Ausgabe 
23.2.1879 Zweites Blatt
 
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Dörfern Nikolskoje und Steritzkoje fand seit 12 Taien kein Erkrankurgßfall statt. Die Jsolirung wurde daher aufgehoben, mit Ausnahme bei Häu er, welche in 5-6 Tagen niedergebrannt werden sollen. Tie Äbschätzuugs-Eonv Mission für die Entschädigung ist bereits nach dorr abgegangen.

Warschau, 20. Februar. In Folge einer oberhalb Warschau emge- tretenen Eisverstopfung ist die Weichsel ausgetreten und droht für eine Strecke von 10 Werst Gefahr, daß der Fluß ein anderes Bett wählt. Eine Äblhei lung Sappeure ist abgesch'ckr, um den Damm, den das EiS bildet. vermittelst Dynamit zu sprengen. Der Zugang zu diesem Damm rst durch das Austre- ten des Flusses sehr erschwert.

Türkei.

Konstantinopel, 20. Februar. Die Pforte wurde benachrichtigt, daß der grrechlsche Erzbischof von Adrianopel von Bulgaren gröblich m-tzban- delt worden sei. Die Uebelthäter wurden von den Rusten oeraaftet. General Totleben sicherte die strengste Bestrafung zu. Unter den Notabeln der moha- medantschen Einwohnerschaft Stambuls circulirt eine Adreste an den Sultan, worin wegen der neuesten Finanzmaßregeln und der Räumung Rumeliens durch die Rusten der Dank der Bevölkerung ausgesprochen wird.

Asten.

Kalkutta, 20. Februar. Nach tchten aus Mandalay zufolge hat der König von Birma mehrere Prinzen des Königshauses und deren Familienange­hörige tobten lasten und die jüngst ernannten Minister wieder durch die früheren ersetzt.

Vermischtes.

Aus der Eifel. Ein Nachtwächter aus hiesiger Gegend mit einem martialischen Gesichte wurde kürzlich als Liviltransportcur mit einem Arrestanten nach Coblcnz beordert. Da der Ve.haftete gutmütiger Natur war und nichts weniger als an die Flucht dachte, so mag eS wohl gekommen sein, daß Beide unterwegs manchen Schnabum in wahrer Bruderliebe hinter die Binde gosien. Etwas angeheitert kamen sie in Niedermendig an. Der Transporteur löste zwei Billette bis Andernach und Beide stiegen ein. Als der Schaffner kam, die Billette nachzusehen, da batte der Transporteur das Unglück, zugleich mit seinen zwei Billetten auch den ihm als Waffe mitgegebenen Revolver aus der Tasche zu ziehen, steckte aber letzteren hastig wieder zurück. Allein es war geichehen, der Schaffner hatte den Revolver bemerkt und meldete unverzüglich dem Zugführer, in dem und dem Coupä befindet sich ein verdächtiges Individuum mit Revolver, wahrscheinlich ein attentatslustiger Socialdemokrat; er habe Billette bis Ander­nach. Sofort wird nach Andernach telegraphirt und alle möglichen und unmöglichen Gendarmen sind am Bahnhof aufgestellt, warten mit Ungeduld den Zug ab öffnen das betreffende Coup4 und nehmen den Nachtwächter in Empfang mit den Worten:Sie sind verhaftet!'Was?" schrie der Nachtwächter, und der Schnaps leistete dabei gute Dienste.Was? Wie kommen Sic mir vor?"Im Namen des Gesetzes!" riefen wieverum die Gendarmen,Sie sind verhaftet"Nichts da, Nichts da, Sie haben nichts zu verhaften", rief der Nachtwächter im vollen Bewußtsein seines Amtes als Civiltransponeur.Sie sind verhaftet", Donnerte es wieder von Seiten der Gendarmen;denn Sie sind Socialoemokrat und führen Revolver bei sich."Wie ich Ihnen sage", erwiderte der Nachtwächter,Sie haben nichts zu verhaften, denn ich habe selbst verhaftet, hier ist mein Arrestant" Dann warf er sich in die Brust, zog schmunzelnd seine Papiere heraus und zeigte sie vor. Eine große Menschenmenge hatte sich während der lauten Verhandlung angesammelt; sie verließ mit lautem Gelächter den Platz und die Gendarmen machten lange Gesichter. (Mayener Volksztg )

