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Selrgraphische Depeschen.
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Gastein, 3. August. Der Kaiser hat zwar heute gebadet, konnte aber wegen Regenwetter weder eine Promenade noch Ausfahrt unternehmen. Alle Bergspitzen stad mit Schnee bedeckt-
Berlin, 3. August. Gegenüber der Mittheilung der Wiener „Reuen freien Presse", daß nicht nur Oesterreich, sondern alle Mächte die Rote an die Pforte in Betreff Montenegros bereits genehmigt hätten und die Hebet- reichung der Rote im Lause der Woche erfolgen werde, kann die „Rordd. Allg- Ztg." bemerken, daß es noch nicht feststehe, ob alle Mächte jene Rote accepttrt hätten und deshalb sich auch jetzt noch nicht absehen laste, wann die Note in Konstantinopel überreicht werden würde. Auch über den von der Neuen freien Preste" urgirten Charakter der Note als eineS Ultimatums laste sich einstweilen noch nichts sagen, da die Fassung, soviel hier bis heute bekannt, noch nicht allgemein angenommen sei.
— Die Straskammer des Landgerichts verhandelte heute in der Anklagesache gegen die Reichstagsabgeordneten Fritzsche und Hastelmann wegen Bannbruchs. Hasteimann war nicht erschienen und wurde deshalb das Verfahren gegen denselben ausgesetzt. Der Staatsanwalt beantragte gemäß dem Socta- ltpengesetze und der in dem Gesetze vom 31. Mai 1880 gegebenen Declaration Freisprechung Fritzsche's. Die Straskammer erkannte entsprechend diesem Anträge.
Loudon, 3. August- Ein gestern Abend 11 Uhr ausgegebenes Bulletin meldet, daß der Zustand Gladstone's im Lause des Tages ruhiger gewesen sei und das Fieber sich nicht verstärkt hnbe. Das allgemeine Befinden des Premiers sei befriedigend-
__ Nach weiteren detaillirten Meldungen der „Times" über die Niederlage des Generals Burrow aus Kandahar vom 2. ds. bestand die Streitmacht Ajub Khaws aus 12,000 Mann und 20 Kanonen. Der Zusammenstoß fand am 27. Juli, Morgens, 50 Meilen jenseits Kandahar, statt. General Burrow wurde nach vierstündigem heißen Kampfe zum Rückzüge nach Kandahar ge- nöthtgt. 20 Ofsiciere, 400 Europäer und 800 Eingeborene wurden gelobtet oder werden vermißt. Der Verlust fand größtentheils auf dem Rückzüge statt. Drei Kanonen wurden auf dem Schlachtfelde im Stiche gelaffcn. — Ans
Bombay meldet die Times»: General Phayre hat den Eingang zum Khojas- paffe stark besetzen lasten, um sich gegen feindliche Angriffe zu schützen.
London, 3. August. Gladstone hatte eine ziemlich gute Nacht. Weder das Fieber hat zugenommen, noch hat sich die Lungen-Affection verschlimmert.
Konstantinopel, 3. August. Die Collcctivnote der Mächte in Be. treff Montenegros wurde Abeddin Pascka beute zugestellt.
Berlin, 3. August. Der heutigen Feier des fünfzigjährigen Bestehens der königlichen Museen wohnten der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Wilhelm, die Minister Hosman , v. Stosch, Friedberg, Bitter und Dr Lucius, sowie gegen 200 Noiabilitäten bei. Auf die Festrede des Generaldirectors Schöne erwiderte der Kronprinz : Mir selbst ist es seit meiner Ber> fung zum Protcctor eine Ehre und Freude gewesen, an der Sorge um die Entwickelung der königlichen Museen unmittelbar An- theil zu haben Ich kann mir daher auch nicht versagen, auch meinerseits den Mannern, mit welchen mich durch eine Reihe von Jahren ein gemeinsames Wirken verbunden, m dieser Stunde zu danken. Wir wissen und haben eben auf's Neue vernommen, wie in den Tagen unseres größten nationalen Unglücks, als Alles zu wanken schien, der Gedanke an die idealen Ziele der Menschen sich schöpferisch stark und lebendig erwies. Dankbar dürfen wir heute genießen, was die grundlegende Arbeit ;ener trüben Zelt geschaffen. Aber wir werden dieses Genusses nur froh, wenn wir auch der Verpflichtung eingedenk sind, die er uns auferlegt. Es gilt heute vielleicht mehr denn je, an unseren idealen Gütern festzuhalten und die Erkenntniß ihres Werthes und ihrer rettenden Macht unserem Volke mehr und mehr zu erschließen. Diese Anstalt soll nichts anderes sein, als eine Sammlung des Schönen aller Zeiten zum Nutzen und Frommen der ganzen Nation. Mein Wünschen und Streben wird ferner alle Zeit darauf gerichtet sein, sie ihren hohen Zielen zuzuführen in dem Sinne und Geiste, dem sie ihre Begründung verdankt. Der Kaiser beauftragte mich, die lebhafte Theilnahme auszudrücken, welche er der heutigen Feier entgegenbringt und zugleich Anerkennung und Dank Allen auszusprechen, welche sich um die Leitung des von seinem in Gott ruhenden Herrn Vater begründeten Instituts verdient gemacht haben. Dieser Dank gebührt der früheren und jetzigen Verwaltung und ihren sämmtlichen Beamten, insonderheit auch den Herren, welche in freier Thätigkeit bereit waren, ihre Kenntniffe und ihr sachverständiges Urtheil dem Interesse der Anstalt dienstbar zu machen; er gebührt endlich nicht minder Allen, welche derselben durch Schenkungen und Zuwendungen, sowie in anderer Weise förderlich gewesen sind.
