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6.6.1880 Zweites Blatt
 
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Anzeige- Mb AmlshKti für bei Kreis Gießen.

I «chulstraß. B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». 2 ?***

SrpedittonSb«re»ttr J 1 v 9 ' 9 Durch dre Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Die Stelle eines FleischbefchauerS in hiesiger Stadt ist zu besetzen.

Geeignete Bewerber wollen sich bis zum 30. dtrseS Monats bei der unterzeichneten Behörde, bei welcher auch daS zur Uebernahme der Stelle Erforderliche zu erfahren ift, melden.

Gießen, den 2. Juni 1880. Großherzogliche Polizetverwaltunz Gießen.

I. V.: K r a e m e r.

Politische Ueberficht.

Die orientalische Nachconserenz in Berlin ist gesichert und Deutschland erläßt, nachdem alle Präliminarien geordnet sind, die Einladungen an die Mächte. Zur Besprechung gelangt indeffen nur die griechische Frage. Ts ist dieS um so bedauerlicher, als der britische Gesandte Göschen in Konstantinopel eine Schlappe erlitten hat. Der Sultan zeigte.sich keines­wegs entgegenkommend, und man vermuthct, daß er an Rußland eine Stütze gefunden hat. Das Cabinet Gladstone wird der türkischen Frechheit gegenüber sich sehr energisch zeigen müssen, wenn es nicht den Rest der Ächtung im Aus­lande verlieren will.

Die Commijfion des preußischen Landtages für die Kirch en Vorlage hat ihre Arbeiten begonnen, indem sie sofort in die Specialvebatte eintrat. Mit 13 gegen 8 Stimmen wurde der erste Artikel abgelehnt! Mehr als das Schicksal der Vorlage interessirt jetzt die Haltung des Vatikans und des Centrums. Man wartet in Rom die Sache ab. Es scheint nach der Ansicht einzelner ultramontaner Politiker und derGermania", als ob die Curie sich ohne irgendwelche Verbindlichkeit ihrerseits das neue Gesetz nach Möglichkeit zu Nutze machen würde, dagegen würden die Vertreter der römischen Hierarchie nach wie vor nicht daran denken, die Gesetze unseres Landes an- zuerkennen.

In Prag haben die czechischen Studenten die Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich in ungezogener Werse benutzt, um gegen das Deutschthum zu demonstrrren. Sie schrien im Saale der Anatomie ihrem Professor, welcher den Kaiser in deutscher Sprache begrüßte, zu, er möge böhmisch reden und brüllten ihre Slavas, ehe er geendet hatte. Ueberhaupt tritt die Sprachen­frage immer mehr in den Vordergrund und es zeigt sich die Gefahr, daß der Culturkampf der Rccen die Ruhe des Staates bedroht. Die Slaven commandiren den Pöbel. In Wien erklärt man den ganzen Streit für eine innere Reichsangrlegenheit, welche das deutsche Reich nichts angehe. Es liegt jedoch auf der Hand, daß wir an einer starken Stellung des Deuischihums in Oesterreich ein sehr bedeutendes politisches Interesse haben, und wenn wir auch zunächst die Deutschen Oesterreichs allein ihre Sache auskämpsen lassen müssen, so dürfte doch sowohl unsere Diplomatie als unser Volk bei wirklichen Vergewaltigungen des deutschen Elements keineswegs gleichgiltig zusehen, wenn auch die Unterstützung zunächst nur eine moralische sein wird.

Der 1. Juni war der Todestag Lulu's; die bonapartistischen Zeitungen erschienen mit Trauerrand und Paul von Cassagnac ladete Alle, welche die Polizei nicht fürchten, zu der feierlichen Tram ran ffe in der Kirche St. Augustin ein. Nicht wie die Communards, welche ihre Todten nur durch Bedrohung der L bendln zu ehren wissen, sondern als ruhige und besonnene Männer wollen die Bonapartisten sich zu einer feierlichen Huldigung versam­meln und der Welt das Schauspiel einer großen und einigen Partei geben, zumal die Einigkeit in jüngster Zeit Schiffbruch gelitten hatte.

Die russische Presse hält die kirchenpolitische Vorlage an den preußischen Landtag für eine Niederlage Bismarck's dem Vatikan gegenüber. Sie knüpft merkwürdige Betrachtungen an die Stellung des deutschen Reichs­kanzlers und an die Vorgänge, welche sich in England vollziehen, um auf die Pforte einen Druck auszuüben. DerGolos" meint, durch die Verminderung des Einflusses Bismarck's den deutschen politischen Körperschaften gegenüber werde auch sein Einfluß auf die österreichische Regierung, das einzige Hinder­niß bei der Regulirung der Verhältnisse auf der Balkanhalbinsel, abgeschwächt. Oesterreich müsse hinfort das Vertrauen auf die Unterstützung Berlins ein­büßen, und dies müsse die Russen mit Hoffnungen auf eine glückliche Lösung der orientalischen Frage, natürlich im russischen Sinne, erfüllen.

