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bruchartiger Regen. Heute früh hatten wir denn in Folge davon ein Hochwasser, wie es die ältesten Leute sich nicht erinnern. Zwilchen Ockstadt und Friedberg ein See, zwischen Nauheim, Friedberg, Fauerbach ein See, zwischen Dorheim, Bauernherm, Ossenheim, Fauerbach und Bruckenbrücken ein See. In Zicgcnberg mußte man das Vieh aus den Ställen flüchten, weil dieselben unter Wasser standen; das Wasier kam so rasch, daß es nicht möglich war, die Keller zu räumen, wodurch Einzelnen ein ungeheuerer Schaden erwuchs; in Niedermörlen riß die Ufa die steinerne Brücke ein, das halbe Dorf stand unter Wasier, cs wurde Sturm geläutet; die mit vielen Opfern hergcstellte Flußcorrection scheint den Fluthen vollständig zum Opfer gefallen zu sein; in Obermörlen soll Vieh in den Ställen ertrunken sein; in Nauheim nahm das Wasser den Steg an den Stedhäusern mit und riß die Brücke im Parke an dem Gasbadhaus ein; zwischen der Saline und Friedberg steht kein Steg mehr; das Wasier reicht an einzelnen Stellen bis zum Städter Weg; hier in Friedberg unterwühlte das Wasser der Seebach in der Vorstadt zum Garten ein Haus, so daß dieses abgesprießt werden mußte; die Usavorstadt steht theil- weise unter Wasier, die Flutb geht durch alle 24 Bogen des ViaductS; bei den Gerbhäusern mußte eine Familie mittelst Nachen aus dem von den Fluthen umspülten Häuschen gerettet werden; die Hockenmühle liegt auf einer Insel, das Wasier nahm einen Tbeil des Maschinen­hauses mit; einzelne G-höfte tn Fauerbach stehen unter Wasirr; die Chaussee bei der Görbel- heimer Mühle ist überschwemmt; kurzum, eine derartige Überschwemmung war seit Menschen­gedenken nicht da. Heute Morgen dauert der Sturm mit zeitweisen Regenschauern noch fort. Auch von weiter her wird gemeldet, daß das Unwetter entsetzlich hauste.

München, 28. Februar. (Schwurgerichts Gestern Abend ging vor dem oberbayerischcn Schwurgerichte die Verhandlung gegen den Doppel-Raubmörder Matthäus Wild von Bernbach in LDürttemberg zu Ende. Der Angeklagte Ist geständig, im September v. I. seinen Dienst- Herrn, Lohnkutscher Lindner in Weilheim, und dessen Haushälterin, Ursula Wind, mit einer Holzaxt erschlagen und dann bestohlen zu haben, schützt jedoch vor, mit denselben in Streit ge- rathen und im Verlaufe desielben mit der Mistgabel von Beiden angegriffen worden zu sein, so daß er nur in Nothwehr gehandelt habe, nachdem es ihm unmöglich gewesen, einen Ausweg zur Flucht aus der Scheune zu finden. Der k. Staatsanwalt beantragt einSchuldig" im Sinne der Anklage, der Vertheidiger dagegen die Verneinung der auf Mord und Raub ge­richteten Schuldfrage, hielt dagegen den Gesichtspunkt des Todtschlages, bezw. der Körperver­letzung aufrecht. An die Geschworenen wurden 14 Fragen gestellt, von welchen dieselben die auf Mord in idealem Zusammenflusie mit dem Verbrechen des Raubes, auf 2 Vergehen des Dieb­stahls, 2 Vergehen Der Unterschlagung und auf 2 Vergehen des Widerstandes gegen die Staats­gewalt gerichteten bejahten. Der königliche Staatsanwalt beantragte bezüglich der an Lindner und Ursula Wind verübten Morde im rechtlichen Zusammenflusie mit zwei Verbrechen des Raubes Todesstrafe; bezüglich der übrigen Reatc die Strafausmesiung dem Gerichte über- lasiend, und Einziehung des zum WiDerstande benützten Revolvers; der Vertheidiger erklärte, bei der absoluten Form der beantragten Todesstrafe sich anderweitige Schritte Vorbehalten zu wollen. Durch das hierauf erlassene Urtheil wurde der Angeklagte zur Todesstrafe und in eine Gesammtgefängnißstrafe von 3 Jahren verurthcilt, sowie der bürgerlichen Ehrenrechte ver­lustig erklärt

Börsenwochcn-Bcricht.

(Originalbericht deS Bankhauses Max Levenftein, Berlin W Charlottenstraße SS.)

