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Gießen , 3. Juli. Der Gießener Zweigverein der Gustav-Adolf-Stiftung feierte sein diesmaliges Jahresfest nm 20. Juni in Watzenborn. Der Gottesdienst fand im Freien auf dem Kirchhof statt. Von dem unter einer Linde aufgestellten Katheder herab hielt Herr Pfarrer Dr. Naumann die Festpredigt, während die sehr zahlreiche Zuhörerschaft in weiten Kreisen umher saß oder stand. Der Gesangverein des Ortes bethelligte sich an der Feier durch den Vortrag einiger Lieder. Aus dem Rechenschaftsbericht, den der Schriftführer des Vereins erstattete, theilen wir einige mterestante Daten mit. Der Gießener Zweigverein hat im letzten Jahr eine Einnahme von 139/ H gehabt. Zu dieser Summe steuerten: Gießen 466 <X 10 Mendorf a. d. Lahn 8 JL
50 H, Allendorf a. d. Lumda 25 «X, Alten-Buseck 22 -X 15 SAofye 3 J450^, Beuern
9 «X 28 Großen-Linden 17 JL, Klein-Linden 9 <X, Großen-Buseck 27 <X, Oppenrod 10 «X, Hausen 6 <X 86 4, Heuchelheim 21 <X 14 Aus der Plärret Kirchberg: Daubringen 7 <X 31^, Mainzlar 5^ 40^, Ruttershausen mttKirchberg 5 X 50 Staufenberg 7 «x 15 Lollar 32 <X 35 Lang Gons 2o^X 71 -A, Lechgestern 3 JL, Rödgen 15 <X, Annerod 13 JL 70 Steinbach 40 <X, Albach 6 30_^,
Trais a. d. Lumda 27 «X, Watzenborn mit Steinberg 7 <X, Wteseck 16 <X 5^. Der Frauenverein zu Gießen 560 <X 65 H Während die Landgemeinden eine Mehrem- nahme von 59 «X 87 aufzuweisen haben, hat Gicßen eine Mindereinnahme von 105 «X 79 4 im Vergleich mit den Einnahmen des Vorjahrs. An diesem Ausfall in den Einnahmen partieipirt der Ortsverein zu Gießen mit 44 JL 10 der Frauen- verein mit 61 X 69 H. Die Verringerung der Beiträge tn Gießen kommt jedenfalls daher, daß im vergangenen Winter die Privatwohlthätigkeit ungnvohnl'.ch stark m Anspruch genommen wurde. Wir erinnern namentlich an die Sammlungen sur die Volksküche, für die Herberge zur Heimath und für die am Rückfallfieber Erkrankten. Die aesammte Einnahme des Zweigvereins betrug 45 <X 92 weniger als im Vorjahr. Der Hauptverein für das Großherzogthum Hessen nahm tm letzten Rechnungsjahr ein: 24262 <X 86 d. i. 1574 JL 30 $ mehr als im Jahre zuvor. Starkenburg zwar hat 62 «X 52 weniger geliefert, Oberhessen dagegen 567 49 mehr
und Rheinhessen, dessen Beiträge in den letzten Jahren infolge der fretprotestanttschen Bewegung sehr zurückgegangen waren, 1069 <X 89 $ mehr. Der deutsche Gesammt- vcrein der Gustav-Adols-Stiftung hat im letzten Rechnungsjahr 653212- JL eingenommen. Er konnte in diesem Jahr 1046 Gemeinden unterstützen. Acht Gemeinden bedürfen einer Unterstützung nicht mehr, die übrigen 1038 haben die Hilfe des Vereins auch fernerhin noch nöthig, zu ihnen sind 32 neu hinzugekommen. Der Verein hat seit seinem Bestehen 14,839,213 «X gesammelt und versandt, er hat 2731 protestantische Gemeinden unterstützt, 1090 Kirchen und Bethäuser, 655 Schulhäuser, 367 Pfarrhäuser erbaut, 690 Kirchen mit Orgeln, Tauf- und Abendmahlgefäßen u. dgl. m ausgestattet. Die am Schluffe des Gottesdienstes in Watzenborn erhobene Collecte betrug 40 <X 35 Nach dem Beschlüsse des Kirchenvorstandes zu Watzenborn wurde diese Summe der evangelischen Gemeinde Herbstein zugewiesen. Der Haupt-Verein für das Großherzogthum Hessen feiert fein Jahresfest zu Sauerfchwabenhenn w Rheinhessen. Auf dieser Versammlung wird der Zweigverein Gießen durch Herrn Dekan Strack vertreten sein. Die diesjährige Hauptversammlung des deutschen Gesammtverems soll in Bremen stattfinden.
