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Nr. 233. Mittwoch den 6. October ZSSO.

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AllM- aal) ImtäMatt für dea Kreis Cicha.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Motttags

Preis Vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post be»ogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

} Schulstraße B. 18.

Deutschland.

Darmstadt, 2. Octbr. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 24) enthält:

1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Wendel Knaup zu Groß-Hausen, in Anerkennung der von demselben am 15. Juni l. Js. mit Muth und Entschlossenheit voll­brachten Rettung des 7 Jahre alten Philipp Bohrer zu Klein-Hausen vom Tode des Ertrinkens, eine Geldprämie Allergnädtgst zu verleihen geruht.

2. Bekanntmachung Großherzogltchen Ministeriums des Innern und der Justiz, die Vorbereitung zum Dienste eines Poltzetcommistärs betreffend.

3. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, den Locomottvbetrteb auf dem Anschlußgeleis von der Margarethenhütte nach dem Main-Weser Bahnhofe zu Gießen betreffend.

4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Friedberg, die Umlagen der israelitischen Religions-Gemeinde zu Ober-Erlenbach mit Ober- und Rieder- Eschbach, im Kreise Friedberg, für 1880 betreffend.

5. Bekanntmachung Großherzogltchen Kreisamts Dieburg, die Umlagen der israelitischen Religions-Gemeinde zu Ober-Klingen für 1879 betreffend.

6 Ordensverleihung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst zu verleihen geruht: am 5. Septbr. dem Major Rau im 2. Jxfan- terie-Regiment (Großherzog) Nr. 116 das Ritterkreuz 2. Klasse des Ludewigs- Ordens.

7. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

8. Namensveränderung.

9. Dienstnachrtchten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 8. August den von dem Herrn Fürsten zu Solms-Lich auf die evang. Pfarrstelle zu Ettingshausen präsentirten Pfarrer Friedrich Thomas Lahr von Willofs, am 10. August den von dem Herrn Fürsten zu Löwe, stein Bentheim und dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg auf die evang. Pfarrstelle zu Sandbach-Neustadt präsentirten Pfarramts-Eandtdaten Emil Bernhard aus Gedern, für diese Stellen zu bestätigen; am 20. Au­gust dem evang. Pfarrer Friedrich Daniel Schwörer zu Zell, in der königlich bayerischen Rheinpfalz, die evang. Pfarrftelle zu Osthofen, im Dekanate Worms, am 25. August die Kreisbauaufseher-Aspiranten Heinrich Rau von Biebes­heim und Konrad Freymann von Langd zu Straßenmetstern, zu ernennen; am 7. Septbr. der unterm 29. August von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser vollzogenen Ernennung des seitherigen commiffarischen Ober-Postdtrectors Hage- mann zum Ober-Postdirector zu Darmstadt die landesherrliche Bestätigung zu erthetlen.

Am 3. Juli wurde der provisorische Lehrer an dem Schullehrer-Semtnar in Friedberg August Albert Theodor Kleinschmidt zum Lehrer an dieser Anstalt ernannt; am 23. Juli wurde dem Schullehrer Eduard Breidenbach zu Kirch­heim eine Lehrerstelle an der Gemetndeschule zu Storndorf, am 10. August wurde dem Pedellen am Schullehrer-Semtnar zu Friedberg Johannes Conrad die Stelle des Pedellen am Schullehrer-Seminar zu Alzey mit Wirkung vom 1. October d. Js. an, am 17. August wurde dem Schulamts-Aspiranten Philipp Blatz aus Ober-Mörlen eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Herrnsheim übertragen; am 20. August wurde der Bauaufseher Johannes Wenz zu Wörrstadt zum Hauptsteueramtsdiener bet dem Hauptsteueramt Darm­stadt ernannt; am 1. September wurde dem Schullehrer Philipp Jacob Dietz zu Klein-Hausen eine erledigte Lehrerstelle an der kathol. Schule zu Lampert­heim, dem Schulamts-Aspiranten Ludwig Befand aus Stetn-Bockenhetm eine erledigte Lehrerstelle an der Gemrindeschule zu Groß-Wtnternhetm über­tragen ; am 4. Septbr. wurde der Lehrer an der Präparandenanstalt zu Lin- densels Franz Schrod zum Lehrer an dem Schullehrer-Seminar zu Bensheim mit Wirkung vom 1. October 1880 an und unter Belastung in der Kategorie der Volksschullehrer ernannt; am 15. Septbr. wurde dem Schulamts-Asptran- ten Karl Theodor Massing aus Asthetm, im Kreise Groß-Gerau, die Lehrer- stelle an der Gemetndeschule zu Heimersheim, im Kreise Alzey, übertragen.