Die Erschließung der Bibliothek des Sultaus, welche in der Akademie von Frankreich angeregt wurde, 'st für die Wissenschaft der ganzen Welt hochwichtig. Im Palast des Sultans ruhen die Reliquien der griechischen Literatur als ein todter Schatz. Schon Napoleon I. wollte das Dunkel dieses Cultmschatzes lichten, gelangte aber nur tn den Besitz weniger Manuscripte. Möchten die Regierungen des Abendlandes diesmal glücklicher sein!

Verwischtes.

Berlin, 30. Mai. Falsche Zwanzig.Pfennigstücke befinden sich tn Deutschland seit Jahren im Umlauf, ohne daß eS bisher gelungen ist, den Urhebern Vieser Falschmünzerei auf die Spur zu kommen. Die Verbreitung erstreckt sich offenbar über ganz Deutschland und die Falstficate sind hauptsächlich in Berlin, Frankfurt a. M., Karlsruhe, München tn größeren Partien bei Centralstellen, namentlich auch den Reichsbankfilialen, angehalten worden. Die Verfolgung der einzelnen Stücke wirb dadurch unmöglich gemacht, daß schon der letzte Deraus- gaber seinen Vormann nicht zu nennen vermag, da er bet der Einnahme des Falfificats dieses

ntcht als falsch erkennen konnte, und weil er somit nicht beachtet hat, wo er dasselbe einge­nommen hat. Es steht fest, daß die Verbreitung hauptsächlich auf dem Lande erfolgt, daß Bäcker, Metzger, Krämer aller Art und kleine Manufacturwaarenhändler Diejenigen sind, bet welchen die Stücke einzeln eingehen. Bet Einwechslung größerer Posten von Münzen bet den betr. Zahlstellen werden alsdann die Falstficate entdeckt und auSgeschieden. In polizeilichen Kreisen wird als wahrscheinlich angenommen, daß bet Zahlung größerer Summen, z. B. für Arbeitslohn, bet Bauten, auch Eisenbahnbauten, tn Fabriken rc., bei größeren Vieheinkäufen rc. die Falsificate unter die Leute und tn den Cours gebracht werven. Die falschen Stücke sind nach einer sorgfältigen amtlichen Untersuchung aus Argentan oder Neusilber angeferttgt und mit besonders gravirten Stempeln tn einem gerippten Ringe geprägt, weßhalb auch der Rand wie der an den echten Münzen gerippt ist. Dieselben tragen verschiedene Münzzeichen A., B. unb C., sowie die Jahreszahlen 1874, 1875 und 1876, sie sind kunstgerecht hergestcllt, und ihre An­fertigung kann nur durch Anwendung mehrerer mechanischer Apparate und Maschinen und unter Mitwirkung mehrerer Kräfte geschehen sein. Die Kennzeichen der unechten Stücke sind folgende: 1) Schmutzige, graugelbe Farbe, soweit die Versilberung abgegangen ist; 2) trockener Klang, während die'echten Stücke metallisch resontren; 3) die Perlen an dem Rande stehen weiter von dem Stäbchen (erhöhtem Rande) ab, als bet den echten Stücken; 4) die Ziffer 2 tn 20 ist anders gestaltet, als bei den eckten Stücken, sie hat am Kopfe einen scharfen Einschnitt, während derselbe bei den echten Stücken stumpf ist. Andere Abweichungen, z. B. das Fehlen des KreuzeS auf dem Reichsapfel int linken Fange des kleinen Adlers sind fast nur dem bewaffneten Auge erkennbar. Aus der Vergrtffenheit der jetzt noch vorkommenden falschen Stücke darf wohl darauf geschlossen werden, daß dieselben schon vor längerer Zeit verausgabt worden sind. Es ist indeffen nicht ausgeschloffen, daß noch außerordentlich zahlreiche Falsificate im Cours sind und vorerst im Cours bleiben werden, da die Kennzeichen derselben für den Nichteingeweihten nahezu unbemerkltch sind, ein Anhalten der Falsificate daher in den seltensten Fällen erfolgt.

LarrdwirthschastlicheS.

Wann soll man Heu machen?

