Ausgabe 
10.10.1880 Zweites Blatt
 
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vortrefflich, denn die Mitwirkenden sind mit Lust und Liebe dabei, zumal auch Text und (Scnv Position feierlich unv schwungvoll sind.

Unsere Göthephilologen leisten Unglaubliches! Neulich erschien eine lateinische Schrift, die sich u. A. die Erklärung des NamensWeither" zum Ziel gesetzt bat. Das große Resultat der gelehrten Untersuchung läuft darauf hinaus, daß Göthe seinen Helden aus dem Grund Weither genannt habe, weil derselbe der Lotte werthcr gewesen sei, als ihr Verlobter!

Im Stadttheatcr zu Kiew kam es kürzlich zu einem so scandalösen Auftritte, wie er wobl selten in einem Theater passirt sein mag. Eine junge Schauspielerin, Fräulein Wera L ponow, welche sich durch ihre vielfachen Extravaganzen hervorthat, mit den Studenten der landwirthschaftlichen Akademie rauchte, ritt, trank und spielte, beleidigte einen der ältesten der - selben beim nächtlichen Gelage mit den Worten:Verfluchter Hundesohn!" Da die Be­leidigerin ihr Wort nicht zurücknahm, wurde sie sans fa$on aus dem Locale geworfen, während Die Studenten ihr furchtbare Racke schworen. Am genannten Tage hatte Fräulein Liponow ihr Benefiz und der Kassirer constatirte zum Vergnügen, daß alle theuren Plätze im Theater besetzt seien. Schön, wie der junge Morgen, betrat nach dem Aufzuge des Vorhanges die Denefiziantin die Bühne; doch was war das Reihe an Reihe saßen die Studenten der landwirthschaftlichen Akademie im Parquet, große Packete in den Händen haltend. Ein Pfeifen und Zischen erscholl, hageldicht flogen faule Gurken, Schalen von Waffermelonen, faule Eier, leere Schnapsflaschen, tobte Katzen und Hunde, ganze Düten voll Sonnenblumenkerne und alte Dreikopekenstücke von Kupfer auf die Bühne, begleitet von einem Gesänge, der wohl geeignet gewesen wäre, eine Horde von Indianern in dir Flucht zu treiben Bleich vor Wuth über den Schimpf verließ die beleidigte Dame die Bühne, während die Studenten ihre Plätze auf­gaben, um schleunigst das Weite zu suchen, damit der anwesende Gorodowoy nicht ihre Namen fcststelle. Die Rache war glänzend gelungen, denn Fräulein Liponow sah sich genöthigt, am genannten Tage nach Odesia abzureisen. Der hinkende Bote in Gestalt von 23 Relegationen erfolgte bald darauf; doch haben dergleichen Kleinigkeiten in Rußland keine große Bedeutung.

Frankfurt, 6. Oktober. Des auf dem hiesigen Mainweserbahnhof einem badischen Polizisten entsprungenen Hanauer soll man in Memel wieder habhaft geworden sein.

Die Düffeldorfer Ausstellung hat einen Ueberschuß von 400,000 «M. erzielt. Von dieser Summe sollen 100,000 JL für den zoologischen Garten und 300,000 JL für Kunst- und gewerbliche Zwecke verwendet werden.

Förster und Landwirthe prophezeihen Heuer einen gelinden Winter Ob sich die Prophezeihung erfüllen wird, ist ja aber eine andere Frage. Den Förstern dienen seit altersher die Haidekräuter, zumal die Erycäen, als Richtschnur für die Wttterungs Diagnose. Während im vorigen Jahre die Erica vulgaris und herbacea auf den Blüthenrispen bis in die oberste Spitze mit Blüthen besetzt war, setzt sie Heuer kaum zur Hälfte Blüthen an, welcher Umstand auf einen gelinden Winter schließen läßt. Auch an den Bienen bcurtheilt man Gleiches, Denn während diese um dieselbe Zeit des Vorjahres sich schon verbaut hatten, setzen sie Heuer noch Wachs an, und zwar häufig auch außerhalb der Stöcke, welche Heuer meistens ganz gefüllt sind und ungewöhnlichen Ertrag abwerfen.

Eine sehr beachtenswerthe Jubelfeier feierte in diesen Tagen ein Hamburger Trichinen­beschauer. Er lieferte nämlick der dortigen Polizei den tausendsten amerikanischen Schinken ein, in welchem er Trichinen gefunden. Wenn man hinzufügt, daß dies Resultat in der Zeit vom 1. Janunr 1879 bis jetzt erzielt ist, und daß in Hamburg 34 Untersucher für Trichinen amtlich angestcllt sind, so erhält man ein Bild von der furchtbaren Gefahr, welche die Trichinen bilden. Es ist gerade jetzt, wo mit dem Eintreten der kälteren Jahreszeit der Verzehr von ge- räuchertem Schweinefleisch zunimmt, darauf ernstlich hinzuweisen.

Vor einigen Tagen hat man in Lausanne das Grab des Bischofs Roger geöffnet, welcher im Jahre 1220 in der dortigen Kathedrale bestattet worden ist. Merkwürdigermeise war der Körper noch beinabe ganz erhalten, die Gesichtszüge erkennbar und die bischöflichen Gewänder unbeschädigt, trotz der sechs und ein halb Jahrhunderte, welche verfloffen sind, feit der Bischof in seinen Steinsarg gelegt wurde.

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