Ausgabe 
23.11.1879 Erstes Blatt
 
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Nr. 2TM. Erstes Blatr. Sonntag bett 23. November 1878.

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Wl-e- nui) AmtsM fir ita Kreis Gießen.

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S&nre«nt 1 Schulstraße ». 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Durch di- Post bezogen vierteljährlich 2 Marl 50

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Amtlicher Hheil.

Gießen, am 21. November 1879.

Betreffend: Den Rundgang der Feldgeschworenen im September und October 1879.

Das Großherrogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Wir erinnern diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände sind, wiederholt an die Erledigung unserer Auflage vom 13. September l. I. im Anzeiger Nr. 216. Dr. Boekmann.__

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die öffentlichen Sitzungen des Provtnzialausschuffes Montag, den 24. l. Mts. in dem neu heraerichteten Saale des Kreisamtsgebäudes fortgesetzt werden.

Tages-Ordnung:

Montag, den 241. lfd. Mts., Dormittags 10 Uhr:

1 In Sachen drs Orts-Armenverbandes Homberg a. d. Ohm, Klägers gegen den Land-Armenverband Alsfeld, Beklagten, wegen Unterstützung des

2 . In ^Sac^en ^des - Armenverb and es Homberg a. d. Ohm, Klägers gegen den Land-Armenverband Alsfeld, Beklagten, wegen Unterstützung des

3 . ^"Voranschlag der Gemeinde Leusel für 1880; hier Antrag der Gr. Bürgermeisterei Leusel auf Einstellung von 1000 «X zur Erwerbung von Gelände zur Anlage eines Friedhofs daselbst.

4 Gesuch des Peter Dickel IV. von Romrod um Abtretung von fiskalischem Gelände.

Dienstag, den 25. lfd. Mts., Vormittags 9 Uhr:

1- ^n Sachen des Orts-Armenverbandes Hamburg gegen den Orts-Armenverband Gleßen wegen Unterstützung des Joh. Michael Schmidt.

2. Beschwerde des Herrn Fürsten zu Alt-Leiningen-Westerburg gegen die Gemeinde Ilbenstadt wegen Ruckersatz von ^ro^otten. ,

3. In Sachen des Orts Armenverbandes Frankfurt a. M. gegen den Orts-Armenverband Groß Karben wegen Unterstützung der Marie Schmtegel.

4. Die Reclamation gegen die Wähl des Beigeordneten zu Herbstein.

Gießen, am 22. November 1879.

Der Vorsitzende des Provinzial Ausschusses d§r Provinz Oberheffen.

Dr. Boekmann.

politisch

England.

London, 20. Novbr. Der für nächste Woche angekündigte Versuch, den .Großen Kurfürsten" zu heben, ist wegen schadhafter Vorrichtungen aber- müs verschoben worden. Es ist Angesichts des winterlichen Wetters noch zweifelhaft, ob und wann die Versuche wieder ausgenommen werden können. Der , Daily News" wird aus Asterabad vom 17. ds. gemeldet: Die militärischen Operationen der Ruffen sind bis zum Eintreffen von Verstärkun­gen und Transportmitteln vertagt. Die Generäle Tergukafloff und Bork stnv

Deutschland.

Darmstadt, 20. Novbr. Der in der Versammlung vom 12. l. Mts. gewählte Vorstatch der Anwaltskawmer hat nach Maßgabe des § 46 der Rechtsanwalts Ordnung zum Vorsitzenden den Rechtsanwalt Buchner zu Darmstadt, zum stellvertretenden Vorsitzenden des Rechtsanwalt Petri zu Mainz, zum Schriftführer den Rechtsanwalt Gervinus zu Darmstadt, zum stellvertretenden Schriftführer den Rechtsanwalt Gut fletsch zu Gießen