Die Wahl des richtigen Zeitpunktes für die Vornahme der Heuernte ist unge­mein wichtig und dabei zunächst zu berücksichtigen, daß die Futtergewächse im All­gemeinen in der ersten Hälfte ihrer Entwickelungszeit, also bevor sie Samen ansetzen, die verhältnitzmäßig größte Menge Nährstoffe enthalten, daß unter den letzteren ein verhältnißmäßig bedeutender Theil an Protemstoffen (eiweißartigen Stoffen, Fleisch­bildnern) sich befindet und daß endlich die Nährstoffe in leicht verdaulicher Form vor­handen sind. Mit der weiter fortschreitenden Entwickelung, d. h. gegen Ende der Blüthe, mit Beginn des Samenansatzes und dem Fortschreiten der Samenbildung und Reife nimmt der Gehalt der Stengel und Blätter (also des Futters) an Nährstoffen, sowie die Verdaulichkeit der letzteren ab, der Gehalt an Holzfaser dagegen zu; die Verdaulichkeit der Holzfaser, welche bei jüngeren Pflanzen ziemlich groß ist, vermindert sich um so mehr, je älter die Pflanzen werden.

Da es nun bei jedem Futter zunächst auf seinen Gehalt an Nährstoffen und auf die Verdaulichkeit der letzteren ankommt, so folgt daraus, daß man die Futter­pflanzen spätestens mit dem Eintritt der Blüthe abernten soll. Zu dieser Zeit haben auch die meisten Futterpflanzen ihre größte Massenentwickelung und die zu solcher Zeit geschnittenen Pflanzen treiben viel rascher und üppiger nach, d. h. der zweite Schnitt gibt viel mehr aus, als wenn man den ersten Schnittüberständig" werden läßt.

Wo man cs nur mit einerlei oder wenigstens gleichzeitig blühenden Futter­pflanzen (z. B. Klee rc.) auf einem Felde zu thun hat, da kann es nicht schwer fein, die Aberntung genau zur Zeit der besten Entwicklung (also in der Blüthe) vorzunehmen, sofern Witterung und Arbeiterverhältnisse rc. es gestatten, wo verschiedenartige Pflanzen vorhanden sind, wie z. B. auf Wiesen rc., von denen die.' einen ftüher, die anderen später blühen, muß der Zeitpunkt gewählt werden, wo die Mehrzahl derselben in der Blüthe steht; dann ist auch der höchste Ertrag in Menge und Güte zu erreichen.

Manche Landwirthe meinen dagegen, man müsse das Gras zeitig (d. h. reif) werden lassen, es gebe dann mehr Wagen voll, auch sei es nothwendig, daß der Gras­samen ausfalle. Daß altes überständiges Futter beim Heumachen nicht sozusammen- sällt" als jüngeres, in seiner üppigsten Entwickelung genommenes, ist richtig, allein da, wie wir schon erwähnt haben, mit dem Veranschreiten der Reife die Güte und Verdaulichkeit abnimmt, so ist es nicht nur fein Gewinn, sondern ein Verlust von Futter, wenn man zu spät mäht. Je älter die Futterpflanzen werden, desto mehr Nährstoffe gehen aus der Pflanze in den Samen (Körner) über und desto ärmer werden die Stengel und Blätter an solchen Stoffen; da man aber nur die letzteren als Heu gewinnt und die Samen meist ausfallen, so ist ein Heu von altem Gras z. B. nichts anders als Grasholzung, und man darf sich, wenn man außerdem die stärkere Verholzung und geringere Verdaulichkeit in Betracht zieht, nicht wundern, von dem Verbrauch desselben keinen besseren Erfolg zu haben, als vom Strohfüttern überhaupt.

Das Ausfallen von Samen ist aber auch für die Erhaltung der Grasnarbe, z. B. der Wiesen gar nicht nothwendig, beim die meisten und wichtigsten Wiesengraser erhalten und vermehren sich auch durch cstockausschläge und jene wenigen, bet welchen dies nicht der Fall ist, blühen so frühzeitig, daß sie schon reife Samen angesetzt haben, wenn die andern erst in voller Blüthe stehen, so daß also der Landwltth auf das Aus­fallen von Samen nicht besonders Rücksicht zu nehmen braucht.

Da außerdem die Entwickelung des Nachwuchses (zweiten Schnitts) der Futter­gewächse fast nur auf Kosten der in den unterirdischen Pflanzentheilen angesammelten Nährstoffvorräthe geschehen kann, deren Menge bis zum Eintritt. der Blüthe am größten ist, und von da an auch zur Ausbildung der Samen dient, also abnimmt, so ist diese Abnahme um so größer, je später die Ernte stattfindet und um so schwächer und lang­samer wird sich daher auch der zweite Schnitt entwickeln. Je früher dagegen die Heu­ernte vorgenommen wird, um so üppiger und reichlicher der zweite Schnitt; wenn daher je (was übrigens nicht immer der Fall ist, da ja altes Gras auch schon auf dem Halme zusammensinkt) etwas weniger Heu geerntet werden sollte, so ist nicht nur dieses