de» erhöhten Preis Von Kupfer in ihren Werften zu zahlen hatte, die ganze Zoll-E nähme von diesem Artikel.
Der ausgedehnte Handel mit den südamerikanischen Staaten, der früher überwiegend in den Händen der Vereinigten Staaten war, ist an die europäi scheu Loncurrenten gekommen, z. B. mit Ch li, weil der prohibitive Zoll auf einen seiner Hauptarttkel, Kupfer, die Emfuhr fast unmöglich macht. Mit allen Vortheileu eines une'scdöpstlchen Bodens, die größten Minen für Edelmetalle, den Schätzen von Petroleum und P'vducten, weiche die verschieden,ten Klimate umfassen, beträgt der G^sammthandll der Veremmten Staaten noch nicht ein Drittel des englischen, ersterer 2O81/a Mill. Lstr.; letzterer 631,900,000 Lstr., während erstere einige 40 Mill. Einwobner. England 34 zählt. Von der Ausfuhr, die 1877/78 ohne Edelmetalle 695 Mill. Dollars betrug, kommen auf Baumwolle und Wolle 180 Mill., Getreide 182, freches und conservirtes Fleisch 70, Fische 40, Petroleum und Terpentin 50, Tavak 19, Butter und Käse 17 Mill. Mit den kleineren Artikeln betragen also Bodenerzeugniffe mehr als 9/io der Gesammtaussuhr; so wenig bat der Schutz zoll die amerikanische Industrie exportfähig gemacht. Er hat ferner in einer Demokratie eine privilegirte Clafse geschaffen, parlamentarische Korruption und Schmuggel unendlich vermehrt. Der Betrug wird aus 25 Mill. Doll, jährlich geschätzt.
Das Ergebniß ist allgemeine Theuerung, Darniederliegen der künstlich getriebenen Industrie, Bankerotte. Die in die Wllvniß gebauten Eisenbahnen zahlen längst keine Zinsen mehr, wie deutsche Kapitalien, die sich durch die hohen Zinsen verlocken ließen, zu ihrem Schaden erfahren haben. Smk<s und Arbetterunruhen sind an der Tagesordnung; eine Petition von Krufimten und Fabrikanten zu Ende 1877 sagte, der Pauperismus nähme reißend zu und Tausende geschickter Arbeiter suchten vergeblich Beschäftigung. Der So- cialismus ist mächtig im Zunehmen; denn man kann es nicht leugnen, der Schutzzoll hat eine starke socialistische Seite. Der Forderung des F chrikanten aus gewinnreichen Betrieb tritt der Arbeiter mit dem Recht auf Arbeit entgegen, indem er fordert, daß ihm der Staat lohnende Arbeit sichere.
Die Vereinigten Staaten zeigen, daß die Wirkung des consequenten Schutzzoll-Systems folgende sein muß: Die Preise erhöhen sich mindestens um den Betrag des Zolles, der Preisbewegung folgen die Löhne, mit ihrer Erhöhung steigen dann auch wieder entsprechend die Produktionskosten der geschützten Industrie, folglich auch die der Production und die Wukung dieses Kreislaufes führt zur Beschränkung des Verbrauchs, zur Abnahme des Handels und der Industrie. In Amerika beginnt man jetzt die Augen zu öffnen und eine Herabsetzung der Zölle ernstlich in's Auge zu fasten. Sollten die dort gemachten Erfabrungen an uns unbeachtet norüberaehen?__
Deutschland.
Berlin, 22. Februar. Dem Bundesrath ging heute ein Gesetzentwurf über die Kor.sulargerichtsbaikeit zu. — Die Ausschüsse des Bundesrathö über Justiz und Handel und Verkehr beantragten bei dem Bundesrathe, den Reichskanzler zu ersuchen, im Anschluste an die beschlostene Revision der Acliengesitz- gebung unter Berücksichtigung der vorjährigen darauf bezüglichen Resolution des Reichstages eine Novelle zu dem Gesetze üb*r die privatrecbtliche Stillung der Erwerbs- und Wirthschafts^Genostenschasten dem Bundesrathe vorzulegen.
