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Nr. 277.

Donnerstag den 27. November

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Meßener ^tineiger

Anffize- «id Amtsblatt fit tat Kreis Gieße«.

1 ' ' . fi «reis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brmgerlohn.

@^Miti"tt6bureaut } «chulfiraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des $tont«fl».Durch di- Poft b-,°g-n vierteljilhriich 2 Marl Ps.

Verhandlungen über einen Tarifvertrag festgesetzt werden. Im Monat Januar werden diese neuen Conferenzen beginnen. Auch über die Eisenbahntarts-Frage wurde gesprochen, und auch da gaben die deutschen Unterhändler sehr ent- gegenkommende Aeßerungen ab, aber ein formeller Antrag wurde von keiner Seite vorgelegt. So wird der Verlaus der Besprechungen geschildert, und gewiß ist, daß derselbe bisher ein erfolgverheißender war."

Was die Weltausstellung in Berlin betrifft, so muß man aus dem gestrigen Beschlufle des Handelstags-Ausschuffes nicht den Schluß ziehen, als ob sich im Schooße deffelben ein lebhaftes Jntereffe für eine solche Weltaus­stellung in Berlin regte. Man war nur der Meinung, daß, wenn eine neue Weltausstellung ersolge, Deutschland sich dieselbe nicht entgehen, nicht etwa durch Rußland oder Italien sich übertreffen laffen müffe. Das Beste sei, eine solche neue Weltausstellung möglichst lange, etwa bis zum Jahre 1886, zu verschieben. Unser Kronprinz wird zum 28. Deccmber zu einem Besuche hier erwartet.

Berlin, 24. Novbr. Aus Ostrumelien gelangen an die Pforte noch immer Klagen über die Behandlung der wieder e,»gewanderten Muselmänner Seitens der Bulgaren. Der Commandant von Kustendil hat einer größeren Zahl von Emigrtrten die Rückkehr verweigert und auf erhobene Beschwerden erwidert, er handle auf Befehl des Fürsten won Bulgarien. Die Etnwaw derer, ohne Obdach und Nahrung, irren jetzt in der Umgegend von Palanka umher. Ebenso relegraphirte der Gouverneur von Salonichi, daß die Bulga­ren an der Grenze die Rückkehr der ausgewanderten Muselmänner verhindern. Die Pforte hat diese und ähnliche Vorgänge zur Kenntniß des Agenten Bul­gariens gebracht und gegen diese handgreifliche Verletzung des Berliner Frie­dens protesttrt.

, Der Bundesrath wird im December und Januar eine ganz beson­dere Thätigkeit zu entsalten haben, da es in der Absicht liegt, den Reichstag möglichst früh,' d. h. in den ersten Tagen des Februar, zu berufen. Man hält dabei an dem Plane fest, die Reichstags-Session möglichst bis Ostern sich abwtckeln zu lasten, obschon das Osterfest im künftigen Jahre bereits auf den 28. März fällt. Nun wiederholt sich freilich in jedem Jahre dieselbe Erscheinung, man projectirt möglichst kurze Fristen für die parlamentarischen Arbeiten und sieht sich schließlich genöthigt, möglichst lange Sessionen abhalten zu laffen. Für den nächsten Reichstag werden erwartet neben dem Budget das Gesetz über die Verlängerung der Etats und Legislaturperioden, die Brau­steuer, bie Börsensteuer und das Gesetz über die Eisenbrhntarife. Wie es möglich sein soll, dieses Material auch nur annähernd in zwei Monaten zu erledigen, ist nicht erfindlich. Die Garantiefrage macht in der Eisenbahn- Commission größere Schwierigkeiten, als im Allgemeinen bis jetzt bekannt gc- worden ist. Von conservativer Seite macht man sich die Sacke ein wenig leicht. Man will in der Hauptsache den Minister veranlasten, alljähr lich oder jedesmal mit dem Etat eine Uebersicht über die Höhe der Eisenbahn- taufe vorzulegen und diese von dem Beschluß des Landtages abhängig machen. Das genügt Andern nicht und es treten die Liberalen mit ihren wiederholt mltgetheüten Forderungen auf, welche wieder den Conservativen zu weit gehen, indem sie behaupten, man dürfe die Verantwortlichkeit nicht dadurch erleich­tern, daß man sie auf das Haus abwälze. Kurz, man kommt mit dieser Frage sehr viel schwerer vorwärts, als man anfänglich sich vorgestellt haben mochte, und mit Spannung steht man dem Ausgange der Erörterung entgegen.

