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Nr. 119. Samstag, den 24 Mai 1879.

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Axxeige- uti Amtsblatt fit brn Kreis Gießen.

RedaetionSbureaur 1 Ä m . . ,, K -> Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Ps. mit Bringeclvhn.

o, > Schulftratze B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. £ , i ; 7 .. n -n

Expeditionsbureanr f 1 ' ö ' 7 u Durch die Post bezogen vierteliährlich 2 Mark o0 Ps.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 22. Mai 1879.

Betreff: Einsendung der Sterbfallszählkarten.

Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen an die GroHherzoglichen Standesämter Lauter, Leihgestern, Londorf, Münster, Staufenberg, Steinbach, Stockhausen, Watzenborn.

Wir ersuchen Sie Todeszeugnifse und Sterbfallszählkarten aus den Monaten März und April alsbald an uns einzusenden. Dr. Glasor.

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Aeutschland.

Darmstadt, 20. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden mit den Durchlauchtigsten Kindern von morgen, dem 21. ds., wieder im Neuen Palais Wohnung nehmen.

Darmstadt, 21. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:

Am 14. Mai! den LandgerichtSaffessor bei dem Landgerichte Langen, Theo­dor Am end, in den Ruhestand zu versetzen.

Berlin. Die Lertheilung der französischen Krtegskosten-Entschädigung geht nunmehr ihrem Abschlüße entgegen; es hat nur noch ein kleiner Restbe­trag zur Vertheilung zu gelangen. Ueber die Kriegskosten-Entschädigung wurde zu einem großen Theil durch die Reichsgesetzgebung unmitielbar für allgemeine Zwecke des Reiches verfügt. Außer den umfaßenden Maßregeln, welche in Elsaß-Lothrtngen zur Heilung der Schäden des Krieges, sowie ferner zur Her­stellung der im Interesse der Landesnertbeidigung erforderlichen Einrichtungen getroffen wurden, verwendete man 561,000,000 Mk. zur Gründung eines Retchs-Jnvalidenfonds und 120,000,000 zur Gründung eines Reichs-Kriegs- schatzes. Was nicht für allgemeine Zwecke des Reiches in Anspruch genommen wurde, gelangte zur Vertheilung an den vormaligen norddeutschen Bund, Württemberg, Bayern, Baden und Südhesien. Der aus den ehemaligen nord­deutschen Bund entfallende Anrheil wurde durch Reichsgesetz vom 2. Juli 1873 zunächst zur Deckung der Krtegskosten, also vor Allem zur Tilgung der Kriegs- Anleihen und sodann zur Wiederherstellung der Kriegsbereitschaft des Heeres und zur Erhöhung der Schlagfertigkeit desielben bestimmt. Das, was dann verblteb, sollte an die einzelnen Staaien des ehemaligen norddeutschen Bundes vertheilt werden. Es blieb den einzelnen Staaten überlaffen, den aus der Kriegsentschädigung an sie gelangenden Summen diejenige Verwendung zu geben, welche sie für die am meisten geeignete hielten. In Preußen wurden die Eontributionsgelder fast ausschließlich zur außerordentlichen Tilgung von Staatsschulden, für Eisenbahnbauten und sonstige Bedürfnisse der Eisenbahn- Verwaltung bestimmt.