Konstantinopel, 3. August. Die „Agence Havas" meldet: Die Collecttvnote bezüglich Montenegros gewährt der Türkei eine dreiwöchentliche Frist, die Convention vom 12. April mit Montenegro auszusühren. Im Fille die Türkei die Convention in der bewilligten Fr st nicht ausführe, würde sie aufgefordert werden, sich mit den Mächten behufs Uebergabe Dulctgios an Montenegro zu vereinigen.
London, 3. August. Im Unterhause erklärte Lord Hartington anläßlich einer Anfrage, er glaube nicht, daß der Premier während einer langen Zett an den Sitzungen werde thetlnehmen können. — Gorst antwortend, sagt Hartington, gestern und heute seien keine Nachrichten über die Vorgänge in Kandahar und zwischen Kandahar und der Grenze eingelaufen. Er habe heute ein Privat-Telegramm des Vicekönigs über die Ereignisie in Kabul bis zum 1. August, wenn nicht sogar bis zum 2. August erhalten. Er habe keinen Grund, anzunehmen, daß der Telegraph nach Kabul unterbrochen sei. Dies Telegramm habe keinerlei allarmtrende Neuigkeit enthalten. Sicher dauerten die Unterhandlungen bis 1. August noch fort.
Lokales.
Gießen, 4. August. sSterblichkeit in Gießen.) In Gießen ereigneten sich im Monat Juli im Ganzen 31 Todesfälle. Hiervon kamen 3 auf Kinder im ersten Lebensjahre, 7 auf Kinder, die zwischen dem 2. und 15. Lebensjahre standen und 21 auf erwachsene Personen. Sämm'tlicbe drei Kinder im ersten Lebensjahre erlagen einer durch fehlerhafte Ernährung hcr- voraerufenen Abzehrung. Von den Kindern zwischen dem 2. btS 15. Jahre starb je ems an Masern, Dtphtheritis, Darmcatarrh, Tuberculose des Bauchfells, Lungenschwindsucht, organischer Herzkrankheit, Krämpfen. 93et den 21 verstorbenen Erwachsenen war Todesurjache Lungenschwindsucht 5mal, Krebs und organische Herzleiden je 3mal, Knochenfraß 2mal, Schiagfiuß, Gehirnerweichung, Bronch'.enentzünvung, Lungenempbyiem, Unterleibstyphus, acuter Gelenkrheumatismus, Altersschwäche je einmal. Bet einem Verstorbenen konnte eine bestimmte Todesursache nickt angegeben werden. v .
Bei einem Vergleich mit den gleichnamigen Monaten früherer Jahre sinden wtr, daß tm Juli 1878 auch 31 Perjoncn in hiesiger Stavt starben, unter denen sich 11 Kinder tm ersten Lebensjahre und 6 ältere befanden Im Juli 1879 ereigneten sich nur 2j Todesfälle, wovon 4 bei Kindern im ersten und 5 bei Kindern im 2. bis 15. Lebensjahre. G.
