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Dienstag den 24. Juni
1879
RedaetionSbrrrearrr 1 Ä , rn , _ <e @仫MHen#6urtMt / Schulstroß« S. l».
Nr. 17 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 17. l. M. enthält:
Mr. 1304.) Verordnung, betreffend die Paßpflichtigkeit der aus Rußland kommenden Reisenden. Vom 14. Juni 1879 Gießen, den 21. Juni 1879. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___________________________________________ Dr. Boekmann.
Kichener Anzeiger
AnMe- uni Amtsblnlt fit ien Kreis Gießen.
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Das Ende der Napoleoniden.
Während die bonapartisttsche Partei in Paris einen wahren Hexensabbath anfführt und alle und jede Mittel anwendet, um die Grundlage der republikanischen Regierung in Frankreich zu erschüttern und dem „Kaiserlichen Prinzen" den Weg zum Throne zu bahnen, trifft vom fernen Afrika die Kunde ein, daß die Hoffnung — man kann wohl sagen, die einzige Hoffnung — der Bona- partisten unter den Kugeln und Speeren der Zulukrteger Cetewayo's gefallen ist. Ein junger Artillerie-Officier war es, der vor 80 Jahren auf den blutigen Schlachtfeldern Italiens den ersten Grund zu Ruhm und Macht des napoleonischen Geschlechtes legte, — tn einem jungen Artillerie-Officier werden heute die letzten Hoffnungen jenes Cäsarengeschlechts zu Grabe getragen. Prinz Eugen Ludwig Johann Joseph erblickte am 16. März 1856 im Palast der Tuilerieen in Parts das Licht der Welt tn einem Augenblicke, wo der Stern der Nopoleontden im höchsten Glanze prahlte, und wenigen Kindern mag tn der Wiege eine so große Zukunft vorausgesagt sein, wie ihm. Seit 1852 hatte Frankreich etnen Kaiser, der getreu den alten Traditionen die Ruhm- begier des französischen Volkes durch einen großen und ruhmreichen Krieg befriedigt hatte; seit 1856 hatte er in dem neugeborenen Prinzen einen Erben für seinen Namen und seine Macht, einen Erben, dessen politische Wichtigkeit um so größer wurde, als er der einzige Sproß des Kaisers blieb. So seltsam es heute klingt, wenn man auf daö republikanische Frankreich mit seiner scharf ausgeprägten antinapoleonischen Richtung hinblickt, — damals erregte die Geburt des Prinzen einen Sturm der Freude im Lande, und diese Freude, wenn auch viel liebedienerische Servilität untergelaufen sein mag, war doch im Ganzen und Großen eine echte, denn Napoleon war damals durch seinen kriegerischen Erfolg in der Krim beim Volke beliebt. Ja, man kann sagen, daß seiner Zeit tn Frankreich mit dem Prinzen ein wahrer Cultus getrieben wurde. Daß dem kaiserlichen Prinzen von zartester Jugend an die größte Aufmerksamkeit und die sorgfältigste Pflege zu Theil wurde, ist selbstverständlich. Körperlich wie geistlg wollte man ihn zu einem geeigneten Herrscher der so schwer zu beherrschenden Franzosen heranbilden. Und neben diesem politischen Wunsche ward ihm die vollste und hingebendste Liebe seiner Eltern zu Theil. Napoleon HI. liebte den Prinzen nicht nur als künftigen Thronerben, sondern auch als Sohn, und die mütterliche Liebe der Kaiserin Eugenie wird als eine fast übertriebene geschildert.