Oesterreich.
Wien, 22. Februar. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine Ministerial-Verordnung vom 21. ds., wonach Reisenden aus Bulgarien der Uebertrttt nach Otsterreich uur gegen vtdirte Bestätigung eines 20tägigen Aufenthalts in seuchenfleien Dtstricten gestattet wird. — Eine Versammlung von Abgeordneten, welche gegen den Berliner Vertrag gestimmt, nahm en.stimmig eine Resolution an, wonach, so lange die Frage der Vertheilung der Verwaltungskosten Bosniens und der Herzegowina auf beide Reichshälften nicht ver- sastungsmäßig gelöst sei, die Occupationskosten auf jems Muß zu beschränken seien, welches durch die militärischen Bedürfniste der Occupattonstruppen be> stimmt werde. Die Versammlung beschloß, sämmtlichen verfastungötreuen Abgeordneten diese Resolution mitzutheilen und deren Mltunterzeichnung anheim- zusteüen.
Arankreich.
Paris, 23. Februar. Das „Journal officiell" meldet General Ehan- zy's Elnennung zum Botschafter in Petereburg an Stelle des Generals L<flo; des AdmiralS Pothuau zum Botschafter in London an Stelle des Ma.quis d'Harcourt; des bisherigen Ministers Theifferene de Bort zum Botschafter in Wien an Stelle des Grasen Vogue.
Italien.
Rom, 22. Februar. Der Papst empfing beute gegen 1000 katholische Journalisten verschiedener Nationalität, welche 1302 kirchliche Journale und Revuen vertreten, an deren Herausgabe mehr als 15,000 Schriftsteller be- theiligt find. Msg. Trtpepi verlas die Glückwunsch- und ErgebenheitSadreste, welche die Bemühungen der Journalistik zur Veltheidigung der Rechte der Kirche constatirte. Der Papst hob in feiner Erwiderung die Rothwendigkeit hervor, daß die katholische Tageepreffe jener Presse entgegentrete, w.lche die Gesellschaft vergiftet und en pfadl Einigkeit in den christlichen Principien und Mäßigung der Sprache; er tadelte diejenigen, welche die die ernstm Lebensinteressen der Kirche berührenden Fragen nach ihrer Willkür lösen wollen; er machte die Rechte der Kilche auf weltliche Herrschaft geltend und mumerte die Journalisten aus, die Rothwendigkeit der Zurückforderung dieser Herrschaft nachzuweisen, welche niemals cm Hinderniß für die Wohlfahrt der Volkes, das Gedeihen Italiens und der Glanz Roms war. Schließlich forderte der Papst die Journalisten auf, für die Grundsätze zu kämpfen, welche als Basis der gesellschaftlichen Ordnung und der Eivilisation dienen. Di Vertreter der Preffe überreichten hierauf dem Papste den Peterspfennig und gaben Adressen und Albums; in der Deputation befanden sich auch mehrere Bischöfe.
Flußland.
Charkow, 23. Februar, Abends. Der Zustand des verwundeten Gouverneurs Krapokin ist sehr gefährlich.
Türkei.
Tirnowa, 23. Februar, Abends. Die österreichischen Kommiffäre haben gestern das Protokoll über die Sitzung der Notabeln nicht unterzeichnet.
— Fürst Dondukoff- Korsakoff hat heute eine Revue über die bulgarischen Trupp-n ^fcaenom" e .
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. «Korrespondenz-Bure«.
