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Nr. 21.

Samstag, den 25. Januar

1878.

Gießener Munger

AMige- uni Amtsblatt für in Kreis Gießen.

SS, } Schulstraß- B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. "iett-ljahrlich 2 Ma^ 20 mit Bringerlohn.

Gxpedinonlburemr r J ö Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Tßeit.

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß, nach einer in Nr. 52 des Centralblattes für das deutsche Reich vom 27. December 1878 erschienenen Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 22. v. Mts., auf Grund der Vorschriften im § 9, Nr. 2, des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875 (Reichsgesetzblatt S. 52) der Betrag der für die Naturalverpflegung zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1879 dahin fest gestellt worden ist, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist:

mit Brod

a. für die volle Tageskost.....80 Pfg.

b. für die Mittagskost ......40

c. für die Abendkost.......25

d. für die Morgenkost ......15

Gießen, den 21. Januar 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann.

ohne Brod

65 Pfg.

35

20

politisch

Zur allgemeinen politischen Lage.

Die von einem Tage zum andern erwartete Unterzeichnung des end­gültigen Friedens zwischen Rußland und der Türkei ist bis heute noch nicht erfolgt. Wie es heißt, bereitet die Fassung desjenigen Artikels, welcher die rom Berliner Vertrag unberührt gebliebenen Bestimmungen des Friedens von San Stefano behandelt, noch Schwierigkeiten Es begreift stch freilich, daß die Pforte stch so lange als möglich sträubt, in den sauren Apfel zu beißen, aber es wird ihr doch schließlich nichts anderes übrig bleiben. Ihre Finanz, uclh ist zu groß, als daß ste nicht dringend wünschen müßte, endlich einmal zur Ruhe zu kommen. Von allen Setten wird denn auch versichert, daß die Verzögerung des Abschlusses keineswegs einen Abbruch der Verhandlungen be­fürchten lasse.

Die Aussichten aus die Ausführung des Berliner Vertrages sind gegenwärtig nicht ungünstiger, als sie eS bisher waren. Ueber die Förmlichkeiten bet Abtretung der Provinz Khotur an Persien ist neuerdings em Etnverständniß erzielt. Die griechischen Comwissare für die Grenzbertchtigung sind nach dem von der Pforte zur Zusammenkunft bestimmten Orte abgegangen und die Angelegenheit damit endlich in Fluß gekommen. Montenegro hat kluger Weise Oesterreichs Mitwirkung in Anspruch genommen, um in den Besitz der ihm zugesprochenen Grenzfestungen zu gelangen.

Unter der ostrnmelischen Bevölkerung dauert allerdings die Agitation gegen die Wiederherstellung der türkischen Herrschaft fort. Nachgerade sollen aber auch tte Mitglieder der internationalen Commission, welche die Orga­nisation der Verwaltung für das Land flstzustellen hat, der Vertreter Eng. -ands nicht ausgeschlossen, zu der Einsicht gekommen fein, daß es unmöglich sei, die Organisation in der Weise vorzunehmech, wie der Berliner Vertrag es bestimmt. Es wäre daher thöricht, aus dem Umstande, daß die Ausfüh­rung des Vertrages bei diesem Punkte auf Schwierigkeiten stößt, auf neue Verwicklungen zu schließen. Was gegenwärtig in Oesterreich vorgeht, beweist deutlich genug, daß man dort allen Ernstes vorhat, im nächsten Frühjahr bis nach Nowbazar und noch weiter nach Süden vorzudringen. In dem Maße, wie die Aussichten auf Verwirklichung des Projerts einer gemischten Besetzung Rumeliens schwinden, tritt die Eventualität einer Occupation durch österrei­chische Truppen näher. Die Ausdehnung der österreichischen Machtsphäre, von der heute Niemand mehr annimmt, daß sie nicht in geheimem Etnverständniß mit Rußland erfolge, ist aber offenbar das beste Mittel, um nach dem bevor­stehenden Abzug der russischen Armee die Ruhe und Ordnung in den Ländern jenseits des Balkans aufrecht zu erhalten und zugleich die Gegner Rußlands zu beschwichtigen.

