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Comttss, Graf Walujew, hat am 28. März dem Kaiser den Entwurf einer Ratbgebenden Versammlung" Sowteschtzatelnoje Sobranje vorgelkgt. Die 'Abgeordneten des Semstwo, der S'ädte, des Ad^ls und der Geistlichkeit werden in Petersburg tagen unter dem Vorsitze des Präsidenten des Minister- Comitös und berothen über Angelegenheiten, die jene vier Refforts betreffen, so daß in den Siaatsrath und das Minister-Comit^ alle Reichsangelegen' heiten mit dem Beschlüsse derRathgebenden Versammlung" gebracht werden. Die Zahl der Abgeordneten ist je vier aus jedem Gouvernement. Alle Angelegenheiten aus den Ministerien und den Comtt6s werden derRath- gebenden Versammlung" vorgelegt. Sibirien, der Kaukasus, Polen und Finn­land sollen auch ihrerseits Abgeordnete senden." Das wäre also eine Art von preußischem Vereinigten Landtag und der Ausgangspunkt einer constitutio- neüen Entwickelung. So wellig Rußland bis jetzt geeignet scheint für eine constitutionelle V-rfaffung, so hat sich doch die reine Autokratie überlebt und in den gebildeten Klassen ist das Verlangen nach einer Theilnahme des Volkes an den öffentlichen Angelegenheiten allgemein. Das wissen die Nihilisten recht gut und deshalb haben sie seit einiger Zett ihre ausschweifenden Forderungen beiseite gelegt und ihren Proklamationen das Verlangen nach einer Verfassung voraufgestellt. Die Zeitungen veröffentlichen eine Statistik der N hilisten; die Summe derselben wird nicht angegeben, nur der Procentsatz: 26 pCt. sind adelig, 19 geistlich, 13 Bauern, 9 Kleinbürger, 7 Juden, 3 Ehrenbür­ger, 1 Militär; 60 pCt. waren Studenten, hiervon 32 Mediciner, 14 Tech­niker , 13 Agronomen, 20 gehörten niedrigeren Lehranstalten an. Von den Frauen sind 39 Gymnasiastinnen, 25 Hebammen, 17 Medicinerinnen und 19 gehörten zu anderen Instituten.

Mulgarien.

Sosta, 4. April. Der Fürst, welcherlei seinem Erscheinen überaus sympathisch begrüßt wurde, hat heute Vormittag die Nationalversammlung eröffnet. Die in bulgarischer Sprache verlesene Thronrede gedenkt in warmen Wortm der Reise nach Rußland und des wohlwollenden Empfanges Seitens des Kaisers Alexander und constatlrt mit Genugthuung das ganz besondere In­teresse des Kaisers für Bulgarien und dessen Entwickelung. Nach einem Hin­weis auf die guten Beziehungen zum Auslande betont die Thronrede ferner die Nothwendtgkert einer Gesetzgebung, welche für Bulgarien die Organisation und die sichere Basis der Entwickelung schaffe. Der Versammlung würden 15 Gesetzentwürfe zugehcn, darunter selche bezüglich der Polizeigerichte, höhe­ren und niederen Schulen, Grundsteuer und Nationalbank. Die Thronrede erwähnt sodann noch der Maßregeln zur Unterdrückung des Räuberunwesens im Osten des Landes und schließt mit dem Ausdrucke des Vertrauens auf eine nutzenbringende Thätigkeit der Versammlung. Die Thronrede wurde sehr beifällig ausgenommen. Das ganze diplomatische Corps war anwesend.

Telegraphische Depeschen.

Wag» ne'» telegr. Correspondeur B«8ea».

Darmstadt, 5. April. Der Prinz von Wales reist heute Nachmittag 5 Uhr nach Paris ab, die Prinzessin von Wales Abends 6% Uhr über Frank­furt nach Kopenhagen.

Berlin, 5. April. DerNordd. Allg. Ztg." zufolge hat es die Staatsregierung abgelehnt, der Offerte der Vorstände der Münster -Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft aus Berkaus der Bahn an den Staat gegen eine ein- procentige Rente für die Prioritäten und eine halbprocentige Rente für die Stammactton näher zu treten. Weitere Verhandlungen seien dieserhalb nicht gepflogen worden.

DerReichs-Anz." meldet: Das Befinden des Kaisers ist in fort­schreitender Besserung begriffen. Der Kaiser ist aber noch genöihtgt, das Zim­mer zu hüten.

