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26.10.1879 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Sonntag den 26. October

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AWge- und AUtsbktt für den Kreis Gießen

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18. Rrvember a. er.

In Wien nahmen bereits die Brrathungen der österreichisch-unga- rischen Zollconferenz ihren Anfang, um die Grundlagen für die han­delspolitischen Verhandlungen mit Deutschland zu gewinnen.

Baron v. Haymerle thetlte in einem Rundschreiben den auswärtigen österreichischen Gesandtschaften seinen Amtsantritt mit und präctsirte sein poli-

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ttsches Programm dahin, daß er das Werk seines Vorgängers Andraffy ganz in dessen Sinne fortsetzen werde.

Die Minister der französischen Republik sind einig geworden, keine ungesetzlichen Kundgebungen, wie sie sich in der letzten Zeit so sehr häuf­ten, mehr zu dulden. In diesem Sinne erließ der Justizmmister Le Royer em geharnischtes Rundschreiben an die Generalprocuratoren, welches diese cmffor- dert, alle ungesetzlich erscheinenden Reden, Schriften und Handlungen sofort den Gerichtshöfen zur Anzeige zu bringen. Zwei Bürgermeister, welche Ban­ketten zu Ehren Blanqut's beiwohnten, wo man aufrührerische Reden hielt, wurden bereits abgesetzt; das gleiche Schicksal widerfuhr aber auch 23 ande- ren Bürgermeistern wegen Thetlnahme an legitimtstischen Banketten. Ueber Humbert, das neue Gemeinderaths-Mitglied, wurde eine sechsmonatliche Ge- fängnißstrafe verhängt.

In Konstantinopel vollzog sich wieder einmal ein Ministerwech­sel. An der Spitze des neuen Cabinets steht Said Pascha, schon früher des Sultans schlimmster Rathgeber, besten Jntriguen alle Reformen und Verstän­digungen mit anderen Mächten hintertrieben.

Die Frage der Iuden-Emanctpation, welche die rumänische Kam­mer so lange beschäftigte, fand endlich doch ihre vorläufige Lösung. Nach­dem die Negierung mit der Opposition in Verhandlung getreten war und sich zu einigen formellen Abänderungen der Gesetzvorlage verstanden hatte, erfolgte mit großer Majorität deren Annahme.

Ein Orkan mit heftigem Regenguß suchte verschiedene spanische Provinzen heim und setzte, große Zerstörungen anrichtend, Dörfer und Eisenbahnlinien unter Master. In Murcia büßten in Folge der Ueberschwem- mung 500 Menschen ihr Leben ein; der Schaden an Eigenthum berechnet sich nach Millionen.

In Asien befinden sich bekanntlich die Russen im Kriege gegen die Teken. Ueber ein bereits am 9. Septbr. stattgehabtes Treffen werden erst jetzt offictelle Mittheilungen laut. Danach hatten sich die Teken mit Frauen und Kindern, 30,000 Seelen zählend, in einem Aul verschanzt und wurden von russischer Artillerie erfolglos beschosten. In der Nacht waren jedoch die Teken geflohen. Ueber weitere heiße Kämpfe und die Besetzung der Stadt Merw durch die Rusten liegen nur kurze Meldungen vor, denen neuere Nach- richten widersprechen, indem es heißt, die Rusten zogen sich nach dem kaspi- schen Meere zurück, um dort zu überwintern.

Lord Salisbury, der englische Minister des Auswärtigen, hat bei einem ihm zu Ehren veranstalteten großen Banket in Manchester eine Aufsehen erregende Aeußerung gethan. Er bekannte geradezu, daß durch das deutsch­österreichische Bündniß der Weltgroßes Heil" widerfahren fei und gab, wenn auch in diplomatischer Verschleierung, der Genugthuung des englischen Cabi­nets darüber Ausdruck, daß dem Vordringen Rußlands auf der Balkan-Halb­insel durch Oesterreich, hinter welchem bie gesammte Macht des deutschen Reiches stehe, ein gebieterisches Halt geboten sei.

In Irland bereitet sich eine große Bewegung vor, an deren Spitze das englische Parlamentsmitglied Parnell steht, und welche auf eine gänzliche Umwälzung der für den Bauernstand sehr ungünstigen Verhältniffe des Boden­besitzes abzielt. Die Mißernten der letzten drei Jahre, verheerende Viehseuchen die Eoncurrenz der amerikanischen Getreideproducenten, welche die Preise herab­drückt, und die drohende Hungersnoth haben der Agitation selbst unter dem englischen Landvolke Bundesgenosten verschafft. Die irischen Pächter verweigern den Grundherren die Zahlung des diesjährigen Pachtes. Volksversammlungen verlangen die Einberufung des Parlaments, um die Mittel gegen die drohende Hungersnoth zu berathen und die nöthig-n Schritte zur Gründung eines unab­hängigen Bauernstandes in Irland zu thun.

Wieder ist ein Vertreter der englischen Regierung im Auslande dem Barbarismus zum Opfer gefallen. In der zu britisch Indien gehörigen

Wochenübersicht.

Kaiser Wilhelm ist am 22. ds. neu gekräftigt von Baden-Baden Berlin eingetroffen.

