zum Diner beim Grasen Andraffy, zu welchem 16 Personen geladen waren. Dem Vernehmen nach wird Fürst Bismarck die Rückreise über Dresden nehmen.
— Das Diner bei dem Grafen Andraffy endete um 7 Uhr, worauf die Gäste, auch die Fürstin Bismarck und Gras Wilhelm Bismarck, sich ent» fernten. Fürst Bismarck und Ministerpräsident Tisza blieben bei Andrasiy zurück. Eine halbe Stunde später entfernte ^sich auch Tisza, wonach Fürst Bismarck und Gras Andraffy uoch längere Zeit mit einander conferirten. Die Fürstin Bismarck wohnte der Vorstellung tm Karl-Theater bet.
England.
London. Ueber das Blutbad in Kabul liegt jetzt ein vom indischen Amte veröffentlichter authentischer Bericht eines Augenzeugen vor, welcher selber dem Massacre mit genauer Noth entronnen. Es ist em Soldat der dem britischen Gesandten, Major Sir Louis Cavagnari, beigegebenen indischen Escorte, Namens Taimur. Dem in Lundi-Kotal kommandirenden enalischen Generale Voran erzählte er Folgendes:
Am 3. September, gegen 8 Uhr Morgens, zogen die in Balla Hifiar (der Cita- delle von Kabul) stationirten Turkestani Ocdal-Regimenter auf, um ($olb entgegenzunehmen. General Darud Schah zahlte ihnen den toolb für einen Monat, sie beanspruchten zwei Monate, unb als ihrem Verlangen nicht gewillfahrt würbe, brach eine Meuterei unter ihnen aus. Sie befanden sich m der Nähe des britischen Gesandtschaftsgebäudes und ein anderes Regiment hatte sich ihnen angeschlossen. Ein Soldat schrie: „Laßt uns den Gesandten tobten, bann ben Emir." Sie stürzten in den Hofraum des Gesandtschaftsgebäudes und steinigten einige Domestiken. Die Guiden (von der Escorte) fingen ohne Befehl der im Hause befindlichen britischen Officiere an, Feucr zu geben. Die Meuterer holten ihre Waffen und kehrten in einer Viertelstunde zurück, während welcher Zeit die britischen Officiere hätten entfliehen können. Nach ihrer Rückkehr belagerten die Meuterer das Gesandtschaftsgebäude und machten von einer beherrschenden Stellung aus das Dach unhaltbar. Die Vertheidiger stellten auf dem Lehmdache eine Art von Schutzwehr her und feuerten aus den Fenstern. Die städtische Bevölkerung schloß sich den Meuterern gegen 10 Uhr Vormittags an. Gegen 1 Uhr Mittags wurde Major Cavagnari, der sich in dem Schutzgraben befand, von einem Prellschuß an der ©time getroffen, aber nur leicht verwundet. Mr. Jenkyns (Secretär der Gesandtschaft) kam herauf und sandte nach Munshi, um an den Emir zu schreiben, aber da Munshi sich fürchtete, schrieb Taimur den Brief, des Inhalts, daß die Gesandtschaft angegriffen worden und Hülfe nöthig sei. Das Schreiben wurde durch Gholam Nubbi Kabule, einen alten Guidensoldaten, abgesandt Es kam keine Antwort. Gholam Nubbi sagte später Taimur, der Emir hätte auf den Brief geschrieben: „Wenn Gott will, ich treffe eben Anstalten." Major Cavagnari wurde in das Gebäude hineingeführt und von Dr. Kelly verbunden. Secretär Jenkyns sandte dann einen zweiten Brief an den Emir, worin es hieß, daß Major Cavagnari verwundet worden fei, und schleuniger Beistand gefordert wurde. Er wurde durch einen Hindu abgesandt, der sofort in Stücke gehauen wurde. Gegen 3 Uhr Nachmittags sandte Lieutenant Hamilton (der Befehlshaber der Escorte» Taimur mit einem Briese an die Meuterer ab, worin ihnen die Auszahlung eines sechsmonatlichen Soldes versprochen wurde. Um diese Zeit waren die Meuterer auf das Dach des Gesandtschaftsgebäudes gelangt. Taimur begab sich bewaffnet in das Gewühl der Volksmenge, die ihn entwaffnete, aber sein Leben wurde von einem Officier gerettet. Taimur theilte den Aufständischen mit, er wäre der Träger eines Versprechens, ihnen den Sold für sechs Monate zu zahlen. Man warf ihn von dem Gesandtschaftsgebäude herab und er fiel auf das Dach eines niedrigen Hauses. Er verlor die Besinnung und wurde aller seiner Habseligkeiten beraubt. Als er wieder zum Bewußtsein gelangte, wurde er dem General Karim Khan, Comman- deur der meuterischen Brigade, vorgeführt. Karim Khan saß auf einem Bette, umgeben von 50 ober 60 M«nn. Als Taimur ihm sagte, er würde Sold für 6 Monate empfangen, erwiderte er, er wäre hilflos. Er ordnete die Einsperrung Taimur's an. Taimur sagt, er besitze keine Kcnntniß von den Vorfällen nach seinem Verlassen des Gesandtschaftsgebäudes, welches zur Zeit eben in Brand gesteckt wurde. Ein verwundeter Hawllb«r des Emirs ward nach dem Hause gebracht, in welchem Taimur gefangen gehalten wurde, und als Entgelt für das Herausziehen einer Kugel ließ der Afghane ihn bei Tagesanbruch am nächsten Morgen entwischen. Er begab sich darauf nach dem Gesandtschaftsgebäude und sah zuerst die Leiche Hamiltons auf einer Bergkanone, die gegen das Gebäude in's Spltal gebracht worden, hingestreckt liegen. Die Truppen erzählten, Hamilton hätte drei Gegner mit seinem Pistol, zwei mit dem Säbel getödtet, ehe er erschossen wurde. Die Leiche war entkleidet und zerstückelt, aber nicht entehrt. Nicht weit davon lag die Leiche Jenkyns' in gleicher Verfassung. Taimur ging nicht in das Gebäude hinein, ober es wurde ihm gesagt, daß Dr. Kelly's Leiche drinnen läge und daß Major Cavagnari sich in dem Zimmer unter den Verwundeten befand, als das Gebäude in Brand gerieth und über ihm einstürzte. Seine Leiche war noch nicht aufgefunden worden, als Taimur Kabul verließ, aber die anderen drei Officiere waren in einem etwa 100 Ellen von dem Gesandtschaftsgebäude entfernten Garten beerdigt warden. Taimur glaubt, daß kein anderer Vertheidiger der Gesandtschaft sein Leben rettete. Gholam Nubbi, dem Major Cavagnari den Brief gab ist am Leben und in Kabul, und besitzt noch den Brief mit der darauf niedergeschrtebenen Antwort des Emirs. Der vom Emir abgesandte General Davud Schah that sein Bestes, um der Meuterei Einhalt zu thun, aber er wurde vom Pferde gerissen, gesteinigt und durch einen Bajonetstich verwundet. (Den neuesten Berichten aus Lahore zufolge ist er seinen Wunden erlegen.) Während des Angriffes erschienen auch Sindow Yahya und Mustafa Hakibulla und versuchten den Ruhestörungen ein Ende zu setzen, aber sic wurden mit Schüssen empfangen und gezwungen, sich zurückzuziehen.
Lady Cavagnari, die Wittwe des in Kabul ermordeten britischen Gesandten, erhält nicht allein eine Pension von der indischen Regierung, sondern die britische Regierung wird auch Ansprüche auf eine Pension aus der Cioilliste in Anbetracht der ausgezeichneten Dienste ihres verstorbenen Gemahls in Erwägung ziehen.
Zlutzland.
Petersburg, 22. Septbr. Laut amtlichen Berichtes hat die Vorhut der gegen die Tekke Turkmenen vorrückenden Truppen unter dem Befehle des Fürsten Dolgorukow am 18. August zwischen Terkasan und Khodjalkali mit einer feindlichen Abteilung Schüsse gewechselt. Dolgorukow sandte zwei Schwadronen Kavallerie und eine Compagnie Infanterie aus, welche am 23. August den Feind mit Erfolg angriffen und 6000 Schafe nebst 1200 Lttück Rindvieh erbeuteten. Die Verluste waren auf beiden Seiten unerheblich.
Türkei.
Konstantinopel, 22. Septbr. Die Pforte ließ bezüglich des von Constantin Karajanopulo versuchten Attentates ihren Vertretern tm Auslande folgende Mittheilung zugehen: Obwohl der Attentäter, deffen griechische Her» tunst feststeht, an Geistesstörungen litt, scheint derselbe doch, wie aus den bet ihm aufgefundenen Papieren und anderen Anzeichen hervorgeht, einen verbrecherischen Zweck verfolgt zu haben, als er sich mit Gewalt Eingang in den Palast des Sultans zu verschaffen suchte gerade in dem Augenblick, als der Sultan tm Begriffe war, sich zur Feier deS BeiramfesteS nach der Moschee zu begeben
Telegraphische Depeschen.
