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Kanzlers gegen den Beschluß des Bundesrathes und hofft, er werde die gewünschte Modificatton durchsetzen, weil io st die Politik der Großstaaten in den ernstesten Fragen vereitelt we:d<n könnte.Standard" meint, dir Annahme deö Abichiedsgesuches werde erschütternder wirken, als der bevor­stehende englische Ministerwechsel. Der Aspeet Europas würde unverzüglich eine Veränderung erfahren.Daily News" meldet aus Rangoon vom 1. ds.: Mehrere chinesische Kaufleute haben die Nachricht erhalten, oaß Thibo an den Blattern gchorben sei und ein Bürgerkrieg befürchtet werde. Lord Hartigton constatirte in seiner gestrigen Utzlen Wahlrede zu Burnley, daß die liberale Partei gegenwärtig einiger als je sei.

Die Liberalen gewannen ferner in den Grafschaften Donegal, Car­marthen und Southleicester je einen Sitz.

Berlin, 8. April. Reichstag. Dritte Berathung der Verordnung, betr- die Begründung der Revision in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten. Dieselbe wiro nach längerer Debatte genehmigt, nur § 3 auf Windthorft's Antrag gestrichen. Sonach werden künftig auch Verletzungen des Lehnrechts die Revision begründen, was § 3 aus­schloß. Die Berichte und Uebersichten der Reichsschulden-Verwaltung über den In­validen-, den Festungsbau- und den Reichstagsgebäude-Fonds gehen an die Rechnungs- Commission. Es folgt nunmehr die erste Berathung des Wuchergesetzentwu.fes. Staatssecretär v. Schelling befürwortet die Vorlage, welche Lücken der Gesetzgebung ausfüüen wollen, deren schlaue und gewissenlose Ausnutzung bisher für den Straf­richter nicht zu fassen war. Graf Wilhelm Bismarck erklärt, der Emwurf repräsentire die Ansicht der Mehrheit des Hauses, welche Maßregeln gegen den Wucher für nothwendig halte und stimme mit den vorjährigen Commissionsbeschlüssen im Wesentlichen überein, enthalte indeß Verbesserungen derselben in civilrechtlicher Be­ziehung. Das seit einiger Zeit aus der Gesetzgebung, nicht aber aus dem Volks­gewissen verschwundene Delict des Wuchers werde wieder eingeführt. Rur die Definition sei schwierig, überhaupt genau nicht möglich ohne die Fixilung eines Zms- maximums. Der neue $ 302a constatire ein solches Maximum Nicht und überlasse Alles, selbst die Constituirung des Begriffs, dem Ermessen des Richters. Die dem österreichischen Gesetze entnommenen Begriffe der Roth, des Leichtsinns und der Un­erfahrenheit seien zu wenig bestimmt, als daß man daran civilrechtliche Folgen knüpfen könne. Es werde die Aufgabe des Reichstages sein, ein civilrechtliches Zinsmaximum in der Commission zu constatiren, vielleicht von 12 bis 15 pCt, denn 1867 seien die Wuchergesetze aufgehoben worden, hauptsächlich weil die Zmsschranken zu eng gezogen gewesen seien. Kaufleute müßten allerdings von diesen Beschränkungen überhaupt aus­genommen sein. Er werde in der Spccialdiscussion eventuell diesbezügliche Anträge stellen. Im Namen seiner Fraction beantrage er die Ueberweisung der Vorlage an eine Commission von 14 Mitgliedern. Reichensperger (Olpe) begrüßt die Vorlage freudig, bedauert jedoch, daß sie kein Zinsmaximum normire, ohne das eine wirk­same Bekämpfung kaum möglich sei. Er erklärt sich für commissarischc Vorberathung.

Schulze-Delitzsch hat gegen die Vorlage zwar noch einige Bedenken, diese seien indeß ganz unerheblich gegenüber den Ausstellungen, wozu der vorjährige Entwurf heraussorderte. Die Beseitigung der ihm anstößigen Punkte hoffe er von der weiteren Specialberathung, da ihm dre nochmalige commissarische Berathung nicht nöthig scheine, v Kleist-Retzow stellt sich voll und ganz auf den Boden der Regierungsvorlage. Was diese biete sei gut und empfehlenswerth. Nur gehe sie nicht weit genug und könne wohl noch in der einen oder der andern Richtung vervollständigt werden. Nachdem noch Dreyer für eine Commission plaidirt hat, stellt sich bet der Abstimmung die Be­schlußunfähigkeit des Hauses heraus. Die Sitzung wird abgebrochen. Nächste Sitzung Freitag. Tagesordnung: Zweite Lesung des Militärgesetzes.

