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Str. ISS. Zweites Blatt. Sonntag den 4. Zull 1880.
Kleßener Änzeiger
Aillkige- ulld AmtsbM für ita Kreis Gießen.
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| vchulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Msntag».
Prei- viertttjährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Theis.
B e k a n n l m a ch u n g.
Betreffend: Den Remonte-Ankarrf pro 1880. * Berlin, den 1. März 1880.
Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei, und ausnahmsweise vier Jahren find im Bereiche des Großherzogthums Heffen für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden, und zwar:
den 16. Juli in Alsfeld,
„ 21. „ „ Nidda,
„ 22. „ „ Nieder-Wöllstadt,
„ 23. „ „ Groß-Bieberau,
, 24. „ , Bickenbach,
„ 26. w „ Groß-Gerau,
» 27. „ „ Goddelau,
„ 28. „ „ GernSheim.
Die von der Remonte-Ankaufs-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.
Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, auch sind Krippensetzer vom Ankauf ausgeschloffen.
Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiße und eine Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit 2 mindestens zwei Meter langen starken hänfenen Stricken ohne besondere Vergütung mltzugeben.
Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststellen zu können, ist es erwünscht, daß die Deckscheine möglichst mttgebracht werden.
Kriegs-Ministerium.
Abtheilung für das Remonte-Wesen.
von Rauch. von Uslar.
• Politische Uebersicht.
Fürst Bismarck ist nach Friedrichsruhe ubgereist und hat sein Leiborgan, die „Nordd. Allg. Ztg." ermächtigt, mttzuthetlen, daß er sich daselbst aller nicht dringlichen Dwnpgeschäste enthalten und alle Privatgejuche unbeantwortet laffen werde. Jedermann gönnt dem Kanzler nach anstrengender Thätig- keit und bet seinem leider schwankenden Gesundheitszustände die Erholung und Ruhe, und wenn die Preffe bei seiner Abreise noch ein Gesuch an ihn richtet, so enthält es den Wunsch, der Kanzler möge die Gesuche der Lektoren und Staatsanwälte um Ausfüllung der autographirten Strafanträge gleichfalls als Prtvatgesuche betrachten und unbca. twortet laffen.
Die verstümmelte Kirchenvorlage dürfte am Sonnabend in den Hafen der Ruhe einlaufen. Die Commission des Herrenhauses beschloß, dem Plenum die unveränderte Annahme des Gesetzes, wie es aus den Beratungen des Abgeordnetenhauses hervorgegangen ist, zu empfehlen. Obwohl mißgestimmt über den Torso wird das StaatSmintstertum dem Könige die Sanctio- nirung des Gesetzes empfehlen. Ob die Hoffnung der leitenden Kreise, der Papst werde nun schleunigst die Verhandlungen zur Herstellung eines modus vivendi wieder aufnehmen, begründet ist, steht freilich dahin. Die Freude des Centrums, daß die Anzeigepflicht im Gesetz nicht ausgesprochen ist, ist wesentlich durch private Aeußerungen des Cultusministers v. Putlkamer ge- trübt, wonach von den discretionäreu Besugntffen nicht eher Gebrauch gemacht werden wird, als bis die Curie die Anzeige zugestanden. Dem Vernehmen nach soll an Stelle des § 1 im Herbst ein besonder» s Gesetz eingebracht werden, welches die Seelsorge regelt, während der bedeutsame § 4 vorläufig sanft ruhen soll.
Nachdem die Helden der „Germania" das Möglichste in dem Landtage auf der Tribüne geleistet, um in dem katholischen Volke — denn für dieses werden die Reden gehalten — Haß wegen der angeblich entsetzlichen Leiden und Noth der Kirche zu erregen, ruft das ehrenwerthe Blatt die Hülfe der Regierung gegen die „Voff. Ztg." und „Magd. Ztg." an, weil diese die verlogenen Anklagen der ultramontanen Hetzer mit baarer Münze zurückgeben.
Die wohlgemeinten Rathschläge in Sachen der Prügelstrafe, welche die „Nordd. Allg. Ztg." seit längerer Zett mit größter Unverdroffenheit erthetlt, find doch nicht ganz auf sterilen Boden gefallen. Das Württemberg gische Echulminiperium hat in gerechter Erkenntnlß und Beherzigung einstweilen dem „Backel" und dem „Hosenspannet" für die Kleinen in der Schule wieder zum Rechte verholfen, damit, wenn die Prügelstrafe für die Großen wieder eingeführt wird, den betr. Körpertheilen die Fricttonen nicht zu schmerzhaft erscheinen. Was werden englische und nordamertkantsche Eltern wohl zu diesem Ausfluffe unseres humanen Zeitalters, diesem umgekehrten Fort- schritte sagen?