In den Kreisen der Eisenproducenten wird mit großer Spannung der Entscheidung des Reichspatentamts über den Antrag des Hrn. S. G. Tho­mas auf Ertheilung eines Patents aus das von ihm erfundene Verfahren zur Entphosphorung des Roheisens entgegensehen. Die Entscheidung ist um so wichtiger, als dieRheinischen Stahlwerke" in Ruhrort und noch eine andere deutsche Firma bereits Verträge mit dem Erfinder wegen Ausnutzung des Patents abgeschlossen haben. Von Setten einer großen Zahl von deutschen Eisenproducenten ist aber Widerspruch gegen den Antrag aus Ertheilung des Patents erhoben worden, unter Berufung daraus, daß u. A. Beschreibungen des in Rede stehenden Verfahrens bereits veröffentlicht seien. Das Patent­amt aber wird dteEntscheidnng, ob dem Anträge auf Ertheilung eines Patents Folge zu geben sei, zunächst in erster Instanz zu treffen haben. Ohne Zweifel aber wird, wie auch die Entscheidung ausfallen möge, Seitens des unterlie­genden Thetls Beschwerde gegen den Spruch des Patentamts erhoben werden. Angesichts der Wichtigkeit, welche das Thomas'sche Verfahren zur Entphos­phorung des Roheisens namentlich für die Concurrenzsähigkeit der deutschen Stahl-Industrie mit der englischen hat, wird der Verlaus des Streites in weiteren Kieffen mit Jntereffe verfolgt werden.

Berlin, 24 Novbr. Der bleibende Ausschuß des deutschen Handels­tages beschäftigte sich in seiner zweiten Sitzung am Sonnabend außer mit inneren Angelegenheiten mit dem Antrag Minden, die Abstellung von Nebel- ständen beim Jncasso von Wechseln durch die Post. Nach der Mehrzahl der Handelskammern erklärte sich auch der bleibende Ausschuß gegen den An- trag, da der Postverwaltung die im Antrag gewünschten neuen Lasten nicht ausgebürdet werden könnten. Der Antrag Osnabrück, welcher eine Prüfung

heißt:Die österreichischen Unterbänblcr werden noch v bis 10 Tage in Berlin verwetten und dann nach Wien zurückkebren. Auf Grund der von ihnen empfangenen Eindrücke sollen dann die Instructionen für die definitiven

cirt dieNordd. Allg. Ztg." einen Artikel derNeuen Fr. Pr.", worin es .Die österreichischen Unterhändler werden noch 8 bis 10 Tage in

PeutsLkand.

Aus Oberheffen, 23. Novbr. Die Nr. 272 des Gießener Anzeigers vom 21. d. Mts. bringt eine Besprechung der Verhandlungen des Comics für Erbauung einer Sekundärbahn von der Station Mücke der Gießen-Fuldaer Bahn in der Rich­tung nach Friedberg oder Nieder-Wöllstadt, die nicht unbeantwortet bleiben kann.

Zu Anfang derselben insinuirt der Herr Korrespondent der Hungener Versamm­lung eine Absicht, welche dieselbe weder gehabt, noch ausgesprochen hat, indem er be­hauptet daß mit dem vom Cornitö ausgedrückten Bedauern über den ablehnenden Beschluß der zweiten Kammer bezüglich des Verkaufs des hessischen Antherls der Main-Weserbahn ein Tadelsvotum über diesen Beschluß beabsichtigt gewesen sei. Diese Insinuation ist ziemlich gesucht. - Es hat Niemand in ter Versammlung daran ge­dacht, der Majorität der zweiten Kawmer, die ja zur Zett der Fassung ihres Beschlusses von den Bestrebungen wegen Erbauung von Secundärbahnen noch keine Kenntniß batte, einen Tadel wegen ihres Beschlusses auszusprechen: man bedauerte nur den Beschluß um deßwillen, weil man der Ansicht war, daß die Annahme der Reg'erungs- proposition irgend wie Mittel frei gemacht haben würde, welche man für Unterstützung der Erbauung von Secundärbahnen in Oberhessen hätte in Aussicht nehmen können.

Hiermit fällt also die Ausführung des Herrn Correspondenten, daß die Resolu­tion der Hungener Versammlung ein Tadelsvotum habe begründen sollen.

Was nun die weiteren Auseinanderseßungen des Herrn Correspondenten anlangt, so hätte er sich dem Comitö gegenüber die in denselben enthaltenen Belehrungen ersparen können. - Es war dem Comite vollständig bewußt, was nach den Inten­tionen der Regierung mit dem Erlös aus dem Verkauf des Main-Weser-Bahn-Antheils geschehen solle und namentlich war in d-eser Hinsicht der Vorsitzende desselben, Gras z u S o l m s-L a u b a ch, nicht nur selbst vollständig instruirt, sondern auch die Versammlung durch seine deßfallsigen Ausführungen. Es war dem Cornttö ferner recht wohl bekannt, daß die Ueberschüsfe über die einfachen Zinserträgniffe der Bahnen vertragsmäßig zur Rückzahlung der auf denselben haftenden Schuld zu verwenden seien, weiter aber auch, daß es nicht unbedingt geboten war, aus dem Erlös von dem Verkauf des Main- Weser-Bahn-Antheils die auf anderen Bahnen haftende Schuld zurückzuzahlen. Es war aber auch endlich dem Herrn Grafen und durch denselben dem Comit^ bekannt, daß bei Großherzoglicher Regierung die Intention bestand, zwar den größten Theil des aus genanntem Verkauf zu gewinnenden Kapitals zur Deckung von Eisenbahn­schulden zu verwenden, den Rest desselben aber den drei Provinzen des Landes zu ent­sprechenden Theilen zu überlassen, um denselben die Mittel zu Provinzialstraßenbauten u s w zu gewähren. Hätte aber auch selbst diese Absicht nicht bestanden, so resultirte doch aus den Ausführungen der Vertreter der Regierung in der Kammer daß durch den Verkauf des Main-Weser-Bahn-Antheils ein mindestens auf 400,000 Mark anzu­schlagender jährlicher Gewinn dem Lande erwachsen sein würde, eine Summe, unter deren Zuhülfenahme die vom Hungener Comite angestrebten Zwecke erreichbar hätten gemacht werden können. , c