Berlin, 24 F bruar. Dem Vernehmen nach wird das ReichSgesund- heitsamt dem ächst durch je ein Mnglied der Medicinalcollegien Preußens, Bayerns, Sachsens, Wüittembergs, Bidens und Hessens, zwei Mitglieder des Bundes der ärztlichen Vereine Deutschlands und eine Anzahl außerordentlicher Mitgli der Verstäikung erfahren. Genannt als Vertreter Bmerns wird Prof. Pettel.kosir, Sachsens Geheimrath Rttnhardt, Württembergs Ober Medi- cinalrath Kuch, Badens Medicinalrath Vals, Hessens Ober-Medicinolrath Pfeiffer, als Vertreter des obenerwähnten Bundes Sanitätsrath Gras in Elberfeld und Sanitätsrath L nt in Köln; als außerordentliche Mitglieder werden die P ofefforen Hi sch und Hofmann in Berlin, sowie Reichardt in Jena genannt, ferner Miquel in Osnabrück, Erhardt und Zenettie in München, Barren- trapp in Frankfurt a. M. und Zinn in Eberswalde.
— D-e „Nordd. Allg. Zrg." schreibt: Nach den Bestimmungen des preußischen Elsenbahngffetzes sei die öffentliche Bekanntmachung und gleichmäßige Anwendung der Eisenbahntarise für Jedermann ohne Unterschied der Jntereffenten vorgeschrleben, die Begünstigung einzelner Versender durch Frachtbonificationen verboten. Gleichwohl habe, wie eine kürzlich ftattg-babte Untersuchung ergeben, ebifc große EisenbabmGesellschast einzelnen Handelsfirmen für den Fall der Leitung von Transporten in bestimmten Verk-chrsrichtungen über chre Route anstatt über eine Concurrenzroute solche Begünstigungen zugesichert und gewährt. Der HandelSminist r sei sofort unter Androhung nachdrücklicher ZwangSmaß- mrßregeln gegen dieses ungesetzliche Verfahren eingeschritten. Das Vorkomm- niß sei um so bedenklicher, als die Begründung der Handlungsweise der Eisenbahn-Gesellschaft durch Berufung daraus entschuldigt werde, daß gleiche Gesetzwidrigkeiten verübt würden, welche Behauptung nach dem bisherigen Verlaus der u tersuchunq nur zu begründet erscheine.
London, 24. Februar. Die „Times" meldet: Frankreich und England senden im gegenseitigen Einvernehmen ein Kriegsschiff nach Egypten im Sinne einer Demonstration und haben die Signatarmächte von diesem Schritte verständigt.
Berlin, 24. Februar. Die kirchliche Trauerfeier für ben verstorbenen Feldmarschall Gras Roon findet Mittwoch li Uhr in der Garnisonskirch! statt, wohin die Leiche gestern Abend übergeführt wurde. Nach der kirchlichen Feier erfolgt die Ueberführung der Leiche mit allen militärischen Ehren nach dem Görlitzer Bahnhof und von da aus nach dem Gut Krobnitz bei Görlitz, woselbst Do-meistag die Beerdigung strttstndet.
— Die vom Journal „Golos" aufgestellte Behauptung, daß Profeffor Jacoby auf der Reise nach Zarizin an der Epidemie erkrankt sei, wird vom „Reichs-Anzeiger" dabin richtig gestellt, daß derselbe an Lungenentzündung ernstlich erkrankt, sein Znstrnd jedoch bereits in sichtlicher Besserung begriffen ist.
Paris, 24. Februar. Der Akademiker Renö Taillandter ist gestorben. — Die Senats-Eommissioi zur Berathung der Amnestievorlage ist säst einmütig für den Reg'erungs-Entwurf; die D'scusfion der Angelegenheit findet wahrscheinlich am Freitag statt.
Petersburg, 24. Februar. General Graf Loris-Melikoff telegraphirt aus Zar»zin vom 23. ds.: Es sind keine neue Erkrankungs- und Sterbefälle an der Epidemie vorgekommen. Die unter dem Vorsitz des Grafen Golenift- scheff-Kutusoff stehende Kommission zur Abschätzung der zu verbrennenden Häuser und der den Elgentbümern zu leistenden Vergütungen ist heute von hier nach Staritzkoje abgereist; dieselbe hat den Auftrag, die Einwohner mit Kleider und Wäsche zu versehen, für Desinsection der Gräber und allgemeine Gesundheitsmaßregeln im Dorf zu sorgen und die Umzingelung aufzuheben, da die 42tägige Quarantäne abläuft.
