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Samstag den 10 April

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"n 10. April, dem Oswalds- achmittazs vou der Ludwigs-

Pfnrr-Conferenz.

Mittwoch den 14. April Pfarr - Conferenz zu Gießen.

Neben der sonstigen Tagesordnung Mittheilung eines Erlasses Großh. Oberconsistoriums, betr. die regelmäßigen Ergänzungswahlen der Kirchein Vertretungen und Kirchenvorstände für 1880, und Besprechung darüber.

La n g - Göns, den 7. April 1880.Strack, Dekan.

Sünder" gemacht. Der Pfarrer Herr Oliviers begab sich vor Ostern in dessen Wohnung und fragte ihn, ob er das freiwillig gethan habe, und auf die Bejahung dieser Frage erfolgte der priesterliche Bescheid, daß in diesem Falle der bischöflichen Weisung gemäßdem Protector verdammter Schulen die heilige Communion öffentlich verweigert werden müsse." Der Pfarrer hat dies selber in einer an dieGazet van Thienen" zum Abdruck gerichteten Zu­schrift erzählt und auch den Schluß nicht verschwiegen, ^nämlich:Herr Michotte schien sehr ungehalten, regte sich sehr auf, zog die Schelle und jagte zu der erscheinenden Magd: Führen Sie den Herrn an die Thür!"

Rußland.

Petersburg, 5. April. Da die Nihilisten augenblicklich Ruhe halten und die Hartmann'jche Angelegenheit nach allen Setten hin überreichlich erör­tert ist, wenden die russischen Blätter ihre Aufmerksamkeit den innern Der- hältniffen zu, und zwar in einer Weise, die nicht übermäßig fruchtbar wirken kann. So ist ein großer Streit entbrannt, ob man den Nihilismus, die Be­stechlichkeit und alle andern Uebel im Staate Rußland nicht dadurch beseitigen könne, daß man an Stelle der Realschulen Gymnasien mit vorwiegend classt- schem. Studium einführe. Die Einen bejahen es, wogegen die Anderen meinen, daß nur dann dem Staate Heil widerfahren könne, wenn im Lecttonsplan der höheren Schulen dem Unterricht in den Naturwiffenschaften eine größere Stun- denzahl bewilligt wmde. Von beiden Seiten wird dieser Krieg mit großer Heftigkeit geführt, zweifelsohne nur, um bald in Vergessenheit zu versinken und einem anderen Gegenstände des Streites Platz zu machen. Die neue russischeNordd. Allg. Ztg.", derBereg", entwickelt sonderbare Ansichten über die Bildung eines in Rußland fehlenden Mittelstandes und kockmt dabei auf den Gedanken, daßdie 11 Millionen Sectirer ein vortreffliches Material zur Bildung einer Bourgotsie" abgeben würden. Warum gerade das oder vielmehr die religiösen Bekenntnisse die Sectirer zum Mittelstände vorzugsweise geeignet machen sollen, ist schwer zu verstehen. Ueber die Thätigkeit des Grafen Lorts-Melikow wird um so mehr erzählt, als er seine Reformpläne bisher noch geheim hält. Ebenso ist seine auf Bekämpfung des Nihilismus gerichtete Thätigkeit eine sehr geräuschlose. Neuerdings wird erzählt, daß auf der Festung Schlüffelburg, dem alten Gewahrsam hoher Staatsverbrecher, eine Wohnung in außergewöhnlicher Weise hergerichtet wird, die für einen Gefan­genen bestimmt, aber mit allem Luxus und Bequemlichkeit ausgestattet ist. Man meint hier, Melikow sei es gelungen, die Seele der Revolution zu ent- d.-cken und volle Beweise der Schuld zu sammeln. Das eigentliche Haupt der Nihilisten, so will man wiffen, soll bald seinen Einzug in diese Wohnung halten. .(Köln. Ztg.)

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Correspsndeur Bureau.

Berlin, 8. April. Der Kaiser hat das Demissionsgesuch des Fürsten Bismarck abgelehnt.