10. Ausschließung von der Rechtsanwaltschaft. Rechtsanwalt Franz Haas zu Mainz ist durch rechtskräftiges Urtheil des Ehrengerichts der Anwalts- kammer zu Darmstadt vom 23. Juli von der Rechtsanwaltschaft ausgeschlossen worden.

11. Charakterertheilungen.

12. Dienstentlassungen.

13. Ruhestandsversetzung. Am 8. Septbr. wurde der Universitäts-Gar- tengehülfe Heinrich Weiß zu Gießen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 17. Septbr. an in den Ruhestand versetzt.

(Schluß folgt.)

Berlin. Bisher war man nach Aeußerungen von competenter Seite der Ansicht, daß die nächste und unmittelbarste Aufgabe, welche Fürst Bismarck sich zur Ausführung seines sozialen Programms als Handelsmtntster gestellt hat, die Ausarbeitung eines Entwurfs über die Arbeiter-Versicherung sein werde. Dem Anscheine nach sollen aber, ehe an die Detail-Ausführung einer solchen Vorlage gegangen wird, noch andere grundsätzliche Fragen entschieden und ent­wurfsmäßig bearbeitet werden. Der Reichskanzler soll nämlich an dem Grund­sätze festhalten, daß die Arbeiterverstcherung nur in der Form einer Staats­oder Reichsversicherung ausführbar sei; es würde demnach jede Privat-Ver­

sicherung der Arbeiter ausgeschloffen sein. Um eine solche Versicherung unter Leitung und Garantie des Staates oder des Reiches möglich zu machen, sei es nothwendig, vorher dem gesammten Versicherungswesen eine feste gesetzliche Grundlage zu geben. Auf keinem Gebiete der Gesetzgebung mangelt es dem Staate in seinen Beamten so sehr an Autoritäten, wie auf dem Gebiete des Versicherungswesens. Zur Lösung dieser Frage ist demgemäß die Berufung eines sachverständigen Betraths unumgänglich. Man meint deßhalb, daß die Autoritäten auf dem fraglichen Gebiete zuerst in den Wirthschaftsrath berufen werden. Eine gewisse Bestätigung erhalten die Schlußfolgerungen dadurch, daß im Handelsministerium die Arbeiter-Versicherung sich noch in den allerersten Vorstädten befindet. Außer dem Könige von Sachsen sollen die Großherzöge von Mecklenburg, Oldenburg, Weimar, Baden und Hessen die Einladungen des Kaisers zum Kölner Domfest bereits angenommen haben; wer von den übrigen Fürsten anwesend sein wird, scheint noch nicht festzustehen; eine Zusage des Königs von Baiern ist jedenfalls schwerlich zu erwarten. Außer an die Staatsminister ist auch an eine Anzahl hervorragender Männer aus der mili­tärischen Welt und aus den Kreisen der Wissenschaft und Kunst die kaiserliche Einladung ergangen. Ausschreitungen russischer Soldaten und Zollbeamten gegen preußische Staatsangehörige an der Grenze gehören bekanntlich nicht zu den Seltenheiten, aber man hat nicht gehört, daß energisches Einschreiten der diesseitigen Organe mit Erfolg stattgefunden hätte. Die neuesten Meldungen über die Mißhandlung eines Ortsschöffen an der Grenze bei Schmallentngken sollen indessen doch arg verstimmt und den Entschluß einer eindringlichen Be- schwerdesührung zur Folge gehabt haben.

