bereits an Bord des Schiffes von den demokratischen Notabtlitäten begrüßt und bei der Landung mit Zurufen, Fahnen und Musik empfangen. Eö herrscht vollkommene Ordnung.
London, 4. Octbr-, Abends. Die Minister Granville, Argyll, Chtl- ders, Hartmgton, Northbrock und Chamberlain hatten heute Nachmittag bei Gladstone in Downingstreet eine Zusammenkunft. Die Botschafter Deutschlands, Italien- und Rußlands hatten heute Unterredung mit Granville.
Lokales.
Gießen, 2. Oktober. [Die Dckanatssynode zu Gießen.) Am 27. September wurde die Synode des Dekanats Gießen in der Stadtkirche zu Gießen abgehalten. Es hatten sich 38 Mitglieder mit 40 Stimmen eingefunden. Zwei Pfarrer waren durch anderweitige ' Amtshandlungen verhindert worden, zu erscheinen. D'e Predigt hielt Herr Pfarrer Scrrba zu Alt-Buseck über Johs. 15,16. Unverkennbar machte dieselbe auf alle Anwesenden, geistlichen und weltlichen Standes, denen beiden die Wichtigkeit ihres Berufs und der Ernst ihrer Pflichten, mit der Hoffnung, daß ihr W-rken im Dienste des Herrn nicht vergeblich sei, recht dringend on'6 Herz gelegt wurde, einen recht tiefen Eindruck. Dekan Strack eröffnete und leitete bte Synode, welcke diesmal fast ausschließlich mit Wahlhandlungen zu thun hatte. 10 Wahlen von weltlichen Abgeordneten zur Dekanatssynode und deren Stellvertretern wurden geprüft und genehmigt, wiewohl der Dekanatsausschuß die Wahl des Stellvertreters in der Pfarrei Steinbach, wobei keine absolute Majorität erzielt worden war, beanstandet halte. Die besonderen Umstände, unter denen die Wahl vollzogen worden war, mögen die Mitglieder der Synode bestimmt haben, per majora gegen den Antrag des Ausschuffes zu entscheiden. Hierauf trug der Dekan, nachdem er den Vorsitz seinem Stellvertreter, Pfarrer Hüffe ll zu Groß-Linden, abgetreten hatte, den Rechenschaftsbericht vor. liebet die Personalveränderungen des Dekanats thetlte er mit, daß der erste Geistliche zu Gießen, Pfarrer Dr. Seel, weil er glaubte, den Anforderungen des schwierigen Amtes in der Stadt wegen seines vorgerückten Alters nicht mehr genügen zu können, daffelbe freiwillig niedergelegt habe. An seine Stelle habe der Stadtrath einstimmig den bisherigen Gymnasiallehrer zu Worms, Dr. Naumann, gewählt. In Beuern habe Pfarrer Röschen zu Winnerod wegen geschwächter Gesundheit das Spectal- vtcariat ntederlegen müffen, an seine Stelle sei Pfarrer Scriba von Alt-Buseck getreten. Leider könne die Pfarrei Beuern noch nicht anderweitig besetzt werden, da das dasige Pfarrhaus auch den bescheidensten Ansprüchen nicht mehr genüge und ein Umbau over wenigstens eine durchgreifende Reparatur noch nicht habe bewerkstelligt werden können. Erledigt seien ferner Leihgestern und Watzenborn. In Leihg?stern sei das alte, nicht mehr bewohnbare Pfarrhaus abgebrochen worden, um für den Neubau des Schulhauses Platz zu gewinnen, dagegen habe sich die Gemeinde verbindlick gemacht, nach einigen Jahren ein neues Pfarrhaus zu erbauen. Dieser Umstand hindere auch die Wieverbesetzung von Watzenborn, da Leihgestern von da aus versehen werden muffe, während Garbentetch von Hausen aus pastortrt werde.
Der Dekanatsausschuß habe 3 Sitzungen gehalten, in deren ersterer er noch wegen Regulirung der Besoldungsverzeichniffe zu thun hatte, während er in den beiden anderen die kirchlichen Wahlen geprüft bade.
