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Mittwoch den 22. Oktober

Nr. 246.

1878

Eichener ^tn^eiger

Wlkize- m) JstsMitt ft it# Kreis Eichen.

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Amtlicher Hl-ei L Bekanntmachung.

Philipp Müller von hier beabsichtigt, das Gewerbe als Dienstmann ntederzulegen und werden daher alle Diejenigen, welche etwa Ansprüche an die von demselben hinterlegte Caution aus Aufträgen geltend machen zu können glauben, aufgefordert, solche binnen 3 Tagen bei uns anzumeldeu.

Gießen, den 21. October 1879. Großherzogltche Poltzeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

politisch

Keulschland.

Darmstadt, 18. Octbr. Als Bevollmächtigte zum Bunde-rath wer­den in der Session 1879/80 von der hessischen Regierung fungiren: Frhr. v. Starck, Präsident des Staatsniinisteriums und Minister des Großh. Hauses linb des Aeußern, sowie des Innern und der Justiz; Wirklicher Geheimerath Schleiermachcr, Präsident des Finanzministeriums; Staatsrath Dr. Neidhardt, außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister. Als Stellvertreter sind abgeordnet: Geheimer Staatsrath Finger, Geheimerath Hallwachs, Mtni- sterialrath Müller und Oberfinanzrath Schulz.

Darmstadt, 20. Octbr. Da das Mandat als Landtagsabgeordnete für die beiden seitherigen Präsidenten der zweiten Kammer der Stände in Folge ihrer Beförderung zu höberen Stellen im Staatsdienst erloschen ist und die deßhalb angeordnete Neuwahl auf andere Personen gefallen ist, so war die Großherzogliche Regierung in der Lage, ihrerseits die Mitglieder der zweiten Kammer zu deren bevorstehender Session etnzuladen. Diese Einladung ist nun­mehr erfolgt und zwar auf Dienstag den 29. October, Vormittags 9i/2 Uhr.

Berlin, 18. October. Die Eisenbahnunfälle scheinen seit einiger Zeit häufiger zu werden, als das bisher, abgesehen von der Zett unmittelbar nach dem deutsch-französischen Kriege, auf deutschen Bahnen üblich war. Diesen Eindruck machen namentlich die im Monat Septbr. vorgekommenen zahlreichen Unfälle, von denen in Schlesien, in Sachsen, in Hannover, in Westphalen Güterzüge betroffen worden sind und bei denen es auch nicht immer ohne Ver­luste an Menschenleben abgegangen ist. Einen sehr schweren Unfall meldet der Telegraph aus Stuttgart. ' In Heidelsheim bet Bruchsal find durch Zusammen­stoß zweier Güterzüge mit Personenwagen 3 Paffagtere getödtet, 13 Passagiere und 2 Eisenbahnbeamte verletzt worden. Die Depesche fügt hinzu, daß der am Unfälle schuldige Locomoltvfübrer sich erschoffen habe. Gleichzeitig liegt eine Meldung von der BerliwCoblenzer Bahn vor, wonach in Treysa in Folge falscher Wetchenstellung ein Güterzug gegen einen stehenden, glücklicher Weise leeren Personenzug rannte, wodurch u. A. acht mit feinen Möbeln beladene Wagen gänzlich zertrümmert wurden. Daß das Publikum durch die Häufung ' derartiger bedauerlicher Vorkommnisse in einem kurzen Zeitraum sich beunruhigt fühlt, ist selbstverständlich. Daß Weichensteller nachlässig und Locomotivführer unbedachtsam sind, läßt sich gewiß nie gänzlich verhindern. Aber es fordert zu eingehender Betrachtung auf, wenn solche Erscheinungen sich oft wieder­holen. Zudem ist auch nur ein Theil der in letzter Zeit vorgekommenen Fälle ' auf persönliches Verschulden von Bahnbeamten zurückzuführen; es drängt sich daher die Frage auf, ob nicht das lange Zett hindurch immer intensiver durch- | geführte Sparsystem für die Sicherheit des Transports Gefahren herbetgeführt ! hat, die eine energische Abwehr erfordern. Daß einzelne Prtvatbahnen, na­mentlich auch solche, die auf der Liste der vom Staat zu erwerbenden stehen, sich seit lange auf das Notdürftigste behelfen, insbesondere die Erneuerung rusgefahrener Schienen auf's Aeußerste eingeschränkt haben, ist vielfach ohne ' Widerspruch zu finden, behauptet worden. Der schwere Unglücksfall, der neu- i sich gemeldet wurde, ist auf einer Staatsbahn vorgefallen. Wie weit überall in Bezug auf Zahl und Qualität des Betrtebspersonals eine Verschlechterung i eingetreten ist, vermögen wir nicht zu übersehen. Die zunehmende Häufigkeit | der Unfälle weift indeß darauf hin, daß an irgend einer Stelle oder an meh­reren zugleich Mängel bestehen, deren Behebung dringend noth thut. Unter solchen Umständen ist die Erwartung wohl berechtigt, daß das Retchseisenbahn- Amt als Aufsichts-Instanz nicht blos dasjenige vorkehren wird, was seines Amtes ist, sondern daß es auch Anlaß nehmen dürfte, zuverlässige Mttthetlun- gen über die Sachlage zu geben, übertriebene Befürchtungen zurückzuwetsen, aber sich und das Publikum darüber zu vergewissern, ob nicht etwa eine gemein­same Ursache für diese traurigen Vorkommnisse nachzuwetsen ist.

