Einzelbild herunterladen

England.

London, 19. Juli. Die internationale Telegraphen - Conserenz faßte in der Frage der Worttaxe heute noch keinen definitiven Beschluß; derselbe erfolgt erst in einer Sitzung der nächsten Woche; die Annahme des Worttariss gilt für gesichert.

ZLelgieu.

Brüssel, 18. Juli, Abends. Dem JournalEtoile Belge" zufolge ist heute ein gewisier van Hamme, welcher früher der klerikalen Partei als Wahlagent gedient hat, unter der Beschuldigung verhaftet, von der Polizei saistrte Plakate mit Drohungen gegen das Leben des Königs angeschlagen oder anzuschlagen versucht zu haben. Van Hamme sei der Anschuldigung geständig. In Folge dessen fand im Jesuiten-Collegium in der Ursultnerinnen-Straße gerichtliche Haussuchung statt.

Brüssel, 19. Juli. Es bestätigt sich, daß van Hamme etngestanden hat, Plakate mit Drohungen gegen das Leben des Königs angeschlagen zu haben. Zugleich beschuldigte er Personen auö dem Jesuiten-Collegium in der Ursulinerinnen-Straße, ihm Plakate und Geld zugestellt zu haben. In Folge desien fand eine zweite gerichtliche Haussuchung im Jesuiten-Collegium statt, wobei ein jesuitischer Bibliothekar verhaftet wurde.

ZtaNeu.

Rom, 18. Juli. Die Kammer genehmigte in fortgesetzter Berathung den Gesetzentwurf, betr. die Abschaffung der Steuer auf die niederen Getreide­sorten vom 1. August 1879 ab. Ferner wurden zwei Artikel des ministeriellen Zusatz-Entwurfs genehmigt, wonach die Mahlsteuer vom l.Juli 1880 ab um V4 herabgesetzt und mit dem 1. Januar 1884 gänzlich abgeschafft wird. Letz­terer Artikel wurde mit 168 gegen 58 Stimmen angenommen. Vier Deputirte enthielten sich der Abstimmung. Auf Wunsch des Ministerpräsidenten wurde die geheime Abstimmung über den Gesammtentwurf vertagt, bis die Kammer zur definitiven Abstimmung über die Gesetze, betr. die Etnregistrirungs-Gebüh- ren, die Stempel- und die Alkohol-Steuern, sowie in Betreff der Münz- Convention, schreiten kann.

Rom, 19. Juli. In der Deputirtenkammer dankte der Präsident Farini für die Wiederwahl. Der Entwurf über die Alkoholsteuer wurde mit dem Zusatz angenommen, daß das Gesetz erst dann in Kraft trete, wenn die Entwürfe, betr. die Abschaffung der Mahlsteuer für die geringeren Getreide­sorten und die allmälige Reduction der Steuer für die befferen Korngattungen, Gesetzeskraft erlangt haben. Der Pasius in Betreff der geringeren Getreide­arten wurde einstimmig, jener Betreff der Steuerreduction der befferen Körner in namentlicher Abstimmung mit 138 gegen 67 Stimmen angenommen.

Rußland.

Petersburg, 19. Juli. Durch kaiserl. Ukas vom 14. Juli wird Generaladjutant Jgnatieff zum zeitweiligen General-Gouverneur der Stadt Nischni-Nowgorod und des gleichnamigen Gouvernements für die Dauer des Jahrmarktes ernannt, wobei Jgnatieff dieselben Rechte erhält, welche durch Ukas vom 17. April den anderen zeitweiligen General-Gouverneuren ver­liehen wurden.

Petersburg, 19. Juli. DieAgence rusie" sagt, wcnn die auswär­tigen Journale von einer neuerdings niedergesetzten Commission für politische Reformen sprächen, so sei dies wohl eine Verwechselung mit dem Mintster- Comtts, welches sich mit den durch die letzten Attentate nothwendig gewordenen Maßregeln zu beschäftigen gehabt habe. Bevor an neue politische Reformen zu denken sei, muffe erst das Terrain gereinigt sein, auf welchem dieselben ent­stehen sollten. Auch die durch verbrecherische Verbindungen geschaffenen Hin­dernisse würden nicht von den Zielen heilsamer Reformen ablenken, wie schon die vorgenommene Ersetzung der Kopfsteuer durch andere Steuern zeige. Weder Voreingenommenheit noch überlegungslose Ungeduld könnten dabei be­stimmend sein.

Rumänien.

Bukarest, 19. Juli. Die Unterhandlungen Bratiano's zur Bildung eines Fufions-Mtntstertums scheinen einen günstigen Verlauf zu nehmen; jedoch ist das Cabinet noch nicht perfekt.

Griechenland.

Athen, 18. Juli. Die Kammer wählte den Regierungs-Candidaten Papamichalopulos mit 71 gegen 68 Stimmen zum Präsidenten.