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Ansichten di- richtige ist und müssen daher weitere und verläßlichere Nachrichten 06WarUebereinftimmenb gut und deßhaib wohl auch entschieden günstiger, als aus Rußland lauten bis jetzt die Berichte aus Ungarn, dem dritten sur Deutschland m Betracht kommenden Produktionsgebiete. Wir sind zwar durch dte Erfahrungen der letzten 10 Jahre gegen ungarische Berichte sehr mißtrauisch geworden und haben das ^abr 1879 noch im frischen Gedächtniß; im Interesse der deutschen Gläubiger Ungarns wollen wir uns übrigens den Wünschen und Hoffnungen der Herren Magyaren gerne onfcfcliejDrL ^un nichtigsten Confumtionsländer betrifft, so sind in England die Aussichten bis jetzt befriedigend, so daß, wenn nicht bis zur Ernte noch ganz außerordentliche Elementar-Ereignisse eintreten, England in diesem um
ein Drittel, vielleicht um die Hälfte geringeren Bedarf von Hemden PErdfrüchten zu decken haben wird, als im verflossenen Jahre. — Auch in Frankreich sind die Aussichten auf die Ernte anhaltend günstig und man glaubt auf ein gutes Mittelzahr rechnen zu dürfen, in welchem Falle Frankreich keiner, oder doch nur verhaltnißmasug unbedeutender fremder Zufuhren bedürfen würde. Weniger erfreulich lauten die Berichte aus Deutschland. Im Norden hat der Roggen im Allgemeinen nicht gut überwintert und tn vielen Gegenden durch ungünstige Witterung im Frühjahr noch Roth gelitten. Die fruchtbare Witterung der letzten 14 Tage scheint zwar manchen Schaden wieder gut gemacht zu haben, aber im großen Ganzen wird man doch nur auf eme Grnteünter ,,Mittel rechnen dürfen. Weit besser sind dagegen die Aussichten nn Süden Deutschlands, Das ganze obere Rheinthal von Basel bis Bingen, also der größte Thell von El,aß und Baden, ferner die Vorder-Pfalz und Rheinhessen, laßt kaum zu wünschen übrig. Ebenso lauten die Berichte aus Württemberg und Baiern im Allgemeinen sehr günstig und namentlich in Ober-Schwaben, in Ober- und Nleder-Baiern berechtigen Welzen Spelz und Gerste zu den besten Hoffnungen. Weniger gut sind dte Nachrichten aus Franken und je weiter nördlich man kommt, desto mehr hort man klagen, so daß nur das eigentliche Südwest-Deutschland, insoweit hierüber heute schon em Urtheil möglich ist, sich einer guten oder mittelguten Ernte zu erfreuen haben mürbe mahrenb im Norden wohl keine Mißernte, aber immerhin em wesentlicher Ausfall zu be- fürchten ist.
Gießen, 3. Juli. Ueber das am verflossenen Sonntag abgehaltene Kirchengesangfefl des evangetiichen Kirchengesangvereins für Hessen war uns ein oeiailirter Bericht in Aussicht gestellt worben Da derselbe jedoch wider Erwarten ausgebltcben ist, erlauben wir uns unseren Lesern eine Correspondenz der „Fr anks. Z ei tun g", weiche wohl als unbefangen gelten darf, zu reproduciren. Sie berichtet: „Friedberg, 27. Juni. Heute fand in der festlich geschmückten hiesigen Stadtkirche das zweite Ktrchengesangfest für Hessen statt, bei welchem die Vereine von Arheilgen, Bessungen, Darmstadt, Frankfurt, Friedberg, Gießen, Pfungstadt, Zwingenberg und der Seminaristenchor zu Friedberg (Die insgesammt einen Chor von über 400 vorzüglich geschulten Stimmen repräsentrrten) mitwirkten. Unsere alte Reichsstadt hatte zu Ehren der aus allen Theilen des Großherzogthums zahlreich erschienenen Gaste ihr festliches Gewand angelegt und zeigte namentlich einen reichen Flaggenschmuck. Das Concert begann Nachmittags Vz4 Uhr, doch waren schon lange vorher die fast weiten Raume unserer Stadtkirche (in Parenthese bemerkt, einer wahren Perle der Gothik) von einem nach vielen Hunderten zahlenden Auditorium besetzt. Auch der Großherzog, die Frau Prinzessin Karl, der Erbgroßherzog, sowie die Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen beehrten das Fest, um dessen Zustandekommen sich namentlich der Geh. Staatsrath Hallwachs von Darmstadt verdient gemacht hat, mit ihrer Gegenwart. Was die Ausführung selbst anbelangt, so darf dieselbe als eine geradezu mustergiltige bezeichnet werden. Wahrhaft imposant waren die Gcsammtchöre. Was die Specialchöre betrifft, so leistete jeder Verein in seiner Art Ausgezeichnetes, doch dürften die Vorträge des Frankfurter Vereins (Sacris solemniis von Clauvio CascioUm und ein Choral von Joh. Mich. Bach), sowie diejenigen der Vereine von Darmstadt, Bcssungen, Pfungstadt, Gießen und des Semmaristen- chors besonders anerkennend hervorzuheben sein. Das in allen seinen Theilen überaus gelungene Fest hat den Zweck des Vereins, nämlich durch die Pflege des kirchlichen