19. Novbr. Gegen die Reichstags-Abgeordneten Fritzsche und Haffelmann hatte, wie seiner Zeit mitgetheilt wurde, die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, weil sie ungeachtet ihrer aus Berlin erfolgten Ausweisung zur Theilnahme an den Reichstagssitzungen dorthin zurückg.kehrt waren. Die Anklage ist, wie nachstehender, im DresdenerReichsbürger" mitgetheilter Beschluß zeigt, nunmehr zurückgewtesen.Beschluß. In der Untersuchungs­sache wider 1) den Cigarrenarbetter Friedrich Wilhelm Fritzsche, 2) den Schriftsteller Wilhelm Haffelmann ist auf Anklage der königlichen Staatsan­waltschaft Hierselbst vom 26. October 1879 beschlossen, daß das Hauptver- fahren gegen 1) den Cigarrenarbetter Friedrich Wilhelm Fritzsche, 2) den Schriftsteller Wilhelm Haffelmann wegen Vergehen gegen § 28 des Reichs- Gesetzes vom 21. October 1878 über die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie nicht zu eröffnen, vielmehr beide Angeschuldtgte außer Ver­folgung zu fetzen und die Kosten des Verfahrens der Staatskaffe auszuerlegen. Königliches Landgericht I. Strafkammer I. Berlin." Durch diesen abwet^n- den Beschluß der Strafkammer des Berliner Landgerichts ist, da eine Be­schwerde gegen denselben bet den höheren Instanzen durch dte §§ 1<2 u. 34b der Strafprocrß-Ordnung ausgeschloffen ist, dte Sache endgtlttg erled gt. Gründe, welche dte Strafkammer zu ihrem Beschluffe führten, werden nicht mitgetheilt, auch schreibt das Gesetz eine Motivirung derartiger Beschluffe nld?t Berlin, 19. November. Laut Nachrichten aus Warschau ist wiederum die Rinderpest in Stadt und Kreis Warschau heftig ausgebrochen. In der Alerander-Cttadelle sind 8, im Kreis Warschau auf Gut Sluzewtcz 120 Stück Rindvieh sofort getödtet worden. Im Kreis Sochaczewo wüthet dte Seuche ebenfalls.

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in Tschikislar, Nurberdi Khan marschirt angeblich mit 15,000 Seltern, 12,000 Mann Fußvolk und 18 Geschützen gegen die Rusien. Sem Vormarsch Ist durch einen ihm zugestoßenen Unfall einen Beinbruch unterbrochen.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'« telegr. (Korrespondenz Bureau.

Berlin, 21. Novbr. Der bleibende Ausschuß des deutschen Handels- tages berleth über die Frage einer event. Berliner Weltausstellung und war der einstimmigen Ansichi, daß, wenn auch die Reichsregierung dw Zeit einer Weltausstellung noch nicht für gekommen erachte, der angeregte Gedanke doch nicht ohne Weiteres abgelehnt werden könne. Der Ausschuß ersuchte dernzu- folge das Präsidium des Handelstages, durch «estere Verhandlungen mt- sämmtlichen deutschen Handelskammern und mit der Reichsregierung die Aiige- legenhett weiter zu fordern und in der nächsten Ausschuß-Litzung darüber Be- richt ^^atte>>- 2i ^br. Meldung derTimes" aus Konstantinopel In amtlichen Kreisen wird znversich'ltch behauptet,- »wischen England und der Türke! seien durchaus herzliche Beztehungen hergestellt. Dte W ' J ' Erklärung ab. sie werde dte Einführung von Reformen nicht » 9

verzögern. Sallsburh versicherte, er begreife vollständig die st a>'rEn > anderen Schwierigkeiten der Türkei und wünsche nicht, die Situation dur

Rußland.

Petersburg. In der russischenSt. Petersb. Ztg." steht ein beach. tenswerther Artikel über die Militär-Colonien der Kosaken. Der Schreiber desieiben sagt, es fei die höchste Z->t, dieselben abzuschaffen, da ihre Organi­sation uud Anwendung der modernen Taktik gegenüber veraltet tst. Die Kosa­ken sollten durch reguläre Kavallerie ersetzt werden, obschon bet der jetzigen Krisis, wo ein Krieg zwischen Rußland und großen westlichen Mächten jeden Augenblick ausbrechen könnte, die Umwandlung nicht rachsam wäre. Wenn der nach der russischenPetersb. Ztg."unvermeidliche» Kamps vorüber sei, dann könne die Reform ausgeführt werden. Niemand, sagt der Artikel, wünscht so sehr den Ausbruch eines Krieges, als die 100,000 Kosaken am Don und Kuban; denn jeder von ihnen ist aufgewachsen unter der Tradition von den Plünderungen und Räubereien, welche In den Kriegen zu Anfang des Zahr- hunderts ausgeübt worden sind, und jeder glaubt, auch einmal eines Tages mit reicher und herrlicher Beute Helmkehren zu können. - Damtt werden der zu bekriegenden Nation recht erfreuliche Aussichten auf rlvllisirte Kriegssuhruug gemacht 1 Die Neigung der Kosaken zu Plünderung und Raub wird von dem russischen Blatte offen und anscheinend mit Wohlgefallen zugegeben und erin­nert einigermaßen an die Tiraden französischer Blätter, welche uns 1870 ähn­liche Heldenthaien von den Turkos versprachen. Dte damaligen frommen Wünsche gingen bekanntlich nicht in Erfüllung, es kam sogar ganz anders, vtelleeck-t zieht diePetersb. Ztg." aus diesem Vergleich eine Nutzanwendnng.