Loudon, 24 Februar. Oberhaus. In Beantwortung einer Anfrage Stanley's erklärte der Geheimraths-Präsident Richmond: Vorsichtsmaßregeln gegen die E nichleppung der Pest seien betreffs der Schiffe aus russischen Ostseehäfen beabsichtigt, sobald die Schifffahrt frei geworden; eine Beschränkung der Lumpe einl'chr aus Rußland sei vorläufig unnöthig.
Washington, 24. Februar. Schatzsecretär Sherman hat »eitere 20 Mill. Dou. Bonos zur Rückzahlung einberufen; die Verzinsung erlischt mit dem 24. Mai.
Warschau, 24. Februar. Gestern wurde oberhalb Warschau die Damwsprengung ausg-führt; die Eisschollen sind größteutheilS abgelausen. Telegrapbischrr Meldung aus Sandomirz zufolge ist gestern daselbst daS Wasser durckaebrochen; durch Eisverstopfung waren große Verheerungen angerichtet. Der Wass-rstand in Warschau -st Höriger, ge'enwärtig 8 Fust 3 Zoll.
~~ L o k a l e S.
Gießen -'n. Februar. Bei der peftern als confiScirt gemeldeten Deeimalwaagc einer hiesigen Koblenbandlung betrug Die Differenz nicht weniger als 22 Pfd. Mindergewicht».
— Einem Fubrmann wurden gestern in der LSwengaffe 5 leere Säcke vom Wagen gestohlen. Der Dieb, ein ohne Stelle befindlicher Fubrknecht, ist bereits inhafttrt.
Gieftcn, 25. Februar. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Stpmg am Donnerstag den 27. Februar 1879, Nachmittags 4 Uhrr
1. Gesuch wcaen Errichtung eines Grabdenkmals.
2. Gesuch des Jakob Steinbach um Erlaubniß zur Erbauung eines Stalles.
3. Gesuch des Wilhelm Köhler I. um Erlaubniß zur Erbauung einer WerkstLtte.
4. Gesuch der Christian Löber I. Wittwc um^Erlaubniß zur Erbauung eine» Hofchors.
5. Die steinerne Treppe auf dem Kreuz betreffend.
6. Die steinerne Treppe auf der Asterwegcr Brücke betreffend.
7. Die Brücke über den Bruckgraben in der Ludwigsstraße.
8. Die Straßen^Beleuchtung betreffend m ,,,
9. Die Barriere an dem Gäßchen zwischen den Hausern M Buchhändler» Arth und des Hofgerichts:Advoeaten Kohlermann.
10. Gesuch wegen Überlassung eines Schulsaales zum Unterricht un Zeichnen.
11. Passions-Gottesdienst in der Hospitalürche.
12. D,e Vergebung zweier Plock'icken Stiftspfründen.
13. Strai-enanlagen zwischen Neustadt und Wallthor.
14 Die Herstellung einer Straße zwischen Reichensand und Neustadt.
15 Expropriations-Verfahren gegen die Wittwe und Erben des Jeremias Krietzel.
16. Verwerthung von Gcdölz aus der Hand.
17. Das Pfanblokal betreffend.
18 Die Stadtmädchrnschule in der Neustadt betreffend.
19. Die Pflasterung von Straßenkreuzen.
20. Die Einfriedigung der städtischen Anlagen.
21. Tie Straßenüberschwemmungen bei Hochwaffer der Lahn und Wte,eck.
22. Die Ein- und Ausgcrinnschleußen.
23. Abschluß der Zugänge tu dem Stadtbach.
24. Die Erbauung eines öffentlichen Schlachthauses.
25. Kostendecreturen.