Petersburg, 8. April. DerHerold" meldet aus angeblich sicherer Quelle, Rußland beabsichtige in kürzester Zeit fünf größere Kriegsschiffe in die chinesischen Gewässer zu entsenden behufs Schutzes der russischen Jntereffen.

Berlin, 8. April. Der Kaiser hat das Demtsstonsgesuch des Fürsten Bismarck mit folgender Cabinetsordre beantwortet: Auf Ihr Gesuch vom 6. April erwidere Ich Ihnen, daß Ich die Schwierigkeiten zwar nicht ver­kenne, in welche ein Conflict der Pflichten, welche Ihnen die Reichsverfaffung auferlegt, Sie mit der Ihnen obliegenden Verantwortlichkeit bringen kann, daß Ich Mich aber dadurch nicht bewogen finde, Sie Ihres Amtes um des­halb zu entheben, weil Sie glauben, der Ihnen durch die Art. 16 und 17 der Reichsverfaffung zugewtesenen Aufgabe in einem bestimmten Falle nicht entsprechen zu können. Ich muß Ihnen vielmehr überlasten, bei Mir und demnächst beim Bundesrathe diejenigen Anträge zu stellen, welche eine ver- saffungsmäßige Lösung eines derartigen Conflictes der Pflichten herbeizuführen geeignet sind.

Berlin, 7. April 1880. u u Wilhelm.

Dem Kaiser ist die gestrige erst- AuSsahrt und der Besuch der Oper sehr gut bekommen, so daß sich S-- Majestät heute nach gut verbrachter Nacht der Erledigung der lausenden Regterungsgeschäste in gewohnter Weis« widmen konnte.

London, 8. April. Die Blätter besprechen die Demission des Für- sten Bismarck. DieTimes" rcchtserltgt den Protest des deutschen Reich«.

Vorstand,

m. Darmstadt, 8. April. Erste Kammer der Strände. 13. Satzung. Ueber die heute flattgehabte Sit-unq der ersten Kammer der Stände ist in Kürze nur zu berichten, daß die sammtlichcn Gegenstände der bereits m-tglthrilttn Tagesordnung ohne jegliche Debatte durch einstimmigen Beitritt zu den betreffenden Beschlüssen des anderen Hauses erledigt wurden. Das Wort ergriff nur Herr Dornseiff «Gießen), um bezüglich des Antrages des Abg. Osann und der Eingabe des Vereins öffent­licher Rechtsanwälte in Darmstadt auf Aushebung der Die Amtstracht der Rechts­anwälte regelnden Großherzoglichen Verordnung zu erklären, daß die von dem Antrag­steller und den Petenten vertretene Ansicht durchaus nicht diejenige der Mehrheit des Anwaltstandcs sei Die Kammer vertagte sich hieraus bis zum Monat Juni, zu welchem Zeitpunkt die Berathung des Gesetzesentwurfes, die allgemeine Bau­ordnung betreffend, stattfinden soll.

