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177. Erstes Blatr.
Sonntag den 1. August
1880
Anzeige- M Amtsblatt sm den Kreis Gieße».
AedaetionSbureau r «r-editionSbureau r
Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn, Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P^
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missariats Gießen bestellt worden.
Wir ersuchen Sie um ortsübliche Bekanntmachung. Gießen, am 31. Juli 1880.
Großh. Steuer» Commifsariat Gießen.
Süffert.
Das Blutbad in Kandahar.
Eine unerwartete Schreckensbotschaft Ift aus Indien in London cingetroffcn : Die Streitmacht des Generals Burrow bet Kandahar, eine ganze britische Brigade. ist bis auf den letzten Mann vernichiet worden. Das Telegramm, welches die britische Regierung erhielt, giebt über die näheren Umstände der Katastrophe keine Auskunft; es m-Ib.t nur, daß das ganze Corvs aufgerieben sei, und deutet an, daß die britische Besatzung von Kandahar, welche sich in die Citadelle zurückgezogen hat, gleichfalls verloren sein dürfte, wenn nicht schleuniger Entsatz hcrbeirückt. Allerdings werden sich einige neue Brigaden sofort in Marsch setzen, um Rache zu nehmen; ob sie aber zur rechten Zett etntreffen werden, um die tn Kandahar etngeschlvstenen Landsleute zu befreien, das ist die Frage, und bet den Afghanen, die weder Völkerrecht, Gefangennahme noch Gnade kennen, handelt cs sich stets um „Sein oder Nicht'Sein."
Das Blutbad von Kandahar beweist unwiderleglich, daß die Mehrheit der afghanischen Stämme mit der Erhebung Abdurrharnan Khans zum Emir von Afghanistan unzufrieden ist. Es scheint ferner die Ankündigung der britischen Regierung, daß sie Kandahar voraussichtlich bis auf Weiteres, d. h. bei den Engländern „auf immer", besetzt zu halten gedenke, die unabhängigen Stämme, welche gegen den britisch-russischen Schützling Abdurrharnan die Waffen ergriffen hatten, ganz besonders aufgeregt zu haben. Kandahar, mck 80 000 Einwohnern, ist der tchtigste Platz des Südwestens von Afghanistan, von derselben Bedeutung für England wie Herat für die Ruffm, falls es sich um ein Vordringen bis in das Herz Afghanistans, bts Kabul, handelt.
Bei Kandahar hatten sich Spuren einer aufständischen Bewegung gezeigt, und General Burrow sollte die schwache britische Besatzung daselbst stärken und den wichtigen Stützpunkt der britischen Operation erhalten. Je näher ober die Armee rückte, um so stärker wurde die Gährung, und Ajub Khan, rin Vetter des abgesetzten Jaknb Khan, stellte sich an die Spitze der Un- zufriedenen. Der Schlag, augenscheinlich ein U.berfall, ist den Afghanen gelungen, und wie einst - vor vierzig Jahren - 'M der Vernichtung des britischen Heeres im Khiber-Paß, wie im vorigen Jahre nach der Ermordung der britischen Botschaft in Kabul, stehen die Engländer, welche sich am Ende der Pacifikation des Landes angelangt glaubten, am Anfänge eines neuen
A°sghanistan P^em Unglücksland für Britannia. Man würde Gladstone Unreckt lhun, wollte man ihn für bas neueste große Unglück der Armee verantwortlich machen, aber es wird nicht an Stimmen fehlen, b>e ihm vorwerfen, durch Begünstigung Abdurrhamans, überhaupt durch ein ZuMmenwirken m>t Rußland die Bergvölker auf's Neue erregt und dadurch den Verzweiflungskrieg von Kandahar hervorgrrufen haben. Uebrigens ist Abdurrharnan ebenso wenig
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Gefundene Gegen ft ände:
1 schwarzer Filzhut, 1 Sonnenschirm. 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Handschuh, 1 goldenes Medaillon, 1 Taschentuch.
Di- Gegenstände sind auf der Polizeiwache (Weidengaffe 93) ausbewahrt.
Gießen, den 30. Juli 1880. Großhcrzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
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Das Großherzogliche Steuer-Commiffariat Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks. m ,, ~
Während der Beurlaubung des Unterzeichneten ist der Großh. Districts - Einnehmer Schäck-r von Butzbach als Vicar des Großh. Steuer -Corn-
Bei dem am 9. August l. I. stattfinbenden landwirthschaftlichen Feste zu Butzbach soll ein- durch den landw. BezirksvereinFri-dberg mit Unterstützung des Provinzialvereins abzuhaltende Prämiirung von Fohlen, Bullen, Rindern und Schweinen statlfinden und sollen hiersur etwa 1000 M. zur Ver Wendung kommen.
1) AusgezeichE- traten b(e yom Bewerber aus eigener Stute gezüchteten vorzugsweise berücksichtigt werden. Solche Fohlen, von denen durch Bürgermeisterei.Bescheinigung nachgewiesen worden ist, daß sie bis zum Alter von 2'/, Jahren noch nicht emgespannt worden sind, so
2) Zur*Zucht taugliche^Bulln, bis zum Alter von 3 Jahren. Bezüglich Gemeinde-Bullen soll eintretenden Falles nur Belobung erfolgen und etwa
J werden sollen. Bei Prämiirung der Bullen und Rinder soll den vom Bewerber aus eigener Kuh gezüchteten Thieren der Vorzug erthcilt werden- 4) Zuchtschweine beiderlei Geschlechts, wobei darauf Rücksicht genommen werden soll ob dieselben vom Bewerber aus e^enthumlich »^höriger Zuchtsau J gezogen worden sind. — Es kann nur wirklich preiswürdiges Vieh prämiirt »tiotn. Für derartige Threre, welchen wegen großer Concurrenz eine Prämie nicht zugestanden werden kann, soll auf Verlangen btt Eigcnthümer eine entsprechenbe Wegvergütung gegeben werben.
Die Musterung bes Viehes beginnt Vormittags 8 Uhr; Thiere, welche bis bahtn nicht ausgestellt stnb, finbenkeine Berücksichtigung.
Das Vorhanbcnsein ber vorstehend unter 1—4 erwähnten besonderen Bidingungen ist durch Bürgermeisteramtliche Bescheimgung nachzn f •
Die Preisbewerbung ist für alle Kreise der Provinz Oberhessen frei und an keinen Bezirk gebunden. ,
Ä ri del Haus en am 28. Jule 1880. Der Präsident des landw. Vereins von Oberheffen:
0 91 ' Adalbert Freiherr Rordeck zur Rabenau.
icl'ö Garten, rstand.
der iti neue H«l- 1 sitschchen.
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zu trauen, als allen andern Afghanenhäuptlingen, an deren Unabhängigkeitssinn und Treulosigkeitssinn alle englischen Pläne bisher gescheitert sind. Die Afghanen nehmen das englische und russische Gold, aber die Soldaten vernichten sie, weil sie ahnen, daß es beiden großen Schutzmächten in letzter Linie darum zu thun ist, zu „annektiren".
Spanien. .
Madrid, 28. Jul«. Von Der Insel Manilla (Luzon, Phippinen) sind in den letzten Tagen telegraphische Nachrichten eingegangen, die von großen Verheerungen melden, welche die wiederholten Erdbeben, besonders in der gleichnamigen Hauptstadt, angerichtet haben. Am 26. Juli ist in Madrid wieder ein Telegramm eingetroffen, wonach am L>onnabenb, Abends, neue Erberschütterungen stattgefunben unb großen Schabrn verursacht haben. Diese äußerst fruchtbare Insel, eine bet reichsten Colonien Spaniens, besitzt neun Vulkane, deren höchster und größter ber 7000 Fuß hohe Vulkan de Isarog ist. Da die Philippinen in der ostasiatischen Vulkanrethe die Veibtndung zwischen den Sunda-Jnseln und Japan unb Kamtschatka btlben, finben auf ihnen häufig vulkaniscde Ereigniffe statt. Die stärksten Erbbeben waren bie- jenigen der Jahre 1645, 1796, 1824, 1852, 1860 unb 1864; bei letzterem würben bet Gouverneurpalast, bie Kathebrale und mehrere Kirchen zerstört, auch kamen 2000 Menschen bei bieser Gelegenheit um. Die jetzige Erdbeben- periobe begann bereits am 13. Juli unb seitbem haben fast täglich Erdstöße stattgefunben, von welchen diejenigen am 13. und 20. die heftigsten waren. Bis jetzt stnb aus einer auS Manilla, 20. Juli, batirten amtlichen Depesche folgenbe Einzelheiten bekannt geworben. Der erste Stoß bauerte 70 Sekunben lang unb wähtenb seiner Dauer würben von den einstürzenden Gebäuden 9 Eingeborene getödtet und 11 andere verwundet. Der zweite Stoß, welcher 40 Sekunden lang dauerte, fand um 4 Uhr Nachmittags statt, wöbet 2 Eingeborene getödtet und 50 verwundet wurden. Bis jetzt ist kein Europäer verunglückt, was aus dem Umstand erklärlich ist, daß unter den 150,000 Einwohnern der Hauptstadt stch nur einige Tausend Weiße befinden. 2>iele der öffentlichen Gebäude' stürzten ein, darunter das Palais des Generalgouverneurs, die große Kathedrale und die Kasernen. Die Truppen haben jetzt außerhalb der Stadt ein Lager bezogen, und die Einwohner sind im Schrecken auf die Felder geflohen. Die Behörden machen große Anstrengungen, um die Ruhe wieder herzustellen und die Verunglückten zu unterstützen. Augenblicklich sind alle Vulkane der Hauptinsel, an deren Westküste Manilla liegt, in voller Thätrgkeit, darunter der Taal in der Nähe der Bar von Manilla, der Albay und die anderen auf der südöstlichen Halbinsel befindlichen. An vielen Stellen ist die Erde geborsten und Strahlen kochenden Wassers und Sand- und