Im Laufe der Jahre verblich der Stern Napoleonas. Das mexikanische Abenteuer, die Umänderungen in Deutschland trugen dazu bei, eine Oppositionspartei in Frankreich zu schaffen, die, offen und im geheimen arbeitend, jeden Tag für das Kaiserreich gefährlicher wurde. Diese Unsicherheit ist es zweifelsohne in erster Linie gewesen, die den Kaiser zum Kriege gegen Deutschland trieb, den er bei ruhigen Verhältnissen im Innern wahrscheinlich gern vermieden hätte. Das damals noch nicht anti-napoleonische Nationalgesühl der Franzosen flammte auf, als die kaiserlichen Adler zum Rhein zogen zum Kampfe gegen einen alten und verhaßten Feind. Wären wir damals geschlagen worden, hätte Frankreich sich des Rheins bemächtigt, der Ruhm, die Vergötterung Napoleons wäre eben sogroßgewesen, wie bei der Niederlage des sranzösischen Heeres sein Unglück und seine Verunglimpfung werden sollte, und Prinz Ludwig wäre noch hlute der mächtigste und gefürchtetste Monarch Europas. Es sollte anders kommen. Mit dem Heere zogen Vater und Sohn nach dem Kriegsschauplatz und Prinz Ludwig hörte zum ersten Mal bei Saarbrücken das Pfeifen der feindlichen Kugeln. Krtegsersolge waren ihm aber nicht gegönnt, sein erstes militärisches Debüt brachte ihm den Fluch der Lächerlichkeit, sein zweites — den Tod. Ueber die „Feuertaufe von Saarbrücken" wurde ein in den bombastischsten, überschwenglichsten Worten abgefaßtes Telegramm in die Welt hinausgesandt, das an sich schon höchst geschmacklos war, das aber durch die späteren Ereigniffe des Krieges zu einer grenzenlosen Albernheit gestempelt werden sollte. Den Knaben, denn damals war er noch ein Knabe, traf daran keine Schuld, wohl aber hatte er den Nachtheil davon. Dieses unglückliche Debüt hat ihn durch sein ganzes Leben hindurch verfolgt und ihm Hohn und Spott eingetragen, die darum nicht minder scharf wurden, weil ihm persönlich ein Verschulden nicht beigemeffen werden konnte. Daß nament- lich in Deutschland in diesem Punkte zu viel gethan worden ist, wollen wir nicht i« Abrede stellen.
Der weitere Verlaus deS Krieges, der Sturz der Napoleonischen Herrschaft, gehören der Geschichte an. Prinz Ludwig mußte schon tn früher Jugend das Brod des Verbannten effen und tn engern Verhältnissen leben, als ihm an der Wiege gesungen. Aber auch sein Vater war Verbannter gewesen, er hatte tn noch viel drückenderer Lage gelebt und war doch Kaiser der Franzosen geworden. Und was dem Vater gelungen, daS konnte auch der
Sohn erreichen, der nach dem am 9. Jan. 1873 erfolgten Tode Napoleon's III. das Haupt der Familie wurde. Bis zu seiner Abreise nach dem Kafferulande ist der Prinz persönlich nur wenig in die Oeffentltchkeit getreten. Er erhielt in England eine vortreffliche Erziehung, wurde für den Militärdienst ausgebildet und bestand das Examen als englischer Artillerie-Officier.
Als die englischen Waffen im Zululande geschlagen wurden und neue Verstärkungen nach dem Cap abgingen, schloß Prinz Napoleon sich diesen als Freiwilliger an. Es heißt, daß die Kaiserin Eugenie sich diesem Vorhaben zuerst sehr widersetzt habe und daß auch die bonapartistischen Parteiführer gerechte Bedenken gehegt hätten, den Prinzen das gefahrvolle Wagniß bestehen zu laffen. Es muß Letzterem gelungen sein, die gemachten Einwürfe zu wider- legen. Im Caplande angekommen, erkrankte der Prinz, wahrscheinlich tn Folge kltmattscher Einflüffe, und konnte sich nicht sogleich an den militärischen Operationen betheiltgen. Die letzten eingehenderen Berichte über ihn sind dem „Figaro" vom 27. April aus Pietermaritzburg zugesandt worden. Es heißt tn denselben u. A.: „Ich telegraphtrte Ihnen am Tage meiner Ankunft hier- selbst, daß der kaiserliche Prinz seinem Oberbefehlshaber erst tn einigen Tagen folgen würde. Der Prinz ist