Was die Westmächte betrifft, so haben dieselben gerade jetzt zu viel mit inneren Schwierigkeiten zu schaffen, als daß ste daran denken sollten, sich noch auswärtige Verwicklungen dazu auf den Hals zu laden. Die englische Regie­rung muß sich um so mehr vor neuen kriegerischen Unternehmungen hüten, da die Oppofitton ansängt, den Nothstand, der in Folge der Handelsstockung unter der Arbeiterbevölkerung herrscht, der bisherigen kriegerischen Politik des Cabtnets zur Last zu legen, welches die Rückkehr des Vertrauens hindere. Das vom französischen Ministerpräsidenten aufgestellte neue Regierungs-Programm betont mtt besonderem Nachdruck, daß Frankreich den Frieden wolle und die Welt nicht in Verwirrung zu stürzen, sondern nur Herr im eigenen Hause zu bleiben wünsche. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten werden end­lich aus beiden Sette» als freundschaftlich und vertrauensvoll geschildert.

Alles in Allem genommen ist daher eine Störung des Weltfriedens kei­neswegs zu befürchten, die allgemeine politische Lage vtelmehk nach wie vor der Ausrechterhaltug desselben günstig.

er Th ei t.

Deutschland.

Darmstadt, 23. Januar. Wir erhalten die Nachricht, daß Se. König!. Hoheit der Großherzog mit den Allerhöchsten Kindern in Begleitung des Prinzen von Wales und des Prinzen Leopold die Reise glücklich zurückgelegt haben und J/4 vor 2 Uhr im Hafen von Cowes ar gekommen find, wo Sw die Dach.' verließen und mittelst Wogen in Oüborne eintrasen. (D. Ztg.)

Zum Berichterstatter des Finanzausschusses der zweiten Kammer über die Vorlage der Regierung in Betreff der Uebertragung des Eigen- thums an der aus Großherzoglich Hessischem Gebieie belegenen Strecke der Main-Weser-Bahn auf den Preußischen Staat ist der Abg. Wolfskehl ernannt worden.

Darmstadt, 23. Januar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 18. Januar den Oberförster der Oberförsterei Griesheim, Ernst Klipstein, in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Laubach, sowie den Oberförster der Oberförsterei Laubach, Ludwig Erdmann, in gleicher Dterst- eigenschaft in die Oberförsterei Griesheim zu versetzen.

Darmstadt, 22. Januar. Das Großherzcglicke Regierungsblatt (Bei­lage Nr. 1) enthält:

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, den Aus- schlag der zur Bestreitung der allgemeinen Bedürfnisse der evangelischen Kirche des Großherzogthums im Jahre 1879 erforderlichen Steuern betreffend.

2. Bekanntmachungen der bautechnischcn Abtheilung Großherzogltchen Ministeriums der Finanzen, die Gebühren für das Ueberwtntern der Fahr­zeuge in den Rhcinhäfcn: 1) Lampertheimer Altrhein, 2) am Goldgrund und em Schusterwörth und 3) bei Ginsheim betreffend.

3. Bekanntmachung Großherzoglicher General-Adjutantur, die Freiherrlich von Weyherische Eleonorenstiftung betreffend.

4. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, die Nichterhebung einer confessionellen Umlage in der israelitischen Gemeinde Planig betreffend.

5. Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzoglichem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnisten in den Gemeinden des Kreises Groß-Gerau.

6. Bekanntmachung Großherzogltchen Kreisamts Worms, die Erhebung einer Umlage in der israelitischen Religions-Gemeinde zu Monsheim für 1878 betreffend.

7. Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzogltchem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnisien in den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Oppenheim.

8. Uebersicht der für das Jahr 1879 von Großherzogltchem Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen tn den israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Erbach.

9. Ordensverleihungen.

10. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

11. Namensveränderung.

12. Dtenstnachrichten.

13. Charaktererthetlungen.

14. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die mit einem akademisch ge­bildeten Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der erweiterten Volksschule zu Grünberg mit einem jährl. Gehalt von 2570 zwei Lehrerstellen an den städtischen Schulen zu Worms, mit einem Anfangsgehalt von je 1200 VH. nach Klassen steigend bis zu 2200 JL jähUtch, nebst einer Miethentschädigu >g von 350 «X für den verheiratbeten und von 200 jährlich für den unver- hetraiheten Lehrer; die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Kaibach mit einem Gehalt von 900 cfl Das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem