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Dienslwädchen auf ferbjfrÄL- WrlesWg MrraM.

Vovember 1879,

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27$. Freitag den 28. November 187W.

AiMk- iib AmiÄiM fir bei Kreis Gieße«.

------------ " -- PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh».

Redactto»Sbureaur I «ckulstraße v. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

ExpeditionSbureau r J -----------------

Amtlicher Theil.

Gießen, am 24. November 1879.

Betreffend: Die Versicherung der Gebäude gegen Feuersgefahr.

Das Großherzoglichc Kreisamt Gießen an die GroHherzoglicken Bürgermeistereien des Kreises.

Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände find, an die Erledigung unserer Verfügung vom 23. v. Mts

Anzeiger Nr. 250. vr. B v e k m a n n.

politisch

Die Fürstenbesuche.

Man bringt noch immer das Privatleben der Träger von Klonen, wie auch der Kronprinzen viel zu sehr mit ihren Amtshandlungen in Vermischung, nnb legt allen ihren Schritten eine staats- und völkerrechtlicke Bedeutung bet. sßeyebt sich ein Fürst zu einem anderen zum sreundlchastlichen Besuch, so hecht es gleich, die Völker haben sich genähert, sie sind in sreundschaflliche Beziehungen getreten und flehen womöglich vor der Feier eines Ver- brüderungsfestes. , , . ,

Es wäre eine Charakterlosigkeit eines Volkes, ein Verleugnen seiner Erfahrungen, eine Mißachtung seiner eigenen Uebetzeugung, wenn ein freund­schaftlicher Besuch eines Landesfürsten bei einem anderen auch die Völker in watrer Freundschaft zu verbinden vermöchte. Ein Volk ist stets in der Lage, sich fein eigenes Unheil zu bilden, und wenn es keine günstige Meinung über Rumänen, Bulgaren ober Türken hat, so kann es auch durch die Nachricht nicht umgestimmt werden, daß der Fürst seines Landes irgend . mw Regenten jener Staaten freundschaftlich besucht habe. Ob es sich nun um Oesterreich oder Italien, Frankreich oder Rußland handelt, ändert an den bestehenden Urtheilen über die Völker und über die Ansichten von den Be- züHungen zwischen den Völkern nichts. Die Beziehungen der Völker sind eben andere, als die Beziehungen der Fürsten oder einzelner Männer, so doch ^^h«?'d'er Weltgeschichte, der Zeitgeist, das Verfaffungsleben wer­den vornehmlich die Grundlage für die sympathetischen Beziehungen der Völker bilden Selbst die Diplomatie kann nur eine fördernde oder zurückhaltende, ni-mals eine maßgebende Tätigkeit in Bezug auf die internationalen Be- ziedunaen entwickeln. Schon weil die diplomatischen Beziehungen unbeständiger sind wie Aprilwetter, harmvniren sie nur selten mit der festen, abgeschlossenen Ansicht und Grundstimmung der Völker. Mögen Fürsten und Diplomaten sich nähern oder obgestoßen fühlen, es hat dies nur geringen Einfluß auf die Be­ziehungen der Völker, weil diese sich nach völkerrechtlichen Grundsätzen, nach konstitutionellen Einrichtungen und nach nationalen Anschauungen richten.

Em Volk mit confiitutionefler Verfassung und ein solches, welches nach Willkür regiert wird, passen nicht zusammen. Völker, welche nach gleichen Grundsätzen regiert werden und gemeinsame Cnlturzwecke verfolgen, finden sich aus tem cemeinfamen Wege. So liegt der Grund der deutsch-österreichifchen Gemeinschaft in den gleichen handelspolitischen Zielen, wie in dem gemein* amen Jntereffe der Zurückweisung Rußlands, eines gefährlichen unconstituiio- nellen Willkürstaates: der Grund für die Sympathien zwischen Italien und Deutschland in der gemeinsamen Bekämpfung des Papstthums. Solchen reellen Gründen der Freundschaft von Völkern gegenüber haben die privaten Schritte der Fürsten eine geringe Bedeutung, und von Rechtswegen sollten sie acht als Staatsactionen ausposaunt werden. So lange allerdings die Par­amente in der äußeren Politik eine so geringe Stimme haben, wie zur Zeit in Deutschland, müsien wir noch in den persönlichen Beziehungen der Fürsten wehr iehen, als private Höflichkeit oder Zuneigung. Aber dennoch ist der deutsche Volksgeist bereits so selbstständig, der Volkscharakter so fest und das politische Urtheil des VolkiS so sicher geworden, daß Fürstenbesuche die Ansicht des Volkes über ein Volk ebensowenig ändern, als die politischen Beziehungen der Völker.