An Die Stelle des bisherigen Rechners der Dekanatskaffe, des Herrn Rechtsanwalts Dorns ei ff, der dieselbe unentgeltlich mit der größten Gewissenhaftigkeit verwaltet habe, sei der Kreisbureau-Gehtlfe Döring getreten. Eine Prüfung der Rechnung durch die Dekanats« Synooe sei nicht mehr nöthtg, da dieselbe durch Großherzogltche Rechnungskammer revi- dtrt werde.
Der Dekan habe bis jetzt 2 Kirchenvisttationen, in Hausen und Heuchelheim, gehalten, außerdem aber bei 18 Schulvisitationen den Religionsunterricht geprüft. Wenn auch nicht zu verkennen sei, daß solcher durch das neue Schulgesetz zu sehr zurückgedrängt und beeinträchtigt werde, so sei er doch in den meisten Schulen mit dem Resultat zufrieden gewesen und habe nur einige Lehrer zu größerem Fleiß auffordern müssen.
Unser Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung habe am 20. Juni sein Jahresfest zu Watzenborn abgehalten. Dasselbe sei so zahlreich besucht gewesen, daß man genöthlgt war, den Gottesdienst, wobei Herr Pfarrer Dr. Naumann gepredigt habe, im Freien abzuhalten. Die Collecte mit circa 41 Jt. sei der Gemeinde Herbstein gegeben worden. Hier würde nun der nothwendige Kapellenbau in Angriff genommen werden. An Beiträgen seien aus allen Gemeinden des Dekanats, mit Ausnahme von dreien und denen, welche zum Zweigverern Butzbach gehörten, 870 JL 95 zusammen gekommen Die Reformattonscollecic habe 136 JL 54 H betragen, außerdem habe der Fiaurnveretn zu Gießen 560 JL verwendet.
Das Dekanat Gießen pflege jährlich ein gemeinsames Missionsfcst mit dem Dekanat Grünberg zu feiern. Diesmal sei letzteres an der Reihe gewesen Das Fest sei am 22. Aug. zu Geilshausen gehalten worden. Auch in Beuern habe die Gemeinde bei Wiedereröffnung der vom Blitz beschädigten Kirche ein kleineres Missionsfest gefeiert. Die Missionscollecle am Sonntag nach Epiphanias habe 143 72 H betragen, worunter Burkhardsfelden mit 22 80 H
besonders hervorzuheben sei. Außerdem wuroen in verschiedenen Gemeinden Gaben für die Mission gesammelt. In Gießen habe die Halbbatzen-Collecte 490 JL betragen; außerdem habe der Frauenverein 100 nach Grönland gesendet.
Der im vorigen Jahre gegründete Verein für innere Mission für Gießen und die Umgegend habe eine Erweiterung erfahren, und sei auf Oberheffen ausgedehnt worden. Sein erstes Werk, die Gründung eines Hospitals für scrophulöse Kinder, habe einen günstigen Erfolg gehabt; es seien 18 Kinder mit gutem Erfolg verpflegt worden; der Anmeldungen seien so viele, daß man auf Erweiterungen gedenken müsse. Ein anderes Unternehmen dieses Vereins sei die Gründung einer Herberge zur Heimath in Gießen. Wenn man bedenke, welchen Versuchungen die wandernden Handwerksburschen oft in anderen Herbergen ausgesetzt seien, so werde man erkennen, wie gerade in Gießen die Errichtung einer christlichen Herberge, wo den Gästen eine gesunde Wohnung und Nahrung bei billigem Preise, dazu noch religiöse Anregung geboten werde, ein wahres Bedürfniß gewesen sei. Auch habe dieselbe bis jetzt Anklang gefunden, doch bedürfe sie noch sehr einer kräftigen Unterstützung, weßwegen sie den Mitgliedern der Synode zu empfehlen sei; auch Naturalgaben, wie Kartoffeln, seien sehr erwünscht.