Giepert, 4. August. Unsere Leser fanden im gestrigen Blatte eine Kundmachung „sämmtlicher Bäcker", wonach für die Folge das seit altem Herkommen bestehende Brodgewicht von 4 Pfund = 2 Kilo tn 1 Kilo 900 Gramm umgewandelt ist. Daß damit der Polizeibehörde, welche die Pflicht hat, das Publikum vor Uebervortheilung zu jchützrn, ein Schnippchen geschlagen werden soll, brauchen wir nicht weiter auszuführen. Die Antwort sinden wtr denn auch heute schon in einer Bekanntmachung der Polizeiverwaltung (s. d.). 2Bu unfeteiOcitS glauben, daß die Herren Bäcker mit threr Bekanntmachung einen Bock geschossen haben. Wenn dieselben 2 Kilo Brod vollwichtig nicht für 62 oder 56 geben können, Dann ist doch nichts einfacher und folgerichtiger, daß sie ihren Preis erhöhen und das Gewicht belasten. (Sehen wir z Ä. in dieser Beziehung den Modus in Frankreich: dort versteht es sich am Rande, das man Brod nach dem Gewicht kauft; fehlt an einem Leibe ein bestimmtes Quantum, dann wird solches einfach von einem anderen Leibe zugelegt.) Zu was sollen Die von unseren Bäckern beliebten Relationen führen? Das Publikum hat sem gutes Recht, daß es für sein Geld gute und vollwichtige Waare bekommt und es hat ferner das Recht, daß die Behörde es hierin schützt Im Uedrigcn wollen wtr einfach die Folgen abwartcn, welche das Vorgehen der Backer nach sich ziehen werden. Wir glauben versichern zu dürfen, daß sie sich gründlich verrechnet haben, und können dem Publikum die beruhigende Mittheilung machen, daß seine Sache voll und ganz vertreten wird.
— Ein hoher Korb voll unreifer Birnen wurde heute Morgen auf Dem Markte mit Beschlag belegt und der Verkäufer zur Anzeige gebracht.
— Gestern Abend wurde dahier ein Arbeiter verhaftet, welcher einem anderen das Porte» monnaie aus der Rocktasche gestohlen hatte.
— Gestern Abend fand in einer hiesigen Bierwirthschaft eine kleine Keilerei statt. Die Ursache des Streites soll ein Mädchen gewesen sein.
Vermischtes.
Mainz, 31. Juli. In einer Stadt am linken Rhetnufer kam folgender in seiner Art einzig dastehender Fall vor: Ein Herr trat in ein Cafö und trank Bier. Beim Zahlen der Zeche begann er mit dem Kellner folgendes Gespräch: Herr: „Sie scheinen sich sehr gut hier zu stehen ; wie viel betragen denn ihre Nebeneinnahmen? Gewiß monatlich an 30 Mark. Kellner: „Das wäre schön, wenn es nicht mehr betrüge; ich kann ganz gut 100 annehmen.
So," sagte der Herr, „das ist ja recht gut und schön!" und empfahl sich. Der Kellner erhielt bald darauf einen Steuerzettel, der enorm hoch gegriffen war. Er ging deßhalb zu dem Steuer Commissarius und reclamirte gegen die Steuerhöhe. Aber welche Ueberraschung wurde itzm hier zu THcil? Der Herr Steuer Commiffar war genau derselbe Herr, der kurz vorher mit dem Kellner die vorbemerkte Unterhaltung pflog! „Es bleibt bet dem Ansatz," sagte der Herr Commistar. — Kommentar tst nicht nöthig. (M. A.)
Groß-Umstadt, 30. Juli. Vor einigen Tagen mußte ein Einwohner von Wembach zu seinem Nachtheile erfahren, was es beißt, Quacksalber statt Aerzte zu Nathe zu ziehen. Der Mann hatte nämlich eine'kranke Kuh, die er einem gewisten Empirtker tn Behandlung gav. Der viehvcrständiqe Heilkünstler rieb Die Kuh mit Quecksilber.albe derart ein, daß derselben sterbensweb wurde und nachdem das Mittel allzu probat selbst von Herrn Eisenbart erachtet wurde, sah man sich in der Lage, einen Thierarzt zu-cholen, jedoch zu spät das Thier mußte getödtet werden. - Unterdessen erkrankten aber auch die anderen Thtere und der Schrecken des
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Sonnenbu Hochzeit. 8m nachf sich» Seminar zun Lchwefier der Brav •er attabe zur Hand Schwägerin, währen <r tobt zu Boden, schmerzen klagte. Dame das Leden z «tat große Quantil durch Unoorsichtigk Bnnerkenbwerth ii tn feiner Wohnung aufzvfinden ist.
