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Skv. 30

Freitag, den 28. Februar

1879

Anjkise- Md AmtsW für dm Kreis Gießen

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Strecke Berlin-!

und auf die Route Eoblen^Trter-

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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Berlin, 24. Februar. Die eiste Abendgesellschaft beim Reichskanzler, am Samstag, war von mehr als 300 Personen besucht, varunter Herr Mim- ster Delbrück und Gemahlin. Fürst Bismarck unterhielt sich über eine halbe stunde lang mit Herrn v. Bennigsen. Von politischen Aeußerungen des Reichskanzlers an diesem Abende verlautet wenig. Er erklärte sich für Ge- ireidezölle die aber keine Schutzzölle sein sollten. Er habe einen Zoll von 7? und 50 $ auf die übrigen Getretdearten vorgescklaaen.

Der Fürst sprach sich auch für eine Brodtaxe aus. Die Gesellschaft trennte sich um Mitternacht, wo, wie sich unter allgemeinem Gelächter ergab, der Hofbrau gänzlich ausgegangen war.

- k 25-J^xuax- Das Armee-Verordnungsblatt veröffentlicht eine

kaiserliche CabinetS-Ordre wonach zu Ehren des verstorbenen Fcldmarschallö Grafen Roon sammtliche Officiere der Armee eine achttägige, die Officiere des FüsilierRegiments Nr. 33 eine zehntägige, die Officiere des Kriegsmtni- steriums eine 14iägige Trauer vom 26. d. Mts. ob anzulegen haben-

Das Gesetz über die Beschränkung der Redefreiheit der Abgeordneten des Reichstages dürste vorausstchtUch Ausgangs dieser Woche zur Berathuna kommen. Hebet die Behandlungsart haben sich jetzt schon Meinungsverschie­denheiten ergeben. Die Einen wünschen die erste und zweite Le ungs gleich in einer Tagesordnung zu ei ledigen, weil ste hoffen, alsdann mit Ablehnung des § 1 gleich das ganze Gesetz zu Falle zu bringen; dem widersprechen aber die Conservativen, welche die erste und zweite Lesung gesondert anberaumt zu sehen wünschen. Nach unseren Informationen ist die große Mehrheit im Reichstage noch immerentschloffen, sich auf Nichts einzulaffen und der Bundesrathsvor- läge ohne Weiteres ein Begräbntß zu bereiten. Die Redner der national- liberalen Fraktion werden daher den Standpunkt einnehmen, der in der vom Abgeordnetenhause angenommenen bekannten Resolution Lasker-Hänel seinen Ausdruck gefunden hat, zugleich aber nicht verhehlen, daß sie Anträge auf Ab­änderung der Geschäftsordnung, sofern sie aus der Initiative des Hauses her- vorgehen, keineswegs abzuweisen gesonnen sind. Uebrtgens scheint es fast, als wollten die Conservativen zu dem Bundesraths-Entwurf abschwächende Anträge einbrtngen, um damit auch auf anderer Sette Bundesgenoffen für das Zu­standekommen des Gesetzes zu erlangen. (Berl. Tagebl.)

DieGermania" schreibt: Während der letzten zollpolitischen De­batte im Reichstage hatte sich auch der socialdemokrattsche Reichstags-Abgeord- nete Kayser zum Wort gemeldet, um die Stellung der Soctaldemokraten zu dem neuen Wirthschaftsprogramm darzulegen. Durch den Schluß der General­debatte wurde Kayser an seinem Vorhaben gehindert. Die socialdemokrattschen Abgeordneten beabsichtigen. künftig jeden Schlußantrag, der einen der ihrigen mundtodt macht, unter Umständen mit einem Antrag auf Auszählung des Hauses zu beantworten. Da der Reichstag fort und fort an Beschlußunfähtg- keit kränkelt, dürfte diese Revanche nicht erfolglos bleiben.

Die ihrer Vollendung entgegengehende directe Bahn Berlin-Wetzlar- Metz wird nach dem Voranschläge 71*/, Mill. Thaler kosten, wovon aus die

^xpeditisnAtnrreMtr / Schulstraße B. 18.

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ft, I darauf aufmerksam machte, daß die französischen Han-

delsstatrsttken, welchen jene Ziffern entnommen find, dle Einfuhr aus Rußland und Oesterreich gesondert aufführen. Eine treffende Bemerkung machte Dr-W.-te (Rostock), intern er sagte:In wirthschaftlichen Dingen ist nicht- schädlicher, als em sprungweises Vorgehen!"

Goldene Wone enthalten auch folgende Aeußerungen Delbrück's: lege auf dw Stabilität einen viel höheren W-rth, als auf di- Höhe der nr - zeluen Zollsätze.W-r können in Deutschland ohne eine exportirende In- bustrie nicht leben V* v

Das Vorspiel welches diese Discussion zu den bevorstehenden großen Berathungen über die Zolloorlagen der Reichsregierung liefert, läßt bei letzte- ren heftige Kampfe erwarten. Es ffagt sich nun, ob der Reichskanzler Aus- sicht hat, seine Projecte durchzusetzen. Wenn man bisherige Erfahrungen zum nimmt, dann darf angenommen werden, daß er zwar nicht Alles was er erstrebt, aber doch einen großen Theil davon erreichen wird. '

Glossen zur Zolldebatte im Reichstag.

ft Deralhung des Handelsvertrages mit Oesterreich- Ungarn wurde auch die Zollfrage im Allgemeinen von mehreren Rednern febr eingehend besprochen, dabei aber viel Neues nicht zu Tage gefördert (5s ist dies leicht erklärlich, weil das Thema Seitens der Fach? und ändern Kreise ft ftft ln ®eftncn- auf Versammlungen tc. schon in der umfassendsten ment, ft ft" ft ftdeß bietet die Reichstagsdebatte einzelne Mo-

mente, weiche eme besondere Hervorhebung verdienen.