Amerika.

New-Aork, 19. Juli. In Memphis ist abermals ein Todesfall am gelben Fieber vorgekommen und hat die Zahl der Erkrankten zugenommen. Handel und Verkehr haben fast aufgebört; die Bankgeschäfte sind geschloffen. Die Einwohner verlassen massenhaft die Stadt. In mehreren Städten des Südens ist die Quarantäne wieder ein^eführt.

Allgemeine

Avis.

4874) Meine sämmtlichen Artikel verkaufe noch bis 31. dieses Monats zu bedeutend herabgesetzten Preisen.

A. jFattgm amt.

Frankfurter Zeitung. ,

Abonnement für die Monate August und September werden bei der unterzeichneten Stelle angenommen und erhalten neu hinzutretende Abonnenten die Zeitung bis zum 1. August gratis.

Die Agentur der Frankfurter Zeitung.

"fr 4862) Julius Wallach.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. U-rrespoudeuj-Bureckrt.

Petersburg, 20. Juli. Der hiesige zeitweilige General-Gouverneur General Gurko erließ eine vom 17. d. datirte Verfügung, wonach im Falle der Entdeckung geheimen Druckens oder Lithographirens regterungöfeindllcher oder revolutionärer Schriften, sowie geheimen Verkaufs oder sonstiger lieber» gäbe von Drucklettern nicht nur unmittelbar Schuldige, sondern auch Etgen- thümer und Pächter der betr. Druckereien der strafrechtlichen Verantwortung mit vorläufiger Verhaftung unterliegen sollen wobei die Druckereien und Litho­graphien geschloffen werden.

Konstantinopel, 20. Juli. Einer amtlichen Meldung zufolge ist Djeodet Pascha bis zur Wiedergenesung des erkrankten Khereddin Pascha zum Präsidenten des Ministerraths ernannt worden.

Memphis, 19^Jult. Heute sind Hierselbst zwei Personen am gelben Fieber gestorben. Die Stadt ist jetzt durch Quarantäne von der Nachbarschaft fast ganz ab^esperrt.

Wien, 20. Juli. DieWiener Montags-Revue" sagt: Jnsolange nicht sestgestellt ist, daß die czrchischen Abgeordneten im Reichsrathe erschienen und dort ihre Anliegen geltend machen wollen, insolange ist eine Veränderung im Ministerium nicht zu gewärtigen. Der Reichsrath soll Mitte September zusammentreten. Bis dahin werden die aus der Situation sich ergebenden Modificationen des Cabinets auch vollzogen sein.

Paris, 20. Juli. Die parlamentarische Gruppe desAppell au peuple beschloß gestern, daß Prinz Jerome das Haupt der Familie Napoleon gewor- den und daß das Princip desAppell au peuple aufrechtzuerbalten sei.

Lokales.

Gießen, 21. Juli. In Der Nacht von Samstag auf Sonntag entstand in einer Restauration in der Brandgasse zwischen Bäckergesellen Streit. Einem der Streitsüchtigen wurde vom Wirthe das Local verboten, welches er auch verließ, um vor der Thüre seinem Gegner aufzulauern. Dieser erhielt sofort beim Austritt zwei Stiche in den Kopf, beim zweiten sprang die Klinge entzwei und blieb die Spitze derselben im Kopfe stecken. Constatirt wurde noch, daß der Attentäter mit dem abgebrochenen Messer nochmals nach seinem Opfer stach. Der schwer Verwundete mußte ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen, während der Messerheld verhaftet wurde.

Samstag Nacht wurde wieder einmal ein Hexensabbath in verschiedenen Straßen der Stadt aufgeführt, welcher aller Beschreibung spottet. Glücklicherweise gelang es diesmal, sechs der Burschen abzufassen, welche kein Mitgefühl für arme Kranke zu kennen scheinen. Hoffent­lich wird diesmal das Facit etwas derb ausfallen, zumal verschiedene der Herren noch mehr auf dem Kerbholz haben. Auf dem Reichensand wurde bei dieser Gelegenheit einem Vieh­händler, welcher nach dem Bahnhofe ging, von einem der Excebentcn dermaßen in's Gesicht geschlagen, daß Mund und Nase blutete.