Pultawa Aus einer von der linken Seite des Dnjepr dem Kiew! zugegangenen Correspondenz ersieht man abermals, wie maßlos die Wuth der Bauern über die unter ihnen hausenden Pferdediebe sein kann. In einem Dorfe wurde ein Pferdedieb gefaßt, gebunden, in die Schenke gebracht und dort vor seine Richter, die beim Fusel sitzenden Bauern, gestellt. Da erhob sich einer von ihnen, ließ sich einen Strick und einen kurzen Stock reichen, umwand mit dem elfteren das Haupt des unglücklichen Pferdediebes und drehte den Stock in die Scbnur dn. Er drehte den Stock immer mehr, und je enger die Schnur sich dadurch um die Stirn und das Hinterhaupt des gebundenen Mannes zog, um so furchtbarer ward der Schmerz des letzteren. Er stöhnte dumpf auf. Aus den Augenhöhlen spritzte ihm Blut. Da knackte es. Der Schädel war geborsten. Der Henker trat abseits;so, nun wird et feine Pferde mehr stehlen", rief er. Das Opfer sank leblos zu Boden

Vom Obermain Ein Schuster führte sein in der Schule bestraftes Söhncken zum Bezirksarzte, um wegen Mißhandlung Beschwerde zu führen. Nun war aber der Herr Doctor abwesend und die Beschwerdeführer kamen daher am anderen Tage wieder; da aber mtttler-

weile die Spuren der körperlichen Züchtigung vollständig verschwunden waren, so nahm Meister Kneip seine Zuflucht zu seinem Änteriemen und bearbeitete damit den Unaussprechlichen seines zarten Söhnchens auf eine unbarmherzige Weise, um ein corpus delicti berzustellen; aber siehe da, der praktische Blick des Herrn Bezirksarztes fand augenblicklich, daß die Spuren neu (auf- gefrischt) waren und auch nicht von einem Stock herrührten, und fragte den Meister nach seinem Handwerke. - Die Antwort enträtselte den boshaften Schwindel sofort und Meister Kneip mußte mit seinem durch ihn erst mißhandelnden schluchzenden Jungen mit Schimpf und Schande abztehen.

(Praktische Beweisführung.) Vor Kurzem stand vor dem Polizeigerichts- hofe des LambethrDistricts von London ein 59jähriger Mann, Thomas Jones, der böswilligen Sachbeschädigung angeklagt. Derselbe hatte eine Nacht im Arbeitshause in Schutzhaft zuge­bracht und sollte, wie dort üblich, am nächsten Morgen als Gegenleistung für Obdach und Kost eine Arbeit verrichten, that dies aber nicht, sondern schlug die Thür seiner Zelle ein. (5r klagte dem Richter, die Zelle sei so Falt gewesen, daß das Arbeiten unmöglich gewesen sei und daher habe die Arbeitshaus-Verwaltung kein Recht gehabt, ihn in Haft zu behalten. Der Richter, Mr. Ellison, vertagte die Verhandlung auf den Nachmittag. Im Laufe des letzteren ward Jones wieder vorgeführt und Mr. Ellison erklärte:Ich bin nach dem Arbeitshause gegangen, habe mich dort einige Stunden in die Zelle einschließen lasten und die dem Ange­klagten zugewiesene Arbeit (zwei Centner Steine entzweizuschlagen) selbst verrichtet. Dabei habe ich gefunden, daß es in der noch dazu durch Röhrenheizung erwärmten Zelle nicht kalt ist, wenn man nur arbeitet und die Glieder in Bewegung erhält; mir wenn man still sitzt, friert man. Der Gefangene ist daher zu einem Monat Zwangsarbeit zu verurtheilen " Was sagen die festländischen Richter zu ihrem englischen Kollegen und zu seinem salomonischen Urtheil?