Deutschland.

Darmstadt, 25. Rovbr. In Betreff des Gast- resp. Schankwirth- fchaftsbetriebes hat unsere Regierung die einschlägigen Behörden benachrichtigt, daß sie auch fernerhin nicht beabsichtige, die Erlaubntß einer Gast- oder Schankwirthschaft von dem Nachweise eines besonderen Bedürfnisses abhängig ru machen. Da bei der Erthetlung der Covcession sowohl die persönlichen Verhältnisse des Nachsuchenden, als auch die Beschaffenheit des betr. Locals 'n Frage kommen, so ist diese Erlaubniß stets auch dann einzuhoien, wenn me bestehende Wtrthschast in die Hände eines noch nicht concesflonirten Wtr- rbes übergehen soll, und ebenso, wenn ein concesstonirtcr Wirth seine Wirty- rchast in ein anderes Local verlegen, bezw. in einem bisher noch nicht con- cesstonirten Locale betreiben will. Straußwirthe, welche nur in einem Dhett des Jahres ihr eigenes Gewächs verzapfen, sowie Zäpser am Stand beour- fen, wenn die Zäpferet den Charakter eines dauernden Gewerbebetriebes hat,

er Hh eil.

wie andere Schankwirthe der Concession, die der Kreisausschuß ertheilt. Wird die Zäpserei am Stand nur vorübergehend, z. B. auf Meffen, Märkten, Volksfesten betrieben, so genügt die Genehmigung der Ortspolizetbehördc, welche jedoch auf bereits cvncessionirle Wirthe zu beschränken ist. Zum Klein­handel mit Branntwein ist auch bei bloßer Zäpferet über die Straße stets die

Co; ceiston einzuhoien."

m. Darmstadt, 26. November. (Vom Landtag. Baugewerkschule.) Der Finanz­ausschuß der ersten Kammer hielt gestern eine Sitzung ab. Hauptgegenstande der Be- rathung bildeten der von dem Vorsitzenden des Ausschusses Sr. 6*1 . bem afen ru Solms-Laubach, erstattete Bericht über bte Vorlage der Regierung m Betreff der Ueberttagung des Eigenthums an der auf Großh. Hess. Gebiete belesenen Strecke der Main-Weser-Bahn auf den Preußischen Staat, sowie die.^'tere Vorlage der Regierung, die Errichtung einer Landeskultur-Rent en kass e betreffend. Wie wir aus zuverlässiger Quelle vernehmen, beantragt der Fmanzausschutz der ersten Kammer, bezüglich des erstgenannten Gegenstandes dem von dem anderen Hause ge­faßten ablehnenden Beschluß nichr beizutreten, vielmehr dem.^on der Regrerung mit Preußen abgeschlossenen Verkaufsvertrag die verfassungsmäßige Zust mmung zu er, theilen. In Bezug auf die Vorlage wegen Errichtung einer Landescultur-Nentenkasie und die damit in Verbindung stehenden Anforderungen für das anzustellende cultur- technische Personal beantragt der Ausschuß durchweg Beitritt zu den Beschlüssen zweiter Kammer. Der Zusammentritt des Plenums der ersten Kammer ist vorerst auf den 9. December in Aussicht genommen und werden wohl sammtliche zur Berathung reife Gegenstände in einer Sitzung ihre Erledigung finden. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer wird morgen, der Gesetzgebungsausschuß derselben am 4. December eine Sitzung abbalten. Nach der dermaligen Geschäftslage ist demVernehmen nach als Zeitpunkt des Wiederzusammentritts der zweiten Kammer der Anfang des Monats x>an Der* vierte ^Jahreskurs der Landes-Baugewerkschule, welcher am 15. d. M. eröffnet wurde, wird von 48 Schülern besucht. Darunter beenden sich 9 Maurer, 4 Stein- und Bildhauer, 3 Zimmerleute, 2 Dachdecker, 7 Schremer, 4 Schlosser und Maschinenbauer, 6 Tüncher und Maler, 8 Bautechniker, 1 Silberarbeiter 1 @ärtnex, 1 Holzbildhauer, 1 Dreher und 1 Xylograph. Von diesen 48 Schülern sind 40 aus der Provinz Starkenburg und je 4 aus Oberhessen und Rheinhessen. ^Schüler kamen von verschiedenen einzelnen Orten, 22 von Darmstadt und 2 von Bessungen. Das Alter der Schüler beträgt von 16 bis 30 Jahren, 28 falb unter 20 Jahre alt und 20 stehen im Alter von 20 bis 30 Jahren. Der unteren Abtheilung wurden 23, der oberen 25 Schüler zugetheilt. n ,