Austritte aus der Landeskirche zu einer frei religiösen Gemeinde seien nicht vorgekommen, dagegen seien zu Alt-Buseck und Lang-Göns, sowie zu Burkhardsfelden, 2 Familien zu der Gemeinde der separaten Lutheraner zu Allendorf und Klein-Linden, welche sich den Namen „Zlonsgemetnde der unvereinbarten Ausgb. Confession" gegeben habe, übergetreten. Wenn man auch den secttrerischen und unduldsamen Geist dieser Gemeinde nicht billigen könne, so müßte man doch ihre Opferwilligkeit zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse Änderen zur Nachahmung empfehlen. Sie seien kaum 100 Seelen stark und unterhielten einen besonderen Geistlichen, auch gingen sie darauf aus, ein Pfarrhaus, sowie ein gottesdienstliches Local zu erbauen. In Alt-Buseck sei ein Mädchen aus einer Baptistenfamilie in einer evangelischen Kirche con- firmirt worden; dagegen in Beuern eine Person zu den Baptisten übergetreten
Die Kirchlichkeit, insbesondere der Kirchenbesuch, habe bei uns keine Abnahme erfahren, hier und da eher das Gegentheil. Letzteres werde z. B. von Gießen und Albach und theil- weise von Groß-Buseck berichtet. Die Zahl der Kirchenbesucher betrage durchschnittlich 20—30% der Bevölkerung.
lieber die Theilnahme an dem Nachmittagsgottesoienst werde aber durchweg geklagt, nur in Alt-Buseck werde solche noch eine erfreuliche genannt In Burkhardsfelden und Oppenrod halte Der Lehrer wenigstens alle 14 Tage einen Lesegottesdienst, der namentlich in der zuerst genannten Gemeinde fleißig besucht werde. Die leider öfters vorkommende Verwaltung von Pfarreien durch benachbarte Geistlichen, wobei meistens nur ein sonntäglicher Gottesdienst statt- fände, trage zur Vernachlässigung des nachmittäglichen Gottesdienstes bet unD doch sei Die Herab- minDerung und noch mehr die Beseitigung desselben ein unverkennbarer Uebelstand, indem Dadurch der Sonntag immer mehr seiner wahren Bestimmung entzogen und zu einem Tage weltlicher Lust herabgewürdigt werde. In Gießen hätten während Der letzten Jahre recht gut besuchte Fastengottesdienste stattgefunden, wobei der dasige kirchliche Gesangverein in anerkennens- werther Weise rnitgewirkt habe.
Die Katechisrnuslehre werde in den Landgemeinden meistens 3 — 4 Jahre und zwar größtentheils regelmäßig besucht, dies gelte namentlich von b-r weiblichen Juzend, weiche z. B. in Pobl-Göns 1-2 Jahre länger als die männliche theilnehme. In Heuchelheim und Allendorf a. d. Lahn besuchten Bursche und Mädchen bis zum 20 Jahre die Katcchismuslehre In Gießen entziehe sich die männliche Jugend fast gänzlich Der Theilnahme unD werDe mitunter in diesem Widerstreben von den Eltern unterstützt. Bel dieser Gelegenh-it wurde Daran erinnert, wie vor einigen Jahren die Dekanatssynode den dringenden Wunsch ausgesprochen habe, es möchte In den einzelnen Gemeinden am Herkommen festgehalten werden und die Kirchenvorstände möchten die Geistlichen hierbei kräftig unterstützen, namentlich sich persönlich bei der Katechismus- lehre beteiligen.
lieber dauernde Abnahme der Zahl der Abendmahlsbesucher werde nirgends geklagt wenn auch gerade Im verflossenen Jahre in mehreren Gemeinden 10—20—30 Personen weniger communielrt hätten. In den meisten Gemeinden betrage die Zahl der Abendmahlsgäste 10 biß 2(»% mehr als die Zahl der Einwohner, in 6 Pfarreien weniger; am auffallendsten fei der
Unterschied in Gießen, wo bei einer Einwohnerzahl von 14,380 nur 1377 am Abendmahl theil- nehmen, also wenig mehr als 10% der Bevölkerung. Im ganzen Dekanat communicirten bei einer Bevölkerung von 36,130 Köpfen 27,791.
Tauf und Confirmattons-Verweigerungen seien aus den Landgemeinden keine zu verzeichnen, dagegen fänDen sich in Gießen noch einige ungetaufte Kinoer von ’/2 Jahr und darüber; auch leien daselbst 6 bloß bürgerlich vollzogene Eheschließungen vorgekommen.
Die Zahl Der unehelichen Kinder habe auffallend gegen früher abgenommen und es fei eine Anzahl Gemeinden zu verzeichnen, wo im letzten Jahre keine vorgekommen seien, z. B. Groß-Linden und Kein-Linden, Kirch-Göns, Albach, Watzenborn, in Hausen seien seit 1870 keine unehelichen Kinder geboren, in Heuchelheim unter 405 Geborenen nur 5. Dagegen werde allgemein geklagt, daß allzu früher ehelicher Umgang immer allgemeiner werde. Em verderblicher Einfluß werde den winterlichen Spinnstuben zugeschrieben und das umsomehr well daß Spinnen fast allgemein abgekommen sei und andere Arbeiten wenig betrieben würden.
Die Sonntagsbeiligung sei, was die Arbeiten auf dem Felde betreffe, allgemein lobenS- werth, dagegen arbeiteten nicht wenige Handwerker den Sonntag Morgen in ihren Werkstätten und hielten dadurch Die Gesellen und Lchrjungen vom Kirchenbesuch ab. Auch sei es ein bedauerlicher Uebelstand, daß vielfach die Juden am Sonntag Morgen in den Dörfern umher- gingen, Hanvel zu treiben und an Bezahlung von Geldforderungen zu erinnern. lieber Die Verwendung des Nachmittags zum übertriebenen Wlrthshausbesuch werde allgemein geklagt. Was der Verein für Sonntagsheiligung, der sich voriges Jahr in Gießen gebildet habe, aus- gerichtet, sei nicht bekannt worden. ~
Eine Ehescheidung ist in Alt-Buseck vorgekommen, Selbstmorde 7 in Gießen und 1 in Groß-Linden; wegen Diebstahl kam eine Bestrafung in Alt-Buseck vor und eine in Oppenrod, 11 in Gießen.
Der Sinn für christliche Wohlthätigkeit ist noch in den meisten Gemeinden vorhanden. Im Allgemcinen sind die Opfer und Collecten in Folge der geldarmen Zeit ein wenig, aber unbedeuteno, gefallen; sie betrugen JL 23.4". Dagegen wurde die christliche Mildthätigkelt im vorigen Jahr in anderer Weise vielfach in Anspruch genommen. Es wurden Sammlungen für die Abgebrannten zu Heuchelheim, meistens mit gutem Erfolge, veranstaltet, hier und da auch für die von Ueberschwemmung schwer heimgesuchte Gemeinde Ginsheim. Im Laufe des Winters wurden in Gießen reichliche Gaben für die daselbst gegründete Suppenanstalt gespendet.
Schließlich ist noch zu bemerken, daß der kirchlichen Armenpflege neue Wittel durch die Überweisung der Neujahrscollecte und die Opfer bei Hochzeiten und Kindtaufen zugewiesen worden sind. Möchten nun auch die Kirchenvorstände diese und andere Mittel, wie gering sie auch hier und Da sein mögen, zur Hebung des kirchlichen Lebens gebrauchen. Der Voranschlag für Dekanatskosten für 3 Jahre mit 1311 JL. 49 wurde einstimmig genehmigt.
Die hierauf vollzogenen Wahlen lieferten folgendes Resultat: Zum Dekan wurde der bisherige, Pfarrer Strack von Lang-Göns, wiedergewählt, zum Stellvertreter Pfarrer Dr. Naumann zu Gießen, da der bisherige, Pfarrer Hüff ell zu Groß Linden, eine Wiederwahl im Voraus abgelehnt hatte. Der Dekanatsausschuß blieb derselbe, nämlich: Rechtsanwalt Dorns eiff zu Gießen, Bürgermeister Wagenbach zu Alt-Buseck und Pfarrer Elotz zu Hausen, ebenso die Ersatzmänner, Pfarrer Weicker zu Kirchberg und Bürgermeister Lang zu Wieseck.
Wegen vorgerückter Tageszeit mußte die Discussion über die von Pfarrer Schlosser und theilwelse vom Kirchenvorstande zu Gießen gestellten Anträge auf die nächste Synode verschoben werden.
