Ausgabe 
22.6.1879 Zweites Blatt
 
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Reservatrechtes bei der vorliegenden Frage nicht betheiligt sich diesem ab­lehnenden Votum anschließen werden."

DerBerliner Actionär", ein Blatt, welches in dem Rufe steht, häufig Anschauungen zu vertreten, welche sich mit denjenigen des preußischen Handels­ministeriums decken, spricht sich indesien darüber in folgender Weise aus:

Es wird dabei der Titel II der Reichsversassung übersehen, der über- Haupt die Grundsätze für dieReichsgesetzgcbung" regelt. Nach Art. 4 Nr. 8 unterliegt der Beaufsichtigung und der Gesetzgebung des Reichs das gejammte Eisenbahnwesen; nur zu Gunsten Bayerns ,st hierbei der Vorbehalt gemacht, daß ein Theil der im Titel VII über das Eisenbahnwesen gegebenen Special- bestimmungen dort nicht zur Anwendung gelangen soll. Die Reichsverfasiung beschränkt daher materiell die Reichsgesetzgebung über das Eisenbahnwesen nicht nur nicht, sondern sie gewährt derselben geradezu den weitesten Raum. Die Specialbestimmungen des Titel VII können nicht als solche Einschränkungen geltend gemacht werden; sie regeln nur einzelne Fragen des Eisenbahnwesens von vorn­herein. ohne die Regelung weiterer Fragen auszuschlteßen. Was insbesondere den Art. 45 anbelangt, auf welchen die Gegner sich vornehmlich berufen, so ent­spricht es weiter nicht der thatsächlichen Lage, wenn behauptet wird, dem Reiche stehe danach nur die Controle über das Tarifwesen zu. Der Artikel verpflichtet vielmehr ferner ganz ausdrücklich das Reich,dahin zu wirken, daß die möglichste Gleichmäßigkeit und Herabsetzung der Tarife erzielt werde/' Die Wege zur Erreichung dieses Zieles sind nicht vorgeschrteben und selbst­redend muß es der Entscheidung des Reiches selbst überlasten werden, welche Wege dastelbe wählen will. Finden die Factoren der Retchsgesetzgebung gegen- wärtig nach mancherlei anderen mehr oder minder fruchtlosen Bemühungen, daß die öffentlichen Interessen die Beschreitung des Weges der Gesetzgebung erheischen, so hat es dabet lediglich sein Bewenden. Irren wir nicht, so ist übrigens die Competenzfrage bereits bet der Tartfreform angeregt. Bekannt­lich hat sich der Bundesrath dadurch nicht abhalten lassen, über das Tartf- system Vorschriften zu erlassen."

Vermischtes.

Marburg, 20. Juni. Nach dem Studeuteuoerzcichnisse für das diesjährige Sommersemester nehmen an den Vorlesungen unserer Hochschule Theil überhaupt: 544 Studirende, davon studiren 63 Theologie, 98 Jurisprudenz, 126 Medicin, 122 Philo­sophie, Philologie und Geschichte, 81 Mathematik und Naturwissenschaften und 47 Phar- macie und Zahnheilkunde, außerdem besuchen noch 7 Hörer mit Genehmigung des Rectors die Vorlesungen. Im laufenden Sommersemester wurden neu immatriculirt 190. Von den 537 Studirenden gehören an: 460 dem Königreich Preußen, 62 den übrigen Reichsländern, 11 den übrigen europäischen Staaten und 4 außereuropäischen Ländern.

Mainz, 18. Juni. Heute Nacht brannte es in der Neuthor-Caserne; das Feuer zerstörte den Dachstuhl und damit zugleich einen bedeutenden Theil der Bestände des 118. Infanterie-Regiments.