Eine wahre Fluth telegraphischer Depeschen aus Frankreich meldet Details über die Schließung der Jesutten-Klöster. Nirgends ist es zu Ruhestörungen bemerkenswerther Art gekommen. Die versammelten Volks- maffen spalteten sich in zwei Lager, welche je die Jesuitenpatres und die Republik hoch leben ließen. Die „ehrwürdigen Väter" sind überall nur der Gewalt gewichen, und an einzelnen Orten mußten die Klosterpforten und die Zellenthüren vom Schloffer geöffnet oder g<sprengt werden. Die meisten Jesuiten gehen in's Ausland und die Republikaner wünschen ihnen „glückliche Reise", während die Klerikalen, Royalisten und Bonapartisten „auf Wiedersehen" riefen.
In Berlin erwartet man am Donnerstag den Schluß der Bot- schafter-Eonferenz. Sadulah-Bey soll lakonisch nach Konstantinopel
telegraphirt haben: „Alles ist verloren!" Die Erklärungen der Cabinete sind telegraphisch eiugetroffen und wird die Unterzeichnung der identischen Noten sofort erfolgen. Die Note giebt in der Einleitung einen kurzen historischen Rückblick und erklärt dann, daß die bisher nicht erzielte Verständigung erreicht worden sei, worauf sie ziemlich energisch die vollständige Einstimmigkeit der sechs Großmächte heroorhebt und unter Hinweis auf eine Specialkarte, in welche die neue Grenzlinie etngezeichnet ist, die schleunige Regulirung derselben zur Annahme und Ausführung empfiehlt. Tie Noten gehen gleichzeitig nach Athen und Konstantinopel ab.
Belgien und der Vatikan haben ihre diplomatischen Beziehungen völlig gelöst. Die Regierung bleibt fest, und die Katholiken trösten sich damit, daß die Regierung bald einsehen möge, daß sie einer päpstlichen Nuntiatur be- dürfe. — In Brüffel sind Schaaren französischer Mönche eingetroffen, welche sich nach England und Amerika begeben.
Der heilige Vater hat seine liebe Noth mit den Bischöfen in Belgien. Nicht genug, daß der Bischof von Tournay Dumont sich nicht mehr den Mund schließen läßt und das unheilige Spiel entlarvt, welches Seine Heiligkeit mit dem belgischen Ministerium getrieben hat und noch treiben möchte; es kommen nun auch die klerikalen Blätter, die Sprachrohre der Bischöfe, und drohen, der Episcopat weise demnächst durch Veröffentlichung von Schriftstücken sein Einvernehmen mit dem Papste nach. Die Abberufung des belgischen Gesandten tu Rom ist Thatsache, der Nuntius in Brüffel ist durch diplomatisches Unwohlsein an der Abreise vorläufig verhindert.
Im englischen Parlament spitzt sich die Eidesaffäre Bradlaugh dadurch zu einer Cabiuetssrage zu, daß Northcote zu dem Anträge Gladstone's ein ablehnendes Amendement etngebracht hat. Unterliegt die Regierung, was nach den zahlreichen Niederlagen Gladstone's nicht unmöglich ist, so sind ihre Tage gezählt.
Von den üblichen Sommerreisen gekrönter Häupter erfährt man bisher nur wenige. Fürst Milan von Serbien ist in Wien etngetroffen, aber sehr kühl empfangen worden. In Ram erwartet man den Besuch des Königs und der Königin von Portugal.
Ernte-Aussichten.
Der „Fr. Ztg." geht folgender Artikel über die Aussichten der diesjährigen
^Nachdem die Getreidebörse in New-^)ork sich fast neun Monate lang von einer mächtigen Clique verwegener Spieler in einer in den Annalen des Handels fast unerhörten Weise hatte terrorisiren lassen, tft endlich im Lause dieses Banats m Folg des günstigen Standes aller Halmfrüchte der langst erwartete Umsprung un^tteten, melcker glücklicherweise sich ohne den befürchteten Krach vollzog, aber doch den ehren werden °(5peculonten die wohlverdienten Verluste nicht ftienfte. — Seitdem hat die amerikanische Ausfuhr von Weizen wieder sehr bedeutende Dimensionen angenommen, gTb aft feit eininen £ aße n"bie © d) i ff f a fyr t die ihr gestellte Aufgabe kaum mehr zu be- mältiaen vermaa Die Preise für prompte Winterweizen sind bereits auf 124 Cents »fr Ä«BanBen b tt°tz d-S saft unersättlichen B-dar -s °°n England und der täalick tetofnben «adtfrnae des europäischen Continen,ü wird W,nt-rwe,z-n, im
Äfür IW&n« und siir spätere Termine noch billiger offernt.
Diese rückaänaiae Bewegung der Preise beweist zur Genüge, daß man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auf eme gute Ernte reAiel, ums auch durch bie neuesten Berichte namentlid) aus den westlid)en StaaMi, bestätigt wird. Da- die neuesien ^eriw^, > Crnte-Aussichten in Rußland noch sehr wider-
S^en sinb die Nachr^t . . schildern den Stand der Wintersaaten infolge ans
ÄnbJt sowohl in Südrußland als im größten Theile des so wichtigen nahem trostlos während Berichte in mehr oder weniger offictellen Mättmi " das G-g-nthcil behaupt-» und bie Aussichten sehr befriedigend finden. Wir sind bricht in der Lage/ ,u entscheiden, welche von den beiden entgegengesetzten