Berlin, 6. März. Die abgelaufene Woche war eine sehr bewegte. In einem ttie geahnten Umfange hat sich die Ueberspeculation auf allen Verkehrsgebieten geäußert und in geradezu beängstigender Weise ist daraus das Verkaufsangebot hervorgegangen. Wenn im Allgemeinen noch weitere Rückgänge auch nicht ausgeschlossen sein dürften, so sicht es andererseits doch ziemlich fest, daß eine Gefahr bei innerlich gesunden Werthen keineswegs vorhanden ist und daß ein Ankauf derselben zu den so erheblich ermäßigten Preisen wohl in Erwägung zu ziehen wäre.

Auf dem internationalen SpeculationSmarkte wurden alle Werthe ohne jede Ausnahme gleich sehr von der Baissebewegung in Mitleidenschaft gezogen. Selbst die günstigsten Nachrichten, welche über die Bilanz der Kreditanstalt verbreitet wurden, vermochten die Rückwärtsbewegung nicht zu unterbrechen, geschweige aufzuhalten. Das Geschäft war im Allgemeinen von weniger Bedeutung und stand durchaus in keinem Verhältniß zu den enormen Abschlägen, welche sowohl Creditaktien, wie Franzosen zu erleiden hatten. In gleicher Weise litten Oesterreichisch-Ungarische und Russische Werthe, ohne daß auch der Verkehr in denselben zu einer größeren Entwickelung ge­langt ivärc.

Eine Ausnahmestellung nahmen eigentlich nur Deutsche Bahnen ein, obwohl selbstredend auch diese von der rückgängigen Bewegung nicht ganz verschont geblieben si nd. Zweifellos besteht auf diesem Gebiete es ist hierbei an die speculativen Devisen gedacht ebenfalls ein starkes Hausse - Engagement; es kommt hierbei aber den Spcculanten der Umstand zu Gute, daß diese Bahnen von der Reichsbank zu einem hohen Pr^centsotze bcliehen werden, und dadurch der Zwang zum Verkauf vorläufig gehalten wird. In leichten Bahnen, sowie überhaupt in Cassa-Devisen war das Geschäft gleich Null, und stellten sich die Course durchweg schwächer.

Auch für Bank-Actien endet die Woche mit nicht unerheblichen Verlusten, da­bei war der Verkehr außerordentlich beschränkt. Nur Disconto - Commandit - Antheile zeigten größere Belebtheit zu allerdings wesentlich rückgängigem Preise. Deutsche Bank schließen ebenfalls um mehrere Prozent niedriger. Darmstädter lagen schwach. Auch Berliner Handelsgesellschaft konnten der weichenden Tendenz nicht länger Widerstand leisten. Aendert sich die allgemeine Situation der Börse nur einigermaßen, dann darf bei diesem Papier auf eine erhebliche Steigerung gerechnet werden. Größeres Interesse zeigte sich für junge 40procentige Gothaer Grundcrcditbank, die vielfach gegen alte vollgezahlte eingetauscht wurden.

In BergwerkS-Aktien war die Tendenz eine entschieden flaue, hervorgerufen durch rückgängige Eisen- und Kohlenvreise. Es gilt dies namentlich von Dortmunder Union, die in ganz unberechtigter Weise bis auf 124 pCt. hinaufgetrieben waren und welche daher auch dm größten Verlust zu erleiden hatten. Auch Laurahütte, welche anfänglich eine Sonderstellung einzunehmen schienen, mußte diese schließlich aufgeben. Nicht besser erging es den Kassenwerthen, wobei bedauerlicher Weise in der Bewerthung ein Unterschied nicht gemacht wurde. Neu eingelührt wurde Rheinhessisches Bergwerk, welches ungeachtet der flauen Haltung freundliche Aufnahme fand. Es wurden darin täglich größere Abschlüsse zu steigenden Eoursen vollzogen.

Jnduftriepaptere lagen recht stille. Es ist hier auch nicht ein einziges Papier Lnzugeben, welches sich durch nennenswerthe Umsätze ausgezeichnet hätte, und war fast Alles rückgängig. Schering-Actien, welche man in voriger Woche auf die Neu-Emission und namentlich darauf hin zu treiben suchte, daß die Gründer das Bezugsrecht für sich allein auszuüben beabsichtigen, gaben nach, weil noch in letzter Stunde zu Gunsten der Actionäre auf das Bezugsrecht verzichtet wurde. Man befürchtet namentlich, daß die Emission nicht gelingen werde. (1529

Handel und Verkehr.