Vermischtes.

lieber eine Wahlscene in Galizien schreibt man derN. Fr. Pr." aus Brzezan: Am Vorabend der Wahlen aus den Landgemeinden zeigte unsere sonst ruhige Bezirksstadt ein gar bewegtes Leben. Polen und Ruthenen rüsteten sich hier gewaltig zur bevorstehenden Ent­scheidungsschlacht an der Wahlurne. Die Polen schlugen in dem fashionablenHotel Mörl", die Ruthenen in dem auf das erstere bescheiden hinüberblickenden EinkehrhauseSchmul Lieber" ihr Hauptquartier auf. Die Nacht verbrachten sowohl die Schlachzizen vomHotel Mörl" als auch die ruthenischen Hochwürdigen beiSchmul Lieber" mit Brüten von Kriegsplänen. Der letzteren Kriegstaktik bestand darin, schon mit Sonnenaufgang vor dem Wahllocale Posto zu nehmen, um Stimmen für ihren Candidaten zu gewinnen und jeden nationalen Verrath zu Hintertreiben. Es kam der Wahltag heran. Um 5 Uhr früh riefen die Patres den Kellner, um sich mit möglichster Eile Kleider und Stiefel reinigen zu lasten. Der Kellner erschien schmunzelnd und trug die Kleider weg. Es wurde 6 Uhr Morgens. Durch die Fenster sahen die Patres den Ringplatz sich beleben. Sie verlangten ihre Kleider, welche vom Kellner noch nicht zurückgebracht worden waren. Allein sie riefen vergebens, denn trotz Läutens und Rufens wurde ihnen keine Antwort zu Theil. ES war, als ob das ganze Gasthaus ausgestorben wäre. Die peinliche Ungeduld der Patres hatte ihren Höhepunkt erreicht als die Uhr bereits halb 9 zeigte und in einer halben Stunde die Wahlschlacht ihren Beginn nehmen sollte. Der Kellner erschien noch immer nicht. Erst jetzt leuchtete es den Hochwürdigen ein, daß sie ein Opfer der Kriegslist ihrer Gegner geworden waren. Man mußte rasch handeln. Es blieb das Dilemma entweder im Zimmer des Einkehrbauses sitzend sich an der Wahlschlacht gar nicht zu betheiligen oder ohne Toilette, d. h. barfuß, in Hemd und Unterhosen, die patriotische Pflicht zu erfüllen. Das Letztere wurde gewählt. Doch kaum hatten sich die Herren auf dem Ringplatz gezeigt, als ein polnischer Polizist erschien und dieselben wegen Anftandsverletzung, falls sie nicht in ihr Zimmer zurückkehrten, zu verhaften drohte. Die Patres mußten den Rückzug antreten. Sie sollen sich vorgenommcn haben, ein andermal mit ungewichsten Stiefeln auf dem Wahlplatze zu erscheinen.______________________________________________________________________________________

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 19. Juli, lMarktbericht., Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Gentner A 2 3.50, Stroh A 22.60. Butter im Großen, d. h. tm Gentner. 9l» H, 2. Qual 7580 im Detail 1. Qual. A 1.10, 2. Qual. A 1 das Pfund., Handkäse das Pfund Eier das Hundert deutsche A 4., italienische A 5 50. Gemüse. Weißkraut das Stück 1520 Rothkraut 30^, Ärtijchoken 75 H, Blumenkohl 5<>6u Gelb-Rüben das Bündel 68 Kohlrabi das Stück 6

Zwiebel Vas Bündel 5^, Erdbeeren das Liter 30 H, Kirschen das Dfund 1220 Bohnen das Pfund 3050 H, Einmachgurken sind noch keine aus dem Markt. Kartoffeln das Pfund 510 Ananas Va Kilo 60jH, Stachelbeeren V? Kilo 20 H, Heidelbeeren das Liter 12^, Johannisbeeren/2 Kt'.o 25 Einmachnüste 10 Stück 50 Ochsensteucy per Pfund

6570 H, Kuhfleisch 5860 Rindfleisch 5055 H, Kalbfleisch 4855 H, Hammelfleisch 4865 H, Schweinefleisch 65 70 Roggenbrod 2 Kilo 42 Roggenbrod gemischt 3 Kilo 80 Schwarzbrod 1 Kilo 20 H. Krebse 25 Stück 1.702 A, Honig das Pfund 80 Hahnen das Stück A 1.702, Tauben 4850 Poularden A, Hühner A Enten A 3-4, Gänse JL 35. Ganze Erbsen per 100 Kilo JL 18 23, geschälte Erbsen A 2329, Bohnen A 2024, Linsen A. 2326, neue Kartoffeln A 10. Holz, je nach, dem geschnitten A 1.40 60 der Centner. Steinkohlen der Gentner 85 H, Tannäpfel der Hectoliter 80 85 Lohkuchen das Tausend 10 A

T Anzeige^

Gewerbeverein.

Generalversammlung: Mittwoch den 23. Juli, 8 Uhr Abends, tm Schloß.

Mittheilungen des Vorstandes über die Gewerbe - Ausstellung in Offenbach. Hierzu find sämmtliche Aussteller Gießens freundlichst etngeladen.

Der Vorstand.

________________________________________Dr. H. v. Ritgen.

Stets frisch gebrannten Kaffee,

4745) per Pfd. Mk. 1,60, Mk. 1,80 und Mk. 2,-,

Reingejchmack garantirt",

empfiehlt Robert Stuhl, Marktstraße 23.