Paris, 5. April. In einem der Oeffentlichkeit übergebenen Schreiben spricht Prinz Jerome Napoleon seine Billigung der Decrete vom 29. März aus, in welchen er die Erneuerung der allzulange vernachlässigten Vorschriften des Concordates steht. Der Prinz würde die Abschaffung des Cultusbudgets zurückweisen, will aber alle Principien der Revolution aufrechterhalten. Das Schreiben berührt ferner die legitimistischen und klerikalen Bestrebungen und verwirft jedes Bündniß mit einer Partei, welche die Religion zum Werkzeug der Leidenschaften und Berechnungen einer rückschrittlichen Politik erniedrige, die der Civilisation, der Wissenschaft und wahren Freiheit feindlich gegen­überstehe.

DerFrance" zufolge beabsichtigt der Cultusminister Ferry, die Bischöfe an die Bestimmungen zu erinnern, nach welchen synodale und provinziale Ver­sammlungen ohne vorgängige Erlaubniß untersagt sind. Derselbe Erlaß würde den Bischösen die Verpflichtung, ihre Residenz nicht zu verlassen, etnschärfen.

London, 5. April. Der Staatssecretär der Colonien, Hicks-Beach, ist nach Baden-Baden abgereist, um als dienstthuender Minister bei der Köni­gin zu fungiren.Times" erfährt, Northbroo? werde eine eventuelle Be­rufung zum Amt des Vicekönigs von Indien nicht annehmen.Daily News" meldet unterm 4. ds. gerüchtweise, daß Mahomed Jan im Kampfe mit Hazards gefallen sei.

Konstantinopel, 5. April. In ofstciellen Kreisen wird versichert, die Pforte werde gegen die europäische Commission behufs Regelung der grie­chischen Grenzsrage keine Einwendung erheben, wenn die Commission in Kon­stantinopel Zusammentritt. Die Botschafter Frankreichs und Italiens gehen demnächst auf Urlaub. Der neu ernannte Groß-Sherif ist nach Mekka abgereist.

München, 5. April. Die heutige ungemein zahlreich besuchte Ver­sammlung der deutschen Volkspartei wurde sofort nach ihrer Eröffnung und Constituirung wegen wahrgenommener Anwesenheit von Socialdemokraten polizeilich aufgelöst.

Berlin, 5. April, Abends. Die Stadtsynode genehmigte mit 136 gegen 42 Stimmen die Ausschreibung einer Kirchensteuer.

London, 5. April, Abends. Gladstone wurde in Midlothian mit 1579 Stimmen gewählt. In den meisten Grafschaften wurden heute Conser- vattve wtedergewählt. Die Liberalen gewannen zwei Sitze in Midlothian und Saintives.

London, 6. April. Bis heute früh 3 Uhr waren die Erlebnisse von 433 Wahlen bekannt; davon fielen 258 auf Liberale, 153 auf Conservative und 22 auf Homeruler.

Lokales.

Giest?n, 6. April. Im Monat Marz b I. wurden von Seiten der Schutz­mannschaft nrretirt: Bettler 78, Obdachlose 6, wegen Scandal 5, wegen Trunkenheit 10, Prostitüirte 6, Diebstahl 4, Betrug und Unterschlagung 6, auf Requisition wurden 6 Personen arretirt, sonstige Verhaftungen 14, Schulkinder 2. Anzeigen erfolgten in sanitätspolizeilicher Beziehung wegen schädlicher Ausdünstung 11, L.benemutelverfal'chung 1h, bösartiger Thiere :>, in sicherheitspolizeilicher Beziehung gegen Bettler 80, Trunkenheit 8, Ruhestörung 113, Dieb­stahl 10 Br trug und Unterschlagung 6, Meldewesen 13, sonstige Sicherheitspolizei 14. Ferner wegen Thierquälerei 8, Prostitüirte 7, Sonnragsfeier 3, Concubinat 4, Übertretung der Feierabendstunde 10, falsches Maaß und Gewicht 1, wegen Vergehen gegen die Droschkenord­nung 5, Straßenreinigung 18, Fahrordnung 5, sonstige Straßenpolizei 20, Baupolzei 3, Feuerpolizei 5, Steuerdefraudation 4, Oktroi 1.