Ach, gnädige Frau," erwiderte eine Wäscherin ihrer Dame,dies Waschzeug, welches Sie mir zum Probiren geben, das kenne ich. Damit habe ich ja schon bei der Frau Räthin gewaschen: aber unsere gewöhnliche Seife ist mir doch lieber."Nein, Wäscherin," entgegnete die Dame,ich weiß wohl, Daß die Frau Räthin früher ein Mal mit sogenanntem Walch- Krystall hat waschen lasten; aber das, was ich Ihnen zum Probiren gebe, das kennen Sie noch nicht: das ist nämlich Hudson's Seifen - Extract, welcher von den praktischen englischen und amerikanischen Damen schon seit vielen Jahren ausschließlich gebraucht wird und jetzt endlich auch in Deutschland zu haben ist. Mein Mann, der oft nach England reist, hat mir schon viel erzählt von der blendenden Weiße und dem angenehmen Duft der Wäsche in eng­lischen Häusern, wo man allgemein Hudson's Scifen-Extract gebraucht. Unsere Wäsche aber ist leider häufig genug trotz aller Mühe trüb und behält häufig einen unangenehmen Seifen­geruch. Und nun, Wäscherin, machen Sie 'mal den Versuch mit dem Extract genau nach meiner, gewiß höchst einfachen Anleitung, und wenn Sie das nicht ordentlich thun wollen, so werde ich selbst es thun."Wenn Sie so dringend befehlen, gnädige Frau, dann thue ich e8 gewiß," entgegnete die Wäscherin, und schon nach kurzer Zeit meldete diese erfreut ihrer Dame: Nein, das hätte ich doch nicht gedacht, daß man mit so wenig von diesem Waschzeug und mit so geringer Mühe so sauber waschen könnte Und sehen Sie ein Mal hier, gnädige Frau, diese weiße wollene Unterhose, wegen deren Sie mich neulich so gezankt haben, weil von dem rothen Besatz die Farbe ausqeflosten war und die Hose ganz häßlich gemacht hatte. Die aus- gcflossene Farbe ist vollständig herausgegangen und die Hose ganz wieder wie neu." Diese Unterhaltung führte eine energische deutsche Dame, welche oestrebt ist, sich alles Neue dienstbar zu machen, welches geeignet ist, größern Comfort und größere Billigkeit in der Haushaltung einzuführen, mit ihrer wiverspänstigen Wäscherin, welche, wie gewöhnlich solche Leute, sich scheute, von Dem alt hergebrachten Schlendrian ein Mal abweichen zu müssen. Möchten alle praktlschen deutschen Damen doch diesem Beispiel folgen und einen gründlichen Versuch mit Hudson's Seifen^Extract machen; sie werden sicher den Wahlspruch:once used always used, unter welchem bendbe sich einführt, das heißt:wer's ein Mal gebraucht hat, gebraucht'S immer", vollauf bestätigt finden. Hudson's Seifen - Extract wird in den königlichen chemischen Fabriken zu West-Bromwich'seit zwanzig Jahren in riesigem Maßstabe hergeftellt. Zweitausend Arbeiter sind Tag für Tag emsig thätig, um dem Bedürfniß zu genügen. Erst in jüngster Zeit war es möglich, die bereits einen kolossalen Umfang einnehmenden Fabrik- Anstalten ge­nügend zu erweitern, um auch endlich in Deutschland Hudson's Seifen - Extract einführen zu können, wo derselbe nunmehr in allen Colonial-, Material- und Droguen-Handlungen zu haben ist. Auf der jüngsten Pariser Weltausstellung erregte Hudson's Seifen - Extract Das größte Aufsehen. Der Bericht Der zur Untersuchung desselben eingesetzten Commission besagt in be­redten Worten, daß Hudson's Seifen-Extract gänzlich frei von allen schädlichen, ätzenden Be- standthcilen ist. und daß derselbe nach gemachten praktischen Versuchen sich als das vorzüglichste und billigste Waichmittel für Seinen unD Stoffe jeder Art und als das bequemste und beste Putzmittel für Fußböden, Glas, Porzellan, Silberzeug k. erwiesen hat, in Folge dessen thm auch die höchste Auszeichnung auf der Pariser Weltausstellung zuerkannt worden ist.

Schiflfeberieht. Mitgetheilt von dem Agenten des Norddeutschen Lloyd C. W. Dietz in Gießen.

Newyork, 17. Februar (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Donau, Capt. R. Bussius. vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. Februar von Breme« und am 4. Februar von Southampton abgegangen war, ist gestern wohlbehalten hier angekommen.

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