Uebertrumpft. In den Laden eines ehrbaren Berlin» Schlächtermeisters tritt dieser Tage ein vielgereister Freund.In Cincinnati", erzählt Letzterer,haben sie's mit dem Schlachten doch weit gebracht. Eine große, sehr complicirte Maschine ist da ausgestellt, die durch Dampf getrieben wird, da hinein wird durch eine große Klappe das Schwein gejagt, »te Maschine tobtet dasselbe, reinigt es, wirfr an einer Seitenstelle dte Borsten hinaus, laßt an einer anderen das Blut ab, zerhackt und sortirt Fleisch und Speck, läßt heiße Dämpfe darüber, kurz: auf der Endseite der Maschine kommt die fertig gestopfte Wurst heraus, um dann von einer zweiten Maschine geräuchert zu werden." Der Meister hatte durchaus ernsthaft dm mteresianten Bericht angehört. Ohne eine Miene zu verziehen erwiderte er nun:Det is noch jarnischt! Son5ie Maschine haben wir hier schon lange, aber mit eene neie Verbesserung. Nämlich wenn die Wurscht rauskommt, wird se jekostet. Un schmeckt se nid) jleich ganz scheen bums! fliegt se wieder 'rin in den Kasten, und des Schwein kommt natürlich auf die Vorder­seite lebendig un verjnügt wieder 'raus!"

Eine Pulververschwörung in der Kirche. Der Pfarrer des unweit von Ravenna gelegenen Städchens Fontana Elice ist am Sonntag v. W. mit knapper Noth der Gefahr ent­gangen, während des Gottesdienstes in die Luft gesprengt zu werden. Als nämlich der Meßner Sonntag Morgens die Kirche betrat, verspürte er einen brandigen Geruch in derselben, was ihn veranlaßte, das Gotteshaus sogleich zu durchsuchen. Er fand nun unter dem Altäre ein Säckchen Pulver liegen, an dem ein brennender Aachsstock befestigt war, der aber noch für eine kurze Zeit ausreichte. Also gerade während des Gottesdienstes hätte eine Explosion erfolgen müssen. Da die Bewohner des Städchens stets in Zwietracht mit ihrem Seelsorger lebten, so vermuthet man, daß einige derselben das Complot angestiftet haben.

In Neapel stürzte während der Frohnleichnamsproccsfion ein Balkon, auf welchem sich die Herzogin von Sangra befand, auf die Straße. Die Herzogin brach das Rückgrat und starb nach wenigen Stunden. Die anderen kamen mit leichten Verletzungen davon.

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4030) Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung der Expedition derFrankfurter Zeitung" mache ich hiermit bekannt, daß ich die ständige Vertretung derFrank­furter Zeitung" auf hiesigem Platze übernommen habe.

Abonnements auf dieFrankfurter Zeitung" für das mit dem 1. Juli c. beginnende III. Quartal werden ä Mk 8.23, für zwei Monate ä Mk. 5 30 und für einen Monat ä Mk. 2.75 von dem Unterzeichneten entgegen­genommen. Der Abonnementspreis desWochenblattes der Frankfurter Zeitung" betragt Mk. 1.25 pro Quartal.

Diejenigen, welche bei mir abonniren, haben den Vortheil, daß sie das Abendblatt, welches die Post erst des anderen Morgens ausgiebt schon 7V2 Uhr Abends erhalten, die Beilage mit dem Morgenblatt um 8 Uhr früh, also eben­falls 3 Stunden früher als durch die Post. Dasselbe enthält u. A. den vollständigen Reichstagsbericht des vorigen Tages, welcher auf dem für dieFrankfurter Zeitung" refervirten Specialdraht übermittelt wird, sowie den ebenfalls telegraphirten Berliner Eourszettel, zahlreiche politische und commercielle Special­telegramme. Bei wichtigen Ereignissen erscheinen Extra- Telegramme, die den betreffenden Abonnenten sofort bei Ankunft übermittelt werden. Der Stadt - Anzeiger (Beilage zur Frankfurter Zeitung) wird den bei der Agentur ! abonnirten Lesern gratis beigegeben.

Die Zeitung kann entweder bei der Agentur abgeholt, | oder durch Trager überbracht werden (Letzteres gegen 50 ! Bestellgeld pro Quartal.)

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Einem geehrten Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich meine photographische Anstalt in das von mir erkaufte Haus,

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verlegt habe und bitte ich, das seit dem zehnjährigen Bestehen meines Geschäfts so reicklich geschenkte Vertrauen mir auch in meinem neuen Locale zu bewahren. Durch den Bau eines der Neuzeit ectsprechenden Ateliers und aus- gestattet mit den besten Apparaten, bin icd in den Stand gesetzt, allen An­sprüchen auf diesem Gebiete Genüge zu leisten.

Achtungsvoll,

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Plauüio s ii. (laviere Piavo^-Geschäft

sg») von Gg. D. Gebauer jun. i« Alsfeld.