütterung.mit dumpfem Rollen, ohne Schaden zu verursachen.

Konstantinopel, 8. Decbr Die Pforte hat heute den Text einer die griechische Frage betr. Note festgestellt: Die Pforte hält als äußerste Territorial-Zugeständniffc die in der Note vom 3. October angebotenen Con- cessionen fest, wonach Lariffa, Metzowo, Janina und Tschamurli von der Ab­tretung an Griechenland ausgeschloffen sein sollen. Die Pforte verlangt wirk­samen Beistand der Mächte gegen die offenkundigen Rüstungen Griechenlands, welche die Pforte zu gleichem Vorgehen zwingen.

London, 8. Decbr. DieMorning Post" erfährt, daß eine neue sehr ernste Schwierigkeit im Schooße des Cabinetö entstanden sei. Die letzte Rede Parnell's habe viele Mitglieder der Regierung überzeugt, daß eine Reform der Bodengesetze allein Irland nicht befriedigen werde. Die Fürsprecher der Politik des Zwanges, an deren Spitze Forster steht, erneuern das Verlangen der sofor- tigen Anwendung von Gewalt zur Aufrechterhaltung des Gesetzes.Daily News" erfährt, daß am 15. ds. ein Cabinetsrath stattfinden werde.

Straßburg, 8. Decbr. DieElsaß-Lothr. Ztg " publicirt eine Ver­ordnung des Statthalters, betr. die E nsch mz vo.i Bezirksu.iterrichtsräthen für jeden der drei Bezirke des Landes; dieselben bestehen, außer dem Bezirks- Präsidenten uud dem Schulrath des Bezirks, sowie einem Kce sschulinspector, aus Vertretern der Gastlichkeit aller C»fe>sionen, je zwei richterlichen Beimten und vier Kceiseingeseffeiien, von denen zvei Mitglieder der Bezirkstage sind. Die Untecrichtsräthe sind jährlich mindestens zweimal zu versammeln; si; sind zur Begutachtung der auf vas niedere Unterrichtswesen bezüglichen Verhältniffe berufen, und können die Mitglieder bara is bezügliche A uräge einbringen, welche mit dem Gutachten des U terrichtsrathes nem Ministerium einzureichen sind. Dieselbe Zeitang tye-lt m ihrem nichtamtlichen Theile ferner mit, daß die erste Session der Unterrichisräthe im März statifindea soll und daß die dessallsigen Vorlagen bereits in Beirbeitung begriffen sind.

Berlin, 8. December. In Bezug auf die Frage, betr. Dulcigno, schreibt dieProv.-Corresp." : Bei Erledigung dieser Angeleaenh.it, sowie bei Auflösung der gemeinsamen europäischen Flotte ist von allen Mächten den Be- ftimmu-igen und zugleich auch dem Geiste des Berliner Vertrages gehuldigt worden.

Dortmund, 8. Decbr. Die Mälzerei in der hiesigen Kronenbrauerei mit reichen Vorräthen ist heute Vormittag vollständig ausgebrannt. Der Schaden beträgt etwa eine halbe Million Mark.

Paris, 8. Decbr. Von dem Marineminister der amerikanischen Union Thompson ist, wie dieAgence Havas" meldet, an Leffeps telegraphirt worden, daß Thompson definitiv die Functtonen beS Präsidenten des amerika iischen Comir6s der Panama-Canal'Gesellschast annehne.

Stuttgart, 8. Decbr. DerStaats-Anz." meldet: Der König und die Königin werden am 29. Decbr. nach Cannes abreifen, um in Südfrankreich mehrere Monate Aufenthalt zu ntnmen; die Maj stäken werden im Liuse des Monats Mai nich Stuttgart zurückkehren. Dem seitherigen preußischen Ge­sandten v. H ydebrand ist das Großkreuz des Friedrichsordens verliehen.

Berlin, 9. December. DieRordd. 2lUg Ztg." erklärt, daß die Zsi- tungs-M-ldungen über angebliche Unterrebimgeü des deutschen G'i nidten v. Radowitz mit dem König von Griechenland und dem griechischen Minister auf Authenticität keinen Anspruch haben, vielmehr in daö Gebiet publicistischer Fiction gehören.

Lokales.

Gießen, 9. Decbr. Nach der am 7. Decbr. stattgehabten Ausloosung werden in den Sitzungen Gr. Schöffengerichts Gießen p.o 1881 als Schöffen sungiren:

Zu den Sitzungstagcn am 4., 11 und 18 Januar die Herren Kaufmann Johann Wilhelm Kurz in Gießen und Bürge meister Conrad Brücke! V. von Lang-Göns.

Am 25. Januar, 1. und 8. Februar die Herren Fabrikant Adolf Carl Theodor Noll von Gießen und Fabrikant Louis Hornberger von Gießen.

Am 15. und 22. Februar und 1. März die Herren Turnlehrer Ludwig Christoph Rübsamen von Gießen und Photograph Philipp Uhl von Gießen.

Am 8., 15 und 21 März die Herren Kaufmann Carl Friedrich Heinzerling von Gießen und Handelsmann Isaac Löwenstein von Daubringen.

Am 29. März und 5. April die Herren Kreiskasserechner Carl Grüueberg I. von Gießen und Bierbrauer Friedrich Textor von Gießen.

Am 12. und 19- April die Herren Bauaufseher Ludwig Hahn von Groß-Buseck und Gemeinderechncr Johannes Braun V. von Staufenberg.