gestern, von seinem Unwohlsein vollkommen wieder hergestellt, zu Wagen nach der Armee abgegangen. Der arme Prinz war über alle diese Störungen sehr betrübt, und es bedurfte des dringenden Verbotes des General-Stabsarztes, daß er nicht letzten Dienstag zu Pferde stieg, Chelmsford zu begleiten. Noch Tags zuvor erklärte der Prinz auf der Soir6e des Gouverneurs entschieden, daß er nicht zurückbleiben wolle. Man hatte alle erdenkliche Mühe, ihm nur eine Ruhe von einigen Tagen aufzuerlegen. Nicht als ob sein Zustand auch nur zu der geringsten Besorgniß Anlaß gegeben hätte; von zarter Beschaffenheit, mußte er nur wie jeder Andere der ungemein wechselvollen Temperatur der Colonie seinen Tribut zahlen. Auf einer vor einigen Tagen von dem Prinzen Ludwig Napoleon, zwei englischen Officieren und 22 Basutos auf der Straße von Ulundi unternommenen Recognoscrrung wurde dem Prinzen sogar wegen seiner Unerschrockenheit die Auszeichnung zu Theil, daß man einem im Sturme genommenen Kraal den Namen Napoleons- Kraal gab." Von jener Nachricht ab hat man kaum Näheres über ihn gehört, bis jetzt unerwartet und überraschend die Kunde von seinem Tode emtrifft, und zwar von einem Tode, wie er für seine Freunde und Anhänger und namentlich für seine Mutter sehr schmerzlich sein muß. Im Grunde ist zwar jeder Tod vor dem Feinde ein gleich ehrenvoller; immerhin betrachtet man es für schöner, im offenen Kampfe zu fallen, als aus einem Hinterhalt überrascht und getödtet zu werden.
Vom menschlichen Standpunkte können wir dem Prinzen Napoleon Angesichts seines Todes unsere Sympathie nicht versagen. Er persönlich hat nicht nur nichts gethan, um dieselbe zu verwirken, sondern er hat sich vielmehr in der letzten Zeit als einen tüchtigen jungen Mann bewährt, auf den seine Anhänger scheinbar nicht ohne Berechtigung große Hoffnungen setzen durften. Ob man auch in Frankreich dem Prinzen diese unbefangene Beurtheilung wird zu Theil werden lasten, wiffen wir nicht, wir glauben aber, daß er sie auch dort verdient hätte.
Vom Standpunkte des Politikers muß man den Tod des Prinzen jeden- falls als ein Weltereigntß ersten Ranges betrachten, wenn man ihn je nach dem verschiedenen Parteistandpu, kte verschieden beurtheilen wird. Wir haben hier nicht die Absicht, auf diesen Punkt näher etnzugehen. Zufälligkeiten haben oft den größten Einfluß in der Geschichte, und der Zulukrteger, welcher den Prinzen Napoleon tödtete, mag wohl an alles Andere gedacht haben, als daran, daß der Tod dieses jungen Mannes für die Weltgeschichte viel wichtiger ist, als der ganze Zulukrteg, wie derselbe auch ausgehen möge. Ob Cetewayo, ob Königin Vttoria im Zululande herrschen, das ist eine Frage von örtlicher Bedeutung; daß der Sohn Napoleons 111. gefallen ist, das ist von höchster, einschneidendster Wichtigkeit. Obzwar mit ihm die Napoleoniden nicht ausgestorben sind, so war ec doch ihr erster und mindestens vergleichsweise aussichtsvollster Vertreter, und wenn wir diesen Artikel „Das Enve der Napoleoniden" überschrieben haben, so glauben wir vom politischen Standpunkt aus kaum zu viel gesagt zu haben. (Köln. Ztg.)
Deutschland.
m. Darmstadt, 22. Juni. Den Provinzialtag der Provinz Starkenburg wird in seiner diesjährigen, nächsten Samstag den 28. Juni stattfindenden Versammlung vorzugsweise der Antrag des Provinzialausschusses beschäftigen: 1) Der Provinzialtag wolle die Ausführung und Einrichtung einer Provinzial-Sieche n- anstalt genehmigen und zu diesem Zwecke die auf dem Weae eines Anlehens zu beschaffenden Mittel im Gesammtbettage von 320,000 JL bewilligen; 2) der Prooinzial- tag wolle den Vollzug obigen Beschlusses, einschließlich der Feststellung eines Bauplatzes, des Bauplanes und der Kosten desselben, dem Provinzial-Ausschuß unter Beiordnung