DieGermania" schließt einen Leitartikel über die Schulpolitik des Herrn v. Puttkamer mit folgenden Sätzen:

Wir sprechen dem Hrn. Minister für sein Vorgehen in der Simultan­schulfrage unsere vollste Anerkennung und unfern wärmsten Dank aus; aber noch bleibt ihm viel zu thun übrig, um die schweren Fehler der Falk'schen Schulverwaltung gut zu machen und die Schäden zu repartren, welche dem preußischen Schulwesen seit 7 Jahren zugefügt worden sind. In erster Linie hoben wir die Religionsunterrichtsfrage im Auge, deren Studium wir Herrn v. Puttkamer dringend empfehlen. Wir hoffen, daß er hierin eine andere An­sicht gewinnt und den Beschwerden, welche bald wieder an ihn gelangen wer-

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den, Gerechtigkeit widerfahren läßt. Was wir darin verlangen, ist das Recht der Katholiken und eine unbestreitbar? Forderung der katholischen Kirche."

Berlin, 19 Octbr. Die Mtttheilung, daß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn ein förmliches Schutzbündniß abgeschlossen worden sei, wird vom conservattvenStandard" zum Gegenstände eines Leitartikels gemacht, der denselben Geist wiedersptegelt, in welchem die gelegentlich des Wiener Be­suches des deutschen Reichskanzlers von dem genannten Blatte angestellten Betrachtungen gehalten waren. Zunächst wird der Klarheit und Entschlossen­heit, mit der Fürst Bismarck die Anschuldigungen Rußlands als einen will­kommenen Anlaß benutzte, um die Bande der Freundschaft zwischen Oesterreich und Deutschland fester zu knüpfen, gebührende Anerkennung gezollt. Ueber den geschlossenen Vertrag selber äußert sich derStandard" in folgender Weise: Das Schutzbündniß zwischen Deutschland und Oesterreich ist eine ruhige, aber wirksame Kundgebung gegenüber denjenigen, welche darauf gerechnet haben, sich der Reihe nach mit jedem derselben zu beschäftigen behufs des schließlichen Ruins/ beider. In England wird es mit hoher Befriedigung begrüßt werden, und obwohl es für dieses vielleicht fernerhin unmöglich ist, sich auf förmliche Bündnisse, selbst defensiver Art, einzulassen, es sei denn am Vorabende eines drohenden Zusammenstoßes, so bedarf es doch keines besonderen politischen Scharfsinnes, um zu erkennen, daß die von einer Defenstv-Ucbereinkunft zwi­schen Oesterreich und Deutschland umfaßten Ziele auch für Großbritannien werthvoll und wichtig sein müssen. Als der erwartete Zweikampf um den militärischen Vorrang zwischen Frankreich und Deutschland ausgefochten wurde, war England bestrebt, eine strenge und gleichmäßige Neutralität zu bewahren. Würde der Kampf in dieser localisirten Weise erneuert, dan« würde unsere Haltung wahrscheinlich ebenso sein wie damals. Aber gerade so wie die Eng­länder die von dem zweiten Kaiserreiche an den König von Preußen gerichtete muthwillige Herausforderung auf's Höchste mißbilligten, so würden sie auf irgend eine