Am 26. April und 3. Mai die Herren Graveur Julius Bach von Gießen und Bürgermeister Johannes Engelhard II. von Annerod.

Am 10. und 17. Mai die Herren Bürge,meister Johannes Hetz XVI. von Leih­gestern und Schreibmaterialienhändler Philipp Schlatter von Gießen.

Am 24. und 31. Mai tue Herren Kaufmann August Montauus von G esten und Buchhänder Georg Wilhelm Ferber von Gießen.

Am 7. und 14 Juni die Herren Drechsler Jacob Neide! von Wieseck und Fab­rikant Louis Heiligenstädt von Gießen.

Am 21. und 28. Juni die Herren Ingenieur Friedrich Schiele von Gießen und Landwirth Peter Stiehl von Alt-Buseck.

Am 5. und 12. Juli die Herren Weinhändlcr Otto Schmidt von Gießen und Bauunternehmer Conrad Koch VI. von Gießen

Am 19. Und 26. Juli die. Herren Fabrikant Ludwig Scheid von Gießen und Fabrikant Georg Renzel von Gießen.

Am 2. und 9. August die Herren Bauunternehmer Johann Georg Krausgrill von Gießen und Fabrikam Ludwig Georgi von Gießen.

Am 16. und 23. August die Herren Agent LouiS Wittich von Gießen und Müller Karl Volkmaun II. von Heuchelheim-

Am 30. August und 6- September die Herren Fabrikant Otto Ludwig Kempf von Gießen und Landwirth und G.meindeeinnehmer Ludwig Seipp IV. von Lollar.

Am 13. und 20. September die Herren Bauunternehmer Julius Hoch von Gießen und Fabrikant Karl Wilhelm Wallenfels von Gießen.

Am 27. September und 4. October die Herren Bürgermeister Johannes Wagen­bach VII. von Alt-Buseck und Fabrikant Friedrich Leonhard Bender von Gießen.

Am 11. und 18. October die Herren Apotheker Dr. Mettenheimer von Gießen und Schmied und Beigeordneter Johann Ludwig Schaum von Klein-Linden.

Am 25. October und 1. November die Herren Landwirth Heinrich Lang von Wicseck und Fabrikant Georg Heinrich Ludwig Schirmer von Gicß.n

Am 8. und 15. November dir Herren Gememderechner Balthaser Stephan I von Groß-Buseck und Kaufmann Karl Wenzel von Gietzen.

Am 22. und 29. November die Herren Tapetenhändler Heinrich Philipp Hoch- stätter von Gießen und Privatdocenl Dr Johann Baptist Braun von Gießen.

Am 6 und 13. December die Herren Kaufmann Ludwig Plank von Gießen und Müller Philipp Rühl II von Trohe.

Am 20. und 27. December die Herren Weinhändlcr Karl Heinrich Schwan von Gießen und Liqueurfadrikant Rudolph Krause von Groß-Lmden.

Im Januar, November und December beginnen die Sitzungen um 8'/r, in den übrigen Monaten um 8 Uhr Morgens.

Gießen, 9. December. sDas gestrige Kirchenconcert in der Stadtkirche.j Selbst ein auf der schiefen Ebene des Weltschmerzes und des Pessimismus angelangtcs Gemüth mußte auf» gerichtet und gestärkt werden von der Allgewalt gleichsam göttlicher Offenbarung, wie sie bald engelgleich sanft in diesen Kirchenarien wie aus lichten Höben niederschwebte, bald ernst mahnend, markerschütternd im rauschenden Chor an das Ohr des Lauschenden herantrat. Vor Allem nennen wir das von Herrn Lux trefflich gegebene Präludium für Orgel von S. Bach,, diesem mächtigen Wirker durch die Fuge, jenes nach ihm von der Kirchenmusik auch in die weltliche übergegangene herrliche musikalische Reizmittel. Lotti's, des ehrwürdigen italienischen kontra- punctisten.Crucifixus gab den ganzen Seclenschmerz des gebeugten Herzens wieder. Frln. Tiedemann zog mit Stradella's Kirckenarie auf den Schwingen ihres herrlichen Sopran die Herzen himmelan. Herr Siehr wirkte in Händel'sJosua" Gediegenes. Auch Beet- hoven'sBußlied" war von Fräulein M. Langsdorfs im Ganzen gut gesungen.

Ruffs Arie aus derSchöpfung" war meisterhaft gesungen, was wir bei deffen trefflich geschultem Tenor nicht anders erwarten konnten.

Vor Allem aber gebührt M. Hauptmann'sMeße", die unter Herrn Musikvirector Felchn er's Leitung wohl eingeübt war, bervorgehoben zu werden. ®a8Kyrie ist eine schneidig wirkende Fuge, in dem Abschnittgloria in excelsis bewundern wir mehrmals eine gleichsam verschlungene magisch wirkende Trinität von Sopran, Tenor und Baffo. Der Ab­schnittCredo, welcher da« Glaubensbekenntniß an die Dreifaltigkeit musikalisch wiedcrgiebt. ist wegen des spröden dogmatischen Gebalt-s des Tbemas weniger ansprechend, und gewinnt erst wieder vonEt resurrexit an, einschließlich desCredo in Spiritum Sanctum worin wir schon mehr das moderne Element der Composition gewahren. Wir wittern gleichsam die hereinwehende Morgenluft deS 19. Jahrhunderts. Dasselbe gilt von dem SchlußsatzAgnus