Bekanntmachunff.

Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz durch Verfügung vom 21. l. M. zu Nr. 15108 die Abhaltung der Rindviehmärkte zu Gießen und Grünberg unter der Bedingung bis auf weiteres wieder gestartet hat, daß eine sperre der Gemarkung Wieseck und Londorf nach Art. 372, Absatz 2 des Polizeistrafgesetzes ftattfindet, wonach also fernerhin kein Rindvieh, noch Gegenstände, wodurch die Lungenseuche weiter ver­breitet werden kann, aus der Gemarkung Wieseck und Londorf heraus, oder auch innerhalb derselben an Orte geführt oder gebracht werden darf, wo anderes Rindvieh hinkommen kann. Jedoch ist der Gebrauch von Rindvieh aus Stallungen oder Gehöften, über welche Stall- oder Gehöstesperre nicht verhängt ist, zur Feldarbeit innerhalb der gesperrten Gemarkung gestattet. Dasselbe darf jedoch nur in Gespannen das Gehöfte verlaßen.

Das vorübergehende Einstellen von fremdem Rindvieh in Wieseck und Londorf ist verboten.

Gießen, am 23. October 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boek m a n n.

Allgemem macht sich die Behauptung geltend, daß bie Anwesenheit des Fürsten Bismarck in Wien zum Abschluß eines D efensivbüriduisses zwischen Deutschland undOesterretch-Urrgarn geführt und das­selbe bereits die formelle Sanction beider Kaiser erhalten habe. Vorerst wer­den die Mittheilungen, welche Graf Stolberg dcm diplomatischen Ausschüsse des Bundesraths gemacht hat, als vertrauliche behandelt.

Mittelst königl. Verordnung sind die preußischen Kammern auf den 28. October einbemfen worden. Die Eröffnung soll durch den Kaiser per­sönlich erfolgen.

Die in Berlin tagende Generalsynode faßte den Entschluß, bei der Regierung eine strengere Sonntagsfeier zu beantragen. Namentlich soll an Sonntagen der Fortbildungsunterricht wegfallen und eine Beschränkung der Controlversammlungen, militärischer Marschübungen und des Eisenbahndienstes eintreten. Ferner erstrebt die Generalsynode eine Aenderung bei der Staats­prüfung der Theologen. Das Staatsexamen soll mit der ersten theologischen Prüfung zusammenfallen und durch eine theologische Prüfungs-Commission ab- genommen werden, statt der bisherigen staatlichen.

Infolge der Schließung der Simultanschule in Elbing hat der dortige Stadtrath beschloßen, bei den Kammern um die Zurücknahme der cultusminifleriellen Verfügung zu petitioniren und das für die Simultanschule neu errichtete Gebäude zu keinem anderen Zwecke herzugeben.

Der schwer erkrankte -Dtaatösecreiär v. Bülow erlag auf der Reise nach dem Süoen, wo er Genesung zu finden hoffte, in Frankfurt a. M. einem Schlaganfalle. Mit seinem Hinscheiden erleidet nicht nur das deutsche Reich, sondern auch der Kanzler, dem er als treuer, zuverlässiger Mitarbeiter zur Seite stand, einen empfindlichen Verlust.

ute üUbt enif .tation geöffnet. Achtungsvoll Oswald. sSsS

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w,lAUt ld)t Stetft Port, Bennigsen, der vormalige Führer der Nationalliberalen, hat sich gegen seinen anfänglichen Entschluß, endlich doch noch zur Annahme eines

Vv V> Mandats in's preußische Abgeordnetenhaus bewegen lassen und dadurch die

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Hoffnung auf das Zustandekommen einer liberalen Mittelpartei neu belebt.

Die Aussichten auf die Hebung desGroßen Kurfürsten" sind in letzter Zeit wieder gestiegen, nachdem es dem Unternehmer Leutner gelungen sein soll, das durch den Zusammenstoß entstandene Leck zu verschließen.

Das neue deutsche Reich wird nun auch seine Weltausstellung haben; wenigstens hat das Präsidium des deutschen Handelstages einen dahin zielenden Antrag gestellt.

Am 26. ds. erfolgt der Schluß der Münchener internatio­nalen Kunstausstellung. Von den ausgestellten Kunstwerken wurden für 400,000 Mk. angekauft, worunter für 80,000 Mk. zu Verlovsungszwecken.

Der von der bayerischen Regierung eingebrachte Gesetzentwurf einer Malzsteuer-Erhöhung fand nach lebhaften Debatten mit 98 gegen 43 Stimmen die Annahme der Kammer.

Die Gemahlin des Herzogs von Cumberland ist kürzlich in Gmunden einer Prinzessin genesen und hat den Besuch ihres Vaters, des Königs von Dänemark, empfangen, woraus man den Schluß ziehen will, daß btt dänische Hof in Verbindung mit anderen verschwägerten Höfen den freu­digen Anlaß benutzen wolle, den Herzog zur Verzichtleistung auf bie hanno­versche Krone zu bewegen, wovon sich Dänemark ein gutes Verhältniß zu Deutschland verspricht.

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