Berlin, 21. Mai. Den Verhandlungen des Städtetages ist noch Fol­gendes nacbzutragen. Von den mehr als 10,000 Einwohnern zählenden 254 deutschen Städten haben Beuthen O/S., Gletwttz, Königshütte, Kattowitz, Leobschütz, Neisse, Rattbor in einem der Tendenz des Siädtetages entgegenge- setzten Sinne an den Reichstag petitionirt, so daß, abgesehen von Berlin, 245 Städte Einladungen zum Städtetag erhalten haben. Abgelehnt haben die Bethet- ligung an dem Städtetag: Aachen, Augsburg, Bamberg, Brieg, Göttingen, Halle, Heilbronn (?), Hof, Landshut, Minden, Oberhausen, Oppeln, weil sie die Vorlage der Reichsregterung billigen. Andere Städte, nämlich: Altenburg, Dortmund, Duisburg, Dresden, Ludwigshafen, Merane, Stuttgart, Straßfurt, Schönebeck, lehnten ab, weil sie den Städtetag nicht für competent hielten. Ohne Motivirung haben abgelehnt: Burg, Braunschweig, Landsberg a. W., Stargard in Pommern und Worms. Vertreter hatten gesandt: Apolda, Anklam, Barmen, Braunschweig, Bromberg, Bochum, Brandenburg a./H., Bielefeld, Bremerhaven, Charlottenburg, Celle, Danzig, Elberfeld, Elbing, Eberswalde, Eisenburg, Esten, Frankfurt a.M-, Gießen, Görlitz, Gr.-Glogau, Greifswald, Greiz, Grabow, Graudenz, Hannover, Halberstadt, Hagen, Hil- desheim, Hanau, Insterburg, Königsberg in Preußen, Kiel, Köln, Köslin, Koburg, Kolberg, Lüneburg, Lauban, Magdeburg, Mannheim, Memel, Mül­heim a. Rh-, Nürnberg, Neustadt-Magdeburg, Nordhausen, Oldenburg, Otten­sen, Posen, Plauen, Quedlinburg, Rostock, Rendsburg, Stettin, Stralsund, Spandau, Stolp, Stegen, Stendal, Spremberg, Tilsit, Thorn, Wiesbaden, Witten, Weimar, Weißenfels, Wismar, Wandsbeck, Zittau, Zeitz. Außerdem daben sich mit der Tendenz des Städtetages unbedingt einverstanden erklärt: Buckau, Harburg, Köthen, Ludwigsburg, Mainz, Tübingen, Würzburg, Kastel, Frankfurt a. d. O., Gotha; diese Städte waren jedoch durch äußere Um­stände verhindert, an dem Städtetag theilzunehmen. Auch Schwerin scheint sich mit der Tendenz des Städtetages einverstanden erklärt zu haben, da eS um Mitthetlung der gefaßten Beschlüße gebeten hatte.

Berlin, 21. Mai. Die Tarifcommtssion des Reichstages berteth gestern Abend das Gefttz über provisorische Einführung neuer Zölle (Sperrgesetz). Minister Hofmann gab die Erklärung ab, das Gesetz werde auf Tabak keine

er Hheik.

Anwendung finden, weil die Regierung aus die Tabaksnachsteuer nicht verzich­ten könne. Ueber die Artikel, auf welche das Sperrgesetz Anwendung finden solle, befragt, erklärte der Minister, er könne darüber keine Angaben machen. Die Commission beraumte eine weitere Sitzung zur definitiven Ent­scheidung über Beantragung der Annahme oder Ablehnung des Sperrgesetzes auf Freitag an.

Se. Maj. der Kaiser begab sich heute früh kurz vor 9 Uhr nach der Berliner Gewerbeausstellung und wurde daselbst vom Ausstellungsaus- schuß, an der Spitze die Herren Kühnemann, Commerztenrath Weigert und Simon, ehrerbietig empfangen und in den Kaiserpavillon geleitet. Nach kurzem Verweilen in diesem betrat Se. Majestät unter Vortritt des Polizeipräsidenten und gefolgt von dem Handelsminister, den Auöschußmttgliedern, dem Gouver neur und den Flügel-Adjutanten v. Lindequist und Graf Lehndorf das Aus- stellungsgebäude und durchschritt fast alle Ausstellungsräume, durch viele Aus- stellrmgsgegenstände sichtlich sehr befriedigt. Als der Kaiser kurz nach 11 Uhr dav Ausstellungsgebäude verließ und sich nach dem Kaiserpavtüon zurückbegab, wurde Se. Majestät von den Spalter bildenden Ausstellungsbesuchern mir dreifachem Hurrah begrüßt und verließ kurz darauf die Ausstellung mit dem Ausdruck der hohen Anerkennung an die Ausschußmitglieder für das von ihnen und den Ausstellern zu Stande Gebrachte.

Berlin, 21. Mat. Reichstag. Bet der Präsidentenwahl werden ab­gegeben 324 Stimmen; ungültig sind 119 weiße Zettel. Auf v. Seydewitz fallen 195 Stimmen; derselbe nimmt die Wahl an.