Wagner's tclegr. Correspondenz - Bureau.
London, 24. Septbr. Aus der Zusammenkunft zwischen den Ministern Lord Salisbury und Waddington resultirte, wie „Times" erfährt, eine völlige Verständigung über die Hauptpunkte in der egypttschen und griechischen Frage. Behufs Erleichterung der Lösung der egyptischen Finanzschwierigkeit soll künftighin jedes Mißverständniß zwischen Frankreich und England mit dem Khedive vermieden werden.
Straßburg, 24. Scpe:br. Der Kaisr hat folgende Cabinets-Ordre an den General Fransecky erlaffen: Ich habe bei den heute beendeten großen Herbstübungen des 15. Armee-Corps den Eindruck vollständig bestätigt gefunden, welchen Ich vor zwei Jahren bei den Besichtigungen eines größeren Theils der Truppen Elsaß Lothringens gewonnen habe. Es ist hier auS den verschie» densten Contingenten ein Corps zusammengesetzt mit Einem Sinn und Einem Streben und ein würdiges Bild für die Vereinigung des deutschen Vaterlandes geschaffen, welches sich seiner gewichtigen Aufgabe in jeder Beziehung gewachsen und würdig erweist. Ich bin Mir wohl bewußt, daß ein solches Resultat nur durch die hohe Einsicht, das Verständniß und die rastlose Thätigkeit des commandirenden Generals erreicht werden konnte und spreche Ihnen gern aus warmem Herzen meinen Dank und die vollste Anerkennung aus, die Ich zu» gleich durch die Verleihung des Kreuzes und Sterns eines Großcomthurs des Hausordens Hohenzollerns bestätige. Ich ersuche Sie zugleich, unter Gewäh- rung der in der Anlage enthaltenen Gnadenbeweise, den sämmtlichen Generalen und Ofstcieren Meinen Dank für die hingebende und auffopfernde Thätigkeit zu sagen, wodurch allein sich eine so durchaus befriedigende innere Ausbildung der Ordnung der Truppen hat ermöglichen laffen, und auch der Mannschaft Meine volle Anerkennung für die Leistungen zu erkennen zu geben, die Ich in allen diesen Tagen ganz besonders an den sehr erschwerten Paradetagen nur durchaus loben und anerkennen kann.
Breslau, 24. Septbr. In Königshütte ist ein Fall von Rinderpest amtlich constatirt.
Montbeliard, 24. Septbr. Der Minister des Innern, Lepöre, besichtigte gestern die befestigten Höhen von Lomont und äußerte dabei, nachdem er vorher erklärt hatte, er entkleide sich seiner amtlichen Eigenschaften: Wir wollen Frieden und nichts als das, aber wenn irgend wer etwas Anderes wollen sollte, sind wir bereit.
Loudon, 24. Septbr. „Times" bespricht den Besuch des Fürsten Bismarck in Wien und erblickt darin eine neue Garantie für die Erkaltung des Friedens in Europa.
— DaS „Reuter'scke Bureau" meldet aus Simla vom 24. ds.: Der Angriff Baker's auf Kusht wird erwartet. Die Truppen des Generals Ro» berts erhielten die erforderlichen Transportmittel für den Vormarsch auf Kabul vollständig aelkfert. Der Vormarsch beginnt nunmehr unverzüglich.