Paris, 8. April, Abends. Die Sprache der bonapartistischen Jour­nale bestätigt die in Folge des Schreibens des Prinzen Napoleon vorherge­sehene Spaltung zwischen den conservativen Bonapartisten und den vorge- kchrtttenen Bonaparttsten.Ordre" undEstafette" repliciren lebhaftest auf den Artikel Caflagnac's und constatiren, daß es zwischen dem Imperialis­mus Cassagnac's und der Partei, deren Haupt der Prinz Napoleon sei, keinerlei Gemeinsamkeit gebe. Die katholischen Journale veröffentlichen mehrere Schreiben von Erzbischöfen und Bischöfen an den Präsidenten Grevy bezüglich der Dekrete vom 29. März.

Lissabon, 8. April. Nach Macao (China) find Truppenverstäckungen abgegangen.

London, 9. April. Parlamentswahlen. Bis jetzt wurden gewählt: 317 Liberale, 198 Conservative und 39 Homeruler. Die Homeruler ge» wannen in Sltgo einen Sitz von den Conservativen.

Paris, 9. April. Der Generalrath von Marseille hat mit 18 von 22 Stimmen die Vorfrage angenommen, durch welche das Votum gegen die Decrvte, betreffend die Kongregationen, zurückgewiesen wird.

Lokales.

Gießen, 9. April. Der Commandeur der 25. (Großh. Hess.) Division, Se. Großh. Hoheit Prinz Heinrich ist gestern Abend zur Jnspection des hiesigen Regiments eingetroffen.

Gießen, 9. April. Wie wir hören wurde heute in der Maschinenfabrik von Heyligen städt & C omp. dahier (Inhaber sind die Herren Alex. Sartorius und L. Hcyltgenstäot) die 2000ste Maschine fertig gestellt und versandt, nachdem erst im März 1879 das erste Tausend erreicht worden war. Wenn ein junges Geschäft wie dieses, welches in der ungünstigsten Periode der Eisenbrancke gegründet worden, trotzdem so rasche Fortschritte in sitner Entwicklung macht, so spricht dies ebensowohl für die Gediegenbeir seiner Fabrikate, wie für die Tüchtigkeit der Leiter des Geschäfts, und wünschen wir der strebsamen Firma von Herzen, daß sich ihr Geschäft so weiter entwickle.

Unter dem Vorgeben, bei der Lahnhütte beschäftigt zu werden, miethete sich ein Arbeiter in einem Hause der Caplaneigaffe unter falschem Namen ein Der Hausherr, welcher beiläufig gesagt, seinen Miether nicht anmeldete, verborgte demselben am 6. dss. 4 Mesten Kar- toffeln und einen kleinen Geldbetrag und am 7. wiederum 2 Mesten der Knollenfrucht. An diesem Tage wurde auch einem Schlafkollegen in demselben Hause eine silberne Ubr von dem Arbeiter gestohlen und verduftete der Letztere, den Hausbesitzer mit verdutztem Gesichte zurück- lassend. Angestellte Recherchen stellten die Person des Schwindlers und Diebes fest und wird deffen Ergreifung wohl baldigst erfolgen.

Unter dem Vorgeben, den Handelsleuten imPfau" etwas Musik zu machen, lieh der Knecht des Besitzers gedachten Hauses von einem gegenüber wohnenden Wirthe am Dienstag Abend eine Drehorgel. Anstatt nun im Pfau zu orgeln, verfügte sich der Knecht nach dem allgemeinen Ccntral-Fremden-Verkehr, der Herberge in der Wolkengaffe. Hier bot er die Orgel bem Herbergsbesitzer zum Kauf an. Als hieraus nichts wurde, ward die geborgte Orgel ein Pfandobjeet für eine Zechschuld von 2 JL 50 4. Dem Knecht dürfte die Orgelei auf diese Art etwas unmelodiick werden.

Einem durchreisenden Arbeiter wurde gestern auf dem Bahnhofe ein Packet mit Kleidungsstücken gestohlen. Dem Dieb ist die Polizei auf der Spur und wird seine Habhaft- machung jedenfalls heute noch erfolgen.

Vermischtes.

Zu Haltern im Regierungsbezirks Münster herrscht großer Jubel. Am 31. März und 1. April wurden nämlich aus dem Bürgervermögen unter die Bürger etwa 14,000 JL vertheilt. Glückliche Stadt, die keine Communalsteuer erhebt, vielmehr Geld unter die Bürger vertheilt. (W. M.)