Berlin, 7. April. Das neueste Entlaffungsgesuch des Reichskanzlers erregt überall das größte Erstaunen, vor Allem mit Rücksicht auf die angeb­liche Veranlaffung desselben. In der Sonnabend-Sitzung des Bundcsraths nahm Preußen den im Ausschüsse abgelehnten Antrag, die Quittungssteuer auch von Postanweisungen zu erheben, wieder auf. Dieser Antrag wurde aber in entschiedenster Weise von dem anwesenden Vertreter des Reichspost­amts bekämpft, der auch darauf hinaies, daß von internationalen Postanwei­sungen die Steuer ohnehin nicht erhoben werden köi ne. Der Antrag wurde demnach gegen Preußen, Bayern und Sachsen abgelehnt. Die Nachricht der Nordd. Allg. Ztg.", daß der Reichskanzler in Folge dieser Abstimmung seine Entlastung verlangt habe, erscheint durchaus unblgniIich Angesichts ^der Be­stimmung des Art. 6 der Reichsverfaffung über die Vertheilung der Stimmen im Bundesrathe. Selbstverständlich ist man auf den weiteren Verlauf der Angelegenheit außeroidentlch gespannt. DieN. L. C." schreibt hierzu: Die consirvaliven Abendblätter berichten von merkwürdigen Vorgängen in der Eonnabent-Sitzurg des Bundesraths, welche nach derNordd. Allg. Ztg." nichts Geringeles zur Folge gehabt haben, als das Entlaffungsgesuch des Reichskanzlers. Dos BundeSrathS-Plenum hat bekanntlich in dem Gesetzent­wurf über die Reichsstempelabgaben die Quittungssteuer wiederhergestellt, dabei aber eine große Reihe Befreiungen von der Stempelabgobe beschloffen. Eine dieser Befreiungen, die von Quittungen über Postanweisungen und Postvor- schußsendunfen, kam durch eine Abstimmung zu Stande, bei welcher die drei größten Bundesstaaten, Preußen, Bayern und Sachsen durch die Gesammtheit der mittleren und kleinen, oder die Repräsentanren von 33 Mill. Einwohnern durch diejenigen von 7*/, Mill, bestimmt wurden. Der Bundesrath zählt bekanntlich 58 Stimmen; in dem vorliegenden Falle stimmten 30 mittel- und lletnstaatliche Stimmen gegen 17 preußische, 6 bayerische, 4 sächsische und eine kleinstaatliche. Besonders unangenehm scheint es dabei ausgefallen zu sein, daß einzelne Bundesrathsmitglieder in der sehr schwach besuchten Sitzung durch Substitution mit einer ganzen Reihe von Stimmen ausgerüstet gewesen sind. Die mögliche Folge der versaffungsmäßigen Stimmvertheilung im Bundesratd, die Uebersttmmung der großen durch die Gesammtheit der kleinen Staaten, ist vielleicht bisher noch selten oder niemals zu Tage getreten. Die preußische Regierung ist allerdings schon oft im Bundesrath in wichtigen Fra­gen unterlegen, aber die Majorität bestand dann wohl aus den Königreichen und einigen kleineren Staaten. Die preußische Regierung und der Reichs­kanzler haben sich eine solche Majorisiruug in viel wichtigeren Fragen, wir erinnern z. B. nur an das Reichsgericht, gefallen lasten, und wir begreifen nicht, wie jetzt eine so geringfügige Angelegenheit so tragisch genommen werden kann. Man kann doch kaum annehmen, daß eine Differenz, nicht einmal über die Quittungssteuer, sondern nur über eine nebensächliche Bestimmung dersel­ben, zu einer das ganze Reich erschütternden Angelegenheit gemacht wird. Be­stätigt sich die Angabe derNordd. Allg. Ztg." so drängt sich die Vermuthung auf, daß jene Vorgänge im Bundesrath mcht der einzige Grund sind, welche das Entlaffungsgesuch des Reichskanzlers veranlaßten. Jedenfalls wird man vertrauen dürfen, daß an der Frage des Quittungsstempels für Postanwei­sungen die Wirksamkeit des Reichskanzlers nicht ihr Ende erreilht.

Irankreich.

Paris, 7. April, Abends.Pays" veröffentlicht einen Artikel Caffagnac's, worin er die Hoffnung ausspricht, daß der Sohn des Prinzen Jerome Napoleon andere Gesinnungen hege als sein Vater.Pays" erinnert daran, daß der verstorbene kaiserliche Prinz den Sohn des Prinzen Jerome Napoleon und nicht den letzteren als seinen Nachfolger bezeichnete.

Aelgien.

Brüssel, 5. April. In Tirlemont hat Herr Michotte, Beisitzer des Bürgermeisters, den städtischen Ktnderbewohranstalten, die unter dem neuen Schulgesetz stehen, 10,000 Frcs. geschenkt und sich dadurch zumöffenllichen

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