Der Reichskanzler ist in seiner großen Rede auf die Sache nicht naher -ingegangtn und hat sich Vorbehalten, seine Zollpolitik im April oder Mat zu werd n die Tar.sVorlage und die Schutzzölle zur Verhandlung stehen

Klean» ft ft OfMeit hat er übrigens Aeußerungen gethan, welche die fS Nach bem n I£^n B-st"bungen mit einiger Genugtbnung erfüllen rönnen. Rach dem stenographisch aufgenommenen Bericht b«*r Oldenbura'icken berm^±b^Cnbpl ?Qt « « ^sagt- Der

fmfÄVmft" b,e Thatsache citirt ist, daß der damals ft ft" Handelsvertrag) maugurirten Politik praktische Erfolge

nicht zur Sette stehen. Das kann von anderen Gründen herrüb- ren, aber eine'Thatsache ist es." Der Reichskanzler gibt also zu, daß der Mangel praktischer Erfolge von anderen Gründen herrühren kann, als von der damals tnaugurirten Polttlk. Wenn diese Möglichkeit aber vorhanden ,st übergegangen ^wtrdä 9e6°tCn e*e ',U eintr entgegengesetzten Zollpolitik -emnch^Nn^^g-ständn'ß, welches Fürst Bismarck in den obigen Worten gemacht hat, ist der Umstand schwer vereinbar, daß die Thronrede rundweg ®rl019c abspricht. Wäre in derselben gleicht flft<.tftftjft<ftn' all<^ andere Ursachen, als ote Zollverhältniffe unsere wirthschaftluchc Lage beeinflussen konnten, dann wäre der Sinn der betreffenden Stelle wesentlich moderirt worden. Ferner sagte der Reichskanzler, daß ,r die Hoffnung, sich mit Herrn Delbrück über eine neue Form beiderseitiger Mit- wtrkung zu verständigen, noch vor einem Jahre nicht aufgegeben hatte. Rach- dem hm dessen Mi Wirkung versagt worden sei, sei er gezwungen gewesen, sich eine Meinung über das zu bilden, worin er früher der Führung des Abg Delbrück gefolgt sei. Daß ferne Meinung eine andere sei, £ et bis dahm gefolgt fet schäme er sich in keiner Weise zu bekennen. Wenn der Reichekanzler noch im vorigen Jahre an eine Mitwirkung D-ibrück's ge- ft u mu6 ft®18, f£,ne Ueberzeugung von dem Werthe schutzzöllneri- scher Maßnahmen noch keine sehr befestigte gewesen sein. Aus seiner Rede geht auch hervor, daß er die Autorität Delbrücks außerordentlich hoch schänt- rrm so mißtrauischer sollte er gegen seine eigene Meinung sein, die eine andere als diejenige Delbrücks ist. Beiläufig sei noch erwähnt, daß der Reichskanzler der national-liberalen Partei ein unverdientes Eompliment gemacht, indem er «°n ihr als derbedeutendsten und zahlreichsten Fraktion" gesprochen bat. Bekanntlich ist aus den letzten Wahlen aber das Centrum als die stärkste Fraktion hervorgegangen. 1 1

Die Argumentation der schutzzöllnerischen Redner lief darauf hinaus, daß die seitherige Zollpolitik, wie stch aus der gegenwärtigen wirthschaftlichen Lage ngebe, nur zu Mißerfolgen geführt habe. Daß andere Ursachen die bekla- gmswerthen Uebelstände hervorgerufen haben können, ließen sie vollständig bei aft,Jtrnet b-stntten sie, daß die Steigerung des Handelsverkehrs unserer Zollpolitik zu verdanken sei. Die höheren Ziffern in der Aus- und Einfuhr »klärten ste aus der Mehrung der Eisenbahnverbindungen. Wer gerecht sein M wird aber nicht m Abrede stellen dürfen, daß die freiere Behandlung In i 3oUfad)en einen wesentlichen Antheil an der Steigerung des Verkehrs hat.

B-we,-kräftiger waren die Ausführungen der freihändlerischen Redner. 1 ft'» und Delbrück wiesen ztffermäßig nach, daß die deutsche Ausfuhr in den 1 Wen 15 Jahren sich bedeutend gehoben hat. Die deutsche Ausfuhr nach i Wen stieg von 1864 bis 75 von 171 auf 457 Mill. Mk. Werth, die deutsche Ausfuhr nach England von 1865 bis 77 von 67 auf 197 Mill, und die dmische Ausfuhr nach Frankreich von 155 auf 373 Mill. Delbrück wies auch den Einwand des Reichskanzlers zurück, daß in der Ausfuhr nach Frank- reich zugleich die Durchfuhr der Maaren au- Rußland und Oesterreich ent-

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Meiner und Au- ZWL SWc Ä aU5 ? Bhnmtrit mbor 'Übst Zubehör

Betreffend: Die Instruction für die Feldgeschworeueu. Gießen, am 24. Februar 1879.

Das GwßhriMliche Kreisamt Gießen

Nachdem stck bereiis früh.r «ft- Grostherzoglicben Bürgermeistereien des Kreises.

gedruckt werden möchte, und nachdem SieJhren^Bedarf^chän m^g6eb^n3Sentt(auff<i^nfe^ Aus?ftb°""^ ?« ft ftft flf$,enencn Nachträgen neu die eiforderliche Zahl von Abdrücken dieser Instruktion nebst ft (auf unser Ausschreiben vom 18. October 1876, Anzeiger Nr. 245) ist

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