Gießen, 5. Octbr. [25. Stiftungsfest der freiw. städt. Feuerwehr.) Vom wünschens- werthesten Wetter begünstigt konnte das Fest seinen ungestörten Verlauf nehmen. Auf die von Selten des Vorstandes ergangene (StnlaDung fanden sich am Samstag Abend bei dem geschloffenen Commers in Wenzel's ©arten die noch lebenden Gründer der Feuerwehr beinahe vollzählig ein. Ehrengäste, Darunter Die Vertreter des Kreisamtes, Der städt. Behörden, des Officiercorps und der Vorstand der freiw. Gail'schen Feuerwehr waren zahlreich erschienen unD bekundeten dadurch das Interesse, welches sie Der Sache der Feuerwehr cntgegenbrachten. Der Commers wurde Durch eine Ansprache des I. Hauptmanns, Rechtsanwalt Weldlg eröffnet. In Der Ansprache warf er einen kurzen Rückblick auf die verflossenen 25 Jahre und drückte den Gründern den Dank aus. Er führte an, daß Se. Könlgl. Hoheit der Großherzog allergnäDlgst geruht habe, einem Der Mitgründer Der Feuerwehr und bis heute noch actives thätiges und unverdrossenes Mitglied, Kamerad Georg ©lieber in Anerkennung seiner Verdienste die silberne Verdienst- Medaille zu verleihen. Ein kräftiges Hoch auf Se. Königi Hoheit drückte den Dank der Versammelten aus. Sodann brachte der Redner noch ein gleich stürmisches Hoch auf die Gründer der Feuerwehr aus. Kamerad St le der, sichtlich gerührt durch die wohlverdiente Auszeichnung, dankte in kurzen Worten für diese. Hierauf hielt Herr Heinrich Ferber, Der erste Hauptmann Der Feuerwehr, welcher im Jahre 1855 auf Anregung von Carl Metz aus Heidelberg (Dem Vater Der freiw. Feuerwehren) hier in Gießen die Feuerwehr unter nicht sehr günstigen Verhältnissen ins Leben rief, eine recht warme Ansprache an die Anwesenden. Er bedauerte namentlich, daß unsere jungen Bürger sich der Sache der Feuerwehr so fern hielten, da seien die ältercn Bürger zu ihrer Zelt doch ganz anders gefilmt gewesen. Sem Hoch galt Der freiw. städt. Feuerwehr. Der II. Hauptmann der freiw städt. Feuerwehr, Carl Demuth, begrüßte hierauf Die Gäste und brachte ihnen den Dank der Feuerwehr aus. Als Vertreter der Stadt brachte sodann Herr Bürgermeister ©ramm der Feuerwehr für ihre Opferwilligkeit und Nächstenliebe einen kräftigen Salamander. Ihm folgte der II. Hauptmann Der freiw. Gail'schen Feuerwehr, Herr Georg Marx in einer Ansprache. Herr Stadtverordneter Han- steln brachte ein Hoch auf die Vereinigung der beiden hiesigen Feuerwehren aus. Herr Ph. U h i, erster Sprecher des Turnvereins, berührte, an unseren großen Schiller erinnernd, die Zuneigung der Turner zu der Feuerwehr. Sem Hoch galt den beiden hiesigen Feuerwehren und ihrem Bestreben. Herr Hauptmann von St Paul, als Vertreter des Regiments, brachte Dem, der mit dem Fener und durch das Feuer Deutschlands Einheit hergestellt, Seiner Majestät dem Kaiser ein stürmisch aufgenommenes Hoch aus. Herr Stadtverordneter Carl Wenzel toaftirte alsdann auch noch auf die Verschmelzung der beioen Feuerwehren unter einem Branddirector und Herr Stadtverordneter Hom bcrger drückte wiederholt denselben Den Dank Der Stadt und ihrer Bewobner aus. Unter diesen Reden, Singen diverser Lieder und dem Spiel unserer Regimentsmusik waren die Stunden nach Mitternacht herangerückt. Es wurde noch manches schöne Wort gesprochen, noch manches Hoch ausgebracht, bis daß um 2 Uhr der Commers seinen Schluß fanD.