Berlin, 3. Octbr. Die Auswanderung in Berliner Arbeiterkretsen ist in stetigem Wachsen begriffen und zeigt sich ganz besonders stark in der von den Zettverhältnissen und Reichsstempel-Projecten so arg bedrohten TabakS- branche. Seit längerer Zeit schon werden Woche für Woche zwölf, fünfzehn, auch zwanzig Cigarrenarbeiter allein von Berlin aus über das Weltmeer spe- dirt, ohne daß deswegen die den Lohn bis auf durchschnittlich kaum 12 Mark pro Woche niederdrückende Concurrenz verringert würde. Die Europamüden werden immer wieder durch neuen Zustrom aus der Provinz ersetzt, wo es vielfach noch schlimmer steht als hier, und was die reelle Concurrenz nicht thut, das wird durch das unselige Princip der industriellen Gefängnißarbeit bewirkt, vermöge deren fortwährend neue Cigarrenmacher aus ehemaligen Sträflingen herangebtldet werden. Dazu tritt ferner der Umstand, daß die freien Arbeiter gerade dieser Branche vielfach zu anderweitiger Beschäftigung nicht übergehen können, weil ihr Körperzustand ihnen nur eine leichtere Hantt- rung im Sitzen erlaubt.

England.

London, 3. Octbr. Die Minister Gladstone, Granville, Harcourt und Northbrook haben sich auf's Land begeben. Harttngton geht nach Bal­moral zur Königin und verbleibt dort einige Zett. Die Nachricht, daß ein Cabtnetsrath auf morgen etnberufen sei, bestätigt sich nicht.____________________

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Karlsbad, 4. Octbr. Der deutsch-böhmische Parteitag, an dem gegen 1800 Personen theilnahmen, hat einstimmig und ohne Debatte eine (gegenüber dem ursprünglichen Entwürfe modtfictrte) Resolution angenommen, worin der Beitritt zur Mödltnger und Brünner Resolution ausgesprochen, die Eintracht der Deutschen in Böhmen und Solidarität mit den übrigen Deutschen in Oesterreich betont und das Emverständniß mit den deutschen Retchsraths- und Landtags-Abgeordneten, namentlich in der Angelegenheit der Sprachenverord­nung, erklärt wird. Die Versammlung nahm ferner einstimmig Resolutionen an über die Nothwendigkeit eines deutsch-österreichischen Parteitages und über Hebung des deutschen Schulwesens.

München, 4. Octbr. In Folge des Ablebens des bayerischen Ge­sandten am italienischen Hose, Freiherr» v. Bibra, hat der König den Lega­ttonsrath Dr. Rumpler mit der interimistischen Führung der gesandtschaftlichen Geschäfte beauftragt.

Charkow, 4. Octbr. Bei dem hiesigen Militär-Kreisgertcht findet heute Proceßverhandlung gegen 14 Personen statt, welche politischer Verbrechen angeklagt find. Unter den Angeklagten figurirt ein Docent der hiesigen Univer­sität, StaatSrath Sytztanko und dessen Sohn, ein Gymnasiast.

Wien, 4. Octbr., Abends. Meldung derPolit. Corresp." aus Gra- vosa. Admiral Seymour ist heute auf demHelikon" nach Cattaro abgegan­gen, von wo er unverwetlt nach Cetttnje weiterretst, um neuerlich nothwendig gewordene Rücksprache mit dem Fürsten von Montenegro wegen der eventuellen montenegrinischen Action gegen Dulctgno zu pflegen. Sämmtliche Geschwader sind heute nach Tcodo abgesegelt, ausgenommen das italienische und die deutsche CorvetteVictoria", welche morgen dahin abfahren.

Paris, 4. Octbr., Abends. DieAgence Havas" meldet auö Ragusa. Montenegro dringe auf sofortige Unterstützung von Seiten des Geschwaders. Man glaube, Seymour würde Montenegro rathen, Dulcigno sofort anzugrei­fen, indem er seine Unterstützung mit oder ohne Bethülfe der Mächte in Aus­sicht stellen werde.

Genua, 4. October, Abends. Garibaldi ist hier eingetroffen und wurde