Gießen, 6. März. Auf Dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd ^0 95 bis 1.06, Hühnereier per Stück 50 H, Gänseeier per Stück 1000 Enteneier per Stück 60 Käse per Stück 59 Käsematte per Stück 3 Erbsen 1 Liter 20 H Linsen 1 Liter 22 H, Tauben das Paar JL 0.80, Hühner per Stück JL 1.001.50, Hahnen per Stück JL 1.00 bis 1-70, Enten per Stück JL 2.003.00, Kartoffeln per 100 Kilo 89.00, Zwiebeln p- Ei* 1415, Milch per Liter 16 und 18 H, Ochsenfleisch 6668H per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 4856H, Kalbfleisch 4046 Hammelfleisch 4560 H, Schweinefleisch 60 H.

Die bereits wegen ihrer großen Vorzüglichkeit und Reellität in vielen Tausenden von Familien eingeführte Amerikanische Brillant-Glanz-Stärke von Fritz Schulz jr in Leipzig veranlaßt uns auch dieses Mal, die geehrte Damenwelt darauf aufmerksam zu machen. Die beim Gebrauch dieser Glanz-Stärke (kein Zusatz, also kein Stärke- Glanz oder dergl.) hervorgehende Eleganz der Wäsche macht erstere fast unentbehrlich für reden Haushalt und ist dabei der billige Preis, welcher pro Paquet nur 20 H betragt, dazu angethan, die Einführung derselben in jedem Haushalt zu ermöglichen Die Einfachheit beim Gebrauch derselben garantirt selbst der ungeübten Hand ein sicheres Gelingen. Für die absolute Unschädlichkeit dieser Glanz-Stärke, sowie für die Hervorbringung eines schönen atlasartigen Glanzes übernimmt der Fabrikant jede Garantie. Lager davon halten die meisten guten Colonialwaaren-, Droguen- und Seifen-Handlungen.

Auszug aus den Sisndesamtsregistern des Standesamts Gießen

Vom 28. Februar bis 5. März 1880.

Aufgebote.

Februar. 28. Der Großherzogl. Reallehrer Dr. August Nies von Gießen mit Helene Rabenau, Tochter des verst. Großherzogl. Rechnungsraths i- P. Georg Wilhelm Rabenau von Gießen. 29. Bierbrauer Christian Heinrich Louis Herpichböhm von Sonneberg mit Ka­tharine Lettermann, Tochter des verst. Weichenwärters Johann Jost Lettermann von Goßfelden. 3. Fabrikant Ernst Georg Throm von Ziegenhain mit Antonie Kiesewetter, Tochter des Com- merzienraths Ernst Kiesewetter von Arnstadt. 3. Postassistent Johannes Rudolf Goldmann von Laubach mit Marie Schmidt, Tochter des verst. Metzgermeisters Balthasar Schmidt von Gießen. 5. Schneider Konrad Oehler von Ober-Ohmen mit Katharine Henriette Biehn, Tochter des verst. Haarschneiders Heinrich Philipp Biehn von Köppern. 5. Dienstmann Christian Heinrich Lemp von Gießen mit Katharine Magdalene Gräf von Laubach. 5. Schneider Friedrich Heinrich Martin Dührkop von Boltzenburg mit Katharine Henriette Wagner, Tochter des Taalöhners Johannes Wagner III. von Gambach. 5. Fabrikant August Wilhelm Her­mann Küchel von Butzbach mit Louise Burkhardt, Tochter des verst. Kaufmanns Georg Burk­hardt von Gießen.

Eheschließungen.

Marz. 1. Kaufmann Joseph Mark von Fritzlar mit Helene Mayer, Tochter des Kauf­manns Alexander Mayer von Gießen.

Geborene.

Februar. 25. Karoline Charlotte, Tochter des Oeeonomen Georg Ockel. 28. Ernst Anton Franz Heinrich, Sohn des Buchbandlungsagenten Victorian Wendelin Böttinger. 1. März. Dem Kaufmann Albert Müller eine Tochter. 28. Karl Adalbert, Sohn des Schlossers August Sudheimer. 28. Helene Margarethe Barbara Karoline, Tochter des Post-Secretärs a. D. Karl Weber. 1. Dem Schuhmacher Theodor Schlitt eine Tochter. 29. Johann Gottlob und Karl Theodor, Zwillingskinder des Schreiners Johannes Lenz. 29. Louise, Tochter des Schneidermeisters Johann Heinrich Schmitt. 27. August Wilhelm, Sohn des Weißbinders Georg Karl Wilhelm Seipp. 2. Ludwig, Sohn des Gemüsehändlers Ludwig Reh. 1. Wil­helm, Sohn des Steinbrechers Wilhelm Valentin. 29. Marie, Tochter des Ober-Güter- Jnspectors Christoph Ries. 29. Friedrich, Sohn des Anatomie-Dieners Heinrich Balser.