Die Art und Weise also, wie der Herr Correspondent aus Gießen die Thatig- feit des Grafen zu Solms-Laubach im Comite darstellt, ohne sich vorher bezüglich der­selben unterrichtet zu haben, characterisirt sich danach als eine ungerechtfertigte In­sinuation Was nun die Aniührung des Ausspruchs des Ministers Maybach, dem wir günstigere Anschauungen seines Anttsvoraängers, des Dr. Achenbach, entgegen; Balten könnten,daß eine finanzielle Unterstützung von Secundärbahnen durch den ^taat infolange nicht möglich sei, als die Staatsmittel noch für wichtigere Dinge Ver­wendung finden müßten" und dessen Anwendung auf unsere Verhältnisse anlangt, so kommt uns das gerade so vor, als wenn der eine sich deßhalb keinen neuen Rock kaufen sollte, weil der andere fein Geld zu solcher Anschaffung habe.

Die Männer, die in Echzell und Hungen versammelt waren, vorwiegend aus den Vertretern größerer Wetterauer Orte sich zusammensetzend, sind nicht nur ernste, ihres Thuns sich bewußte Leute, sondern sie gehören auch meistens zu den Hauptsteuerzählern ihrer Gegend. Diese Männer wissen recht gut, daß ihr Beutel nicht zum geringsten Theil beitragen muß zu kostspieligen Theaterbauten, Erhöhungen von Besoldungen und Pensionen aller Kategorien, zu Justizpalästen, Universttäts- und Gymnasialbauten für große Städte u. f. w. und halten doch auch einmal die Frage für berechtigt, ob dann fort upb fort ihr Steuersäckel nur zu derartigen finanziell unproductiven Anlagen in großen Summen angestrengt werden soll ober ob es benn nicht auch einmal an ber QCit sei zu productiven Anlagen Staatsmittel zu verwenden und namentlich zu solchen, welche die Steuerkraft von Landestheilen durch Hebung von Wandel und Verkehr zu beleben im Stande sind. Wir sind überzeugt, daß die Regierung gegen solche Be­strebungen keine so ablehnende Haltung einnehmen wird, wie der Herr Correspondent in Gießen, weil dieselbe wohl weiß, daß man durch eine solche die Zufriedenheit im Lande nicht vermehrt-

Daß Comite wird gewiß jederzeit recht gerne wohlmeinende Belehrungen ent­gegennehmen, muß aber Darstellungen feiner Thätigkeit der Art, wie dieselben in dem Artikel aus Gießen enthalten sind, zurückweisen.

p. N. Die Blätter, welche den Artikel in Nr. 272 desGießener Anzeiger" aus Gießen, betr. die Versammlung zu Hungen, aufgenommen haben, werden ersucht, auch vorstehende Erwiderung zu veröffentlichen.

Berlin, 22. Novbr. Der Vorstand des deutschen Vegetarianer-Vereins hat an das Reickkkanzleramt die Bitte gericktet, den Obstbau auf alle Weise, wenn nöthig durch eine Sachverständigen-Untersuchung, im ganzen Reiche in großartigem Moßstabe zu fördern. Des Reichskanzleramt mögemit aller Mcckt dahin wirken, daß der deutsche Obstbau nickt durch falsche ökonomische Auffi ffung zur Landplage patt zum dauernden Volkswohlstände führe, mit ander«n Werten, daß er nicht in der nieder« Spbäre gemeiner Gewinnsucht vcrsuv pfe. So baut Württemberg z. B. sehr viel Obst, aber das schlechteste, gut genug, um cs als C'der oder Obstwein zu trinken, gutes Obst muß es importlren.. . . Lehrer und Aerzte können durch Anregung außerordentlich fördernd wirken. Volkswirihschaftler finden auf diesem Arbeitsfelde eine sreuden- und segenSreicke Thätigkeit."

Ueber die handelspolitischen Verhandlungen mit Oesterreich reprodu-