Chorgesanges den evangelischen Gemcindegesang zu heben, sicher außerordentlich gefördert." — Ferner berichtet die „Darmst. Ztg." über den 2. Thell des Festes. „Der Festfeier in der Kirche folgte ein einfaches Mittagsmahl im „Hotel Trapp", bei welchem Herr Geheimerath Hallwachs auf Seine König!. Hoheit den Großherzog den ersten Toast ausbrachie, als den hohen Protektor der verbündeten Vereine, die in dem obersten vischose der evangelischen Landeskirche mit gerechtem Stolze ihren Schutz- und Schirmherrn erblicken dürften, und ihm mit ihrem wärmsten Danke zu huldigen, zumal am heutigen Tage, sich vor allem Anderen dringend verpflichtet fühlten. Der Toast fand die begeisterte Zustimmung der zahlreichen Versammlung, und trat es hier, wie bei dem ganzen Verlauf des schönen Festes lebhaft zu Tage, daß alle Theilnehmer an demselben durch die von dem Grobherzoglichen Hause der Kirchengejangveretnssache mit dem Besuche deS Festes bewiesenen Sympathien in eine dankerfüllte, gehobene Stimmung versetzt waren. GS folgten nunmehr die weiteren Toaste von Herrn Professor Dr. Köhler auf Se. Majestät dm Deutschen Kaiser, Herrn Bürgermeister Scriba auf die evangelischen Klrchengesangvereine, Herrn Pfarrer v. Seydewitz auf den Vorstand des hessischen Landesvereins, Herrn Mitprediger Keil auf Die Stadt Friedberg und das Festcomite, Herrn Pfarrer Bauer auf den Frankfurter Verein, H-rni Pfarrer Schlosser (Gießen) auf die Herren Dr. Schwabe und Thurn, als die geistigen Mitbegründer der Kirchengesangvereine, sowie weiter auf Herrn Gymnasiallehrer Dr. Bender, den bewährten Dirigenten des Gesammtvereins, Herrn Geheimerath Hallwachs auf die verbündeten Landesvereine von Baden und Württemberg u. a. m. DaS ganze Fest war bis zu seinem Schlüsse von der wärmsten Stimmung getragen, und nur zu frühe kam die Zeit heran, tn welcher Die Theilnehmer an demselben die Rückreise antreten mußten. Wir zweifeln nichc daran, daß das zweite Kirchengesangvereinsfest tn Friedberg für die Vereinssache von segensreichstem Einfluß sein wird. Der Verein hat gestern fein Banner weithin leuchtend in dem Herzen der Provinz Oeberheffen, am Sitze unseres Prediger- und Lehrerseminars aufgepflanzl. Er darf gewiß sein, daß diesem Banner die begeisterte Nachfolge aus den evangelischen Gemeinden dieser tn der Förderung kirchlicher Interessen und Bestrebungen niemals zurückbleibenden Provinz nicht fehlen wird!
Vermischtes.
Mainz, 29. Juni. In Sachen der Erbauung unserer festen Rheinbrücke sind wir bereits um einen Schritt näher gekommen, indem Die Untersuchungen Des Rheinbodens mittelst der Bohrmaschine in der ganzen Breite Des Stromes nunmehr vollendet sind, so daß nur noch die Untersuchungen Des Bodens für die beiden Landpfetler auf dem dies: und jenseitigen Ufer übrig blieben, doch sollen auch diese Vorarbeiten noch im Laufe dieser Woche begonnen und alsbald zu Ende geführt werden. Das Resultat der Untersuchungen des Rhetnbettes war ein überaus günstiges, nachdem die Bohrmaschine eine über 2 Meter dicke Ktesschtchte durchdrungen hatte, stieß dieselbe auf harten, festen Lettboden, ohne auch nur, trotz der tiefgehendsten Bohr- versuche, eine andere Erdart anzutreffen. — Die vielbesprochene Fibula ist nunmehr im städtischen Museum (römisch germanische Abthetlung) ausgestellt und bildet selbstverständlich einen mächtigen Anziehungspunkt.
Gotha, 20. Juni Vorgestern Nachmittag fand auf Friedhof V die 25. Leichenverbrennung statt. Der Betreffende war der seither in Dresden wohnhafte unverheirathete Oberst a. D. Herr Günther. Die Verbrennung nahm wie gewöhnlich circa 2y4 Stunden tn Anspruch und erforderte gegen 50 Centner Braunkohlen. Herr Günther ist der dritte Dresdener, welcher sich hier hat verbrennen lasten. Der nächste Verbrennungscandidat ist der Gärtner Herr Kniesel von hier.
Kaiserslautern, 26. Juni. Der Dachdecker P. von hier wettete um 10 Liter Bier, daß er cs fertig bringe, einer Ratte den Kopf abzubeißen. Die Wette wurde etngegangen, ewc große Ratte herbeiqeschafft und P. biß der Ratte wirklich mit einem Ruck Den Kopf ab. Eine weitere offerirte Wette, die Ratte juberettet zu genießen, wurde nicht angenommen, da man die Ueberzeugung gewonnen, Daß P. auch das letztere ausgeführt haben würde.
Nastätten, 27. Juni. Um die Zahl der oft kornischen Adressen um eine zu vermehren, wird folgendes bei hiesiger Post eingegangencs Curiosum mitgttheilt: „An W Y, Rechtsanwalt für ein Schwein sammt Zinsen und Kosten in Wiesbaden."
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