Gestorbene.

Februar. 28. Margarethe Magdalene, 24 Jahre alt, Tochter des Postschaffners Jo­hann Georg Vaubel. 26. Schuhmacher Johannes Linker, 28 Jayre alt, von Nieder-Gemünden. 28. August Hermann, 38 Jahre alt, von Krampf. 1. März. Karl, 16 Jahre alt, Sohn des Fuhr­manns Adolf Hillgärtner. 2. Karoline Wilhelmine Louise Euler, geb. Dörr, 40 I. 9 M. alt, Ehefrau des .Bürgermeisterei- und StanDesamtsgehülfen Ernst Euler. 2. Eleonore Witt- linger, geb. Brunner, 72 Jahre alt, Wittwe des Kreisarztes Dr. Georg Friedrich Wittlinger. 1. Ein unbekannter Mann, etwa 40 Jahre alt. 2. Bartholomäus Reul, 78 Jahre alt, von Lind- Heim. 3. Julie Kröcker, geb. Schimpf, 34 Jahre alt, Ehefrau des Flurschützcn Martin Kröcker. 3. Katharine, 11 Monate alt, Tochter des Bahnwärters Georg Jung. 5. Dem Zimmer­mann Louis Bieber ein tobtgeborener Sohn. 5. Fritz, 20 Jahre alt, Sohn des Grubenbe­sitzers Friedrich Meesmann.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getaufte.

Den 28. Februar. Dem Großh. Profesior der Theologie Dr. Bernhard Stade eine Tochter, Emma Johanna, geb. den 8. December.

Den 29. Februar. Dem Loeomotivheizer Philipp Kehr eine Tochter, Margarethe Christiane Marie Louise, geb. den 26. Januar.

Denselben. Dem Schuhmacher Johannes Siek eine Tochter, Marie Sophie, geb. den 16. Deeember.

Denselben. Dem Fuhrmann Wilhelm Wilke ein Sohn, Wilhelm, geb. den 10. Januar.

Den 4. März. Dem Glaser Johannes Hirz ein Sohn, Otto Karl, geb. den 9. Jan.

Beerdigte.

Den 1. März. Margarethe Magdalene Vaubel, des Postschaffners Johann Georg Vaubel chel. Tochter, alt 24 I. 3 M. 4 T., gest. den 28. Februar.

Den 3. März. Karl Hillgärtner, Schuhmacherlehrling, des Fuhrmanns Adolf Hillgärtner ehel. Sohn, alt 16 I. 7 M. 26 T., gest den 1. März.

Den 4. März. Eleonore Wittlinger, geb. Brunner, des verst. Großherzogl. Kreisarztes Dr. Friedrich Wittlinger Wittwe, alt 72 I. 3 M. 22 T., gest. den 2. März.

Denselben. Karoline Wilhelmine Euler, geb. Dörr, Ehefrau des Bürgermeisterei- Secrctärs Ernst Euler, alt 40 I 9 M., gest den 2. März.

Allgemeiner Anzeiger.

Wichtige Mittheilung.

Grieger-Verein *

In seiner Sitzung vom 22. December 1879 hat die dritte Strafkammer des Tribunals erster Instanz in Berlin die Firma Eduard Mayer, Dragoner- Straße Nr. 26 zu 600 Mark Strafe oder 60 Tage Gefängnis; und 500 Mark Entschädigung an die Societe anonyme de la Destillerie de la Bönedictine, Liqueur der Abtei zu Fecamp, verurthetlt, wegen Über­tretung des Gesetzes über Fabrikmarken, indem er Nachahmungen des ächten Benediktiner Liqueur verkauft hat. Der General-Director:

249) A. Legrand aine.

p p Gießen, den 7. Marz 1880.

1517) Hiermit erlaube ich mir, Ihnen die ergebene Mittheilung zu «lacken, daß ich meine Journal - Expedition, verbunden mit Schreibmaterialien-Handlung, in Lit. A. 22V, Brand- und Lindengafse»Ceke verlegt habe.

Sie um Ahr ferner geneigtes Wohlwollen ersuchend, zeichne

Hochachtungsvoll

Herrn. Goes.

Dienstag den 9. März, Abends 8V2 Uhr. im Vereinslocat (Restauration Bramm, Neustadt):

Generalversammlung.

Tagesordnung:

1) Bericht deS Rechnungs-Prüfungs-Ausschusses.

2) Abstimmung über die vorgeschlagenen Statutenänderungen.

3) Der Delegirtentag des Landesverbandes Hess. Kriegervereine, Wahl der Vertreter.

4) Feier deS Geburtstag- Seiner Majestät des Kaisers.

1513) Der Vorstand.