Berlin, 24. Septbr. Die „Provinzial-Correspondenz" bespricht den Besuch des Fürsten Bismarck in Wien, welcher zunächst als Gegenbesuch Andraffy's und zugleich zur Fortsetzung der Gasteiner Besprechungen beider Staatsmänner In Aussicht genommen, durch den Gang der Ereigniffe und durch die Umstände und Kundgebungen, welche die Anwesenheit des Reichskanzlers in Wien begleiten, noch erhöhte, nicht blos in beiden großen Reichen, sondern auch in ganz Europa erkannte Bedeutung gewonnen habe. Der Empfang Bismarck's in Wien seitens des Hofes wie in der Regierungssphäre, nicht minder seitens der Bevölkerung, sei ein so ehrenvoll au-zeichnender, wie er in solcher Weise wohl kaum einem fremden Staatsmanne jemals zu Theil geworden sei. Die Correspondenz schildert den Empfang und die Stimmung, in welcher seitens der Regierungskreise dem Besuche des Kanzlers entgegen» gesehen und die in dem Begrüßungsartikel des halbamtlichen Blattes Ausdruck fand, und hebt hervor, daß die gesammte Wiener Preffe den deutschen Kanzler mit wärmster Sympathie begrüßt und daß die Meinung von der großen politischen Bedeutung des Besuches in der lebhaften Bewegung Bestätigung gefunden habe, welche sich in den leitenden Regierungskreisen an den Besuch knüpfte. Bezüglich der Auffaffungen und Erwartungen über die Wiener Ver- Handlungen nimmt die Correspondenz auf die Notiz der amtlichen Wiener Zeitung und aus eine Stelle des bekannten Wiener Briefes der „Nordd. Allg. Ztg." Bezug und schließt ihre Besprechung dann mit folgenden Sätzen: So« weit daS vorläufige Urtheil über Character und Bedeutung der im Gange befindlichen Verhandlungen. Eine in hohem Maße beachtenSwerthe Thalsache ist die, daß abweichend von allen sonstigen ähnlichen Fällen diesmal ganz Europa von der friedlichen Bedeutung und Wirkung der Verhandlungen überzeugt zu sein scheint.
Straßburg, 24. Septbr. Der Kaiser hat dem Oberprästdenten 3000 Mark überwiesen zur zweckmäßigen Vertheilunz an Arme, die sich mit Bittgesuchen persönlich an den Kaiser wendeten. Auch die Kaiserin hat bei ihren Besuchen der Wohlthätigkeitsanstalten letztere beschenkt. Der Bürgermeisterei-Verwalter Back veröffentlicht Folgendes: Seine Majestät der Kaiser und König haben mir den Auftrag zu ertheilen geruht, für den Allerhöchst Ihm und Ihrer Majestät der Kaiserin in diesen Tagen Hierselbst gewordenen freundlichen Empfang der Bevölkerung Straßburgs seinen Dank auszuspcechen. — Es gereicht mir zur Freude, dieses Allerhöchsten Auftrages mich hierdurch entledigen zu können. Back. — Vor seiner Abreise beschenkte der Kaiser den Theaterdirector Heffler mit einer brillantenbesetzten Busennadel.
Wien, 24. Septbr., Abds. Fürst BiSmarck conferirte gestern Nachts nach der Rückkehr von Andrasiy mit dem Prinzen Reuß und setzte diese Eon» serenz heute fort. Heute hatte Bismarck eine */i Stunden dauernde Unterredung mit Andrasiy. Das Diner war der Zeiterspamiß halber im Hotel Imperial arrangirt; an demselben nahmen Andraffy, Haymerle, Prinz Reuß und Hauptmann v. Steininger Theil. Die Abreise Bismarck- erfolgte 8 Uhr Abends. Eine dichtgedränge Menschenmenge umstand Hotel und Bahnhof; der Perron war von einem destinguirten Publikum vollständig gefüllt. Andraffy, welcher vor Bismarck erschienen war, unterhielt sich mit dem letzteren bis zu der Abfahrt. Nachdem das Zeichen zur Abfahrt gegeben, erschien zuerst die Für- stin Birmarck am Arme des Prinzen Reuß, dann der Fürst mit Andraffy und der deutsche Generalconsul v. Mallmann mit dem Botschaft-personal. Der Fürst und die Fürstin verabschiedeten sich darauf herzlich von Andraffy und dem Prinzen Reuß. Am Coupefenfter wechselte Bismarck noch einige Worte mit Andraffy und reichte demselben im Momente der Abfahrt nochmal- die Hand. Auch die Fürstin winkte dem Grafen Andraffy nochmal- einen Gruß zu.
BreHilan, 24. Septbr., Abds. Gegen die Weiterverbreitung der in Königshütte ausgebrochenen Rinderpest sind von der Regierung zu Oppeln die umfaffendsten Maßregeln getroffen.___________________________
Lokale-.
Gießen, 25. Srptbr. Am 30. d. M. begeht der Großh. Rabbine Herr Dr. Levi sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum hterselbst. Zur würdigen Feier dieses seltenen Ehrentages ist folgendes Programm aufgestellt worden. Vormittags 10 Uhr: Festgottesdienst in der. Synagoge, hierbei feierliche Einführung des Jubilars, Ansprache des ersten Vorstehers Herrn M. Hornberger an denselben, sowie Festpredigt des Jubilars. Vormittags 11 Uhr: Empfang in der Wohnung des JubilarS und Nachmittags 2 Uhr: Festessen in Wenzel's Garten.
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