willkürliche Erneuerung des Kampfes mit dem tiefsten Schmerze und Unwillen Hinblicken. Sie bedauerten, daß cs von den erfahrenen und leidenschaftslosen deutschen Strategen für gebieterisch nothwendtg erachtet wurde, die Grenze des Vaterlandes durch eine ansehnliche Einverleibung von früher in französischem Besitz befindlichem Gebiete zu verstärken. Aber der Frankfur­ter Vertrag bildet nunmehr einen Theil des öffentlichen Rechtes von Europa, und irgend ein allein zu dessen Umsturz unternommener Krieg würde als gänz­lich ungerechtfertigt betrachtet werden. Indeß ist es wenig wahrscheinlich, daß die Franzosen jemals die Verwegenheit haben werden, sich in einen neuen un- nöthtgen Kampf gegen Deutschland einzulassen, falls sie nicht einen mächtigen Bundesgenossen finden können. Es gibt nur einen Bundesgenossen für sie, und das ist Rußland. Aber unsere Nachbarn wissen sehr wohl, daß, falls sie ein wirksames Bündntß mit Rußland abschlössen, sie mehr als blos das Wohl­wollen Englands verlieren würden. Eine Erwägung dieser Thatsachen führt zu dem unverkennbaren Schluffe, daß das Schutzbündniß zwischen Deutschland und Oesterreich gegen Rußland gerichtet ist, und zwar gegen Rußland allein. Dieses ist lange etngestandener- und wegen seines besonderen Ehrgeizes auch nothwendigermaßen der Feind Oesterreichs gewesen; andererseits haben es die Fehlgriffe seiner Staatsmänner zum möglichen Feinde Deutschlands gemacht. Nunmehr befindet es sich einer undurchdringlichen Schutzwehr gegenüber. Ohne Uebertreibung kann gesagt werden, daß das Bestehen dieses Bündnisses die russische Negierung zwingen wird, ihren Ltebltngsplan der Gebtetsvergrößerung auf Kosten der Türkei daranzugeben. Indeß würde es ein sehr übereilter Schluß sein, wollte man annehmen, daß eine für England so willkommene und für den europäischen Frieden so verheißungsvolle Lage nothwendigerweise die Er­haltung des osmanischen Reiches bedeute. Es ist sicher der Wunsch des öster­reichischen und des deutschen Hofes, den gegenwärtig auf der Balkan-Halbinsel hergestellten Zustand der Dinge ungestört zu lassen. Nur die Verblendung der Hohen Pforte wird diese Regierungen dazu drängen, eine Wiedereröffnung der orientalischen Frage herbetzuführen. Es läßt sich nicht Vorhersagen, womit türkische Trägheit und russische Ränke uns noch bescheren werden; aber ein Schutzbündniß gleich dem in Rede stehenden wirkt als eine Bürgschaft, daß, was immer auch im Südosten Europas sich ereignen möge, keine neuen den Plänen Rußlands günstigen Anordnungen werden geduldet werden. Hierin liegt die wahre Bedeutung der deutsch-österreichischen Verständigung, und dieser Schluß ist all' denjenigen englischen Politikern hochwillkommen, welche unsere Interessen in jener Weltgegend verstehen und zu würdigen wissen." Das coiv> servative Blatt schließt seinen Artikel mit der Ausführung, das deutsch-öfter-