Am Sonntag Morgen mahnte Der Weckruf Der Reglmintsmusik Daran, daß heute der eigentliche Festtag der Feuerwehr fei. Mit den ersten Bahnzügen trafen die Vertreter der auswärtigen Feuerwehren ein. Unter den Klängen der Musik wurden dieselben nach dem Stand- quarticr im .Frankfurter Hof" geleitet. Hier entwickelte sich denn auch aißbalD ein lebhaftes Treiben. Alte Bekannten begrüßten sich aufs beste und drückten ihre Freude auf fröhliches Wiedersehen aus Mittlerweile war es Zeit zur Aufstellung Des Zugs geworden Voran eine Ablhellung Der Steigmannschaften, foDann Die Musik, hierauf die GrünDer Der Feuerwehr, Diese folgte Dann, selbst mit ihren Geräthen unD an diese reihten sich bann Die hiesigen und auswärtigen Gäste an. Auf dem Oswald'schen Garten wurden die Planübungen der Feuerwehr ausgeführt, während am Merz'schen Hause in der Bahnhofstraße ein directer Feuerangriff mit Rettungsversuchen u. s. w. stattfand. Von hier marschirte der Zug um die (fast gar nicht beflaggte) Neue Anlage durch die festlich geschmückte innere Stadt nach dem Kirchenplatz, woselbst sich der Zug auflöste.
Das Festessen um 2 Uhr in Wenzel's Garten war nicht so zahlreich besucht, als man hätte erwarten sollen. Eröffnet wurde dasselbe durch eine Ansprache des I. Hauptmanns O- Weidig. Herr Beigeordneter Heß, als Vertreter der Stadt, begrüßte die fremden noch Gießen gekommenen Gäste. Er berührte in launiger Weise den heiligen Florian, als Beschützer gegen Feuersgefahr. Er meinte, man solle sich nickt so fest auf diesen Schutzpatron verlassen, sonDern eher auf dessen Stellvertreter, eine gute Feuerwehr. Sein Hoch galt der heute ihren Ehrentag feiernden freiw. städt. Feuerwehr. Herr Dr. Hans ult von Homberg dankte als Vertreter Der fremden Gäste der Feuerwehr für die freundliche Einladung Stadtverordnete Hanstein berührte auck hier toieoer als Gründer die Verschmelzung der beiden Feuerwehren Sein Hoch galt der Vereinigung derselben. Der Hauptmann der Feuerwehr von Allenvorf, Herr Bieber, brachte den Dank der dortigen Feuerwehr denjenigen Mitgliedern der F. St.F., welche s. 3- Im mitten Winter Den weiten Weg nicht gescheut unD Dortjelbfl Die Feuerwehr gegründet hätten. Es folgten noch Diverse ReDen unD Toaste, welche alle zu berühren zu weit führen würde. Nach Aufheben der Tafel wurde ein Spaziergang mit Musik nach dem Philosophenwald angetreten. Bei dem herbstlichen Wetter jedoch konnte von einem längeren Aufenthalte im Freien keine Rede sein und so wurde Denn nach kurzer Rast Der Rückmarsch nach Der StaDt wieder angetreten.
Am Abend fand sodann Bankett in Wenzel's Garten statt Bei dem offenen Charakter desselben ließ sich erwarten, daß Der große Raum überfüllt wurde und diese Erwartung hatte nicht getäuscht. Kopf an Kopf s-rß dlchgedrängt die Menge der Anwesenden, hörte Die diversen Reden, fang die Lieder mit unD amüsirte sich sichtlich. Biß in Die späte Nacht hinein Dauerte das muntere fröhliche Treiben, ohne daß ein Mißton Die Feier störte.
Die freiwillige stäDttsche Feuerwehr Darf sich freuen, einen solchen schönen Festtag gefeiert zu haben. Sie hoffte, daß Die Bewohner Der Stadt sie an diesem Tag durch Sckmücken der Häuser ehren würde und sie hatte sich in dieser Hoffnung nicht getäuschl. Sie dankt dies der
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