DasBerl. Tageblatt." erzählt von einigen neuen patenttrten Erfindungen. Nicht weniger als zwei Erfinder erhielten in letzter Woche Patente auf verbefferte Regenschirme. Herr Papke hatte ein Regendach gebaut, welches sich derart zusammenklappen läßt, daß man es zwar nicht gerade in der Westentasche, so doch wenigstens in der Ueberziehertasche bei sich tragen kann. Tritt Regen ein, so entpuppt sich aus einem unscheinbaren Etm zum Erstaunen der Vorübergebenden plötzlich ein ganz rechtschaffener Familienschirm. Ist der Inhaber des Taschen­schirmes aber gar mit Beigrl's Schirmträger versehen, so erreicht die Verwendung ihren Höhe­punkt. Der Schirmträger besteht aus einem Gürtel, der umgeschnällt wird, und daran be­fehligten Krallen, welche den Schirm halten. Beiee Hände bleiben daher frei. Für Touristen und Zeichner sehr zu empfehlen. Um die Iunggesellenwelt hat sich Herr Pfeiffer durch seinen obne Hülfe der Nähnadel zu befestigenden Knopf hoch verdient gemacht.'-' Das Verfahren ist ein höchst einfaches. Es wird nämlich ein zusammengebogener Draht durch die Offen des Knopfes, dann durch den Stoff und endlich durch eine unter Letzterem festgehaltene durchlöcherte >!>etallscheibe gesteckt, worauf die Enden des Drahtes auseinandergebogen und um den Rand der Metallsckeibe gepreßt werden. Damit hält der Knopf, so lange das Zeug überhaupt hält. Auch für die Mannschaften im Felde und auf Manöver zu empfehlen.

Handel und Verkehr.

Gießen, 8. April. Auf dem am 6. und 7. ds. Mts. hier abgehaltenen Viehmarkte waren 1179 Stück Rindvieh und 925 Stück Schweine aufgetrieben. Gut genährtes Vieh, unter welchem sich die beliebte Vogelsberger Race auszeichnete, war sehr begehrt und ging zu erhöhten Preisen ab; ebenso fettes Vieh, namentlich Ochsen zum Preise von etwa 60 62 JL pro Gentner.

Während die hiesigen Märkte schon seit Jahren von Käufern aus dem Norden besucht werden, scheinen sie nun auch für den Süden Jntercffe zu gewinnen. Diesmal wenigstens waren auch Käufer aus Baden anwesend.

Nächster Markt den 20 April d. I.

Setilflfeberielit. Mitgetheill von dem Agenten des norddeutschen Llovd <. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 7. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Oder, Eapttän C- Leist, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 27. März von Newyork abgegangen war, ist heute 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton «ngekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Paffagiere, Post und Ladung 4 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 59 Paffagiere und volle Ladung.

Bremen, 8. April. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Braunschweig, Eapt C. Undürsch, vom Norddeutschen Llovd in Bremen, welcher am 24. März von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Zrischbäcker ni Giessen.

Sonntag, den 11. April. Wilhelm Hartmann, Neustadt. Emil Noll, Löwengasse. Ludwig Keil, Neue Baue.

Kirchliche Anzeigen

der evangelischen Gemeinde Giessen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 11. April.

Morgens: Pfarrer Dr Naumann.

(Einführung desselben als I. Stadtpfarrers durch Großb- Decan Lic. Strack.)

Nachmittags: Pfarrer Schlosser.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 11. bis 17 April besorgt Pfarrer Schlosser.

Allgemeiner Anzeiger.

Zanüwerkerschule ÖesflemerOoereins.

2439) Beginn des Sommersemesters am *7, April 1880 sowohl für die Tag- als auch die Abendschule. Anmeldungen nimmt Vormittags von 8 bis 12 Uhr Herr Aug. Hug, Architekt, tn unserem Schullok^l am Aster­weg, entgegen.

Der Dorstand des Gewerbvereins:

_________________ Dr. Hugo von Ritgen, Geh.-Rith.

IlaiifiiiäiiiiiNciier Verein.

Ordentliche Generalversammlung.

Freitag, den 16. d. Mts., Abends 8 (/2 Uhr.

Tagesordnung:

1. Bericht über das Vereinsjahr 1879/80.

2. Rechnungsablage; Wahl zweier Revisoren.

3. Wahl des Vorstandes.

Zu zahlreicher Betheiligung ladet ergebenst ein

2496) Der Vorstand.

2522) Der Einzug in das neue Schulhaus ist auf Montag, den 12. d. MtS., 11 Ubr Vormittags festgesetzt. Die Kinder sämmilicher Schulklassen versammeln sich um l/2\\ Uhr auf dem Oswalosberg.

Die Aeliern, die wir wegen des beschränkten Raumes im Saal leider nicht zur Einweihung einladen können, finden Gelegenheit, sich am Nachmittag das neue Schulhaus anzusehen.

Gießen, 9. April 1880.

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