Berlin, 24. Novbr. Das Ereigniß des Tages ist bte Thatfache, daß der König und die Königin von Dänemark am 28. d. Mts. zum Besuch der kaiserlichen Familie in Berlin eint.effen. An demselben Tage kehrt bereits d<e Kaiserin, die erst im December kommen wollte, hierher zurück; jedenfalls, um bei der Anwesenheit des dänischen Königspaares die Honneurs zu machen. Es ist nicht nur der erste Besuch der dänischen Königsfamilie am preußischen Los- nach d-n Kriegen feit 1864, sondern es ist wohl feit Jahrzehnten kein dänischer Monarch in Berlin gewesen; zudem find es die Schwiegereltern des Herzogs ton Cumberland, welche am künftigen Freitag hier eintreffen, und es liegt die Vermnihung nahe genug, daß der Zweck ihres Besuches den end­lichen Ausgleich bezüglich der welfischen Ansprüche gilt. So vie. steht fest, daß bieier Besuch in weiteren Kreisen großes Aufsehen macht.

Berlin, 25. Novbr. DasTagebl." meldet, der Beschluß des hiesi­gen Magistrats, dem Anträge der Stadtverordneten-Versammlung bett. Heber, jenbung einer Petition an das Abgeordnetenhaus gegen Einführung der Schanksteuer beizutreten und die Fassung der Petition in einer gemischten Commission, bestehend aus Mitgliedern des Magistrats und der «tadtverord- neten-Versammlung zu berathen, ist vom Magistrats-Collegium einstimmig ge­faßt worben. Von keiner Seite bat sich bei Berathung dieses Gegenstandes im Magistrats-Collegium eine Stimme für die neue «teuer erhoben. Die betr. Commission ist gestern zur Berathung und Feststellung des Wortlautis jener Petition zusammengetreten.

1 Barel, 17. Novbr. Ein betrübender Fall ereignete sich gestern in Augustfehn. Ein Mariner war am letzten Sonnabend auä 2ßilbelm«baoen Werth t A>n 17 Novbr. wurde von Sehr au« an das Militär Commando in Wilhelshaven rapportirt, daß derselbe dort verhaftet fei. Arn folgenden Morgen wurde nun ein Obeibootsmann von Wilhelmshaven beordert, den Flüchtling von Lehr abzuholen und fuhr derselbe deshalb mit dem Fruhzuge von Wilhelmshaven ab. Aus der Rückreise war in Augustfehn kurzer Aufent­halt, den der Deserteur zum Entkommen auszunutzen versuchte. SDer Unter« osficier, welcher mit dem Flüchtigen aus den- Bahnhofe in Lehri noch sreund- schafilicher Weife ein Glas Bier geleert hatte, griff jetzt, nachdem er ren Gefangenen nochmals aufgefoibert hatte, bas verlästerte Soupee wieder zu be­steigen, zu feinem Gewehr, löste das Tuch, welches bas Schloß umhullte, nnb