Gießen, 6. April. Unsere Theaterdirection ist, seit ihrem Wirken hieselbst, immer be­strebt gewesen, dem Publikum stets Gutes und Gediegenes zu bieten. Die Mitglieder setzten ihren Stolz darin, durch ihre Leistungen die Besucher zufrieden zu stellen und nicht durch Reclamen dieselben heranzuziehen, wie bas früher vielleicht der Fall gewesen Um so mehr dürfte es am Platze sein, das theatßrliebende Publikum ausnahmsweise auf die morgen Abend stattfindende Benefiz-Vorstellung für Frau C l a r a R o t h e aufmerksam zu machen. Frau Rothe hatDeborah" gewählt, ein Schauspiel, welches noch immer, gut gegeben, seine Zugkraft bewährt hat. Die Benefiziantin, eine beliebte Dame unter den Künstlern, wird zwar nicht Mit­wirken, ihre Stellung als Kindergärtnerin, welche sie angetreten, verbietet ihr solches, aber dieses darf doch nicht abbalten, der Dame am letzten Abend, wo ihr Name auf dem Theater­zettel figurirt, einen kleinen Tribut der Anerkennung zu zollen. Hoffentlich wird solches in reichem Maße geschehen.

Vermischtes.

Darmstadt, 3. April. fPostpersonnlnachrtchten.s 1) Uebertragen ist, zunächst com- missarisch, die Ober-Postdirectorstelle dem Postrath Hagemann von Köln; 2) ernannt sind: der Posttnspector Weberstedt in Darmstadt zum Postoirecior, der Postsecretär Umbrett ebendaselbst zum Ober-Postdirectionssecretär, der Postsecretär Käferstein ebendaselbst zum Ober-Postsecretär und der Telegraphenassistent Grbe in Mainz zum Ober-Telegraphenassistenten; 3) angestellt sind: die Postassistenten Gutmann in Büdingen und Uhrhan in Heppenheim; 4) versetzt sind: der Ober-Postdirector Deininger von Darmstadt nach Aachen, der Postkassirer, Posttnspector Schmcller von Darmstadt nach Gera unter Ernennung zum Postdirector, der Ober Postdirections- secretär Heft von Karlsruhe nach Darmstadt unter Ernennung zum Postkassirer, die Postkassirer Holfeld von Offenbach a. M. nach Frankfurt a. M. und Holtzheimer von Berlin nach Offen­bach a. M., die Postsecretär Bocksch von Laasphe nach Offenbach a. M. und Werner von Friedberg t. Gr. H. nach Schirmcck; die Telegraphensecretäre de Ahna von Gießen nach Mainz und Wiese von Mainz nach Gießen; die Ober-Telegraphenassistenten Brlll von Darm­stadt nach Mainz, Fassen von Mainz nach Coblenz. Horn von Gießen nach Frankfurt a. M., Lenninger von Darmstadt nach Gießen und Priddat von Wiesbaden nach Darmstadt; die Postassistenten Freund von Oppenheim nach Darmstadt und Gräff von Büdingen nach Mainz; der Telegraphenassistent Phil. Jul. Maurer von Altenkirchen, Regier.-Bez. Coblcnz, nach Oppenheim.

Frankfurt, 4. April. Seit Beginn der Frühjahrs-Ausstellung im Palmcngarten hat sich dorten ein lebhafter Besuch aus Nah und Fern bemerkbar gemacht und können wir aus eigener Anschauung berichten, daß es in Wahrheit ein lohnendes Unternehmen ist, jetzt diesen Lieblingsplatz Aller aufzusuchen. Nicht allein die Blüthenhäuser und das Palmenhaus in seiner Pracht und dem reichen Inventar an Pflanzen und Blüthen aller Zonen, sondern auch die neuen Säle und Gesellschaftsräume überraschen durch ihre Großarcigkeit und reiche Ausstattung den Besucher.

Man war bei der Anlage dieser neuen Räume daraus bedacht, das alte Liebgewordene zu wahren und vielen Wünschen gerecht zu werden.

Die innere Ausstattung trägt wohl mehr den Charakter eines im feinsten Geschmacke eingerichteten Heims, als eines für öffentliche Zwecke benutzten Instituts; dies macht aber gerade den Aufenthalt daselbst so angenehm und sind auch Räume für geschloffene Gesellschaften nun in genügender Zahl vorhanden. Die Spuren des unglücklichen Brandes sind nun bald allerwärts verschwunden und sind eben die letzten Arbeiten zur Fertigstellung bei herrlichen Fahnden im Gange und werden auch diese bis zum Eintritt der eigentlichen Saison vollendet sein. Es ist erstaunlich, welch großes Werk hier in verhälinißmäßig so kurzer Zeit und bei sorgfältiger Ausführung geschaffen wurde.

Die Blüthenhäuser zeigen eben einen herrlichen Flor, dem die Camelien, Azaleen und vorherschend die Rosen zur Zeit das Hauptgepräge geben. Aber nickt allein die Blüthen- und Gewächshäuser zeigen vollen Blüthenschmuck, sondern auch im Park beginnt bereits der Flor und sind soeben 5000 Hyacinthen in voller Blüthe, 36,250 Tulpen, 2900 Narcissen und 300 Tayetten stehen auf den drei großen Parterres, die in den nächsten Tagen ihre herrlichen Farben zeigen werden.