Berlin, 21. Mai. Ueber den Rücktritt v. Forckenbeck's schreibt die Prov.-Corresp.": Abgesehen von der allseitigen Ueberzeugung, baß seine langjährig erprobte, im höchsten Maße gewürdigte Kraft in der schwierigem Leitung der Reichstagsgeschäste schwer ersetzbar sei, habe die Begründung seines Entschlußes mit dem Hinweis auf den Gegensatz über die schwebenden politi­schen Fragen die parlamentarische Erregung noch steigern müßen, v. Forcken- beck habe über den entschiedenen, lebhaften Widerspruch, worin er sich zu den Auffassungen und Bestrebungen der Mehrheit in der Wirthschaftsreform befinde, schon in öffentlicher Tischrede sich in einer Weise geäußert, die keinen Zweifel bestehen ließ, daß er sich nicht mehr als berufener Vertreter des Reichstages ansehen könne, und habe dieser Ueberzeugung entsprechend gehandelt. Niemand werde ihm daraus von irgendwelchem Standpunkte aus einen Vorwurf machen können. Inwieweit sein Rücktritt von weitergehender Bedeutung für die Ent Wickelung des Parteiwesens werden könne, werde sich erst im Verlaufe der an die jetzigen Reichstagsverhandlungen geknüpften Bewegung zeigen. In einem Leitartikel über die Eisenzölle im Reichstage erklärt dieProv.-Corresp." die Wiedereinführung der Eisenzölle als unabweisliche Forderung einer nationalen Wirtschaftspolitik.

Berlin, 21. Mai. Reichstag. Bor der Sitzung waren sämmtliche Fraktionen zusammengetreten. Das Centrum beschloß aus Opportunitätsgründen für v. Seyde­witz zu stimmen, für diesen entschied sich auch die Reichspartei, damit war seine Wahl im Voraus zweifellos. (Das Ergebniß der Wahl wurde bereits kurz gemeldet^ Bei der Wahl wurden abgegeben 324 Stimmen, darunter 119 weiße Zettel; auf t> Seyde­witz fallen 195 Stimmen, Lucius 4, Graf Bethusy-Huc, Fritzsche, v. Benda, Dollfuß und Richter (Hagen) je 1 Stimme, v. Seydewitz nimmt die Wahl mit folgenden Worten an: Ihre Wahl trifft mich, wie ich gestehen muß, unerwartet und unvor­bereitet. Ich weiß, welche Schwierigkeiten mir das Amt, welches Sie mir anvertrauen wollen, auferlegt, Schwierigkeiten, die um so größer für mich sind, als vor mir auf diesem Platze em Mann gewesen ist, der durch seine ungewöhnlich hohe Befähigung unsere allseitige Anerkennung erworben und verdient hat. (Beifall.) Ich nehme aber dennoch die Wahl an, weil ich mich verpflichtet halte, in Augenblicken, wie der gegen­wärtige, alle meine Kräfte, so schwach sie auch sein mögen, der Förderung des gemein- samen Wohles unseres Vaterlandes zu widmen. Ich bitte, daß Sie mich in diesem Streben, in dieser Arbeit auch bei der Geschäftsleitung, die mir zusallen wirb, unter­stützen, und zwar unterstützen auf allen Seiten. Seien Sie überzeugt, ich werde Un­parteilichkeit und Gerechtigkeit üben nach jeder Seite hin! (Beifall )

Fortsetzung der zweiten Berathung des Zolltarif-Entwurfs, bezw. der Debatte über die Getreidezölle. Frege tritt für die Vorlage im Allgemeinen, speciell für die Getreidezölle ein, welche das Brod nicht oder nur ganz unerheblich verteuerten. Redner plaidirt auch für Beseitigung der Differential-Tanse. Delbrück bekämpft dte Getreide­zölle und wendet sich gegen die Ausführungen Frege's, sowie die gestrigen Deductionen des BundeS-Commissars, dessen Angaben bezüglich der Getreide-Einfuhr und -Ausfuhr er bemängelt. Redner zeigt, daß die Einfuhr mit dem Wachsen der Bevölkerung gleichen Schritt gehalten habe. Die Behauptung, der vorgeschlagene Zoll treffe nicht die Con- sumenten, sondern die ausländischen Producenten und die Händler, beruhe aus falschen Voraussetzungen. Werde das Getreide nicht theuerer, so habe die Landwirthschaft absolut