Verkehr in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, wo di». Postkarten erst seit 6 Jahren ewgesührt sind. Im vergangenen Jahre hat ^ Postkarten- : verbrauch daselbst über 246 Will. Stück betragen und für das Emtsjah. 1880/81 berechnet die amerikanische Postverwaltung den Bedarfiauf mehr als 300 Mill. Stück. Den Jahresverbrauch in allen Ländern des Weltpostvereins kann man, bet mäßiger Schätzung, auf mehr als 700 Mill. Postkarten an-
Ostsee schreibt man unterm 28. Juli: Ueb-r die Flotten- tnspection durch den Kronprinzen meldet ein vom Leuchtthurm zu Arkona ein- aetroffenes Telegramm, daß Sr. Majestät Rad - Dampsyacht ^>ohen,ollern heute Vormittag gegen 8 Uhr 30 Mm. in Sicht des Katsnlrchen Panz-rge- schwaders, welches in der Höhe von Stubbenkammer unter Dampf lag , kam- Als die kronprtnzliche gelbe L-tandart- auf der „Hohenzollern deutlich z erkennen war, gab das Admiralsschiff Panzerfregatte „Friedrich Karl das Paradesignal, und im selben Augenblick enterten die Matrosen n die Raen, während die S-esoldatcn mit ihren Spt-lleuten unterm Gewehr aus dem Ach er- theil ihrer Schiffe antraten, und sich auf allen Masten die Festflaggcn entfa- teten. Punkt 9 Uhr begann das Admiralsschiff mit dem Feuern des Saluts, in welches die Panzerschiff- „Preußen", „Sachsen" und „Friedrich der Große beim »wetten Schuß einfielen. Die Matrosen tn den Raen ließen ihr drei- maltaes Lurrab ertönen, die Scesoldaten präsenttrten das Gewehr, die Tam- bours schlugen den Präsenttrmarsch an und die Matrosen Capelle mtontrte die Nationalhymne. Langsam umfuhr die „Hohenzollern , auf deren Commando- brücke man deutlich den Kronprinzen tn großer Generalsuntform, Prinz Wil- Helm Admiral v. Stosch und den Schtfftcommandanten, Corvetten-Capltän n sj?nßii die übrigen Ofsiciere auf dem Pavillon erkannte, das scheinbar vor Anker liegende Geschwader. Sämmtliche Osficiere der Panzerschiffe salutir.en den Kronprinzen militärisch durch Anlegen der rechten Hand an den Dreimaster- Nach der Umfahrt wurden einige der schlanken weißen Boote der „Hoycn- »ollnn" in die See gelösten, vom Kronprinzen, Prinzen Wilhelm, Admiral v. Stosch und dem Gefolge bestiegen; einige kräftige Ruderschläge von den wetterharten Seeleuten der „Hohenzollern" brachten die hohen Herrschaften an das Fallreep des Flaggschiffs „Friedrich Karl." Aus der Hohenzollern senkte sich, auf dem „Friedrich Karl" entfaltete sich tn diesem Augenblicke dt- kronprtnzliche Standarte unter den Klängen des Präsentirmarschis. Jnzwrscyen hatte sich die Luft geklärt, der die ganz« Nacht gefallene Regen hörte auf und die Sonne brach allmälig durch. Langsam setzte sich dar Geschwader norb< wärts in Bewegung, passirte gegen 10 Uhr unsern Leuchtthurm, und gleich darauf erdröhnte auf ein Flaggensignal vom Flaggschiff ein Allarmschuß vom Panzerschiff „Preußen", worauf fast im selben Moment auf allen Schiff-n das Signal „Klar zum Gefecht" mit Trommeln, Hörnern, Seemanns- vfeisen u. s. w- gegeben wurde. Nun begannen auf allen Panzerschiffen die Mannöver, und in schneller Fahrt dampfte das Geschwader tn der Richtung nach der Insel Fehmarn ab.
Arankreich.
Paris, 2. August. Die französischen Osficiere, welche den großen Manövern in Deutschland beiwohnen sollen, sind: Brigade-General Fay; Kavallerie-Oberstlieutenant Ränault Moliöre; Artillerie - Hauptmann d Astier de la Niger,-; Jnsanterie-Lieutenant Allmayer; Oberstlieutenant de S-smat- sonS, erster Mtlitär-Attachä tn Berlin; der Jnfant-rle-Oberst Sorellt de Serrcs, »weiter Milttär-Attachö in Berlin ; Lieutenant Schmitz vom 19. Jager-Bataillon, Ordonnanz-Osficter des Generals Schmitz (derselbe ist der Sohn des Generals Schmitz, welcher während der Belagerung von Parts Chef des Generalstabs des Generals Trochu war).
Ztußkand.
Petersburg, 1. August. Aus dem Innern «erden große Feuersbrünste gemeldet; so brennt gegenwärtig die Stadt Rjäsan zum dritten Male in einem Monat, dreißig Häuser stehen noch tn Flammen. Verschiedene Dörfer find ganz niedergebrannt; tn Brest-Lttowsk zerstörte das Feuer 105 Häuser, zwei davon waren aus Stein.