Diese Resultate nach dem so strengen und für viele Kinder Floras so verderblichm Winter müssen gewiß jeden Kenner und Liebhaber hoch erfreuen und auch wir waren bei unserem Besuch oftmals Zeuge der enthusiastischen Bewunderung.

Kastel. Einen seltenen Appetit entwickelte in einer hiesigen Bierwirthschaft ein Chargirter des 87. Regiments. Derselbe verzehrte in aller Gemüthsruhe 32, sage zwei- unddreistig gekochte Eier nebst einem Milchbrödchen und einem Stück Schwarzbrot» und trank dazu zwei Schoppen Bier und ein Viertelchen Branntwein,

In Halle stürzte sich ein Student der Theologie, nach glücklich bestandenem Examen, in die Saale und ertrank. Aus einem von ihm zurückgelassenen Schreiben geht bervor, daß er das Opfer eines amerikanischen Duells gewesen und daß der Versuch, seinen Gegner zur Abänderung der unmenschlichen Abrede zu veranlaffen vergeblich war.

Sömmerda. Der Gewehrarbeiter N., der mit seinem Sohne in einer Fabrik arbeitete, konnte sich mit letzterem über eine bei einem Stück Arbeit vorgekommene Differenz nicht einigen. Da der Sohn dem Vater sein Unrecht wiederholt vorhielt, gerieth letzterer in eine iolche Muth, daß er das soeben aus dem Feuer gezogene glühende Eise seinem Sohne mit einer derartigen Gewalt in den Leib stieß, daß die SpiKe deffelben unter dem Rücken wieder herausfuhr. Der Unglückliche gab alSbald unter unsäglichen Schmerzen seinen Geist auf. Der Vater stellte sich, wie derPost" geschrieben wird, sofort nach der That dem Gerichte.

Ein tragisches Ende fand die erste Artistin desCircus Salamonski" in Odessa, Martha Fiscall. Sie stürzte nämlich, wie in der »Odessaer Prawda" zu lesen, am 22. v. M. während der Vorstellung derHirschjagd" vom Pferde zu Boden, worauf sämmtliche Jagd­pferde Über ihren Körper dahinsprengten. Als man die unglückliche Künstlerin von der Erde hob, war sie von d'cn Hufen der Pferde förmlich z»sammengestampft und bereits eine Leiche.

sU n f a l l - S t a t i st i k.s Im Monat März er. wurden bei der Allgemeinen Unfall- Verstcherungs-Bank in Leipzig

8 Todesfälle,

5 lebensgefährliche Verletzungen,

5 Unfälle, die ihrer Natur nach eine gänzliche oder theilweise Invalidität der Beschädigten erwarten lasten, und

586 Unfälle, aus welchen sich für die Verletzten nur eine vorübergehende Er­werbsunfähigkeit Vorhersagen läßt,

zusammen 604 Unfälle angemeldet.

Von den 8 Todesfällen ereigneten sich 2 in Steinkohlenwerken, und je 1 Fall in einer Graupenmühle, einer Zuckerfabrik, einer Maschinenbauanstalt, einer Gußstahlfabrik, ferner in einer Mechanischen Baumwollweberei und durch eine Dreschmaschine im landwirthschaftlichen Betriebe. Die 5 lebensgefährlichen Verletzungen entfallen auf drei Maschinenbauanstalten, eine Zuckerfabrik und ein Baugeschäft, während die 5 Jnvaliditätsfälle in einem Steinkohlenwerk, einem Walzwerk, einer Kunstwollfabrik, einer Brückenbauanstalt und einer Hartgummiwaaren- sadrik vorgekommen sind.

Bis zum 31. December 1879 hat seit ihrem Bestehen (1. Juli 1871) die Allgemeine Unfall-Versicherungs^Bank in Leipzig nebst ihrem Zweiginstitute an Entschädigungen lediglich für Unfälle (33,136) von Arbeitern ausbezahlt die Summe von JL 7,371,235. 46

Davon für anerkannte haftpfliwtige (14783) Schadensfälle JL 5,569,338. 05 H und für nichthaftpflichtige (18353) Schadensfälle JL 1,801,897. 41 H.

Schiflfebericht. Mitgetheilt von dem Agenten des norddeutschen Lloyd G. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 5. April. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Mosel, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 21. März von Bremen und am 23. März von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in New/ork angekommen.

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